Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Weltzahnärzteverbandes (FDI) zum Füllungswerkstoff Amalgam
(siehe auch im Lexikon unter "Amalgam" und den weiterführenden Links)

siehe auch:
EU-Quecksilber-Verordnung - Die neuen Regelungen zu Amalgam (zm, 2018)
Use and Future Use of Materials for Dental Restoration 2012 (FDI - Zahnärztliche Weltorganisation) ©: FDI
Stellungnahme der Dachorganisation der australischen Zahnärzte, 2011
Stellungnahme des Weltzahnärzeverbandes zur Sicherheit von Dentalamalgam, 2010
  FDI-STELLUNGNAHME, Sicherheit von Dentalamalgam, 2007

Präambel
Zahnkaries (Zahnverfall) ist eine weit verbreitete Mundkrankheiten, deren Prävention zu den Hauptanliegen der Weltgesundheitsorganisation zählt. Trotz des erheblichen bisherigen Präventionserfolgs ist die Restauration kariöser Zähne nach wie vor eine Notwendigkeit. Bei der Behandlung von Karies sollte krankes Gewebe entfernt und das für die Zahnrestauration jeweils optimale Füllungsmaterial verwendet werden. Dentalamalgam, eine Kombination aus Quecksilber und Silberlegierungen, ist das in diesem Zusammenhang am häufigsten verwendete Material. Obwohl gemäß aktuell vorliegender Erkenntnisse zahnärztliche Restaurationsmaterialien - einschließlich Dentalamalgam - als sicher und effektiv zu betrachten sind, wurden Bedenken bezüglich der gesundheitsbeeinträchtigenden Wirkungen des in Amalgam enthaltenen Quecksilbers laut. Basierend auf einer Auswertung zahlreicher, zum Teil widersprüchlicher und aus unterschiedlichen Quellen stammender Aussagen, hat die WHO die folgende Konsenserklärung zum Thema Dentalamalgam verfasst:

Dentalamalgam ist ein für die Wiederherstellung von Karies befallener Zähne häufig verwendetes Restaurationsmaterial. Es ist seit über einhundert Jahren erfolgreich im Einsatz, wobei seine Qualität im Laufe der Zeit verbessert wurde. Amalgamrestaurationen sind dauerhaft und kostengünstig, wenngleich nicht zahnfarben. Obwohl in die Entwicklung dentaler Restaurationsmaterialien viel Forschungsarbeit geflossen ist, existiert derzeit kein Füllungsmaterial, das ein ähnlich breites Anwendungsspektrum bei dergleichen leichten Verarbeitbarkeit und den gleichen physikalischen Eigenschaften aufweist wie Dentalamalgam. Im übrigen geht mit der Verwendung der derzeit erhältlichen Restaurationsmaterialien als Amalgam-Alternativen eine erhebliche Verteuerung der zahnärztlichen Versorgung einher.
Aus Dentalamalgam gefertigte Restaurationen gelten im allgemeinen als unbedenklich. Allerdings besteht in einigen seltenen Fällen die Möglichkeit, dass Bestandteile von Amalgam oder sonstigen Materialien lokale Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Zwar werden insbesondere während des Legens und Entfernens von Amalgamrestaurationen in geringe Mengen Quecksilbers freigesetzt. Allerdings ist bislang kein endgültiger Beweis dafür erbracht worden, dass dies zu gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen führt.
Besorgnis um die schädigende Wirkung von Quecksilber veranlasst manche Patienten dazu, Amalgamrestaurationen entfernen zu lassen, ganz gleich, ob bei ihnen die entsprechenden Symptome vorliegen oder nicht. Trotz der großen Zahl von Fallstudien und informellen Berichten liegen bislang keine kontrollierten Studien vor, die auf die Entstehung systemischer Nebenwirkungen durch Amalgam hinweisen. Umgekehrt ist bislang kein wissenschaftlicher Beweis darüber erbracht worden, dass das Entfernen von Amalgamrestaurationen zur Beseitigung von allgemeinen Symptomen führt. Daher sollte erwägt werden, Patienten, bei denen die Symptome trotz eingehender und sorgfältiger Untersuchung sowie Durchführung einer angemessener Behandlung des Zahnarztes auftreten, zur Diagnose und Behandlung an Kollegen in anderen medizinischen Disziplinen zu überweisen.

