Zahnwissen-Lexikon   Wn - Wz
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Wolframcarbid
tungsten carbide
(TC); aus den Elementen Wolfram und Kohlenstoff gebildete nichtoxidische Keramik von großer Härte (fast so hoch wie Diamant; daher leitet sich auch der Name Widia (Wie Diamant) ab). In der ZHK Einsatz als Bohrmaterial und Beschichtung von Küretten

Wolfsrachen , Rictus lupinus, engl.: palate, roger's grap; nicht mehr zeitgemäße, vulgäre Bezeichnung für eine (doppelseitige) Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (+ Abb.)

Wunddehiszenz
engl.: (surgical) wound dehiscence; Auseinanderklaffen einer primär durch Naht verschlossenen Wunde; verursacht durch übermäßige mechanische Beanspruchung (im Mund: Essen, Sprechen) oder eine Wundinfektion ; Dehiszenz

Wundhaken
engl.: retractor; hakenförmiges Instrument mit spitzen oder stumpfen Rändern zum Auseinanderhalten von Wundrändern. In der ZHK gebräuchlich sind W. nach Langenbeck und Middeldorpf. Während diese Instrumente von der Assistent gehalten werden müssen, gibt es sog. Wundsperrer oder Wundspreizer, (engl.: (wound) retractor), welche selbsthaltend (Federspannung und/oder Feststellmechanismus) das Operationsgebiet offen halten.

Wundheilung
(nach Extraktion / Osteotomie), engl.: wound healing; die normale (physiologische) W. (ohne zusätzliche zahnärztliche Maßnahmen oder einer Wundheilungsstörung) läuft i.d.R. nach folgendem Schema ab und ist erst nach etwa 3 - 6 Monaten weitgehend (mit Knochenumbau) abgeschlossen. Dabei erfolgt grob eine Unterteilung in:

1. exsudative (inflammatorische) Phase
2. proliferative Phase
3. reparative Phase
Im Einzelnen:
Koagulumbildung (Blutpfropf) und Entstehung eines Fibrinnetzes; das Koagulum ist dunkelrot
Oberflächenbesiedelung mit einem Leukozytenwall; das Koagulum verfärbt sich grau
Das innere Saumepithel der Gingiva verbindet sich mit dem Koagulum an dessen Rändern; es setzt eine Epithelisierung der Oberfläche ein
Im Boden der Alveole bildet sich Granulationsgewebe; dieses ersetzt ~ innerhalb von 7-10 Tagen das Koagulum
Innerhalb von ~ 20 Tagen wird dieses Granulationsgewebe durch Bindegewebe ersetzt
Nach ~ 6 - 7 Tagen beginnt die Knochenneubildung (sog. Reossifikation). Nach ~ 6 Wochen ist die Wunde mit unreifem knochenartigen Gewebe ausgefüllt; innerhalb von 3 - 4 Monaten reift dieses zu festem Knochen aus
Ungefähr nach 100 Tagen ist röntgenologisch die Alveole vollständig durch neuen Knochen ersetzt
Nach einer Extraktion hat der Kieferkamm einen mittleren Verlust der horizontalen Breite von 3,8 mm und einen mittleren vertikale Verlust in der Höhe von 1,24 mm innerhalb von 6 Monaten nach Zahnextraktion
In den nächsten 1 - 2 Jahren finden weitere individuelle Umbauvorgänge ("Knochenmodulationen") in geringem Umfang statt.
Aufbisstupfer, Extraktion, Knochenheilung, Osteotomie, Wundinfektion
Verhalten nach einer Zahnentfernung

Wundinfektion
Wundheilungsstörung (im Kieferbereich), Alveolitis, engl.: (postoperative) wound infection; wenn nach einer Extraktion oder Operation eine Infektion des die Wunde ausfüllenden Blutpfropfs ( Koagulum, Wundheilung) oder ein Eindringen von Fremdkörpern (z.B. Essensreste, Tabakkrümel) bzw. Belassen von Zahnteilen (Radix relicta) in die Knochenhöhle erfolgt, so kann es - in Abhängigkeit von der Widerstandskraft des Immunsystems - zu Wundheilungsstörungen (Alveolitis) kommen. Das operative Entfernen von Weisheitszähnen ist immer mit dem Risiko postoperativer Beschwerden verbunden. Frauen und ältere Patienten leiden im Vergleich zu Männern und jüngeren Patienten vermehrt an Schmerzen und trockenen Alveolen. Bakterielle Besiedlung und Verlust des Blutkoagulums können zu Schmerzen, Entzündung und Irritationen bis hin zur Kieferklemme führen. In der Literatur wird eine Häufigkeit von 3-4 % bei Routine-Zahnextraktionen und ein Prozentsatz von bis zu 45 % bei Weisheitszahnentfernung angegeben.
Die Heilungsstörungen können auf zweierlei Weise bedingt sein:

Tierexperimentelle Untersuchen geben Anlass zur Vermutung, dass die Heilung von Mundwunden generell länger dauert, als die auf der normalen Haut. Forscher vermuten, dieses Phänomen könne mit dem spezifischen Milieu in der Mundhöhle zusammenhängen. Die komplexe orale Keimbesiedlung, vermehrte Entzündungsprozesse und die Traumatisierungen im Zusammenhang mit den Kaubewegungen scheinen für die längeren Heilungsprozesse verantwortlich zu sein.
Behandlung z.B. mit "Wundersalbe nach Prof. Weiß, Nürnberg": Jodotamp + "Eugenol-Salbe" (in der Apotheke gemischt: Pantocain 4,0g, Eugenol 0,1g, Menthol 0,5g, Lanolin 23,0g, Vaseline aa 100g)
Alveolenstabilisator, Alveolitis, Apernyl, Aufbisstupfer, Bisphosphonat, Dehiszenz, Dolor, Dry Socket, Knochenheilung, Koagulum, Kürettage, Mundgeruch (Halitosis), Naht, per primam, Primärheilung, Sekundärheilung, Weisheitszahn, Wunddehiszenz, Wundheilung, Wundrevision, Zinkoxid
Verhalten nach einer Zahnentfernung

Wundkleber
Hautkleber, engl.: cutis adhesive; meist auf der Basis von Cyanoacrylat eingesetzte Kunststoffe zum Fixieren der Wundränder an Stelle einer chirurgischen Naht. In der ZHK mit unterschiedlichem Erfolg angewandt und nur dann, wenn die Wundränder blutfrei sowie gut adaptierbar sind und wenn tiefgehende Gewebedefekte mit subkutanen Nähten die Spannung in der Epidermis ausreichend minimieren.
Naht, Gewebekleber

Wundrevision
Wundtoilette, Wundkontrolle; engl.: wound examination, wound toilet; häufig identisch gebrauchte Begriffe mit folgender Unterscheidung:

Radix relicta (Wurzelrest), Wundinfektion

Wundrose, Erysipel

Würgereflex
Schutzreflex, engl.: gag reflex; mit einem Brechreiz verbundene Schlundmuskulaturzusammenziehungen, bei entsprechend disponierten Patienten schon durch Berühren (Finger, Abdruck, zu lange Prothesenbasis) des weichen Gaumens oder auf Herunterdrücken der Zunge auszulösen. Betäubende Mundsprays oder direktes Touchieren mit einem Oberflächenanästhetikum können den W. ausschalten.
Würgereiz

