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KAI-Methode
einfach zu merkende Zahnbürstmethode: Es werden zuerst die Kauflächen gebürstet, danach die Außenflächen und Innenflächen der Zähne gründlich gereinigt. Die Zähne sollten mit kleinen, kreisenden Bewegungen geputzt werden. Zur Reinigung der Außenflächen werden die Zähne aufeinander gebissen. Empfohlen für Kinder oder motorisch behinderte Erwachsene.

K = Hin- und Herbewegung der Zahnbürste auf den Kauflächen
A = Putzen der Außenflächen mit großen Kreisen
I = Reinigen der Innenflächen mit kleinen Kreisen oder Ab-/Auswischbewegungen

Ebenfalls für Kinder gut geeignet ist die Fones Methode
 
Zahnbürstmethoden

Fones
Methode



Kakosmie
Parosmie, "Fehlriechen", engl.: cacosmia; die Wahrnehmung von unangenehmen ("stinkenden") Fehlgerüchen aus dem eigenen Körper; wenn jemand Gerüche falsch als "faul" oder "unangenehm" empfindet

Kakostomie, übler Mundgeruch Foetor ex ore

Kaliumfluorid , engl.: potassium fluoride; besonders bei der Salzfluoridierung zugesetzte Fluor-Verbindung mit einem Gehalt von etwa 0,06%; Fluoride

Kaliumjodid ,KJ, engl.: potassium iodide; Jodkaliumjodid-Lösung

Kaliumnitrat
KNO3, "Salpeter", engl.: potassium nitrate; Zusatzstoff in Konzentrationen von 5-10% bei Zahnpasten (z.B. Theramed S.O.S Sensitive®) zur Desensibilisierung von überempfindlichen Zahnhälsen; Wirksamkeit nicht eindeutig belegt.

Kaliumpermanganat
KMnO4, engl.: potassium permanganate; tief violette, gut in Wasser lösliche Verbindung mit adstringierender (zusammen ziehender) und desinfizierender Eigenschaft, bedingt durch eine starke Oxidationskraft. Innerlich aufgenommen wirkt K. giftig, auf Schleimhäuten verätzend. Deshalb kaum oder nur in sehr niedriger Dosierung in der ZHK angewandt. Gegengift bei Cyanidvergiftungen.
http://www.omikron-online.de

Kalkwasser
Aqua calcis, engl.: limewater; Jargonbezeichnung für gesättigte wässrige Lösungen von Calciumhydroxid. Eine breiige Suspension von Calciumhydroxid in Wasser (Ca(OH)2 (s)) wird auch als Kalkmilch bezeichnet.

Kallus
Schwiele, harte Haut, überschießendes Knochengewebe bei der sekundären Knochenbruchheilung, engl.: callus; nach einem Knochenbruch durch Osteoblasten neu gebildetes, weiches Gewebe; er verbindet als geflechtartiges Knochenmaterial zunächst die Bruchstücke und wird später durch Mineralisation wieder in Lamellenknochen umgebaut. Die verkalkte Schwiele wird später über Monate bis Jahre wieder durch Osteoklasten wieder abgebaut. Kallusbildung tritt nur bei einer sekundären Knochenheilung auf; dann wenn die Bruchstücke nicht vollständig aufeinander stehen, sondern sich ein Spalt gebildet hat.
Arthrose, Kieferbruch, Knochenregeneration


Kallusdistraktion, engl.: callus (joint) distraction; Distraktionsosteotomie

Kalottenartikulation
Kalottenaufstellung
, Kalotte = gekrümmte Fläche eines Kugelabschnitts, engl.: calotte articulation; template (fabrication) setting, (castings) building-up techniques; besonderes Prinzip beim Aufstellen von Kunstzähnen in der Totalprothetik: Die Seitenzähne der Unterkieferprothese werden - von der Kaufläche her - gegen eine Kalottenförmige (gewölbte) Schablone aufgestellt. Hierdurch wird später in Funktion (beim Kauen) eine beidseitige "balancierte" Okklusion erzielt. Die Wölbung der Kalotte (nach außen) ist abhängig von der Höckerneigung der Kunstzähne und individuellen Gegebenheiten des Kiefergelenks (Kondylenbahnneigung). Dieses Vorgehen geht auf die Kalottentheorie nach Monson (späte 1890er Jahre) zurück, welche besagt, dass sich die Kauflächen der unteren Backenzähne auf dem Ausschnitt einer Kugel (Durchmesser 24,3 cm) anordnen lassen.
Bekannt bei dieser Technik ist das Artex®-System
Kiefergelenk, Kompensationskurve, Spee Kurve, Tripodisierung, Vollprothese, Wilson Kurve

Kälteanästhesie
Kryoanästhesie, Kältebetäubung, "Vereisung", engl.: refrigeration anesthesia, anesthesia by freezing, cryoanesthesia; heute in der ZHK kaum noch gebräuchliche Oberflächenbetäubung der Mundschleimhaut vor einer Injektion durch Aufsprühen von Äther- oder Chlorethylspray.
Das Verdampfen von Flüssigkeiten entzieht der Haut Wärme. Die dadurch entstehende Kälte führt zur örtlichen, oberflächlichen Schmerzarmut; flüchtige Substanzen wie Äther oder Chloräthyl mit einem niedrigen Siedepunkt bewirken in kurzer Zeit eine örtliche "Vereisung".
Chlorethyl, Geschichte der Lokalanästhesie, Lokalanästhesie, Oberflächenanästhesie

Kältebehandlung ; Kryochirurgie, Kryotherapie

Kältetest
Kältespray, engl.: cold test, cold pulp testing; früher mit Kohlensäureschnee (verfestigtes CO2, welches durch rasches Ausströmen aus einer unter Druck stehenden Gasflasche entsteht) durchgeführte Vitalitätsprüfung/Sensibilitätsprüfung eines Zahns. Dieses Verfahren ist relativ umständlich im Handling; zusätzlich kann die tiefe Temperatur dieses Gases (- 76° C) heftige Schmerzen verursachen und zu Schmelzsprüngen führen. Heute mit Kältesprays (etwa - 30° C), mit denen ein Wattekügelchen präpariert wird, durchgeführt. Dieses Verfahren gilt heute als Standard, da es an allen Zähnen (auch Kronen und großen Füllungen) durchgeführt werden kann. Einzig ist eine graduelle Reizung nicht möglich.

Kaltlichtsonde , Kaltlichtleuchte, faseroptische Transillumination, engl.: cold light probe; Kariesdiagnostik (Diaphanoskopie)

Kaltsterilisation
engl.: cold sterilization; entstellende Bezeichnung für die Beseitigung von Keimen mittels chemischer Lösungen (z.B. Formaldehyd) oder durch Anwendung von UV-A- bzw. ionisierenden Strahlen (Kathoden-, Beta-, Röntgen- oder Gammastrahlen; Strahlensterilisation).
I.d.R. wird mit solchen Verfahren keine sichere Sterilisation, sonder nur eine Desinfektion erreicht - UV-A Behandlung erfüllt noch nicht einmal diesen Zweck, da in dem Lichtschatten keinerlei Wirkung besteht. Sporen werden nur durch hohe Temperaturen sicher vernichtet.
Autoklav

Kambium
Stratum osteogenicum
, unterste, dem Knochen direkt anliegende Bindegewebsschicht des Periost. Es ist reich an Blutgefäßen, dessen Äste Knochen und Knochenmark mit Blut versorgen. Weiter enthält es reichlich sensible Nervenfasern.

Kamille
engl.: camomile; bewährte, naturkundliche Mundspüllösung bei Zahnfleischentzündungen und Prothesendruckstellen. Wegen unsicherer Sporenfreiheit selbst gesammelter Kamille, sind bei einer therapeutischen Anwendung im Mund Fertigpräparate (z.B. Kamillosan®) vorzuziehen.
http://www.kamillosan.de/

Kammer ; Kurzbez. für z.B. Zahnärztekammer

Kammerzertifikat , Schlagwortbezeichnung für eine durch die Zahnärztekammern qualifizierte "zertifizierte" Fortbildung ; Fortbildung, Fortbildungssiegel

Kammlinie
Alveolarkammlinie
, engl.: alveolar ridge line; fortlaufende, halbovalförmige Linie, welche durch die höchste Erhebung des zahnlosen Alveolarkamms gebildet wird. Bei fortschreitender alterbedingter Atrophie der Alveolarfortsätze werden diese im Oberkiefer enger, im Unterkiefer weiter. Besondere Bedeutung in der Total-Prothetik. Hierbei sollten aus statischern Gründen (Kippeffekt des Ersatzes) die Ersatzzähne auf oder innerhalb der K. stehen - im Oberkiefer-Frontzahnbereich zumindest kammnah.
Kammverbindungslinie: Interalveolärlinie


Kammstellungswinkel ; Interalveolärwinkel

Kampfer
Campher, engl.: camphor; durch Destillation aus dem Kampferbaum ("Japankampfer") gewonnene oder synthetisch hergestellte aromatische Substanz. Dieses zyklische Keton gilt in Verbindung mit Chlorphenol (Kampfermonochlorphenol (CMCP) oder Monochlorphenol (CP)) als Depotantiseptikum.
Dem guten antibakteriellen Effekt von Kampferverbindungen werden als Nebenwirkungen gegenübergestellt, dass sich Kampferphenol nach Applikation in den Wurzelkanal im gesamten Organismus verteile und darüber hinaus eine stark toxisch Wirkung auf vitales Gewebe bestehe, welche zu Entzündungsreaktionen im periapikalen Gebiet führen könne.
Chlorphenol-Kampfer-Menthol
http://www.tee.org/BHSD/kampfer.html

Kantenaufbau, Schneidekantenaufbau

Kantenbiss ,Pinzettenbiss, Zangenbiss, Labidodontie, Orthogenie, engl.: edge-to-edge bite (or end-to-end) bite; sagittaler Kopfbiss im Schneidezahnbereich, Kopfbiss

