Mundhygiene
Synonym: Zahnpflege, Mundpflege, orale Pflege, Zahngesundheit · Englisch: oral hygiene
Mundhygiene bezeichnet die Mundpflege und Zahnhygiene und ist ein Oberbegriff für alle hygienischen Maßnahmen innerhalb der Mundhöhle. Dazu gehört das tägliche Reinigen und Pflegen der Zähne, der Zahnzwischenräume, des Zahnfleisches und gegebenenfalls der Zunge. Diese Tätigkeiten dienen der Vorbeugung von Erkrankungen der Mundhöhle sowie der Unterstützung des Therapieerfolges zahnärztlicher Behandlungen. Die mechanische Reinigung (“Belagskontrolle”) mit entsprechenden Hilfsmitteln ist dabei durch keine andere Maßnahme zu ersetzen. Frühmenschen nutzten vermutlich Grashalme zur Zahnpflege. Einer US-Forscherin zufolge polierten unsere Vorfahren damit ihre Zähne und säuberten vor allem die Zwischenräume von Essensresten. Der älteste aufgefundene Mundhygieneartikel – ein Zahnstocher – stammt aus der Zeit um 3.500 v. Chr. Die Mundhygiene ist damit älter als die Schrift und viel älter als die Zahnmedizin. Meist waren es Laien, die mit den eigentümlichsten Begründungen für diese Form der Reinlichkeit warben. Mohammed betrachtete einen sauberen Mund als Voraussetzung für das Gebet und soll noch in der Sterbestunde nach seinem Kauholz verlangt haben. Schiller fand, wer sich nicht die Zähne putzt, “der gleicht in der Tat einem Tiere”. Zahnreinigungen sollen nach aktuellem Wissensstand hinsichtlich ihrer Häufigkeit und der eingesetzten Hilfsmittel risikoorientiert erfolgen. Für einen großen Teil der Bevölkerung gilt eine zweimal täglich vorgenommene, effektive Reinigung (jeweils ca. 2-3 Minuten) unter Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta als ausreichend. Vergessen wird häufig, dass eine harte, nicht zuckerhaltige Kost den größten Teil der Mundhygiene übernimmt: Die mechanische Reinigung durch kräftiges Kauen reinigt die Zähne beständig während der Nahrungsaufnahme, und der Organismus selbst ist in der Lage, durch im Speichel enthaltene Mineralstoffe Schäden am Zahnschmelz zu reparieren. Auch unter Experten ist die “richtige Mundhygiene” umstritten. Derzeit herrscht folgende Auffassung vor: Man nehme eine Zahnbürste mit gerundeten, nicht zu harten Kunststoffborsten und eine Zahncreme ohne Weißmacher, aber mit Fluoridzusatz. Diese verteile man in sanften Kreisbewegungen auf den Zähnen und spucke aus, unterlasse jedoch das Spülen, damit die Fluoride nachwirken können. Ergänzend wird Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen vor dem eigentlichen Zähneputzen empfohlen, da von diesen Stellen aus viele Zahnfleischerkrankungen ihren Ursprung nehmen und dieser Bereich besonders kariesanfällig ist. Dieser Vorgang sollte zweimal am Tag für jeweils 2-3 Minuten erfolgen (je nach Technik und Effektivität). 69 Prozent der Bundesbürger putzen nach eigener Auskunft wenigstens zweimal am Tag die Zähne, weitere 25 Prozent immerhin einmal. Trotzdem leiden fast alle (~98 Prozent) an Karies. Dies erlaubt den Schluss, dass entweder die Selbsteinschätzungen nicht stimmen, eine falsche Putztechnik angewendet wird oder das Ernährungsverhalten nicht korrekt ist. 2014 betrug der Umsatz für Zahn- und Mundpflegeartikel in Deutschland 1,4 Milliarden Euro. Im selben Jahr wurden laut den zahnärztlichen Mitteilungen – jeder Deutsche verbrauchte 5,2 Tuben Zahnpasta und 2,9 Zahnbürsten. Die BZÄK empfiehlt 7,3 Tuben und 4 Zahnbürsten. Außerdem verwendete jeder Deutsche 20,1 VE Zahnseide und 1,4 Interdentalbürsten. Empfohlen werden 365 VE Zahnseide und 52 Interdentalbürsten. Ein zu häufiges, aggressives Zähneputzen kann das Auftreten von nicht-kariesbedingten Zahnschäden, z. B. Abrasionen oder Erosionen, begünstigen. Auch die American Dental Association (ADA) empfiehlt lediglich eine zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen Zahnbürste. Weiterhin wird ein zweiminütiges Bürsten mit einem Druck von 150 Gramm empfohlen, was dem Gewicht einer Orange entspricht (Anpressdruck auf einer Küchenwaage testen). Bestehender Zahnbelag wird nach mehr als zwei Minuten Putzen und/oder einem Druck von mehr als 150 Gramm nicht mehr geringer, jedoch können dabei Schäden am Zahnschmelz und an freiliegenden Zahnhälsen auftreten. Veraltete Ratschläge und Behauptungen, die in unseren Regionen noch weit verbreitet sind (z. B. “nach jedem Essen Zähneputzen nicht vergessen”), sind in diesen Empfehlungen nicht zu finden.