Würgereiz
engl.: gag irritation; multifaktorielles Geschehen mit einer Unterteilung in eine somatogene Gruppe, bei welcher der W. durch physiogene Reizfaktoren ausgelöst wird und eine psychogene Gruppe, bei welcher psychologische Reizfaktoren im Vordergrund stehen; eine Vermischung beider Gruppen wird häufig angetroffen.
Primär ist der W. ein lebenswichtiger Abwehrmechanismus (nicht steuerbarer "Fremdreflex"), welcher das Eindringen von Fremdkörpern in die Luftröhre (Trachea), den Rachen (Pharynx) oder den Kehlkopf (Larynx) verhindert und der durch ein berührendes Stimulieren des weichen Gaumens und der Uvula, der Zunge und von Teilen des Rachens ausgelöst wird.
Zu den fünf wichtigsten auslösenden Faktoren zählen:
  • lokale und systemische Erkrankungen
    Entzündungen im Nasen- und Rachenbereich, behinderte Nasenatmung und Mundtrockenheit; chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Dauermedikationen mit einer damit verbundenen Verstopfung der Nasenatmung, erhöhter Speichelfluss
  • anatomische Faktoren
    Verlauf und Ausdehnung des Nervus vagus
  • psychologische Faktoren
    Spätreaktion auf ein früher erfolgtes negatives Behandlungserlebnis, generelle Ablehnung eines Zahnarztbesuches
  • zeitliche Faktoren
    Der W. kann bei einigen Patienten besonders morgens stärker ausgeprägt sein als zu anderen Tageszeiten.
  • iatrogene Faktoren
    falsche Abdrucktechnik, zu großer Abformlöffel, zu hoher Biss bei Neueingliederung von Zahnersatz, Trockenlegung des Arbeitsfeldes

Während der W. nach dem Einsetzen von herausnehmbarem Zahnersatz nach einer gewissen Zeit verschwindet, werden zur Unterdrückung des W. bei zahnärztlichen Behandlungen verschiedene, mehr oder weniger gut wirkende Methoden vorgeschlagen:

  • Ablenkung vom eigentlichen Geschehen, beruhigendes Zusprechen, sanftes Streichen (von oben nach unten) über den Nasenrücken, spezielle Atemtechnik
  • Betäubung der empfindlichen Gaumenbezirke durch ein Oberflächenanästhetikum oder eine lokale Injektion
  • in Akupunktur ausgebildete Zahnärzte stimulieren den KG 24 (Konzeptionsgefäß Ren Mai 24; s. Abb.) im Kinngrübchen zwischen Kinnspitze und Unterlippe; u.U. bringt eine "Akupressur" (z.B. heftiges Eindrücken mit dem Daumennagel) den gewünschten Erfolg. Weiter von Bedeutung soll eine Akupunktur in der Ohrmuschel sein.
  • Stimulation des P6 (auf dem Unterarm zwei Fingerbreit von der Handgelenksfalte entfernt)
  • Homöopathisch mit Veratrum album D4: Man träufelt ca. 15 Tropfen auf die Zunge und bittet den Patienten es im Mund/Rachenraum zu verteilen.
  • Behandlung unter Hypnose; bei rein psychogener Diagnose: Verhaltenstherapie
  • Anwendung von Lachgas o. Diazepam, aber auch Placebos entfalten eine gewisse Wirkung
  • nur in Ausnahmefällen anzuwenden, bewirken Morphinpräparate eine sichere Dämpfung des Brechzentrums
  • Mittel gegen Reisekrankheiten zeigen generell keinen Erfolg

Akupunktur, Antiemetikum, Ohrakupunktur, Prothesenunverträglichkeit, Prothesenunfähigkeit, Würgereflex
Moderne Hypnose in der Zahnheilkunde - Mit Trance gegen den Würgereiz (zm, 2017)

Wurzel , Radix, engl.: root; Zahnwurzel ; Wurzelspitze, Wurzelzement, Zahn

Wurzelamputation , engl.: root amputation o. radiectomy Hemisektion

Wurzelbehandlung , engl.: root treatment; nicht korrekter aber häufig verwendeter Jargon-Ausdruck für eine Wurzelkanalbehandlung

Wurzeldentin
engl.: radicular dentin; Hauptbestandteil der Zahnwurzel und Fortsetzung des Kronendentins; vom Wurzelzement bedeckt und die Wurzelpulpa umschließend. Im Gegensatz zum Dentin der Zahnkrone mit einer geringeren Anzahl pro Fläche an Dentinkanälchen ausgestattet, welche einen geradlinigen Verlauf haben.
Dentin, Wurzelkanal

Wurzeleinziehung
engl.: root recess; leichte oro-vestibuläre Einbuchtungen an meist einwurzeligen Zähnen; mit Zahnseide nicht zu reinigen, dagegen mit Interdentalbürstchen relativ gut säuberbar. Abb. s.u. http://www.zahnwissen.de/

Wurzel-Enukleation
Entfernung einer Zahnwurzel aus der Alveole heraus ohne klassische chirurgische Methoden (sog. "Flapless Surgery", z.B. Aufklappung, Osteotomie) anzuwenden. Hintergrund dieser aufwändigen Methode ist die Schonung der umliegenden Gewebe und einem dadurch bewirkten Erhalt von Kieferkammstrukturen im Sinne einer Socket-Preservation.
Neue Strategien zum Kieferkammerhalt: Socket Preservation 2.0 (ZPW, 2014)

Wurzelfraktur , engl.: root fracture; Unterteilung in Längs- und Querfrakturen; Zahnfraktur

Wurzelfüllung , nicht korrekter aber häufig verwendeter Ausdruck für eine Wurzelkanalfüllung

Wurzelfüllpaste , engl.: root filling paste; Wurzelkanalfüllpaste

Wurzelglättung
engl.: root planing; Abtragung und Glättung der obersten (meist infizierten) Zahnwurzelschicht, finieren und polieren mit spez. Handinstrumenten (seltener maschinell) nach dem Entfernen der Beläge ( Kürettage, Scaling) mit dem Ziel, eine "saubere" und glatte Wurzeloberflächen zu hinterlassen. Sinn der W. ist die optimale Vorbereitung der Wurzeloberfläche für ein Wiederanwachsen ("New attachment") des Zahnhalteapparates.
Full Mouth Desinfection, Kürettage, Oraqix, Parodontitis, Scaling, Silberstifte, Stainbuster

Wurzelhaut
Parodontalligament, veralt: Desmodont, engl.: peridontium, (periodontal) ligament; spezialisiertes Bindegewebe, welches den Zahn im Knochenfach des Alveolarknochens federnd aufhängt.
Zur Wurzelhautentzündung: Parodontitis apicalis
Desmodont, Gomphosis, intraligamentär, Ligament, Parodontalspalt, Periotom, Sharpey-Fasern, Zahn

Wurzelkanal
canalis radicis dentis
, seltener: Pulpakanal o. "Nervhöhle", engl.: root canal; bei einem vitalen Zahn vom Pulpagewebe ausgefüllter, selten kreisförmiger Hohlraum in der Zahnwurzel; mit zunehmenden Alter sich durch Sekundärdentinbildung verkleinernd bis hin zum fast vollständigen Verschluss ( Obliteration). Ebenfalls wird die zunächst (vor Abschluss des Wurzelwachstums) weite Wurzelkanalöffnung mit zunehmendem Alter durch Verkalkungen eingeengt, besonders in mesio-distaler Richtung. Der W. ist im Bereich der Wurzelsitze ("apikales Delta") häufig stark verzweigt und/oder mehrfach die Zahnwurzel verlassend ( Ramifikation, Seitenkanal). Auch weiter zur Zahnkrone hin (apexfern) können Seitenkanäle (akzessorische Wurzelkanäle, Markkanäle) oder blind endende Ausstülpungen des Zahnnervs auftreten.
Wenn auch im Prinzip jede Wurzel nur einen durchgehenden Hauptkanal besitzt, so gibt es davon häufig anatomische Variationen. Typisches Beispiel ist der untere Sechsjahrmolar, welcher fast immer in der mesialen Wurzel zwei durchgehende Kanäle aufweist; ebenso ist fast immer im oberen Sechsjahrmolar ein akzessorischer 4. Kanal zu finden ( Seitenkanal). Besonders an einwurzligen Kanälen bereiten die zusätzlichen Kanäle in sofern Schwierigkeiten, weil sie einmal hierbei sehr viel seltener anzutreffen sind und zum anderen röntgenologisch mit der normalen Technik häufig nicht zu erkennen sind. Weiter weisen viele Wurzelkanäle, besonders die der Molaren, eine Wurzelkrümmung auf, wobei die Krümmung sehr oft im apikalen Drittel liegt.
Neben den akzessorischen Kanälen werden noch unterschieden:
» Furkationskanal: akzessorischer Kanal, der in einer Wurzelaufteilungsstelle (Furkation) nach außen mündet
» lateraler W. : akzessorischer Kanal, der im oberen oder mittleren Drittel der Wurzel liegt und fast senkrecht vom Hauptkanal abzweigt
W. mit irreversibel entzündetem oder abgestorbenen Pulpengewebe bedürfen einer Wurzelkanalbehandlung
Seitenkanal, Wurzelkanallänge, Zahnmerkmale