Kantenmerkmal
Schneidekantenmerkmal
, engl.: (incisal) edge characteristic; bei den Schneidezähnen typisch ausgeprägte Abrundung des Übergangs der Schneidekante zum Zahnkörper: Während die mesiale Kante nur wenig abgerundet ist, zeigt die distale Kante eine individuell stärkere Abrundung, welche als Unterscheidungsmerkmal zwischen rechten und linken Schneidezähnen dient; bei den Eckzähnen ist dieser Effekt nicht mehr so stark ausgeprägt.
Krümmungsmerkmal, Schneidezahn, Zahnmerkmale


Kantenschutz , Kaukantenschutz, engl.: caping; Höckerschutz, Schneidekantenschutz

Kanüle
Hohlnadel
, engl.: cannula, needle; Röhrchen zum Transportieren von Flüssigkeiten oder Gasen, z.B. als leicht flexibler Aufsatz von Spritzen zur Injektion von Medikamenten ( Lokalanästhetika) in den Körper (unter die Haut, in den Muskel oder ein Gefäß bzw. Hohlraum), oder als Absaugkanüle zur Entfernung des "Bohrabfalls", Speichels und Sprays aus der Mundhöhle.
Wenn eine K. nicht in Gebrauch ist (vor/nach der Injektion) muss sie, um Stichverletzungen zu vermeiden und aus hygienischen Gründen, immer mit einem Kanülenschutz (Nadelschutz) versehen sein. Während früher K. nach Sterilisation mehrfach gebraucht wurden, sind heute (fast) nur noch Einmalkanülen im Einsatz, welche neben einer sicheren Keimfreiheit und Einstichschärfe den gefürchteten Kanülenbruch im Gewebe (fast) ausschließen.
Carpule, Injektion, Komplikationen, Luer, Mandrin, Rekordspritze

Kanzerogen
karzinogen, Kanzerogenität, engl.: cancerogenic, Faktoren oder Substanzen, die Krebs auslösen/erzeugen mit einer Unterteilung in:
primär kanzerogen Faktoren/Substanzen = direkt Krebs auslösend
sekundär kanzerogene Faktoren/Substanzen = inaktive Vorstufe, wird durch den Stoffwechsel umgewandelt
K. können physikalische Faktoren (z.B. radioaktive Strahlung, UV-Strahlung) und viele chemische Substanzen wirken. Stoffe mit eindeutig krebserzeugenden Eigenschaften sind z.B. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Benzo(a)pyren und Benzol. Diese Stoffe kommen in Tabakrauch und Auto- sowie Industrieabgasen (Chemiewerke, Kohlekraftwerke, Raffinerien) vor. Als krebserzeugend gelten auch Asbest, Chrom-, Beryllium-, Silber- und Quecksilber/salze sowie bestimmte Pestizide (DDT, Aldrin, Dieldrin u.a.).
Das Klassifikationssystem der IARC (INTERNATIONAL AGENCY FOR RESEARCH ON CANCER) kennt 5 Stufen:
  Klasse 1: Substanz/Gemisch ist kanzerogen für den Menschen.
  Klasse 2A: Substanz/Gemisch ist wahrscheinlich kanzerogen für den Menschen.
  Klasse 2B: Substanz/Gemisch ist möglicherweise kanzerogen für den Menschen.
  Klasse 3: Substanz/Gemisch ist bezüglich seiner Kanzerogenität für den Menschen nicht klassifizierbar.
  Klasse 4: Substanz/Gemisch ist wahrscheinlich für den Menschen nicht kanzerogen.
Interessanterweise ist der Klasse 4 bisher nur eine einzige Substanz zugeordnet. In der Gruppe 3 befinden sich die Hälfte aller in Deutschland zugelassenen Medikamente und eine Unzahl von in der Zahnheilkunde routinemäßig angewendeten Werkstoffen.

Kaolin
Porzellanerde, engl.: do.; weiches, feinkörniges Gestein, besonders reiner weißer Ton. Ursprünglich wurde K. zur Herstellung von "Malerton" und keramischen Massen zur Herstellung von Porzellan verwendet, heute dient er vorwiegend als Füllstoff in der Papier-, Kunststoff- und Farbenindustrie.
Expasyl, Keramik

Kaplan-Meier-Methode
statistische Größe, engl.: Kaplan's-Meier's-method; um bei einer best. Überlebenszeit (z.B. der eines Implantats) die zu erwartende Überlebensrate "S(t)" zu schätzen. "S(t)" ist der Anteil der Beobachtungseinheiten, die den Zeitpunkt t überleben. Es werden die Informationen aller Patienten so lange berücksichtigt, wie diese beobachtet worden sind. Zur Veranschaulichung dient die graphische Darstellung der Überlebensrate in Abhängigkeit von der Zeit in einer Kurve.
Haltbarkeit von ausgedehnten Füllungen

Kaposi-Sarkom
engl.: Kaposi tumour; zu den Weichteiltumoren zählende Gewebsneubildung; gilt als häufigster maligner Tumor bei HIV-Infizierten. Seit 1994 ist gesichert, dass das K. mit dem Herpes-Virus HHV-8 assoziiert ist. Der ungarische Dermatologe Kaposi beschrieb 1872 das "klassische idiopathische Sarkom" als sehr seltene Erkrankung z.B. der Lunge, in der es zu Wucherungen der Epithelzellen kommt. Dieser seltene Tumor befällt vorwiegend afrikanische Männer jenseits des 50. Lj. Heute versteht man darunter das sehr agressive "disseminierte Kaposi-Sarkom (DKS)"; disseminiert = ausgesät, verstreut. Es ist charakterisiert durch viele, über die gesamte Haut und Schleimhaut verteilte, dunkelrote bis braune Gefäßtumoren. Vornehmlich werden die Schleimhäute im Mund- und Genitalbereich sowie Spaltlinien der Haut befallen. Die anfangs lediglich kleinen, hellroten Flecken entwickeln sich mit der Zeit zu derben braun-roten bis bläulichen Knoten, welche sich häufig geschwürig zersetzen. Ihre Größe schwankt zwischen stecknadelkopf- bis handtellergroß. Sie können auch innere Organe befallen und dort zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führen.
Mundhöhlenkarzinome
http://www.aerztezeitung.de/


Kappazismus
G/K-Störungen, auch Gammazismus; Sprachfehler in Form von Lautfehlbildungen der velaren Konsonanten G u. K (z.B. "Tuchen" statt "Kuchen"). Hintergrund ist, dass diese Laute nicht von den Lippen abgelesen werden können. Das Kleinkind muss genau hinhören und intensiv üben, diese Laute nachzusprechen. Behandlungsbedürftig ab einem Alter von ca. 4 Jahren.
Sigmatismus

Kappeler Handgriff
Unterkieferhandgriff, engl.: Kappeler's manipulation, Kappeler maneuver; Vorschieben des Unterkiefers einer sich in Rückenlage befindlichen (bewusstlosen) Person. Dabei liegen die Daumen des Helfers beidseits hinter dem aufsteigenden Unterkieferast, der 2.–5. Finger unter der Kinnspitze. Durch diese Manipulation kommt es zu einer Vorverlagerung des Zungenbeins und somit zu einer Freihaltung der Atemwege (des Hypopharynx). Abb.: modifizierter K. H. von hinten
Hippokrates-Handgriff, Lauritzen-Griff

 

Kappenschiene
Kieferbruchschiene, engl.: (cemented) cap splint; früher in der Traumatologie zur Behandlung von Kieferbrüchen (heute nur noch im Milchzahngebiss bei unfallbedingten Zahnlockerungen) angewandtes Therapiegerät: Nach Reponierung der Bruchfragmente in die ursprüngliche Lage werden die Zahnkronen des Kiefers mit einer Schiene aus Metall oder Kunststoff vollständig umfasst. Diese Schiene ist für 5-6 Wochen fest eingesetzt ("einzementiert") um ein Wiederzusammenwachsen der Bruchstücke zu erreichen. Nachteilig ist bei der Überkappung, dass die Okklusion zwangsläufig verändert ("gesperrt") wird; ebenso ist keine Kontrolle der Okklusion möglich. Modifikationen - Galerieschiene und Scharnierschiene - sind so gearbeitet, dass die Kauflächen frei bleiben.
Kieferbruch, Parodontalschiene, traumatische Zahnverletzungen


Kappenstiftkrone ,Kappenkrone, engl.: (root pin) cap crown  Fingerhutkrone

Kapselpräparate
Kapselmaterialien
, engl.: materials in capsules; zunehmende Applikationsform für Füllungsmaterialien und Befestigungszemente: In der Mischkapsel befinden sich genau vordosierte Anteile von Pulver und Flüssigkeit, welche in einem motorgetriebenen Kapselmischgerät (Kapselrüttler, engl.: cap vibrator) nach Selbstaktivierung (self-activating capsules) durch Rotations- und Vibrationsbewegungen optimal durchmischt werden. Das Resultat ist eine nach Herstellerangaben geforderte Materialeigenschaft, welche mit Handmischverfahren nur selten erreicht wird. Dieses Resultat rechtfertigt auch den erheblich höheren Preis.
Amalgammischgerät, Trituration

Kapuze
Schleimhautkapuze, Schleimhautkappe, Zahnfleischkapuze, engl.: mucosal o. tooth hood; besonders bei Weisheitszähnen vorkommende Zahnfleischtasche auf der Kaufläche. Die aus Platzmangel bzw. unvollständigem Durchbruch entstehende K. ist ein ausgezeichneter Schlupfwinkel für Mikroben jeder Art ("Schlupfwinkelinfektion") und Ausgangspunkt der Dentitio difficilis. Chirurgische Entfernung mit Kauter, Skalpell oder einer Kapuzen- bzw. Kappenstanze



teilretinierter
Weisheitszahn
mit Kapuze

Karat
K
, engl.: do.; Ausdruck mit versch. Bedeutung, in der ZHK/Zahntechnik als Ausdruck der Reinheit von Gold. So bezeichnet man 24 karätiges Gold als Feingold oder "999er Gold" (100%iges Gold ist herstellungstechnisch nicht möglich), 18 karätiges Gold mit einem Feingoldgehalt von 75% ("750er Gold") gilt als Standardmetall der Goldschmiede und wird auch als "Kronengold" bezeichnet.
Legierung

Karbamid
Urea, Harnstoff, engl.: carbamide; End-Abfallprodukt des Stoffwechsels stickstoffhaltiger Substanzen, hauptsächlich in der Leber, aber auch in den Speicheldrüsen gebildet, ist es im Speichel sowie in der Flüssigkeit der Zahnfleischtaschen vorhanden und hat die Eigenschaft (kurzfristig) den pH-Wert des Speichels zum basischen hin anzuheben und somit den schädigenden Einfluss der Plaque-Bakterien und säurehaltiger Getränke zu kompensieren. Die Bleichwirkung von Karbamidperoxid macht diesen Stoff zu einem Hauptbestandteil bei versch. Bleichprodukten für den Hausgebrauch.
In jüngster Zeit Zusatz bei "zahnpflegenden" Kaugummis. Abschließende Studien über die Wirksamkeit und gesundheitliche Unschädlichkeit dieser Methode stehen noch aus.

