Spectator Dentistry schreibt in der Ausgabe Nr.6 / September 2007:

 "Glaubenskrieg um einen Zahnfüllstoff
diese Übersetzung kann entstellend oder falsch sein!

(siehe auch im Lexikon unter "Amalgam" und den weiterführenden Links)


"Am Amalgam scheiden sich nicht erst seit gestern die Geister. Bereits 1833 brach in den USA der so genannte Amalgam-Krieg aus, der bis weit in die zweite Jahrhunderthälfte die amerikanische Zahnärzteschaft in zwei Lager teilte und mit einer Heftigkeit geführt wurde, die an europäische Religionskonflikte erinnert.

Die früheste Erwähnung des Amalgams findet sich in der „Materia Medica" des Su Kung von 659 nach Christus. Als „silberner Teig" kehrt Amalgam im "Ta-Kuan Pent-ts'ao" um 1107 wieder. Auch in der Ming-Periode wird die Legierung 1505 und 1596 (von Li Shihchen) erwähnt. 1505 beschreibt Liu Wen t'ai die genaue Zusammensetzung: „100 Teile Quecksilber, 45 Teile Silber und 900 Teile Zinn, die in einem eisernen Topf zu verrühren sind." Liu Wen t'ai fügt hinzu, dass sich mit der Paste die Löcher von Front- und Backenzähnen füllen lassen.
Der Ulmer Arzt Johann Stocket beschrieb 1528 in seinem Arzneibüchlein „Praxis aurea" die Herstellung von Amalgam, das in einem Zahnloch „härtet wie Stein". Das Rezept wurde 1601 nochmals von dem Lüneburger Stadtarzt Tobias Dornkreilius wiedergegeben. In „Über die Zahnschmerzen" beschrieb Stocket - 1528 posthum veröffentlicht - im europäischen Schrifttum erstmals die Kavitätenfüllung mit Amalgam. Und damit drei Jahrhunderte bevor in Frankreich und England die endgültige Einführung dieses Füllmittels ihren zaghaften Anfang nahm. Dann geriet Amalgam zunächst in Vergessenheit bis es im 19. Jahrhundert endgültig Eingang in die konservierende Zahnheilkunde gefunden hatte.
Zwischen 1826 und 1835 führte Auguste Onésime Taveau in Paris das Amalgam ein, es bestand aus pulverisiertem Silber und Quecksilber, und er nannte es „Silberpaste". Doch positiv wurde die neue Legierung nicht aufgenommen. Lefoulon lehnte sie 1841 ab wegen der Schwarzfärbung, der Schrumpfungsneigung und der Porosität. Er und Désirabode äußerten starke Bedenken wegen des enthaltenen Quecksilbers. In England dagegen stürzte sich die Londoner Zahnarztfamilie Crawcour - üble Vertreter ihres Standes - auf das Amalgam. Dem „Mineral Succedaneum" fügten sie das Beiwort „Royal" an, um ihm so ein höheres Ansehen zu verleihen. Doch ihre Behandlungsmethoden zogen auch das Material bald in Verruf. Denn sie machten sich nicht die Mühe, zuvor die Karies zu entfernen und füllten stattdessen die Zähne in zwei Minuten ohne den geringsten Schmerz oder Druck.
Nachdem sie so ganz England, aber auch Paris versorgt hatten, gingen zwei der Brüder 1833 nach New York, um dort zu praktizieren. Rasch häuften sie ein Vermögen an und legten mit ihren unlauteren Behandlungsmethoden den Grundstein für den "Amalgamkrieg".
Die prominenten Zahnärzte in den USA wie Eleazar Parmly und Isaac John Greenwood setzten sich mit Fanatismus für die Goldfüllung ein und verdammten jeden, der das unkomplizierte und billige Amalgam anwandte. Die 1840 gegründete „American Society of Dental Surgeons" verpflichtete ihre Mitglieder dazu, "niemals und unter keinen Umständen Amalgam anzuwenden". Nach 1840 wurde das Füllungsmaterial von der amerikanischen Regierung sogar verboten, nachdem sich unerklärbare, diffuse körperliche Beschwerden nach Amalgam-Behandlungen eingestellt hatten. Zeitweilig stand auf die Verwendung von Amalgam sogar die Gefängnisstrafe.

Doch da Amalgam schon damals in seiner Eigenschaft als günstiger, gut zu verarbeitender und langlebiger Füllstoff überzeugte, wurde die Legierung trotz gesundheitlicher Bedenken um 1855 wieder zugelassen. Einige Jahrzehnte später wurde Amalgam daher auch in Europa eingeführt. Die letzten Bedenken wurden beseitigt durch das 1899 erschienene, auf jahrelanger Forschungsarbeit basierende Werk Adolph Witzels „Das Füllen der Zähne mit Amalgam". Amalgam war nun seiner guten Eigenschaften wegen etabliert in der Füllungstherapie.
In den 20er Jahren warnten deutsche Toxikologen vor der Gefahr von Quecksilberplomben für Nerven und Immunsystem. Der deutsche Chemiker Prof. Alfred Stock, der die Auswirkungen von Quecksilber untersucht hatte, kam zu dem Schluss, dass die Zahnmedizin die Verwendung von Amalgam vermeiden sollte. In Wissenschaft und Öffentlichkeit entbrannte eine scharfe Debatte, die der Zweite Weltkrieg unterbrach. Während der sich über drei Jahrhunderte hinziehenden Debatte konnte eine wesentliche Gesundheitsgefährdung nicht direkt nachgewiesen werden. Und so wechseln sich Gutachten und Gegengutachten ab."

[Quellen: Walter Hoffmann-Axthelm: Die Geschichte der Zahnheilkunde;  http://www.stadtarchiv-heilbronn.de/ ]

 

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