Wurzelspitze im Detail


Wurzelkanalbehandlung
"Wurzelbehandlung", engl.: root canal treatment, "root canal"; Behandlung eines abgestorben oder dauerhaft nicht mehr funktionstüchtigen Zahnnerv mit dem Ziel, eine maximale Reduktion der Keime im Wurzelkanalsystem zu erreichen und einer bakteriellen Wiedervermehrung vorzubeugen.
Je komplizierter das Wurzelkanalsystem aufgebaut ist (z. B. im Bereich der Backenzähne; Seitenkanal), desto schwieriger ist eine W. und umso größer ist die Gefahr, dass die Entzündung im Wurzelkanalbereich nicht völlig ausgeheilt werden kann.
Dabei bestehen zur Desinfektion des Wurzelkanals - nach einer gründlichen instrumentellen Reinigung -  Spülungen mit versch. Materialien zur Verfügung. Zu den Zielen dieser chemischen Aufbereitung gehören:
Herausspülen von Pulparestgewebe und Dentinspänen, welche durch die mechanische Aufbereitung entstanden sind
gewebsauflösende Effekte zur effektiven Reinigung anhaftender Gewebsreste in mechanisch unzugänglichen Bereichen. Etwa ein Drittel der Kanaloberfläche kann nicht mit mechanischen Verfahren erreicht werden
Entfernung des Smear layer
Desinfektion durch antimikrobielle Wirkung
Schmiermittel für die mechanische Aufbereitung

Hierzu gehören besonders ( auch Wurzelkanalspülung):
  • Spülungen mit Natriumhypochlorit (NaOCl)
    Hypochlorit-Lösungen setzen bei Anwesenheit von wässrigen Lösungen das starke Bakteriengift Chlor frei. (s.a. weiter unten). Anwendung in 0,5 - 3,0 % NaOCl-Konzentration. Gilt auch heute noch als "Standard-Spülmittel", dies besonders wegen der gewebsauflösenden Wirkung und einer antimikrobiellen Wirkung gegen die meisten Wurzelkanalkeime. Die Überspülung des Kanals ist wegen der gewebsauflösenden Wirkung nicht unbedenklich und kann zu Reizungen des periapicalen Gebietes führen. Rascher Zerfall der Lösung bei Erwärmung; eine Erwärmung begünstigt den gewebeauflösenden Effekt, ist aber nicht stärker antimikrobiell. Nicht wirksam beim Vorliegen von bestimmten Problemkeimen wie Enterococcus faecalis und Candida albicans
    Die Expositionszeit von NaOCl im Wurzelkanal sollte zwischen 30 und 60 min liegen.
  • Einlagen/Spülungen mit Chlorphenol-Kampfer-Menthol (ChKM)
    Chlorphenolpräparate sind vergleichsweise starke Antiseptika und gelten als zytotoxisch. Die effektive Wirkung des ChKM wird durch einen hervorragenden "Kriech-Effekt" bis hinein in feine Verzweigungen des Kanals erreicht, da dieses bis weit in die Dentinkanälchen vordringt und so auch Keime - insbesondere Anaerobier - eliminiert, welche sich einer mechanischen Wurzelkanalsäuberung entziehen. Keine gewebsauflösende Wirkung - wissenschaftlich wegen möglicher Gewebeschädigungen und einem Missverhältnis zwischen Bakterienabtötung und Zytotoxizität umstritten. Gleichwohl wird über sehr gute Erfolge - besonders bei schwer beherrschbaren Fällen - aus der Praxis berichtet ( http://www.tarzahn.de/Timbuktu Methode/Inhalt Timbuku.htm)
  • Spülungen mit Wasserstoffperoxid
    die chemisch instabile Verbindung zerfällt relativ rasch in normales Wasser und einatomigem (naszierendem, "agressivem") Sauerstoff, welcher als Bakteriengift gilt, bei Wurzelkanalspülungen aber kaum wirkungsvoll ist. Eine an der Wurzelspitze u.U. auftretende Druckentwicklung (= Schmerzen, Emphysem) rät von einer Anwendung ab, da genügend andere Präparate zur Verfügung stehen. Der kombinierte Einsatz mit NaOCl bewirkt, dass dadurch die gewebsauflösende Eigenschaft von NaOCl stark verringert wird.
  • Spülungen mit Chlorhexidin (CHX)
    1-2%ig als Alternative zu NaOCl; gute antimikrobielle Effekte, keine Gewebsauflösung, relativ gering toxisch und gut wirksam beim Vorliegen von bestimmten Problemkeimen wie Enterococcus faecalis und Candida albicans.
    Die unmittelbare Anwendung von CHX vor oder nach Spülungen mit NaOCl (sog. Wechselspülung) führt zu einer rotbraunen Verfärbung der Zahnhartsubstanz; Zwischenspülungen mit steriler Kochsalzlösung oder Alkohol oder einem Chelator sind deshalb erforderlich.
  • Spülungen mit Jod-Jod-Kali-Lösung (JKJ)
    JKJ in 2%iger Konzentration besitzt ausgezeichnete antimikrobielle Eigenschaften bei geringer Toxizität und gilt als Zusatzspülung bei Revisionen. Cave: Patienten mit Jod-Allergie und Zahnverfärbungen
  • Spülungen mit Calciumhydroxid-Lösungen , wobei die gewebsauflösende Komponente völlig fehlt
  • Einbringen von Calciumhydroxid-Pasten, durch Abgabe von Hydroxid-Ionen und dadurch bedingt Herstellung eines stark alkalischen Milieus kommt es zu einer bakterienabtötenden (Depot-)Wirkung. Eine Mischung mit Natriumhypochlorit (s.o.) an Stelle von Wasser wird vorgeschlagen, um eine breiteres Keimspektrum zu erreichen.
  • Spülungen mit Alkohol
    haben einen nur geringen antimikrobiellen Effekt, können aber zusätzlich zur Trocknung des Wurzelkanals verwendet werden.
  • Spülungen mit Ethylendiamintetraacetat (EDTA, sog. Chelator)
    die Salze von EDTA sind in Konzentrationen von 10 - 17 % in wässrigen Lösungen wirkungsvolle Chelatbildner. Sie lösen über diese Verbindung Kalzium aus dem Dentin, beseitigen gut die bakteriell stark verunreinigte Schmierschicht und öffnen die Zahnbeinkanälchen (Dentintubuli) für eine wirkungsvolle Anwendung der Spüllösung. Darüber hinaus verbessert sich die Randständigkeit des Wurzelkanalfüllmaterials.  Keine antimikrobiellen und organisches Gewebe auflösende Effekte. Cave: EDTA deaktiviert Natriumhypochlorit (s.o.)
    Gelegentlich auch Einsatz eines anderen Chelators in Form der Zitronensäure (10%ig. höhere Konzentrationen können das peritubuläre Dentin schädigen)
  • MTAD
    dieses Kombinationspräparat (Tetrazyclin-isomer (Doxycyclin), Zitronensäure, Detergentium (Tween 80) und Phosphorsäure) hat eine, dem NaOCl deutlich überlegene, gute antimikrobielle Eigenschaft und bewirkt eine ausreichende Entfernung der Schmierschicht. Weitere klinische Untersuchungen sind bis zur Praxisreife nötig (2009)