Karborund
Siliziumkarbid, Siliciumcarbid, Silit, SiC, engl.: carborundum, silicon carbide; gewonnen durch ein spez. Erhitzen von Sand mit Kohle. Siliziumkarbid-Werkstoffe sind extrem leicht, an Härte und Temperaturbeständigkeit aber fast dem Diamant vergleichbar; wegen dieser Eigenschaften Hauptbestandteil von best. Schleif- und Poliermittel zum Ausarbeiten von zahnärztlichen Werkstücken (sog. "Steinchen")
Bohrer, Korund, Schleifmittel

Karies
Zahnkaries, Zahnfäule, ordinär: "Loch im Zahn", vom lat. "caries" = "Fäulnis", engl.: (dental) caries, tooth decay; häufigste Zahnerkrankung, bei welcher von Bakterien produzierte Säuren die Zähne angreifen und die in Zahnschmelz, Zahnbein (Dentin) und Wurzelzement vorhandenen Mineralien herauslösen (dynamischer Demineralisations-(Entkalkungs-) Prozess) und im Spätstadium damit verbunden einen Angriff auf den Zahnnerv durchführen ( Pulpitis); gilt als eine der häufigsten "Infektionskrankheiten" des menschl. Körpers; weit über 95% der Europäer sind davon befallen; in Deutschland verfügen nur etwa 1 % der Bevölkerung über naturgesunde Zähne. Vier von fünf Menschen weltweit hatten oder haben Karies. Die Behandlung von K. in D hat laut Statistischem Bundesamt 2008 etwa 7,9 Milliarden Euro gekostet.
Von der Zahnkaries abzugrenzen ist die sog. Knochenkaries, welche eine entzündliche Zerstörung des Knochengewebes bezeichnet, speziell bei der Knochentuberkulose.
Die erste Theorie, wie Karies entstehen könnte, stammt aus der Zeit um 1.800 v. Chr. und hatte bis ins 19. Jahrhundert Geltung: sie besagt, dass ein „Zahnwurm“ der Übeltäter sei und sich in das Innere des Zahnes fräße, ihn aushöhle und damit die schrecklichen Schmerzen hervorrufen würde. Auf einer altbabylonischen Tontafel wird das Vorgehen des Wurmes folgendermaßen beschrieben: „…Aus dem Zahn will ich saugen sein Blut und vom Zahnfleisch aus das Mark saugen. So habe ich Zugang zum Zahn. ...“
1889 wurde von dem amerikanische Zahnarzt Willoughby Dayton Miller die Ursache der Karies erforscht: Er fand heraus, dass Bakterien, die sich von Zucker ernähren, Karies verursachen. Miller war Begründer der sog. „chemisch-parasitären Kariestheorie“ (Zucker + Kariesbakterien = Säurebildung Entkalkung Karies) die im Prinzip heute nur noch eingeschränkte Gültigkeit hat, da hiermit die körpereigenen, immunologischen Faktoren bei der Entstehung nicht berücksichtigt werden.
K. bedeutet eine Zerstörung der Zahnhartsubstanz durch Stoffwechselprodukte dieser Bakterien, die sich auf der Zahnschmelzoberfläche in einer Plaquematrix ( Biofilm) anlagern. Aus nahrungsbedingten Kohlenhydraten bilden diese Bakterien Säuren, die zu einem Absinken des pH-Wertes unter die für Schmelz (pH 5,5–5,7) und Dentin (pH 6,3–6,5) kritische Grenze führen mit der Folge, dass der Hydroxylapatit der Schmelzoberfläche zunächst chemisch verändert wird und schließlich in Lösung geht. Der Zahnschmelz wird demineralisiert, und es können verstärkt Bakterien und deren Stoffwechselprodukte in tiefere Dentinschichten eindringen. Der natürliche Wiederanstieg des pH-Wertes - meist durch den Speichel - zu ungefährlichen Werten beträgt etwa 20 Minuten. In der Zwischenzeit entsteht eine Art "Schutzlücke", in der die gebildeten Säuren ungehindert den Zahnschmelz angreifen können.
Wenn auch bis heute die Entstehung der K. noch nicht vollständig geklärt ist, so steht fest, dass es ohne Kohlenhydrate und Bakterien - vornehmlich dem Bakterium Streptococcus mutans - keine K. gibt. Dabei gilt die Milchsäurefreisetzung als aussagekräftige Messgröße für das Kariespotential, denn nicht die Zahl einzelner Bakterienarten, sondern deren Stoffwechselaktivität ist entscheidend für den Verlauf des Kariesprozesses.


Ablauf der Infektionskrankheit Karies und versch. Behandlungsmaßnahmen


Die versch. Stufen einer Karies. Grafik überarbeitet nach © www.db.odont.lu.se/ :

1.) intakter Schmelz
2.) beginnende Karies ( Initialkaries, White Spot)
3.) die Karies hat sich festgesetzt - eine natürliche Ausheilung ist nicht mehr möglich
4.) Am Rand der Füllung (Amalgam) hat sich eine neue K. gebildet ( Sekundärkaries)
5.) Weit fortgeschrittene K. Caries profunda. Zahn ist meist nur noch durch eine Wurzelkanalbehandlung zu retten
6.) der Zahn ist abgebrochen - u.U. noch durch eine Wurzelkanalbehandlung zu retten. Bei der erkennbar schlechten Mundhygiene wird sicherlich eine Entfernung das Mittel der Wahl sein, falls prophylaktische Maßnahmen erfolglos bleiben


Folgende Fakts sind z.Zt. (2010) zur K. und deren Entstehung bekannt:

  • Die Wissenschaft definiert die K. als ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Entkalkungs- und Verkalkungsvorgängen auf der Zahnoberfläche, wobei die treibende Kraft für dieses Ungleichgewicht eine lang andauernde oder häufig wiederholte Produktion von Säuren durch Mikroorganismen in den Zahnbelägen (der dentalen Plaque) ist.
  • K. entsteht durch das zusammenwirken von 4 Hauptfaktoren:
    Wirt (= Zahn), Bakterien, Nahrung (hauptsächlich Kohlenhydrate, wie Zucker, Schokolade, Chips, Mehlprodukte) und Zeit (= Dauer der Einwirkung).
  • Kohlenhydrate (davon besonders niedermolekularer Zucker) werden durch Bakterien (hauptsächlich Streptococcus mutans) zu Säuren vergoren, welche alle Teile des Zahnes angreifen können. Während diese Säuren besonders den harten Zahnschmelz auflösen, greifen die Bakterien die organischen (lebenden) Bestandteile des Zahnes an. kariogen
  • Es besteht jedoch kein direkter Zusammenhang zwischen der Kariesentstehung und der Gesamtmenge des verzehrten Zuckers. Entscheidend ist die Kontaktzeit des Lebensmittels mit der Zahnoberfläche; also wie viel Zeit die Mikroorganismen haben, um organische Säuren zu produzieren. Das heißt, die Konsistenz, zum Beispiel die Klebrigkeit eines Lebensmittels, ist in hohem Maße mitverantwortlich für die Kariesentstehung.
  • K. beginnt an den Außenfläche des Zahnes an sog. Prädilektionsstellen. Dies sind Gebiete, die der natürlichen o. künstlichen Reinigung schwer zugänglich sind.
  • Die Entstehung der K. ist bis heute noch nicht restlos aufgeklärt; es gibt überzeugende Belege dafür, dass es sich um ein Zusammenwirken mikrobieller, genetischer, immunologischer, verhaltensspezifischer und umweltbedingter Faktoren handelt (multifaktorielle Erkrankung). Fest steht, dass es ohne Zucker (Kohlenhydrate) und ohne Bakterien - hier besonders St. mutans - keine K. gibt.
  • In der K. auslösenden Plaque spielen besonders Streptococcus mutans und Streptococcus sobrinus, aber auch Laktobazillen und Aktinomyzeten eine entscheidende Rolle.
  • Bakterien setzen mit Hilfe von Enzymen Zucker zu Energie um. Als Abfallprodukt dieses (glykolytischen) Prozesses entstehen organische Säuren, die primär den Zahnschmelz demineralisieren und somit schädigen. Fluoride können u.a. diese bakteriellen Enzyme in ihrer Aufgabe behindern, sodass weniger Säure produziert und dadurch das Bakterienwachstum gehemmt wird. Diese Störung wirkt sich jedoch bei anorganischen Fluorid-Verbindungen (z.B. Natriumfluorid und Natriummonofluorphosphat) erst bei hohen Konzentrationen aus, welche nach Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasten und Mundspülungen in der Plaque nicht erreicht werden. Aminfluoride hingegen können die Zellmembran leichter durchdringen und im Zellinneren ihre antibakteriellen Eigenschaften entfalten
  • Eine aktive Impfung gegen K. ist bisher nicht möglich; passive Antikörper werden schnell wieder durch den Speichel von der Zahnoberfläche geschwemmt. Kariesimpfung
  • K. als selbständige Erkrankung ist nicht erblich, jedoch die Bereitschaft (Disposition, Prädisposition) dazu in Form von schlechten Nahrungs- und Putzgewohnheiten. Das beliebte Patientenargument, schlechte Zähne "liegen in der Familie" und seien demnach nicht auf den pflegerischen Einfluss zurückzuführen, kann so im allgemeinen nicht hingenommen werden. Allerdings ist die Frage eines genetischen Einflusses noch nicht endgültig abgeklärt: Generell besteht die Hoffnung, dass im Zuge der langsam voranschreitenden Entschlüsselung des humanen Genoms auch Erkenntnisse über eine erbliche Veranlagung zur K. gewonnen werden. Aus Ergebnissen von Zwillingsstudien lässt sich vorsichtig folgern, dass offenbar durchaus eine erbliche Komponente beim Kariesbefall existiert. Häufig waren jedoch andere Umwelteinflüsse in diesen Untersuchungen unzureichend dokumentiert, weshalb die Ergebnisse keine Beweiskraft haben. So vermutet man, dass die Summe mehrerer erblicher Einflüsse die Anfälligkeit bzw. das Kariesrisiko durchaus beeinflussen könnte.
  • Eine unterschiedliche Immunverfassung des Körpers ist für die Schwere und den Verlauf der Erkrankung verantwortlich. So gibt es starke Unterschiede in der Reaktion des Organismus nach einer Infektion mit Kariesbakterien
  • K. ist eine Zivilisationskrankheit, die mit der industriellen Herstellung von Saccharose zu einer der teuersten Volkskrankheiten wurde. Alle bisherigen Versuche, die Kariesbakterien auf breiter Ebene zu kontrollieren, waren ohne Erfolg. Als Ursache dafür wird die Tatsache gesehen, dass Kariesbakterien nicht vollständig aus der Mundhöhle entfernbar sind, und sie so aus kleinen Nischen heraus (Fissuren, defekten Zähnen, Zahnfleischtaschen, Zunge usw.) die Mundhöhle immer wieder neu besiedeln.
  • Körpereigene Reparaturmaßnahmen gegen K. gibt es im Gegensatz zu sonstigen Körperwunden nur im frühen Anfangsstadium (Initialkaries, White Spot); hier ist eine Ausheilung durch Remineralisation (Wiedereinlagerung von Mineralien) oder zahnärztliche prophylaktische Behandlungsmaßnahmen möglich ( Kariesbehandlung); später kann eine "Ausheilung" nur durch restaurative zahnärztliche Maßnahmen (Füllung o. Krone) erfolgen.
  • Eine Schutz (Prophylaxe) vor K. erfolgt nach der "3-Säulen-Theorie" durch gründliche Zahnreinigung in Kombination mit zahngesunder Ernährung (z.B. Reduzierung des Zuckerkonsums oder Verwendung von Zuckeraustauschstoffen; Aktion zahnfreundlich) und Zufuhr von Fluoriden. Die ständige Anwesenheit niedriger Fluorid-Konzentrationen im Speichel fördert und beschleunigt den natürlichen Wiedereinbau von Mineralstoffen aus dem Speichel in den Zahnschmelz (Remineralisation). Dadurch kann das Mineraldefizit einer beginnenden Karies ausgeglichen und beginnende Karies gestoppt und u.U. Rückgängig gemacht werden ("Kariesausheilung").
  • Wichtige Schutz-Faktoren vor K. sind demnach der Speichel (Spülfunktion, Neutralisierung des pH-Wertes), die Zahnreinigung und die Aufnahme von Fluorid. Die Ernährung hat sowohl für die Kariesentstehung als auch für die Prophylaxe eine besondere Bedeutung.
  • Nachdem bis in die 90er Jahre des letzten Jhds. hinein die Zahl der Kariesfälle deutlich zurückgegangen ( Caries decline) ist, nimmt diese seit einigen Jahren vor allem bei kleinen Kindern mit teilweise schwerwiegenden Folgen wieder zu. Ein wissenschaftliche Erklärung ist bisher dazu nicht zu finden.
    Zusätzlich mehren sich die Hinweise, dass der in den Industrieländern beobachtete Rückgang der K. gar nicht so spektakulär, sondern ein (fluoridbedingtes) Zeichen einer verzögerten Verlaufsform ist ( Caries decline) ist.