Berufsbedingtes Risiko für das zahnärztliche Team 
Für das Praxispersonal, das mit Quecksilber in Berührung kommt, besteht dann ein Gesundheitsrisiko, wenn unzulängliche Arbeitsbedingungen herrschen. Die strikte Beachtung wichtiger Vorgaben zum Umgang mit Quecksilber und die strenge Überwachung von Quecksilberdämpfen in den Praxisräumen tragen erheblich zur Eindämmung der Quecksilbergefahr bei.

Umweltprobleme
Das Quecksilber kann zusammen mit dem übrigen Praxisabfall in die Umwelt gelangen und so erhebliche Belastungen verursachen. Spezialausrüstungen ermöglichen das getrennte Sammeln der beim Legen und Entfernen von Amalgamfüllungen entstehenden metallischen Abfälle. Für das sachgerechte Entsorgen und Wiederaufbereiten dieser Abfallstoffe stehen moderne Technologien zur Verfügung. All dies trägt zur Reduzierung der Umweltbelastung bei. Ein weiteres Umweltproblem verursacht Quecksilber aus Krematorien.

 Öffentliche Meinung und Massenmedien 
In der heutigen Zeit findet ein reger weltweiter Informationsaustausch zum Thema Dentalamalgam statt. Aus umweltpolitischen Gründen sind manche Länder dazu übergegangen, den generellen Einsatz von Quecksilber - u.a. in Dentalamalgam - einzuschränken. In den Ländern, die restriktive Maßnahmen eingeführt haben, hat die Darstellung der Situation in den Massenmedien für eine vielfach verzerrte öffentliche Auffassung gesorgt. Dies führte zu zahlreichen Anfragen bezüglich der Sicherheit und Unbedenklichkeit von Dentalamalgam sowie zu einer gesteigerten Nachfrage hinsichtlich des Entfernens von Amalgamfüllungen. Laut aktuellem Kenntnisstand sind die derzeit vorhandenen Restaurationsmaterialien, einschließlich Dentalamalgam, als sicher und zuverlässig zu betrachten. Allerdings kommt es gelegentlich zu biologischen Gegenanzeigen. Diese sind jedoch individuell bedingt und demgemäss individuell zu behandeln. Die WHO erkennt die Bedeutung einer fortgesetzten Sicherheits- und Wirksamkeitsüberwachung aller dentalen Restaurationsmaterialien an.


Zur Sicherheit von Dentalamalgam verfasste der Weltzahnärzteverband 2010 in Salvador da Bahia folgendes Statement:
"Beschluss der Generalversammlung der FDI zum Quecksilberabkommen des United Nations Environmental Program (UNEP):

Der Weltverband der Zahnärzte als die weltweite, maßgebliche und unabhängige Stimme der Zahnärzteschaft fordert die Regierungen auf, eine effektive Kariesprävention und die damit verbundenen Programme zur Gesundheitsförderung zu unterstützen und zu intensivieren. Dies sollte in Verbindung mit einer präventiven Gesundheitsvorsorge geschehen, die den schrittweisen Verzicht auf die derzeit gängigen Restaurationsmaterialien einschließlich Dentalamalgam beinhaltet. Mit diesen Maßnahmen wird eine optimale Mundgesundheit besonders für die am meisten benachteiligten und behandlungsbedürftigen Bevölkerungsteile erreicht.

Amalgam ist ein sicheres und hoch wirksames Restaurationsmaterial. Um die globale öffentliche Gesundheit zu erhalten und zu schützen, ist ein schrittweiser Verzicht auf Amalgam erst dann sinnvoll, wenn ein zweckmäßiges und geeignetes anderes Restaurationsmaterial als Alternative zur Verfügung steht."

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