Besondere Schutzmaßnahmen beim Entfernen alter Amalgamfüllungen?
diese Übersetzung kann entstellend oder falsch sein!

(siehe auch im Lexikon unter "Amalgam" und den weiterführenden Links)

 

Zu dieser Frage gibt es ein in Österreich gefälltes und im Oktober 2000 veröffentlichtes Gerichtsurteil, welches nachfolgend im vollen Wortlaut wiedergegeben wird:

"In einem Gerichtsverfahren beschuldigte ein Patient seine Zahnärztin eines Behandlungsfehlers, nachdem diese ihm alte Amalgamfüllungen ohne Kofferdam entfernt hatte. Der Patient legte einige ärztliche Diagnosen mit "Zustand nach Amalgamvergiftung" überwiegend von homöopathisch arbeitenden Ärzten vor. Der Patient gab Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Herzrhythmusstörungen, Nervosität und Weiteres an. Sein Vorwurf lautete, dass die Entfernung der alten Amalgamfüllungen ohne Kofferdam erfolgt sei und die alleinige Absaugung der entfernten Teile im Mund nicht ausgereicht habe, um eine "Amalgamvergiftung" zu verhindern. 

Im Rahmen des Gutachtens wurde die Frage der allergischen Reaktion oder Intoxikation einem Hochschullehrer für Pharmakologie und Toxikologie vorgelegt. Dieser stellte in seinem Gutachten grundsätzlich fest, dass bei der Entfernung von Amalgamfüllungen drei Fraktionen auftreten:

1. dampfförmiges Quecksilber,
2. wasserlösliches, ionisches Quecksilber,
3. intakte, mikroskopisch kleine Amalgampartikel

Als gesundheitsbelastend wirkt nur das in die Blutbahn aufgenommene, das resorbierte Quecksilber, das an die Organe Gehirn, Nervensystem und Niere weitergeleitet wird. In den Tagen unmittelbar nach der Entfernung von Amalgamfüllungen kommt es kurzfristig zu einem Anstieg der Hg-Werte im Blutplasma, der ohne Kofferdam geringfügig höher ausfällt als mit Kofferdam. 
Bei klinischen Untersuchungen fiel auf, dass die nach Amalgamentfernung kurzfristig auftretenden Spitzenwerte für Hg im Blutplasma mit 3,5/1.000.000 g/L allenfalls ein Zehntel der von der Weltgesundheitsorganisation WHO als duldbare Tagesmenge von 30 bis 40/1.000.000 g/L erreichte. Die gemessenen Werte im Urin erreichten nur 1/40 der kritischen Tagesdosis. Den Hauptbeitrag zur Quecksilberbelastung liefert das dampfförmige Quecksilber, da es nach dem Einatmen zu 80% in das Blut gelangt. Der Beitrag der wasserlöslichen Fraktion ist als gering einzustufen, weil sie nur zu ca. 10% resorbiert wird. Der Beitrag der partikulären Fraktion ist zu vernachlässigen, weil diese praktisch unverändert ausgeschieden wird. Darum unterschieden sich die gemessenen Quecksilberwerte im Urin nach Amalgamentfernung mit oder ohne Kofferdam nur geringfügig.
Die Erhöhung der Hg-Werte nach Amalgamentfernung ist nach spätestens einem bis drei Monaten abgeklungen, und in der Folge fallen die Werte unter den Wert, der noch bei vorhandenen Füllungen gemessen wurde ab, unabhängig von der Verwendung von Kofferdam. Nach drei Monaten unterscheidet sich die innere Hg-Belastung von den Patientengruppen, denen Füllungen mit und denen Füllungen ohne Kofferdam entfernt wurde nicht mehr voneinander. 

Der toxikologische Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass das bei der Entfernung der Füllungen verschluckte Amalgam und Quecksilber sowie die wasserlösliche Fraktion langfristig keine Rolle für die innere Hg-Belastung spielt.
Aus zahnärztlicher Sicht gilt somit: Nach neueren Untersuchungen ist eine gesundheitsgefährdende Plasma- oder Urinkonzentration nach der Entfernung von Amalgamfüllungen nicht zu erwarten. Die zeitlich begrenzte Erhöhung von Quecksilber im Blut oder Urin ist weit von klinisch relevanten, toxikologischen Werten entfernt. Die Verwendung von Kofferdam ist auf Grund der geringen Bedeutung verschluckter Amalgamteilchen für die innere Hg-Belastung nicht bedeutend. Für eine möglichst geringe Quecksilberbelastung ist eine intensive Absaugung bei der Entfernung alter Amalgamfüllungen unverzichtbar.

© 2000 http://www.medaustria.at Quelle: ZBay 9/2000 (geo)

(siehe auch im Lexikon unter "Amalgam" und den weiterführenden Links)

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