Approximalkaries, Caries decline, Caries profunda, Club der Cariesfreien, ECC (frühe Milchzahnkaries), Ernährungsempfehlungenerosionsbedingte Zahnschäden, Fissurenkaries, ICDAS, Initialkaries, Fluoride: Wirksamkeit verschiedener Applikationsformen, Kariesarten, Kariesklassifikation, Kariesaktivität, Kariesbakterien, Kariesdetektor, Kariesimpfung, Kariesprädilektionsstellen, Kariesrisiko(-faktoren), Karies(risiko)test, kariogen, Kariologie, Kaugummi, Kavitation, Knochenkaries, Meth-Mouth, naturgesundes Gebiss, Nursing-Bottle-Syndrom, Plaque, Plaquehypothesen, Präkaries, Prävention, Primärkaries, Pulpitis, RCI-Index, restitutio ad integrum, Risikofaktor, Risikoindikator, Schwangerschaftskaries, SiC-Index, Stephan-Kurve, Strahlenkaries, Streptococcus mutans, Temperaturempfindlichkeit, Vipeholm-Studie, Vitalitätsprüfung, Wurzelkaries, Zahnkaries, Zahnverlust
Kariesprophylaxe als multifaktorielle Präventionsstrategie (Habilitationsschrift, sehr detailliert)
Lebenszeitkosten der Karies unter Einfluss von Fluoridprophylaxe o. ©: www.zahnheilkunde.de
http://www.kariesvorbeugung.de/
Karies und seine Verursacher - Ein Pilz ebnet der Zahnfäule den Weg (NZZ, 2014)
Ein neuer Weg der Kariesprävention - Beeinflussung des Biofilm-Metabolismus (zm, 2014)
Fragen und Antworten zur Kariesvorbeugung in türkischer Sprache
Video

 


Verlaufsformen der Karies


Caries superficialis


Caries media


Caries profunda

 




weltweite Verteilung der K.

 




20-jähriger Patient:
durch K. tief zerstörte Zähne - Mundhygiene unbekannt



tief zerstörter
Sechs-Jahr-Molar in einem  sonst kariesarmen Gebiss



ausgeprägte
Zahnhalskaries bedingt
durch Zahnfleischrückgang
und schlechten
Kronenrandschluss



Kariesdarstellung
im
Röntgenbild

 



"Strahlenkaries"

Kariesaktivität
engl.: caries activity; Veränderung des Umfangs der Karies in einer Mundhöhle (Zu- oder Abnahme) über einen bestimmten Zeitraum; hängt unmittelbar mit dem Kariesrisiko zusammen. Eine Bestimmung der K. ist über isolierte Verfahren wie Speicheltests oder Untersuchung der Oberfläche einer kariösen Veränderung (Läsion) relativ unzuverlässig. Hier können computergestützte Systeme ( Kariesmonitoring) verbunden mit feinen, graduellen Diagnosemethoden (Laserfluoreszenz und Impedanzmessung) zu einer qualitativen Verbesserung der Voraussage beitragen. Während die K. bei Kindern/Jugendlichen relativ hoch ist, fällt sie mit zunehmenden Alter ab. Die davon unabhängig wieder zu beobachtende Zunahme im Alter spielt sich eher im Zahnhalsbereich in Form der sog. "Wurzelkaries" ab.
Auch für die Haltbarkeit von Füllungen und Kronen spielt die individuelle K. im Hinblick auf das Auftreten von Sekundärkaries für die zu erwartende Überlebenszeit einer Füllung oder Brücke/Krone eine besondere Rolle: So ist die K. für die orale Gesundheit langfristig bedeutender als die Verwendung bestimmter Füllungswerkstoffe oder Zahnersatzmaterialien.
  Karies, Kariesrisiko, Kariesprogression

Kariesanfälligkeit
Kariesdisposition, engl.: caries susceptibility; immer wieder unterstellte Annahme, dass Karies durch genetische Faktoren ("weicher Zahnschmelz", "mein Großvater hatte schon früh keine Zähne" usw.) bedingt sei. Wissenschaftlich belegt ist lediglich, dass Störungen in der Menge des produzierten Speichels ( "Strahlenkaries") ein K. verursachen. Inwieweit dennoch genetische Faktoren beteiligt sein könnten, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt (s.u. Karies).

Kariesarten
Kariesformen, engl.: different kinds of caries; im Zusammenhang mit dem Begriff Karies tauchen noch eine Vielzahl von Unterbegriffen auf; die wichtigsten werden nachfolgend kurz erläutert:

Ernährungsempfehlungen, Fluoride: Wirksamkeit verschiedener Applikationsformen, ICDAS, Karies, Kariesklassifikation, Karies(risiko)test, Vipeholm-Studie

Kariesbakterien
engl.: caries bacteria; fast alle Karies verursachenden Bakterien sind Milchsäurebildner. In der Mundhöhle des Menschen gilt Streptococcus mutans als "Haupt-Karies-Bakterium", gefolgt von den Laktobazillen und (wissenschaftlich noch wenig erforscht) Candida-Pilzen; weiter werden bestimmte Fusobakterien und Spirochäten als Kariesauslöser bezeichnet. Weiter schätzt man, dass etwa 30-40 Bakterienarten, von welchen die meisten noch nicht bekannt sind, mit Karies im Zusammenhang stehen könnten. Je höher die Stoffwechselaktivität dieser und anderer Bakterien ist, umso höher ist das Potenzial dieser Keime, Karieserkrankungen (Läsionen) zu verursachen. Deshalb gilt: die Stoffwechselaktivität, und nicht die Anzahl der K. wird zum Maß für die Einschätzung des Kariespotenzials angesehen. Hinzu kommt, wie gut sich Bakterien in Biofilmen organisieren können. Auch hier ist Streptococcus mutans durch seine "Klebrigkeit" eindeutig im Vorteil.
Bei der Kariesentstehung spielt sich grob folgendes ab: Bakterien setzen mit Hilfe von Enzymen Zucker zu Energie um. Als Abfallprodukt dieses (glykolytischen) Prozesses entstehen organische Säuren, die primär den Zahnschmelz demineralisieren ("entkalken") und somit schädigen; es entsteht eine Zahnläsion, welche gemeinhin als Karies bezeichnet wird. Fluoride können u.a. diese bakteriellen Enzyme in ihrer Aufgabe behindern, sodass weniger Säure produziert und dadurch das Bakterienwachstum gehemmt wird. Diese Störung wirkt sich jedoch bei anorganischen Fluorid-Verbindungen (z.B. Natriumfluorid und Natriummonofluorphosphat) erst bei hohen Konzentrationen aus, welche nach Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasten und Mundspülungen in der Plaque nicht erreicht werden. Aminfluoride hingegen können die Zellmembran leichter durchdringen und im Zellinneren ihre antibakteriellen Eigenschaften entfalten.
Karies, Kariesdetektor, Karies(risiko)test, Laktobazillen, Streptococcus mutans, STAMPs, Vipeholm-Studie
Ein neuer Weg der Kariesprävention - Beeinflussung des Biofilm-Metabolismus (zm, 2014)