Eine typische Wurzelkanalbehandlung könnte etwa folgendermaßen aussehen:

  • der generelle Einsatz von Kofferdam zur Isolierung des Arbeitsfeldes wird kontrovers diskutiert und hat sich in der zahnärztlichen Praxis nicht allgemein durchsetzen können (2011):
    ( Stellungnahme pro Kofferdam. bei einer Wurzelkanalbehandlung
    Stellungnahme contra Kofferdam. bei einer Wurzelkanalbehandlung)
  • Bestimmung der Wurzelkanallänge:
  • am exaktesten mit einer Kombination aus Röntgen-Messaufnahme und elektrometrischer Längenbestimmung
  • Schaffung einer Zugangskavität, Erweiterung des Wurzelkanaleingangs ( Beutelrock Bohrer)
  • Aufbereiten des Wurzelkanalsystems (Wurzelkanalaufbereitung, WK)
    mit speziellen, genormten Instrumenten bis zur Wurzelspitze ("ad apicem"). Ist der Nerv irreversibel entzündet ( Pulpitis) erfolgt dessen Entfernung ( Vitalexstirpation). Sonst Entfernung des gangränösen Gewebes im Kanal. Aufbereitung des Kanals (soweit anatomisch erreichbar) nach Möglichkeit auf eine Größe, welche sicher Infektionsherde an den Wänden des Wurzelkanals entfernt. Hierbei existieren - allein für Handinstrumente - eine Vielzahl von Techniken:

          


    Das Ziel einer Wurzelkanalaufbereitung ist nach der European Society of Endodontology (ESE; u.a. veröffentlicht in zm, 16, 2005):
    Entfernung des vitalen oder nekrotischen Pulpagewebes
    weitestgehende Eliminierung der Mikroorganismen, wobei bei Zähnen mit einer infizierten Pulpanekrose das Wurzelkanalwanddentin als infiziert angesehen werden muss
    Beibehaltung des originären Wurzelkanalverlaufs, das heißt, der aufbereitete Wurzelkanal sollte den ursprünglichen Kanal umschließen
    der aufbereitete Wurzelkanal soll von apikal nach koronal konisch gestaltet sein, wobei die engste Stelle am apikalen Endpunkt des Wurzelkanals liegen sollte, ohne dabei durch einen übermäßigen Materialabtrag die Wurzel unnötig zu schwächen
    die apikale Konstriktion des Wurzelkanals soll erhalten bleiben
    die endgültige Aufbereitungslänge soll mit der vorher festgelegten Arbeitslänge übereinstimmen. Eine Überinstrumentierung, also ein Durchstoßen und Erweitern der apikalen Konstriktion, sollte ebenso wie eine Unterinstrumentierung bei der WK in der Regel vermieden werden.
    Ausreichende Arbeitssicherheit: Vermeidung von Instrumentenfrakturen, apikalen Blockaden, Perforationen, Veränderungen der endodontischen Arbeitslänge (Über- und Unterinstrumentierung), apikales Überpressen von infiziertem Material oder Spülflüssigkeit.
  • Evtl. erneute Längenbestimmung (s.o.)
  • Spülen mit 0,5 - 1 %iger NaOCl - oder CHX - Lösung bzw. eine Wechselspülung
  • Wiederholung von Teilen der oben aufgeführten Maßnahmen in weiterer (weiteren) Sitzung(en) oder definitive Wurzelkanalfüllung

Bestand nur eine reversible Nerventzündung (Pulpitis) oder erfolgte eine iatrogene irreparable Verletzung des Nervs:
gründliche Trocknung des Wurzelkanals und endgültige Wurzelkanalfüllung.
War der Nerv schon eitrig zerfallen (Gangrän) oder besteht an der Wurzelspitze eine Entzündung (Parod. apic., Granulom),
erfolgen temporäre, medikamentöse Einlagen mit unterschiedlichen Substanzen so lange, bis akute Entzündungsherde abgeklungen sind und sich normale Verhältnisse an der Wurzelspitze eingestellt haben. Erst dann kann eine definitive Füllung erfolgen. Evtl. muss damit gleichzeitig oder im zeitlichen Zusammenhang eine Wurzelspitzenresektion erfolgen.
Je rascher die definitive Versorgung eines wurzelbehandelten Zahnes erfolgt (1-3 Wochen nach der Wurzelkanalfüllung) und je mehr Zahnsubstanz dabei erhalten werden kann, um so Erfolg versprechender gestaltet sich die Perspektive auf einen komplikationsfreien Zahnerhalt. Eine lange Zeitspanne zwischen Wurzelkanalfüllung und der definitiven Versorgung des Zahnes resultiert in einer statistisch und klinisch relevanten schlechteren Prognose in Hinblick auf die Komplikationsrate des Zahnes. Durch eine zeitnahe definitive Versorgung können mögliche kariöse Prozesse gestoppt, das Problem der koronalen Reinfektion des Wurzelkanals ( coronal leakage) verhindert sowie die Frakturgefahr gesenkt werden. Bei einer lege artis durchgeführten Wurzelfüllung und einem entsprechend der noch vorhandenen Zahnhartsubstanz gewählten definitiven Versorgung kann der Behandlung ein Erfolg von über 90% prognostiziert werden.
Zum Erfolg von W. (s.a. Abb. rechts) ergibt sich nach einer Metaanalyse (Kojima, K et al., 2004): 82,8% Erfolgsrate bei vitaler Pulpa vs. 78,9% bei devitaler Pulpa. Andere Autoren sprechen erst dann von einem Misserfolg einer W., wenn nach 4 Jahren keine vollständige Ausheilung um die Wurzelspitze herum erzielt werden konnte.
Großen Einfluss zeigte die korrekte Länge der Wurzelfüllungen: Die Erfolgsrate lag bei 70,8% für überstopfte Füllungen, bei 86,5% für bündige Füllungen und bei 85,5% für Füllungen, die mehr als 2 mm vor dem Apex endeten. Die korrekte Länge von Wurzelfüllungen scheint also ebenso wie die Vitalität der Pulpa von großer Bedeutung für das Gelingen der Behandlung zu sein. Nach Angaben der Forscher haben dabei überstopfte Füllungen die ungünstigste Prognose. Es konnte ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten periradikulärer Läsionen und der (schlechteren) Prognose von Wurzelfüllungen gefunden werden. Das Alter der Patienten scheint hingegen keinen signifikanten Einfluss auf die Überlebensrate von W. zu haben.

Als Komplikationen im Zusammenhang mit einer W. werden genannt:

  • resistente Mikroorganismen wie z.B. Enterococcus faecalis oder Actinomyces radicidentis, welche zusätzlich tief in die Dentintubuli eindringen können und dadurch gegenüber herkömmlichen Desinfektionsmaßnahmen unempfindlich sind. Als echter Problemkeim scheint sich dabei Enterococcus faecalis darzustellen, da er bisher (2007) mit herkömmlichen Methoden im Wurzelkanal nicht auf Dauer zu beherrschen ist. Bei Misserfolgen von W. ist dieser Keim in etwa einem Drittel nachweisbar. So kann dieser Keim bspw. noch bei einem pH-Wert von bis zu 11,9 überleben. Behandlungen mit Nd:YAG-Laser scheinen erfolgversprechend zu sein, ebenso wie eine Kombianwendung von Ca(OH)2 und Chlorkampferphenol
  • anatomisch ungünstige (stark gekrümmte, verdrehte oder zusätzliche feine) Wurzelkanäle verhindern eine korrekte Aufbereitung bzw. Durchspülung
  • verzweigte oder verlegte (z.B. durch ein Dentikel) Kanäle bzw. nicht aufbereitbare Ramifikationen
  • eine Via falsa bei der Aufbereitung - dies ist bei stark gekrümmten Wurzeln gelegentlich möglich
  • abgebrochene Wurzelkanalinstrumente
  • Frakturen der Zahnwurzel durch die aufbereitungsbedingte Schwächung der Zahnwurzel (s.u.)

Nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot der Gesetzlichen Krankenkassen bestehen bei einer W. an Molaren folgende Einschränkungen. Ist eine der Bedingungen nicht erfüllt, so sollte eine Entfernung des Zahnes erfolgen, da eine "kassenwirtschaftliche Prognose" ungünstig ist:

  • der Erhalt einer ununterbrochenen Zahnreihe ermöglicht wird
  • eine Freiendsituation vermieden wird
  • ein bereits bestehender, funktionstüchtiger Zahnersatz dadurch erhalten werden kann
  • etwas unverständlich, aber juristisch korrekt ist die:
    Gemeinsame Erklärung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) - Stand Januar 2010 - zur Interpretation der Bestimmungen zu Wurzelkanalbehandlungen von Molaren im Sinne der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie) in der Fassung vom 1. Januar 2004. Die Behandlungsrichtlinie für die vertragszahnärztliche Versorgung beschreibt in Abschnitt B. III. 9 die Voraussetzungen für endodontische Maßnahmen. Für die Wurzelkanalbehandlung von Molaren beschreibt die Richtlinie:
    "Die Wurzelkanalbehandlung von Molaren ist in der Regel angezeigt, wenn
    - damit eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann,
    - eine einseitige Freiendsituation vermieden wird,
    - der Erhalt von funktionstüchtigem Zahnersatz möglich wird.
    "
    KZBV und GKV-SV interpretieren diese Bestimmung der Richtlinie wie folgt:
    Grundsätzlich sind an allen Zähnen endodontische Maßnahmen angezeigt, wenn dadurch der Zahn erhaltungswürdig ist. Die Kriterien für die Erhaltungswürdigkeit eines Zahnes werden in den Ziffern 9.1 bis 9.5 beschrieben.
    Bei der Wurzelkanalbehandlung von Molaren werden zudem diese Kriterien konkretisiert, bei denen in der Regel eine Erhaltungswürdigkeit anzunehmen ist. Es handelt sich dabei um Regelbeispiele, die nicht abschließend sind. Weitere Voraussetzungen werden unter 9.1 genannt. Diese Einschränkungen werden durch die Regelbeispiele unter 9. in Satz 2 lediglich beispielhaft illustriert.
    Somit ist auch bei Molaren zu prüfen, ob neben den Regelbeispielen andere Gründe für die Erhaltungswürdigkeit dieser Zähne und damit für die Durchführung von endodontischen Maßnahmen sprechen. Liegen diese Gründe nicht vor und ist der Zahn nicht erhaltungswürdig, so ist nach Ziffer 10 die Entfernung des Zahnes angezeigt. Eine andere Behandlung von nicht erhaltungswürdigen Zähnen ist kein Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung.

In jüngster Zeit treten vermehrt Forderungen nach einem Einsatz von speziellen Mikroskopen im Rahmen einer W. auf. Abzuwägen bleibt hier eine Kosten-Nutzen-Relation. Gerade das Aufspüren "versteckter" Wurzelkanäle dürfte das Haupteinsatzgebiet derartig aufwendiger Techniken sein.
Wurzelfrakturen nach endodontischer Instrumentierung sind mehrfach in der Literatur beschrieben worden. Dabei scheinen Prämolaren des Ober- und Unterkiefers besonders häufig betroffen zu sein - erklärt wird dies mit einem anatomisch bedingten, prozentual hohen Verlust an Zahnhartsubstanz durch die Aufbereitung.
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engl. Sprachausdrücke im Rahmen einer endodontischen Maßnahme ( Wurzelkanalbehandlung): backfill, binding point, cone fit, downpack, heat carrier, heat source, masterpoint, obturator, plugger, taper, tug back
Sehr gute Darstellung des Ablaufs einer W.
Das Übel an der Wurzel packen
Grenzen der endodontischen Zahnerhaltung
Video: Ultraschall in der Endodontie
Der Rechtsanwalt auch im Wurzelkanal? oder ©: ZA Michael Cramer / Quintessenz
Überblick über den aktuellen Stand in der Endodontie (2010)
Milchzahnendodontie: „State of the Art“ (2013)
Endodontie-Protokoll ist gescheitert
http://www.endodontie.de/patienten/ziel.htm
der DAZ versucht, endodontische Basistherapie zu beschreiben
Die Zahnärzte folgen in der Praxis nicht immer der herrschenden Lehrmeinung (DAZ-Umfrage, 2011) o. © daz-web.de
Kritische Betrachtung zu den »verpflichtenden« Röntgenaufnahmen bei Wurzelbehandlungen
Wurzelkanalbehandlung - neue Richtlinien ab 2004

 



Prinzip einer
W.



Vergrößerung:
Aufbereitung einer 3-kanaligen Wurzel



Prinzip der
Zentralstift-
technik



Prinzip der
lateralen Kondensation


Röntgenaufnahme eines wurzelkanalgefüllten Zahnes

 



Zahnverfärbung
nach W.

 



Wurzelkanal-
verschluss
(Unfallbedingt)



Ausheilung eines apicalen Defektes mittels ChKM
©: Dr. Robin Mohr

 

 

 

 



Erfolgsraten bei versch. Nerv-Erkrankungen

Wurzelkanaldurchbohrung , Wurzelkanalperforation via falsa

Wurzelkanalerweiterer , Gates Bohrer

Wurzelkanalfüllpaste
Sealer, engl.: root filling paste; Materialien zum dauerhaften, bakteriendichten Verschluss des gesamten Wurzelkanalsystems; meist kombiniert mit einem Stift. Erste Wahl bei den W. sind Guttapercha (als Kernmaterial) umgeben von einer Paste versch. Zusammensetzung (s.u.); gelegentlich Beimischung geringer Mengen von Paraformaldehyd als Depot-Desinfektionsmittel. Wegen verbreiteter Allergierisiken sind Materialien auf Jodbasis (z.B. Jodoform) heute nicht mehr gebräuchlich. Angestrebt wird eine absolut wanddichte Abfüllung des gesamten Wurzelkanalsystems bis nahe an die Wurzelspitze ( Wurzelkanalfüllung), welche besonders aus anatomischen Gründen nicht immer möglich ist. Auf dem dentalen Markt gibt es eine Vielzahl von W. z.B.:

W. auf Zinkoxid-Eugenol-Basis: (z.B. "Aptal-Harz", "Hermetic"); Allergien (bei ca. 4% der Bevölkerung) auf Eugenol möglich; Auslöser einer Aspergillose wird diskutiert
W. auf Epoxidharz-Basis: (z.B. "AH 26", "AH Plus"); gutes Abdichtungsvermögen, "AH 26" setzt anfangs in geringen Spuren und zeitlich begrenzt Formaldehyd frei
W. auf Methacrylat-Basis: (z.B. "Hydron"); schlechte Langzeitergebnisse
W. auf Polyketon-Basis: (z.B. "Diaket"); gutes Abdichtungsvermögen, kurze Verarbeitungsbreite, schwere Entfernbarkeit
W. auf Polydimethylsiloxan-Basis: nur wenige Untersuchungen zur Verträglichkeit, kaum gebräuchlich
W. auf Calciumsalicylat-Basis mit Kalziumhydroxid: (z.B. "Apexit", "Sealapex"); sehr gute Verträglichkeit, Randdichtigkeit auf Dauer nicht immer vorhanden
W. auf Glasionomer-Basis: (z.B. "Ketac-Endo", "Endion"); gute klinische Ergebnisse
W. auf Guttapercha-Basis: (z.B. "Kloroperka N-O"); schlechte Langzeitergebnisse und Gewebeverträglichkeit
W. mit Medikamentenzusätzen: (z.B. "N2"); schlechte Bioverträglichkeit, Verwendung nicht anzuraten
W. mit Kortikosteroiden: (z.B. "Endomethasone"); angeblich schlechte klinische Ergebnisse

