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Chlorhexidin: Anaphylaktische Reaktionen

Erstellt: 27.09.2013
Aktualisiert: 27.09.2013

Das vielfach angewendete Antiseptikum Chlorhexidin kann zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Vor dem Hintergrund neuer Fallberichte erinnert das BfArM an diese lebensbedrohliche Nebenwirkung.

Chlorhexidin ist ein Antiseptikum zur Anwendung im Bereich der Haut und Schleimhaut. Es ist als Wirk- oder Hilfsstoff in vielen Arzneimitteln enthalten. Dazu gehören unter anderem Mundspüllösungen und Mundgele, Haut- und Schleimhautantiseptika, Handdesinfektionsmittel, Wund- und andere Cremes, Gleitgele für medizinische Eingriffe, Spüllösungen für Blasenkatheter, Augen- und Nasentropfen und Gele zur Bindung überschüssiger Magensäure. Außer in Arzneimitteln findet sich Chlorhexidin auch in Wundpflastern und Kosmetika. Zudem wird Chlorhexidin zur Imprägnierung von zentralvenösen Kathetern angewendet, um durch Katheter verursachte Infektionen zu verhindern.

Chlorhexidin kann zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen, die von lokalen Reaktionen bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen reichen. Dem BfArM liegen 147 Berichte aus Deutschland über anaphylaktische Reaktionen im Zusammenhang mit der Anwendung von Chlorhexidin vor. Der größte Teil der Fälle ereignete sich bei der Anwendung von chlorhexidinhaltigen Mundspüllösungen.

In einigen neueren Publikationen wurde über einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von chlorhexidinhaltigen Gleitgelen bei der Blasenkatheterisierung1,2,3 oder von mit Chlorhexidin imprägnierten zentralen Venenkathetern4,5,6 und dem Auftreten von anaphylaktischen Reaktionen berichtet. Möglicherweise lag in diesen Fällen eine Sensibilisierung der Patienten durch eine frühere Anwendung anderer chlorhexidinhaltiger Produkte vor.

Im Hinblick auf die Anwendung von Chlorhexidin spricht das BfArM folgende Empfehlungen aus:

Ist bei einem Patienten eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Chlorhexidin aufgetreten, so muss der Patient über die Gefahr einer allergischen oder anaphylaktischen Reaktion bei erneuter Anwendung aufgeklärt werden. Der Patient muss auf die Notwendigkeit, alle chlorhexidinhaltigen Arzneimittel oder andere chlorhexidinhaltigen Produkte zu meiden, hingewiesen werden. Wird eine Chlorhexidinallergie vermutet, sollte im Zweifelsfall eine allergologische Diagnostik durchgeführt werden.

Medizinisches Personal muss bei Patienten mit bekannter oder vermuteter Chlorhexidinallergie darauf achten, dass keine chlorhexidinhaltigen Arzneimittel oder andere chlorhexidinhaltigen Produkte verwendet werden.

1Parkes et al. Anaphylaxis to the chlorhexidine component of Instillagel: a case series. Br J Anaesth. 2009 Jan; 102(1):65-8.
2Beatty et al. A complicated case of chlorhexidine-associated anaphylaxis. Anaesthesia. 2011 Jan; 66(1):60-1.
3Noelet al. A case report of anaphylaxis to chlorhexidine during urinary catheterisation. Ann R Coll Surg Engl. 2012 May; 94(4):e159-60.
4Faber et al. Allergy to chlorhexidine: beware of the central venous catheter. Acta Anaesthesiol Belg. 2012; 63(4):191-4.
5Guleri et al. Anaphylaxis to chlorhexidine-coated central venous catheters: a case series and review of the literature. Surg Infect (Larchmt). 2012 Jun; 13(3):171-4.
6Khoo et al. Chlorhexidine Impregnated Central Venous Catheter Inducing an Anaphylatic Shock in the Intensive Care Unit; Heart, Lung and Circulation; Volume 20, Issue 10, October 2011, Pages 669–670


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