Kariesdetektor
Kariesfinder, engl.: caries detector; einfache Farbstofflösungen die auf das Dentin aufgebracht werden (z.B. Erythrosin 1% in Propylenglycol, Caries detector/Kuraray, Caries Marker/Voco, Snoop/Pulpdent, Seek/Ultradent). Der Farbstoff hat dabei die Aufgabe einer Visualisierung der Entmineralisation. Bei den K. stellt das Lösungsmittel für die Farbstoffe, meist handelt es sich um Propylenglycol, die wichtigere Komponente dar. Durch die fortschreitende Demineralisation entstehen im Dentin Poren. Aufgrund seiner Molekülgröße kann Propylenglycol in Poren bis zu einer bestimmten Mindestgröße eindringen und nimmt dabei den Farbstoff mit. Die Porengröße ist entscheidend für die Kariesdiagnostik: Gesundes Dentin hat einen geringen Porendurchmesser, der Farbstoff dringt nicht ein; demineralisiertes - also durch Karies erkranktes - Dentin hat einen größeren Porendurchmesser, die entsprechenden Stellen werden angefärbt.
Bei den Färbemethoden handelt es sich um Substanzen zur Anfärbung der jeweiligen Bakterien:
  0,5 %ige Lösung von basischem Fuchsin in Propylenglycol (Zusammensetzung: Fuchsin 0,25 g; Propylenglykol ad 30,0 g) ist in Wasser wenig, in Alkohol gut löslich, besitzt die stärkste Färbewirkung aller bekannten Detektoren, ist als Anilinfarbstoff allerdings potentiell kanzerogen; Anwendung deshalb nur örtlich am erkrankten Zahn und nicht zum Spülen.
  Cavex Caries Detektor® als Handelspräparat, bestehend aus: 1,0%iges Säurerot (C27H29O7N2S2Na , "Xanthen") gelöst in Propylenglykol; Säurerot wird seit langem in der Lebensmittelindustrie verwendet; kanzerogene Effekte sind nicht bekannt. http://www.hagerwerken.de
  Ammoniakalische Silbernitratlösung nach Howe: Silbernitrat mit 30,4 % Ammoniumhydroxyd. Einwirkzeit 15 Sekunden, anschließendes Neutralisieren mit gesättigter Kaliumjodidlösung über 15 Sekunden. Neben der (schwarzen) Markierung vorhandenem kariösen Dentins erfolgt gleichzeitig eine Desensibilisierung (Verringerung der Empfindlichkeit) des angegriffenen Dentins. Wegen der Gefahr von Fleckenbildung bei unvorsichtiger Anwendung und kosmetisch stark störender Zahnverfärbung kaum noch gebräuchlich.

Die in Propylenglykolhaltigen Lösungen können auch zur Diagnostik der häufig schwer zu erkennenden Zahnlängsfraktur im Dentinbereich (Split tooth-Syndrom) eingesetzt werden, indem sie den durch Bakterien infizierten Bruchspalt darstellen.
In der neueren Literatur wird von versch. Wissenschaftlern Carisolv ebenfalls als K. bezeichnet
Kariesdiagnostik, Kariesklassifikation, Präparation

Kariesdiagnostik
Untersuchungsmethoden zur Feststellung von Karies, engl.: caries diagnostics; mit dem Ziel eines möglichst frühzeitigen Auffindens der Karies-Erkrankung - dann wenn noch keine grob-sichtbaren Veränderungen ("Löcher") bzw. Schmerzen ( Pulpitis) vorhanden sind - um so eine frühzeitige Prophylaxeempfehlung zu geben bzw. eine minimalinvasive Therapie durchführen zu können (sog. Handlungsoptionen). Es stehen versch. Methoden zur Verfügung, welche häufig miteinander kombiniert werden:

Behandlung auf Verlangen, Bissflügel-Röntgenaufnahmen, Diagnodent, Fissurenkaries, Fissurenversiegelung, Fosdick Test, ICDAS, Initialkaries, Kariesdetektor, Kariesklassifikation, Kariesprädilektionsstellen, Karies(risiko)test, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Mejare-Index, Profilometrie, Risikofaktor, Risikoindikator, Röntgendiagnostik, Stephan-Kurve
Umfangreiche Diagnostikmethoden im Überblick (ZWP / 2015)
Kariesdiagnostik - ein Update (2012)
http://www.dental-online-community.de/images/magazin/artikel/sdc4_09_produktueberblick.pdf
http://www.dent.med.uni-muenchen.de/ (Abb. von Diagnodent u. DIFOTI) ; http://www.dent.med.uni-muenchen.de/~kkunzelm/exponent-0.96.3/index.php?section=27
New Caries Detection Systems: Reliable and Accurate (2012)

Kariesentfernung
engl.: caries removal; erfolgt i.d.R. (s.u.) auf einmal, vollständig und auf mechanischem Weg - neuerdings auch auch chemo-mechanisch ( Carisolv) oder rein chemisch ( HealOzone) mit umstrittenem Erfolg.
FACE-Methode, Kariestherapie
Bei einer tief fortgeschrittenen Karies wendet man eine schrittweise Kariesentfernung an.
Black, Caries profunda, Füllungstherapie, minimal-invasiv, Präparation

Kariesfinder ; engl.: Caries Finder; Kariesdetektor

Kariesfreiheit engl.: dentitition without caries; naturgesundes Gebiss, Club der Cariesfreien
Ausgewählte Zahlen:
Die mittlere dmf-t-Werte (Milchgebiss) bei 6-7-Jährigen betrugen in D:
1995: 2,89; 1997: 2,39; 2000: 2,21; 2004: 2,16
Die mittlere DMF-T-Werte bei 12-Jährigen betrugen in D:
1995: 2,44; 1997: 1,75; 2000: 1,21; 2004: 0,98
Naturgesunde Wechselgebisse bei 6-7-Jaehrigen:
1994/95: zwischen 19,6% und 45,9%
2004: zwischen 34,9% und 59,6%
Kariesfreie Zähne bei 12-Jaehrigen:
2004: zwischen 50,9% und 68,6%

Kariesimpfung
Impfung gegen Karies, Kariesimmunisierung, engl.: caries vaccination; bisher nur in Tierversuchen erfolgreich verlaufende Möglichkeit einer "Kariesimmunisierung". Hauptaugenmerk wird dabei auf eine aktive oder passive Immunisierung gegen das "Kariesbakterium" St. mutans gelenkt:

easy to clean effect, Immunsystem, Karies, Kariesbakterien, Sensibilisierung

Kariesindex , Kariesepidemiologie, DMF-Index

Kariesinfiltration
engl.: caries infiltration; neuer Begriff (2009) für einen mikroinvasiven Therapieansatz zur Behandlung einer Karies; „mikroinvasive Behandlung der Karies durch Kunststoffinfiltration“ (basierend auf den wissenschaftlichen Arbeiten der Arbeitsgruppe Dr. Hendrik Meyer-Lückel, Dr. Sebastian Paris, Dr. Jan Müller und Prof. Dr. Kielbassa aus der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Charité-Universitätsmedizin Berlin). Ziel des Therapieansatzes der K. ist es, die Poren mittels dünn fließender Kunststoffe, die anschließend aushärten, zu verringern und somit die Wege für Bakterien und Säuren zu verschließen. Um dies zu erreichen, wird die pseudointakte Oberflächenschicht mit Hilfe eines Ätzgels auf Salzsäurebasis zuerst vollständig entfernt und das betroffene Porensystem chemisch frei gelegt. Die Anwendung ist nur mittels perfekter Kofferdamtechnik möglich sowie sehr aufwendig und kostenintensiv.
Wissenschaftliche Langzeitergebnisse liegen nicht vor; ein Praxiseinsatz besteht nur vereinzelt (2011). Eine Studie der Uni Greiswald kommt 2010 zu dem Schluss, dass die Infiltration beginnender Kariesläsionen mit Kunstharz (Kunstharz namens ICON® der Firma DMG (Hamburg)) eine einfache und minimalinvasive Methode sei, um proximale Karies in den ersten Stadien zu behandeln.
Carisolv, Kariestherapie
www.diss.fu-servlets/.../Ehrhardt_Dissertation.pdf ; Web-Site (DMG)
Video

Kariesklassifikation
(des Progressionsgrades) nach Marthaler, engl.: (Marthaler's) caries classification; Einteilung des Voranschreitens einer Karies von der Zahnoberfläche zum Zahnnerv hin. Man unterscheidet dabei 5 Grade:
D0   keine Demineralisation erkennbar
D1   Demineralisation auf die äußere Schmelzhälfte begrenzt
D2   Demineralisation bis zur inneren Schmelzhälfte vorgedrungen, die Schmelz-Dentin-Grenze ist noch nicht durchbrochen
D3   Demineralisationsprozess hat die Schmelz-Dentin-Grenze durchbrochen und involviert die äußere Hälfte des Dentins
D4   Demineralisationsprozess hat die innere Hälfte des Dentins erreicht
Kariesarten
 


Karieslast
Folgen/Schwere einer Karieserkrankung, engl.: burden of caries (consequences of the caries process); neuartiger, nicht näher definierter Begriff im Zusammenhang mit Mundgesundheitsstudien. In etwa mit der Beschreibung des DMF-T Index gleichzusetzen. Man spricht bei der K. von "Komponenten", wenn man sich auf einzelne Folgen bezieht. So bedeutet etwa der Ausdruck "MT-Komponente" die Anzahl der fehlenden Zähne ("Missed Teeth"); "FT-Komponente" würde die Anzahl der gefüllten Zähne ("Filled Teeth") beschreiben.