Bei den Stiften (dem Kernmaterial; s.o.) hat sich Guttapercha als Standard durchgesetzt:

Guttaperchastifte: gute Bioverträglichkeit, ausgezeichnete Abdichtung, gute Stopfbarkeit beim Einbringen, leichte Entfernbarkeit
Silberstifte: Korrosion mit der Nachbarschaft; dabei dunkle Verfärbungen durch entstehendes Silbersulfid
Titanstifte: gute Bioverträglichkeit, da nicht kompressionsfähig, schlechte Abdichtung
Kunststoffstifte: meist in Form von Kunststoff-ummantelter Guttapercha; gute Abdichtung bei geringer Erwärmung kurz vor dem Einbringen, starke Reizung des Gewebes beim Überstopfen

Aptal-Harz-Chloropercha, lateralen Kondensation, Puffs, Sealer, Überfüllung, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelkanalfüllung, Zentralstiftfüllung

Wurzelkanalfüllung
WF, engl.: root (canal) filling; das Hauptziel jeder Wurzelkanalbehandlung ist - neben der Beseitigung von Keimen - die Abschirmung des Wurzelkanalsystems (s.u.) gegenüber Mundhöhle und Parodontium ("bakteriendichter Verschluss") vor einer erneuten Infektion. Dies geschieht durch das Einbringen von Füllungsmaterialen (Sealern), welche mittels verschiedener Methoden kondensiert ( Kondensation) werden. W. werden bevorzugt in einer Kombination aus Guttapercha und einem Sealer durchgeführt (Goldstandard, 2011). Dabei ist die Lateralkondensation mittels vorgeformten, kalibrierten Guttapercha-Stiften die Methode der Wahl (= Kaltfülltechnik). Daneben existieren selten angewandte "Warmfülltechniken" welche wesentlich techniksensitiver sind ( BeeFill). Reine Pastenfüllungen zeigen Unzulänglichkeiten wie Unter- oder Überfüllung des apikalen Bereichs, Luftblaseneinschlüsse, mangelnde Randdichtigkeit usw. und sind daher generell nicht zu empfehlen.
Ebenso ist der  Einsatz von Metallstiften (Gold, Silber,Titan) statt Guttapercha wegen fehlender Verformbarkeit und schlechter Revidierbarkeit kaum gebräuchlich.
Der Wurzelkanal ist in Wirklichkeit ein Wurzelkanalsystem mit Haupt- und Seitenkanälen und Ramifikationen. Aufbereitet und mit herkömmlichen Wurzelfüllmitteln gefüllt werden können aber nur die Hauptkanäle. Allein diese Tatsache ist zu einem hohen Grad für die Misserfolgsquote bei W. verantwortlich.
BeeFill, coronal leakage, Formaldehyd, Gutta-Flow, Kondensation, Kontrastmittel, N2, orthograd, Patency-Feile, Plugger, Preflaring, Puffs, Riebler Paste, Silberstifte, Überfüllung, Vincent-Symptom, Wurzelfüllpaste, Zentralstiftfüllung
Kritische Betrachtung zu den »verpflichtenden« Röntgenaufnahmen bei Wurzelbehandlungen



aufwendige W.:
Prinzip der
lateralen Kondensation

Wurzelkanalinstrumente
Endo-Instrumente, engl.: endodontic instruments, root canal instruments; aus speziellen hochwertigen Legierungen gefertigte (säurebeständiger Chrom-Nickel-Edelstahl, Titan-Aluminium-Legierung oder Titan-Nickel-Legierung, Titan als Reinform) feine Instrumente von teilweise großer Elastizität, Biegefestigkeit und Bruchsicherheit (ein im Wurzelkanal abgebrochenes Behandlungsinstrument ist nur unter größten Schwierigkeiten - wenn überhaupt - zu entfernen) zum Erweitern des Wurzelkanallumens und zum möglichst vollständigen Entfernen bakteriell befallenen Gewebes. Grob unterteilt in Handinstrumente und maschinell angetriebene (spez. Winkelstück, Ultraschall) Instrumente.
Von der Form und vom Verwendungszweck (Entfernen der Pulpa, Aufbereiten bzw. Abfüllen des Kanalsystem) her unterscheidet man u.a. Reamer, K-K-Feilen, S- und U-Feilen, Hedström- und Rattenschwanzfeilene, Lentulos.
Im Handel sind ISO-genormte Instrumente im Bezug auf Material, Griff und Schaftlänge, Arbeitslänge, Form und Durchmesser.
Batt-Spitze, Beutelrock Bohrer, Deflektion, Ellbogen Effekt, Exstirpation, getapert, Gates-Bohrer, Giromatic, Gleitpfad, Hedström Feile, Kerr, K-Feile, Lentulo, Masseran Instrumentarium, Messgriff, Messlehre, Miller-Nadel, Natriumhypochlorit, Nervnadel, Patency-Feile, Plugger, Preflaring, Rattenschwanzfeile, RECIPROC, Reamer, Reibahle, Sicherungskettchen, Spreader, Taper, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelkanalinstrumenten-Fraktur
Erste Erfahrungen mit der neuesten Generation von NiTi-Instrumenten (ZWP, 2017)
Nichtchirurgische Ultraschallinstrumente in der Endodontie


Kennzeichnungs-Symbole der Feilen



ISO-Normung

Wurzelkanalinstrumenten-Fraktur
engl.: endodontic instruments or root canal instruments breakage; gelegentliches Ereignis beim Aufbereiten/Abfüllen eines Wurzelkanals im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung; als Prävalenz werden Werte zwischen einem und sechs Prozent angegeben. Abgesehen von den Fällen eines Materialfehlers - bei ca. 78 % Frakturen von Nickeltitaninstrumenten, bei ca. 16 % Lentulo-Frakturen und ca. 5 % Spreader-Frakturen - oder unzweckmäßigen Techniken, handelt es sich hierbei um eine "schicksalhafte Komplikation". Sollte das Instrument nicht mehr über den Eingang des Wurzelkanals zu entfernen sein, so kommen als Möglichkeiten die Wurzelspitzenresektion, eine Hemisektion oder ein Entfernen des Zahnes in Frage. In der Mehrzahl dieser seltenen Fälle kann das Instrument unter Beobachtung im Wurzelkanal belassen werden (Pat. ist darüber aufzuklären); eine oben beschriebene Behandlung wird erst dann durchgeführt, wenn Beschwerden auftreten sollten. Regelmäßige röntgenologische Kontrollen sollten durchgeführt werden. Unterschiede in der Erfolgsquote (bei abgeheilten apikalen Prozessen) zwischen Zähnen mit oder ohne verbliebene Instrumentenfragmente konnten bisher nicht gefunden werden.
Deflektion, Deformation, RECIPROC
 

 


Wurzelkanallänge
Wurzellänge, "Arbeitslänge", engl.: root canal length, leght of root; Länge der Zahnwurzel, beginnend bei der Schmelz-Zement-Grenze bzw. unterhalb der Kronenpulpa bis hin zur Wurzelspitze ( Apex). Individuell von vielen Faktoren abhängig (Zahnart, Alter, Schädelform, usw.) ist die Kenntnis der exakte Länge des Wurzelkanals vor allem bei endodontische Maßnahmen ( Wurzelkanalbehandlung) von großer Bedeutung. Diese wird am exaktesten mit einer Kombination aus Röntgen-Messaufnahme und elektrometrischer Längenbestimmung durchgeführt. Das Verhältnis Zahnkronenlänge : Zahnwurzellänge ist etwa 1 : 2 .
Kunzelmann hat 1992 Mittelwerte für ein mitteleuropäisches Kollektiv angegeben:

Zahnwurzellänge des Zahnes
Zahnschema
Kiefer Mittelwert (mm) Zahnlänge (mm); (Anhaltswert,
errechnet nach dem 1:2-Verhältnis)
genauere Werte unter Zahnlänge
und den jeweiligen Zahngruppen
1 - mittlerer Schneidezahn Ober- 22,2 33,3
2 - seitlicher Schneidezahn Ober- 21,8 32,7
3 - Eckzahn Ober- 25,5 38,3
4 - 1. Prämolar Ober- bukkal : 20,7
palatinal : 20,7
31,1
5 - 2. Prämolar Ober- bukkal : 21,1
palatinal : 21,1
31,1
6 - 1. Molar (Sechsjahrmolar) Ober- bukkal : 21.1 u. 20,2
palatinal : 22,1
31,5
7 - 2. Molar Ober- bukkal : 20,6
palatinal : 21,3
31,0
1 - mittlerer Schneidezahn Unter- 21,4 32,1
2 - seitlicher Schneidezahn Unter- 22,2 33,3
3 - Eckzahn Unter- 24,0 36.0
4 - 1. Prämolar Unter- 21,6 32,4
5 - 2. Prämolar Unter- 22,2 33,3
6 - 1. Molar (Sechsjahrmolar) Unter- mesial : 21,3
distal :  21,3
32,0
7 - 2. Molar Unter- mesial : 20,8
distal :  21,2

31,5

Endometrie, Nadelaufnahme, Wurzelkanal, Zahnmerkmale Zahngrößen (Breite, Dicke, Länge)

Wurzelkanalspülung
engl.: canal or endodontic irrigation; zwingend notwendige Maßnahme im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung, um die ehemals mit Pulpengewebe ausgefüllten Teile des Wurzelkanals neben der mechanischen Entfernung ("Wurzelkanalaufbereitung") aufzulösen, nach Möglichkeit vollständig zu reinigen und zu desinfizieren (Reduktion der Keime und bakteriellen Toxine im verzweigten Wurzelkanalsystem).
Als Ziele und Eigenschaften einer W. werden u.a. gefordert:
Reduktion der Keime und bakteriellen Toxine
Auflösung und Entfernung von vitalem und nekrotischem Pulpagewebe
Gleitmittel für die Instrumente während der mechanischen Präparation
Abtransport von Dentinspänen
Auflösung der präparationsbedingten Schmierschicht (smear layer)
Gute Gewebeverträglichkeit, niedrige Zytotoxizität, gute biologischen Verträglichkeit - wobei hier ein Widerspruch besteht, denn die "gute biolische Verträglichkeit" geht immer auf Kosten der Desinfektion.
Keine gegenseitige Neutralisierung der verwendeten Substanzen. Die Anforderungen an eine W. sind vielfältig und können i.d.R. nicht von einer Substanz allein erfüllt werden. So sind z.B. die Substanzen Natriumhypochlorit und Calciumhydroxid nicht wirksam beim Vorliegen von bestimmten Problemkeimen wie Enterococcus faecalis und Candida albicans
leichte Einbringung in den Wurzelkanal
ein Überpressen der Flüssigkeit in das periapikale Gewebe ist zu vermeiden; es kann bei best. Substanzen zu teilweise erheblichen Schäden oder Unannehmlichkeiten führen ( z.B. Emphysem)
Als "state of the art" gilt heute (2011) die Wechselspülung mit Natriumhypochlorit (NaOCl) und Chlorhexidin (CHX; letztes Spülmedium CHX). Die unmittelbare Anwendung von CHX vor oder nach Spülungen mit NaOCl führt zu einer rotbraunen Verfärbung der Zahnhartsubstanz; Zwischenspülungen mit steriler Kochsalzlösung oder Alkohol oder einem Chelator sind deshalb erforderlich.
  Saugspülung, Wurzelkanalbehandlung
www.dr-schirrmeister.de/

Wurzelkanalstopfer , Plugger

Wurzelkaries
Wurzeloberflächenkaries
(WOK), Zementkaries, engl.: root caries; Karies im Bereich freiliegender Zahnwurzeln, der mehr als zur Hälfte apikal der Schmelz-Zement-Grenze liegt; auch z.T. für Karies an freiliegenden Zahnhälsen gebraucht = "Zahnhalskaries". Diese langsam fortschreitende Erkrankung findet sich meist an der Schmelz-Zement-Grenze, kann aber auch an jeder anderen Stelle einer rezessionsbedingten freiliegenden Zahnwurzel lokalisiert sein. I.d.R. weisen die befallenen Wurzelabschnitte gelb-bräunliche bis dunkelbraune Verfärbung auf. In vielen Fällen bleiben die Läsionen längere Zeit flach und breiten sich eher zur Seite als in die Tiefe aus.
White Spot, Zahnhalskaries





erosionsbedingte W.

Wurzelmerkmal , engl.: (root characteristic); Zahnmerkmale

Wurzelresorption
engl.: root resorption; Abbau, Auflösung der Zahnwurzel unterschiedlicher Ursache:
physiologische Resorption, als völlig normaler Vorgang beim Wechsel vom Milch- zum bleibenden Gebiss (s. Abb.)

pathologische Resorptionen (extern) bei eitrigen Prozessen bzw. Tumoren (Zysten verschieben meist nur die Zahnwurzeln) an der Zahnwurzel, durch Überbelastung, Zahnverletzungen bei Unfällen oder bei "gescheiterten" Replantationen, besonders dann, wenn die Wurzelhaut zu wenige noch lebende Zellen bei der Wiedereinpflanzung besaß.
Im Gegensatz zum Knochen, welcher ständigen Umbauvorgängen unterworfen ist, sind die Zahnwurzeln üblicherweise vor resorptiven Vorgängen geschützt - ohne genau zu wissen, warum dies so ist. Es wird diskutiert:
ein Netzwerk aus Epithelresten umschließt die Wurzel und schützt sie so vor Abbauvorgängen
die dem Wurzelzement aufgelagerte Zementoidschicht verhindert die Bindung von zementfressenden Zellen (Zementoklasten, eine spezielle Form der Osteoklasten) und damit eine externe Resorption
die Zementoklasten-Aktivität wird durch Faktoren des Zements gehemmt (Osteoprotegerin wird an den Faktor RANKL gebunden)
eine hoch verkalkte Zwischenzementschicht stellt eine Barriere zwischen Dentinkanälchen und Sharpey-Fasern dar
Von den unterschiedlichen Erscheinungsformen her kann man einteilen:
  • Oberflächenresorption
    Unfall bedingte Schädigungen einer Schutzschicht (Parodont, Dentin, Zement) führen zu einer lokalen, zeitlich begrenzten Immunreaktion, die eine umschriebene W. auslöst; i.d.R. klinisch zu beherrschen
  • Milchzahnresorption
    physiologische Auflösung der Milchzahnwurzel durch Odontoklasten-ähnliche Riesenzellen. Die M. beginnt unmittelbar über der Krone des nachwachsenden Zahnes, somit an der Bifurkation des Milchzahnes
  • Ersatzresorption
    ausgedehnte Verletzungen (Avulsion, Verbleib des Zahnes außerhalb des Zahnfachs über längere Zeit) können eine unkontrollierte Resorption auslösen. Resorptionsvorgänge und Ankylose des Zahnes sind die Folge. Röntgenologisch erkennbar ist eine "ausgefranste" Wurzeloberfläche und ein fehlender Parodontalspalt. Eine Verweildauer des Zahnes im Mund kann einige Jahre betragen; sie ist abhängig vom Alter des Patienten und der Stärke der Schädigung der Wurzelhaut. traumatische Zahnverletzungen
  • Zervikale Resorptionen (Resorptionen am Zahnhals)
    Lokalisation direkt unterhalb des Epithelansatzes als Folge einer Verletzung des Parodontiums. Ursachen dafür können kieferorthopädische Behandlungen (zu starke Zahnbewegungen), Trauma (Schlag auf den Zahn), Knirschen und Pressen, wie auch internes Bleichen sein. Weiter nimmt man an, dass auch Bakterien in der Zahnfleischtaschenflüssigkeit einen Einfluss auf zementabbauende Zellen haben.
    Dringen die zervikalen Resorptionen tief in den Zahn ein, so ist eine Verwechslung mit einer internen Resorption ("pink spot") möglich
  • Abgestorbener Zahnnerv ("toter Zahn")
    bei einem nicht behandelten Wurzelkanal ("nekrotische Pulpa") können frei werdende Bakteriengifte (Endotoxine) durch die Wurzel hindurch diffundieren und das Wurzelzement zerstören. Entzündliche Reaktionen des Parodontiums sind die Folge
  • Systemische Faktoren
    sind außerordentlich selten - im Gegensatz zu Laienmeinungen ("holt sich nötigen Kalk aus den Zähnen").
  • Tumore (Zysten, Karzinome)
    können ebenfalls W. auslösen, obwohl bei diesen Gewächsen eher eine Verdrängung der Zahnwurzeln stattfindet