Kariesmonitoring
Karies-Monitoring, Kariesüberwachung, Dokumentation der Karies zu verschiedenen Zeiten, engl.: caries monitoring; Untersuchung an mindestens zwei auseinander liegenden Zeitpunkten (meist Monate) auf das Vorhandensein von Karies mit jeweils gleichen Untersuchungsmethoden ( Kariesdiagnostik). Da das Fortschreiten der Karies von Individuum zu Individuum unterschiedlich ist, bestimmt man den Abstand zwischen diesen Zeitpunkten auf der Grundlage des individuellen Kariesrisikos. Hierzu bedarf es einer diagnostischen Methode, die kein Schadenspotential für den Patienten besitzt (normale Röntgenbilder scheiden deshalb i.d.R. aus), mit geringen Messfehlern und/oder hoher Reproduzierbarkeit behaftet ist. Erschwert wird ein K. meist durch eine rein qualitative Betrachtung (Karies: JA oder NEIN). Erst eine Unterscheidung in "Dentinkaries", "Schmelzkaries ohne Kavitätenbildung",  und "Gesund" lassen allfällige Prophylaxemaßnahmen kontrollieren und steuern.
Diagnodent, ICDAS, Kariesdiagnostik

Kariesprädilektionsstellen
Kariesproblemzonen, praedilektion = Vorliebe, engl.: caries praedilection locations; Gebiete/Stellen am Zahn, an welchen sich aus anatomisch-funktionellen Gründen bevorzugt Karies bildet, und welche deshalb besonders einer Mundhygiene zugänglich gemacht werden sollten. Dazu zählen:

Brackets, easy to clean effect, Karies, Prädilektionsstellen, Retentionsstellen, Schmutznische

 


 


Kariesprogression
Kariesfortschritt, engl.: caries progression; Begriff für das sich Weiterentwickeln einer unbehandelten Karies. Hier lassen sich keine pauschalen Aussagen machen ( Kariesaktivität); in etwa gilt jedoch: Im Milchgebiss schreitet die unbehandelte Karies sehr viel schneller voran als bei der bleibenden Dentition, und im jugendlichen Gebiss ist der Fortschritt rascher als im Altersgebiss. Generell kann eine Karies u.U. mehrere Jahre brauchen, bis sie den Zahnschmelz durchbricht.

Kariesprophylaxe
Kariesprävention, engl.: caries prophylaxis; vielfältige Maßnahmen zur Verhütung und weiteren Ausbreitung von Karies sowie deren Folgen. Es gelten folgende Maßnahmen als besonders effizient:
die Art der Ernährung (Ernährungsberatung und Ernährungslenkung)
eine gute Mundhygiene
individuelle und allgemeine Fluoridierungsmaßnahmen
Fissurenversiegelung
Die sonst bei Infektionskrankheiten mögliche Immunisierung ("Impfung") ist bisher (2007) ohne breitenwirksame und praktikable Erfolge (== Kariesimpfung).

Weiter unterscheidet man in:
Verhindern eines neuen Befalls = Primärprävention
Maßnahmen zur Remineralisation = Sekundärprävention
optimaler Füllungs- und Kronenrand, minimal-invasive Verfahren, (heute eingeschränkt) Blacksche Regeln zur Vorbeugung einer Sekundärkaries = Tertiärprävention
easy to clean effect, Gruppenprophylaxe  und Individualprophylaxe
Bornholmmethode, Ernährungsempfehlungen, Fluoride, Fluoride: Wirksamkeit verschiedener Applikationsformen, naturgesundes Gebiss, Prävention, primär-primär-Prophylaxe, Prophylaxe, Salzfluoridierung, Trinkwasserfluoridierung
Die neue S2k-Leitlinie „Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen“ So machen Sie in der Prophylaxe alles richtig (zm, 2016)
Neue Empfehlungen zur Kariesprophylaxe - Fünf-Punkte-Plan für gesunde Zähne (2013)
Kariesprophylaxe beim Kleinkind (zm, 2016)
Vorbeugen ist besser als Bohren (Patientenbroschüre)
Fragen und Antworten zur Kariesvorbeugung in türkischer Sprache

Kariesrezidiv
erneutes Aufleben
einer schon (unvollständig) behandelten Karies, engl.: recurrent caries; besonders durch Bissflügelaufnahmen unter Füllungen gut zu erkennen (s. Abb.); klinisch meist erst dann bemerkt, wenn Schmerzen auftreten ( Pulpitis). Davon abzugrenzen ist die Sekundärkaries, welche vor allem an den Rändern von zahnärztlichen Arbeiten auftritt.

Kariesrisiko
Kariesrisikofaktoren, engl.: caries risk (factors); statistische Wahrscheinlichkeit (engl.: (statistical) probability, likelihood) zukünftig an Karies zu erkranken. Bei den dazu führenden Faktoren liegt - wie aus der Medizin bekannt - nur das statistische Risiko zu Grunde. Dieses kann individuell erheblich davon abweichen. Bis heute (2007) gibt es noch kein sicheres Verfahren, eine zukünftige Karies mit ausreichender Sicherheit voraussagbar zu machen: Trotz negativer Prognose kann Karies auftreten - hier spielen noch unbekannte individuelle Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle. Folgende Faktoren sind entscheidend für das Auftreten einer Karies; die individuelle Einschätzung durch den Untersucher (Zahnarzt) hat dabei einen hohen Stellenwert:

Beim K. kennt man sog. Kariesrisikogruppen:

Nach Prof. Zimmer ergeben sich folgende praktische Empfehlungen:
Milchgebiss
- Bei kariesfreien 2- bis 5-Jährigen Nachweis von Mutans-Streptokokken in der Plaque mit Hilfe eines Chairside-Tests (z.B. CRT).
- Ein Kind mit Karies im Milchgebiss muss immer als Kariesrisiko-Kind betrachtet werden.
Wechselgebiss: Dentoprog-Verfahren
Bleibendes Gebiss: Cariogram
Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen müssen grundsätzlich als Kariesrisiko-Patienten betrachtet werden.

In der präventiven Zahnheilkunde wird die Erhebung von Kariesrisikoprofilen bereits als Standard vor Therapiebeginn angesehen.
bakteriologische Identifizierungssysteme, Cariogram, Dentoprog-MethodeECC (frühe Milchzahnkaries), Engstand, Ernährungsempfehlungen, Fissurenversiegelung, Fluoride, Fluoride: Wirksamkeit verschiedener Applikationsformen, Karies, Kariesimpfung, Kariesrisikomanagement, Prävention, Risikofaktor, Risikoindikator, Schmutznische, SiC-Index, Vipeholm-Studie
Diagnose des Kariesrisikos
Kariesprophylaxe als multifaktorielle Präventionsstrategie (Habilitationsschrift, sehr detailliert)

Kariesrisikomanagement
engl.: caries risk management; abgeleitet aus dem individuellen Kariespotential ( Kariesrisiko) lassen sich patienten-spezifische Prophylaxepläne erstellen, die in einem frühen Stadium des Kariesprozesses endgültige Kariesschäden verhindern oder zeitlich verzögern. Bis heute (2009) gibt es noch kein sicheres Verfahren, eine zukünftige Karies mit ausreichender Sicherheit voraussagbar zu machen.
Die folgende Abb. zeigt ein Karies-Management-System.
       
                 

Karies, Risikofaktor, Risikoindikator

Kariesrisikoschieber ; Dentoprog-Methode

Kariesrückgang , Caries decline

Kariestest , Kariesrisikotest, engl.: caries (risk test) ; Kariesdiagnostik

Kariestherapie
Kariesbehandlung, Kariesentfernung, Behandlung der durch Karies verursachten Zahnschäden, engl.: treatment of tooth decay; abhängig von dem Grad der Zerstörung bzw. der Dauer der Infektion und dem generellen Kariesrisiko. Die Karies ist bekanntlich eine multifaktorielle Erkrankung, deren einzige Ursache aber kariogene Bakterien sind. Diese Bakterien müssen im Sinne einer ursächlichen Behandlung entfernt und kontrolliert werden.

Bis zu den ersten sichtbaren Anzeichen (White Spot; s. obige Abb.) ist durch geeignete Maßnahmen - lokale Fluoridzufuhr, antibakterielle Gelees, Kasein-Phosphopeptid (CPP), gute Mundhygiene) und Kontrolle der Kariesaktivität ( Kariesmonitoring) - in diesem Stadium noch eine "Ausheilung" der Karies möglich (sog. Kariesfrüherkennung + Risikomanagement). Hat die Karies schon den Schmelz zerstört, ist keine spontane Ausheilung möglich, sondern es erfolgt i.d.R. eine zahnärztliche Behandlung mittels Ausbohren des Defektes, evtl. einer Überkappung des Zahnnervs, Präparation einer Kavität und Abfüllen mit einem geeigneten Füllungsmaterials, bzw. bei größeren Defekten durch Versorgung mit einer Krone. Ist der Zahn tief zerstört und kommen noch eitrige Prozesse an der Zahnwurzel und/oder Lockerungen hinzu, so ist u.U. eine Entfernung nötig.
Neben dieser "klassischen Therapie des Bohrens" werden in jüngere Zeit sog. "minimal invasive" Behandlungsarten propagiert, wie z.B. das "Bohrgel' Carisolv™, Laserbehandlungen, Pulverstrahltechniken, Ozonzufuhr, und "unterstützende" Ultraschall-Systeme. Für all diese Alternativtherapien gilt bisher, dass nur wenige klinische Erfahrungen vorliegen bzw. ein unbedeutender Einsatz in der Praxis erfolgt.
ART-Technik, Behandlung von Milchzähnen, Black, FACE-Methode, Fissurenversiegelung, ICDAS, Kariesentfernung, Kariesinfiltration, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, minmal-invasiv, Präkaries, Präparation, STAMPs

Karies versteckte, engl.: hidden caries; Hidden caries

Kariesverteilung , Kariesvorkommen, Kariesverbreitung, Kariesprävalenz; engl.: prevalence caries; Karies

kariogen
Kariogenität, Karies verursachend/auslösend, engl.: cariogenic; das Vermögen eines (Nahrungs-)Stoffes, die Kariesentstehung zu fördern. Hierzu gehören insbesondere leicht abbaubare Kohlenhydrate wie Saccharose, aber auch Glukose, Fruktose, Laktose und Süßmittel, wie Honig und viele "Natursüßmittel". So enthalten beispielsweise (Zuckergehalt in % vom Gewicht der Grundsubstanz; Limonaden schneiden dabei auf Grund ihres hohen Wassergehalts "unauffällig" ab; ausgesagt wird nichts über die "Klebrigkeit" der Substanzen auf der Zahnoberfläche):
Bonbons 90%
Honig 75%
Marmelade, Schokolade  60%
Trockenfrüchte i.D.  55%
Banane 18% (dieser Wert bezieht sich nur auf den Zuckeranteil, da ein hohes Potential im Zahnzwischenraum und am Zahnhals)
Cola 11% (s.o.)
Nüsse 4%
Stoffe, die vordergründig nicht "süß" schmecken, wie z.B. Ketschup ( verstecke Zucker)
Aktion zahnfreundlich-Stoffe  praktisch Null

Eine Kariogenität hängt nicht nur von der Menge, der Verweildauer ("Klebrigkeit") und der Abbaubarkeit ab, sondern auch davon, wann diese Stoffe aufgenommen werden: Beispielsweise ist der Verzehr eines "Schoko-Riegels" während einer Mahlzeit weitaus weniger k. als dieser vor dem Einschlafen.

Zuckerhaltige Nahrungsmittel zu meiden ( Aktion zahnfreundlich) ist ein Weg, das Kariesrisiko zu senken. Ein anderer besteht in der vermehrten Aufnahme von antikariogenen Nahrungsbestandteilen wie bestimmten Fettsäuren, Vitamin C oder grünem Tee. So kann die gleichzeitige Anwesenheit bestimmter Nahrungsstoffe die Wirkung von sonst Karies auslösenden Lebensmitteln deutlich reduzieren:

Aktion zahnfreundlich, Ernährungsempfehlungen, Isomaltulose, Karies, Stephan-Kurve, Vipeholm-Studie, Zucker

Kariogenität ; kariogen

Kariologie
engl.: cariology; Forschung und Lehre über die Entstehung (Ätiologie), Verbreitung, krankhaften Zusammenhänge (Pathologie) und Behandlung der Infektionskrankheit Karies

Károlyi Effekt
engl.: Károlyi treatment; Wiener Zahnarzt (1865-1945), welcher als einer Urväter der Aufbiss-Schiene/Knirscherschiene gilt. K. benutzte erstmals 1901 adjustierte Behelfe beim Bruxismus im Sinne von "eliminating this putative cause through orthodontic adjustment (= occlusal adjustment or equilibration)".
adjustiert, Äquilibrierungsschiene, Knirschen, Schiene
http://www.is.wayne.edu/mnissani/bruxnet/nocures.htm

Karpule ; Carpule

Kartusche
engl.: cartridge; sich immer mehr durchsetzende Applikationsform für Zweikomponenten-Abdruckmaterialien: In einem Doppelzylinder sind die beiden Komponenten dem Mischungsverhältnis entsprechend aufbewahrt. Mittels einer spez. Mischpistole werden die Pasten dann durch einen spritzenförmigen Ansatz (mit innen liegender "Mischspirale") in den Abdrucklöffel oder über den präparierten Zahn appliziert. Neben einem idealen Mischungsverhältnis zeichnen sich derartige Vermischungen durch eine gute Homogenität mit nur minimalen Lufteinschlüssen aus.
Abdruck



überarbeitet nach:
www.3m.com/espe

Karzinogen ; Kanzerogen

Karzinom ; Mundhöhlenkarzinom

Kassenabrechnung
engl.: billing of dental benefits; Schlagwortbezeichnung für die Grundlage der zahnärztlichen Honorarvergütung bei gesetzlich Versicherten über die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV). Im Gegensatz zu privat versichten Patienten erhalten diese vom (Vertrags-)Zahnarzt für im Rahmen von Sachleistungen erbrachte Tätigkeiten keine Rechnung, sondern weisen sich durch ihre Chip-Karte aus. Am Quartalsende ("Quartalsabrechnung") reicht der (Vertrags-)Zahnarzt seine Spezifikationen der erbrachten Kassenzahnärztlichen Leistungen ( BEMA) an seine Kassenzahnärztlichen Vereinigungen ("Abrechnungsstelle") zur sachlichen und rechnerischen Überprüfung ein. Nach Feststellung der Richtigkeit werden diese Forderungen an die jeweilige Krankenkasse weitergeleitet, das Honorar von dieser an die KZV überwiesen und von dort aus nach dem sog. Honorarverteilungsmaßstab an den jeweiligen Zahnarzt - vorbehaltlich etwaiger Kürzungen durch eine "nachträgliche Wirtschaftlichkeitsprüfung" bzw. Budget-bedingte Kürzungen -  in monatlichen Raten und einer Quartalsabschlusszahlung ausbezahlt.
Eine monatliche Abrechnung ("Monatsabrechnung") erfolgt bei den parodontologischen, prothetischen und weiteren Leistung (z.B. Kieferbruch) über den Teil, der von der Krankenkasse übernommen wird.

Kassenzahnarzt, "Kassenpraxis" Vertragszahnarzt

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung ; KZBV

Kassenzahnärztliche Gebührenordnung ; BEMA

Kassenzahnärztliche Vereinigung , KZV

Kassenzulassung , Zulassung

Kastenpräparation
engl.: sharp line angles preparation; Schlagwortbezeichnung für die Kavitätengestaltung bei Inlays. Die Präparation der Kavitätenwände im Bezug zum Kavitätenboden soll im Idealfall einen Winkel von 90° aufweisen, um eine ausreichende Retention dieser Füllungsart zu gewährleisten.
Ausblocken, Präparation, Scheibenschliffpräparation


überarbeitet nach einer Vorlage von:
www.dent.ucla.edu/

Kataplasma
Wickel, "Breiumschlag", engl.: cataplasm, poultice; in der Entzündungstherapie und zur Schmerzlinderung eingesetzte Substanzen, die lange Zeit die (meist warme) Temperatur halten

Katarrh
Katarr, engl.: catarrh; Schleimhautentzündung, mit Absonderung von Flüssigkeiten (wässriges oder schleimiges Sekret). In der ZHK wenig gebrauchter Begriff, da hierfür die spez. Begriffe Gingivitis und Mukositis stehen

Katulis , engl.: catulis; wenig gebräuchlicher Begriff für eine Form der Zahnfleischwucherung; Gingivahyperplasie

Kauabdruck
Kauabformung, Belastungsabformung, "mundgeschlossene Funktionsabformung", engl.: impression under bite (and gliding movements); spezielle Form des Funktionsabdrucks im zahnlosen Kiefer unter Kaudruck. Das mit speziellen Löffeln aus Aluminium oder hartem Kunststoff arbeitende Verfahren soll vor allem späteren Druckstellen vorbeugen. Es kommen besonders "steife" Abdruckmassen zum Einsatz.
Abdruck, Funktionsabdruck, Kompressionsabdruck

Kauakt
"Kauen", Mastikation, engl.: chewing act, mastication; nach Rose (rose@zmk2.ukl.uni-freiburg.de):
"Der Kauvorgang bereitet den Bissen zum Schlucken und zur erleichterten Verdauung vor, dabei wird feste Nahrung vor dem Schlucken auf wenige Quadratmillimeter zermahlen. Das Kauen und Schlucken von Nahrung ist ein höchst komplexer Vorgang, der durch Rhythmusgeber im Hirnstamm gesteuert wird und vielfachen Rückkopplungsmechanismen unterliegt. Nach Vorbereiten der Nahrungspartikel (s.u.) durch die Mastikation, gliedert sich der eigentliche Schluckakt in eine orale (Mund), pharyngeale (Rachen) und ösophageale (Speiseröhre) Phase.
Typischerweise läuft der Kauvorgang (engl.: masticatory cycle) in 4 Phasen ab (sog. "Vier-Phasen-Biss"):
Öffnung des Unterkiefers leicht zur Seite hin; erfassen der Speise mit den Schneidezähnen
Öffnung zur Kauseite hin und Abbeißen
Überstellung in einen Balancekontakt; Zerquetschen der Nahrung auf der Kauseite
Zurückführung in die Ausgangslage
Die Strukturen, die am Kauvorgang beteiligt sind, umfassen den Ober- und Unterkiefer mit den Zähnen, die Kaumuskulatur, die Zunge, die Wangen, den Mundboden und den Gaumen. Beim Kauzyklus wird mit den Frontzähnen die Nahrung zerschnitten beziehungsweise zerrissen, der Bissen wird nach distal befördert und dort mit den Molaren zermahlen. Der Bolus wird gleichzeitig eingespeichelt und mit Enzymen versetzt.
Hierbei verbessert die Oberflächenvergrößerung die enzymatische Aufschlüsselung der Nahrung. Bei einer gewissen Konsistenz wird mit der Zunge ein Bolus geformt und dieser reflektorisch geschluckt. Der Kauvorgang erfolgt primär willkürlich, dann weitgehend unbewusst. Die Berührungsreize der Speisepartikel an Gaumen und Zähnen steuern unwillkürlich die Kaubewegungen. Ein Kauzyklus nimmt etwa 0,6 bis 0,8 Sekunden in Anspruch, dabei werden Kräfte bis zu 1900 N, gemessen im Molarenbereich, entwickelt. Die durchschnittliche Beanspruchung beträgt etwa 300 bis 700 N. Die Kräfte werden als Zugkräfte über die Parodontalfasern auf den Knochen weitergeleitet. Dies führt zu einer direkten Belastung des Knochens insbesondere des Alveolarkammes. Gleichzeitig erfolgt eine funktionelle Beanspruchung des stomatognathen Systems über die Muskulatur."
Menschliche Zähne vollbringen täglich Höchstleistungen: 18 Tonnen Nahrungsmittel kaut der Mensch durchschnittlich in seinem Leben. Das sind umgerechnet 45 Schweine, für Vegetarier ein Brot in der Länge von viereinhalb Kilometern oder für Geflügelliebhaber 10.000 Hähnchen; weiter werden 40 Tonnen an Getränken geschluckt.
Kaubewegung, Kaueffizienz, Kaufunktion, Kaukraft, Schluckakt, Schrotkugeleffekt, Selbstreinigung