iatrogene Resorptionen, z.B. bei einer zu intensiven kieferorthopädischer Zahnbewegung, Überbelastung durch Frühkontakte nach Eingliederung zahnärztlicher Arbeiten.
Sehr selten treten Resorptionen (intern) aufgrund eines "internen Granuloms" oder ohne erkennbare Ursachen (idiopathische Resorption) auf.

Gaumennahterweiterung, Jiggling, Odontoklasten, Periodontitis luxurians, Resorption, Torque Bewegung

 



physiologische W. eines Milchzahns

Wurzelrest, engl.: retained root; Radix relicta

Wurzelspitze
Apex, engl.: root apex, root tip; engste Stelle ("apicale Konstriktion") des Wurzelkanals, mit einer Öffnung ("Foramen apicale") zum Durchlass der den Zahn versorgenden Gefäße, dabei häufig deltaförmige Ramifikationen anzutreffen ("apicales Delta").
Apex (ausführliche Beschreibung), Apexifikation, Endometrie, Wurzelkanal, Wurzelspitzenrektion



die W. im Detail

Wurzelspitzenresektion
WSR, Apektomie, Apikotomie, Wurzelspitzenamputation, engl.: apicoectomy, root resection; operativer Eingriff an der Wurzelspitze eines Zahnes zur Beseitigung von Eiter- oder Zystengewebe in diesem Gebiet (z.B. apikales Granulom, radikuläre Zyste) und nicht behandelbarer Ausführungsgänge des Zahnnervs ("Ramifikationen"); gelegentlich auch zum Entfernen von im Wurzelkanal abgebrochenen Wurzelkanal-Aufbereitungsinstrumenten.
Nach einer Wurzelkanalfüllung wird nach Eröffnung des Kieferknochens ( Osteotomie) außer entzündlichen Prozessen oder einer bestehenden Zyste ebenfalls der unterste Teil (etwa ein Drittel) der Wurzel (= "Wurzelspitze") entfernt(= "Resektion"), da sich in ihr regelmäßig kleine, nicht durch eine Wurzelfüllung abfüllbare und somit infizierte Seitenkanälchen ( Ramifikationen) befinden. Zusätzlich kann die im Kiefer verbleibende Wurzel mit einem Verschluss im Wurzelkanal versehen werden; man spricht von einem retrograden Verschluss ("retrograder Wurzelfüllung").
War die W. früher hauptsächlich auf Schneidezähne beschränkt, gibt es heute auch im Backenzahnbereich - dank verbesserter Operationstechniken - gute Erfolge; die 5-Jahres-Erfolgsrate wird in der Literatur zwischen 40% und 70% angegeben. Die meisten Misserfolge treten dann auf, wenn die Abdichtung des Wurzelkanals mit dem Wurzelfüllmaterial nicht optimal dicht ist, oder wenn seitliche Verzweigungen (Ramifikationen) bei der Operation nicht vollständig entfernt werden können, da sie schon früher aus der Zahnwurzel austreten. Allerdings ist zu beachten, dass - ähnlich wie bei Wurzelkanalfüllungen - bei dem Begriff "Erfolg" kaum zwischen einer W. nach Vitalexstirpation und einer solchen nach einer Gangränbehandlung unterschieden wird, obwohl es sich dabei um völlig unterschiedliche Krankheitsbilder und somit Risikobewertungen handelt.
Therapieindikationen für eine WSR sind (nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie):
* Im Anschluss an eine dichte Wurzelfüllung, wenn die chronisch apikale Parodontitis keine Rückbildungstendenz zeigt.
* Nach einer unvollständigen Wurzelfüllung falls diese nicht entfernt oder verbessert werden kann
* Apikale Parodontitis welche wegen umfangreicher prothetischer Versorgung nicht von coronar revidiert werden kann
* Nach Wurzelfüllung mit überpresstem Wurzelfüllmaterial
* Bei konservativ nicht durchführbarer Wurzelfüllung (z.B. Kanal ist nicht trocken zu legen)
* Fraktur eines Wurzelkanalinstrumentes in Apexnähe
* Via Falsa in Apexnähe
* Zahnfrakturen im apikalen Wurzeldrittel
* Bei Freilegung von Wurzelspitzen im Rahmen chirurgischer Eingriffe (z.B. Zystenentfernung)

Apex, orthograd, Trepanation, Replantation, Restschatten, Stiftverbolzung, Wurzelkanal
Wurzelspitzenresektion bei deutlich extrudiertem Wurzelkanalfüllmaterial (ZBW, 2014)
Patienteninformation der "Zahnärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung", ©: ZZQ
Video: Retrograde Wurzelspitzenresektion







Prinzip der WSR

 




Die Phasen einer
WSR

Wurzelstift , "Stiftzahn", engl.: root pin; Stiftaufbau, Wurzelstiftkappe

Wurzelstiftkappe
Wurzelkappe, engl.: endodontic (o. root) pin (o. post) cap; kappenartige "Überkronung" einer Zahnwurzel. Die versch. ausgeformte Kappe kann entweder zusammen mit dem Wurzelstift in einem Stück gegossen sein oder an einen konfektionierten Wurzelstift angegossen werden. Auf diese W. greifen Verbindungselemente wie Kugelknopfanker (Abb. rechts) oder Stege zur Befestigung und Abstützung eines Zahnersatzes.
Magnetkräfte, Stiftaufbau
 Zahnwissen-Festzuschüsse ab 2005




Wurzelzement
das W. , Substantia ossea dentis, Deckschicht der Zahnwurzel, engl.: (root) cementum; von knochenähnlicher Struktur und Härte, dünner als der Zahnschmelz (etwa 20 Schabbewegungen mit der Kürette reichen aus, um den W. abzutragen); dient u.a. als Verankerungspunkt der Sharpey Fasern ( Faserzement), welche den Zahn federnd im Knochenfach festhalten. Anatomisch ist der W. ein Teil des Zahnes, funktionell gehört er zum Zahnhalteapparat. Da von knochenähnlicher Struktur, ist eine Neubildung auf einer chirurgisch gereinigten Wurzeloberfläche möglich.
Zellhaltiger W. wird auch als Osteozement bezeichnet
Emdogain, Desmodont, Kürettage, new attachment, Parodontalbehandlung, Sharpey-Fasern, Tomes Körnerschicht, Wurzeldentin, Zahn, Zahnoberfläche, Zement, Zementdysplasie, Zementikel, Zementoblasten, Zementrissfraktur
http://www.dental.pitt.edu/ (1)
http://www.dental.pitt.edu/ (2)


Wurzelzyste , radikuläre Zyste, engl.: radicular cyst; Zyste

Wustrow Artikulator
Wustrow`scher Kaubahnträger, engl.: Wustrow's articulator; historischer Artikulationsbehelf, der auf der Spee-Kurve beruht.
Artikulator

zu Wa-Wm

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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