Kaubahn
Kaupfad, engl.: chewing pathway; virtuelle Linie ("Bahn"), welche von irgendeinem Punkt des Unterkiefers bei Kaubewegungen unter Antagonistenkontakt gebildet wird. Diese Linie ("Kaupfad") lässt sich durch versch. Methoden aufzeichnen.
Artikulatoren, welche derartige Bewegungen nachvollziehen können, werden auch als Kaubahnartikulator oder Kaubahnträger bezeichnet. Sie basieren auf der Führungsfunktion der Kauflächen (besser: Schliff-Facetten) der Zähne.
Bennet-Bewegung, Registrat
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/habil-online/00/00H136/t3.pdf

Kaubewegung
engl.: masticatory (mandibular) movement; Bewegung des Unterkiefers beim Kauakt. Diese kann - je nach Bezahnungsgrad der Kiefer - sehr verschieden sein: So trifft man im bezahnten, regulär stehenden Kiefer den typischen Rundbiss an; bei Okklusionsstörungen im Sinne einer normalen Gleitbewegung der Zahnreihen aneinander und bei Vollprothesenträgern (aus Gründen des Halts und der Statik) ist überwiegend der typische Hackbiss anzutreffen. Insbesondere die aus der komplexen, individuellen K. resultierende dynamische Okklusion bestimmt die Gestaltung der Kaufläche zahnärztlicher Ersatz-Arbeiten.

kaudal , "cauda" = "Schwanz", engl.: caudal; nach dem unteren Körperende hin, nach unten; Körperebenen

Kaudruck
Verhältnis von Kaukraft zu wirksamer Zahnfläche, engl.: chewing pressure; Resultat aus Kraft : Fläche, angegeben in Kp/qcm. So ist der K. bei Schneidezähnen größer als bei Backenzähnen, da die wirksame Fläche viel geringer ist. Beim Erwachsenen liegen die Normalwerte bei der Nahrungszerkleinerung bei 20-30Kp/qcm - als Extremwerte werden mehr als 10mal so hohe Werte angegeben.
Die Messung der K. erfolgt mit sog. Gnathodynamometern (historisch: Kaudruckmesser nach Haber) auf elektrisch/elektronischem Wege.
Da die Knochenstrukturen von Stirnnasenpfeiler, Jochbeinpfeiler, Flügelfortsatzpfeiler den größten K. zum Schädel hin abfangen, werden sie auch als Kaudruckpfeiler bezeichnet.
In der Literatur besteht eine sehr uneinheitliche Verwendung der Begriffe Kaukraft, Kaudruck, Kieferschlusskraft, Kaulast; weiter existiert eine Vielzahl an Maßeinheiten hierfür.
Kaukraft
http://www.diss.fu-berlin.de/2007/287/kapitel2.pdf

Kauebene ; Camper Ebene, Okklusionsebene

Kauebenenwinkel ; Okklusionsebenenwinkel

Kaueffizienz
Kauleistung
, engl.: chewing efficiency (i.e.: ability to grind a certain portion of a test food during a given time); Bestimmung der Kauleistung mit verschiedenen Methoden:
Messung nach dem Kauvorgang (die Anzahl der Kauvorgänge wird vorgegeben) einer Testnahrung (Mandeln oder Erdnüsse) mittels Sieben in definierten Maschenbreiten (5,6, 4,0 u. 2,0 mm). Nach dem Kauvorgang wird der Nahrungsbolus in die Siebe gespuckt, mit Wasser durchgespült und die Nahrungsreste in den jeweiligen Sieben gemessen
eine Testnahrung wird einem einfachen Kaufunktionstest unterzogen: Man zählt die Zeit bis die Testnahrung geschluckt wird, bzw. statt der Zeit die Anzahl der Kauvorgänge bis zum Schlucken
Kauakt, Kaufunktion

Kaueinheit
engl.: chewing or occlusal unit; in der Regel aus 3 Zähnen bestehende Anteile der Kauflächen der aufeinander treffenden Backenzähne von Ober- und Unterkiefer. Im weiteren Sprachgebrauch auch für ein Antagonistenpaar verwendet.
Kaukraft, Molarenrelation, Okklusion


Kaufläche
engl.: chewing or occlusal  or masticating surface; der Teil der Zahnkrone, welcher zur Zerkleinerung der Nahrung dient. Er berührt beim Zusammenbiss den Antagonisten des Gegenkiefers. Anatomische Teile ("Kauflächenelemente") der K. sind:
Fissuren
Grübchen
Höckerabhänge
Höckerspitzen
Randleisten
In einem eugnathen Gebiss passen die Höcker der einen K. beim Zusammenbiss ungefähr in die Grübchen der K. des gegenüberliegenden Zahnes (bzw. der gegenüberliegenden Haupt- und Nebenantagonisten; sog. Mörser-Pistill-Prinzip).
Bei zahnärztlichen Wiederherstellungsmaßnahmen ist eine exakte Kauflächengestaltung von großer Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der Restauration. Sie erfolgt bei im Mund gelegten Füllungen durch den Zahnarzt im Rahmen der Oberflächengestaltung; bei im Labor angefertigten Zahnersatzarbeiten überwiegend durch den Zahntechniker, wobei Feinkorrekturen bzw. Kontrollen nach Eingliedern der Arbeit durch den Zahnarzt im Mund ebenfalls nötig sind.
Abrasion, Auflage, Aufwachstechnik, Demastikation, FGP-Verfahren, Fossa, Grübchen, Kaubewegung, Kauakt, Kaukraft, Krümmungsmerkmal, Metallkaufläche, Okklusaler Kompass, Okklusion, Okklusionsfläche, Scherhöcker, Selenodont, Zahn



Kauflächenauflage ; engl.: occlusal rest; Auflage

Kaufunktion
engl.: chewing function; der Anteil des Systems "Kauorgan", welcher zur mechanischen Zerkleinerung von Nahrung im Mund  eingesetzt wird. Unterscheidung in subjektive Kaufähigkeit, objektive Kauleistung bzw. Kaueffizienz und Dauer des Kauvorgangs. Im weiteren Sinne wird auch noch der Kaukomfort mit einbezogen.
Die K. ist nicht unbedingt abhängig von der Zahl der Zähne, sondern vielmehr von deren Verteilung - eine sonst geschlossene Zahnreihe vorausgesetzt. Patienten mit beidseitig verkürzten Zahnreihen klagen nur wenig über eine verminderte K.; dagegen wird bei einer einseitig verkürzten Zahnreihe subjektiv wie auch objektiv eine verminderte K. festgestellt, da nur "auf einer Seite" gekaut wird.
Nachgewiesen ist ein linearer Zusammenhang zwischen Alter, Anzahl der Zähne und reduzierter K.
Bei Vollprothesenträger, die in Abhängigkeit der anatomischen Verhältnisse und der Passgenauigkeit des Ersatzes generell eine eingeschränkte K. aufweisen, kann - besonders im Unterkiefer - schon durch den Einsatz von "nur" zwei Implantaten - eine deutliche Steigerung der K. erzielt werden.
Kauakt

Kaugummi
engl.: chewing gum, bubblegum; Produkt aus veredeltem natürlichem Latex (Chiclegummi) oder synthetisch hergestellt. Der erste Kaugummi wurde 1869 in New York verkauft. Kaugummis bestehen im Wesentlichen aus einer Kaubasis. Bei normalem Kaugummi (Chewing gum) überwiegt der Wachsanteil, bei Ballon-Kaugummi (Bubble gum) der Anteil an gummiartigen Stoffen. Angeblich kauten schon die Steinzeitmenschen Gummiklümpchen und bei Ausgrabungen in Schweden fand man Harzklümpchen mit eindeutigen Abdrücken von menschlichen Zähnen. Der "Papyrus Ebers" (vor ca. 3.500 Jahren niedergeschrieben, vor 140 Jahren in einem Grab in Theben gefunden) erwähnt ein Mittel gegen Mundgeruch: Kügelchen aus Myrrhe, Weihrauch, Melone und anderen Zutaten wurden zur Mundhygiene gekaut. Ende des 19. Jhd. entdeckte dann Thomas Adams (ein Amerikaner) eine aus Latexsaft des mittelamerikanischen Sapotillbaumes gewonnene elastische und weiche Substanz, Chicle, die auch heute noch in der Kaugummiindustrie verwendet wird. So ziemlich gleichzeitig wie Adams beschäftigte sich auch William Wrigley mit dieser Kausubstanz und gründete eine Kaugummifirma.
Sog. Zahnpflegekaugummis ersetzen zwar nicht das Zähneputzen, sind aber eine wertvolle Ergänzung dazu, gerade dann, wenn unterwegs keine Gelegenheit zu klassischen Mundhygienemaßnahmen gegeben ist. Bewiesen ist:
Kauen von speziellen Kaugummis mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit nach den Mahlzeiten kann die Remineralisation des Schmelzes fördern und damit einer Karies vorbeugen; ebenso können aber auch zuckerhaltige K., die mindestens 20 Minuten lang nach der Mahlzeit gekaut werden, einer Karies vorbeugen. Voraussetzung dafür ist ein ausreichendes Fluoridangebot im Speichel.
Nach zweistündigem Kauen von K. steigen Flussrate und pH-Wert des Speichels im Vergleich zu unstimulierten Speichel beträchtlich an: Im unstimulierten Zustand ergibt sich keine Veränderung des Speichelflusses über zwei Stunden (durchschnittlich 0,39 ml/min). Nach Kaugummikonsum hingegen steigt die Rate zunächst steil an, um dann nach 35 Minuten auf ein Plateau von durchschnittlich 0,94 ml/min zu fallen. Bei unstimuliertem Speichel bewegt sich der pH-Wert im Bereich von 6,71-6,9. Nach Kaugummikonsum steigt der Wert auf durchschnittlich 7,35.
Ebenfalls lassen sich mit Hilfe von K. welche Kalzium und Phosphat freisetzen, die Dentintubuli verschließen und so "überempfindliche Zähne" (Hypersensibilitäten) wirkungsvoll reduzieren.
2014 betrug in Deutschland der Umsatz, der mit Kaugummis gemacht wurde, 646 Millionen Euro. 900 Millionen Euro kostete es, die ausgespuckten Kaugummis wieder zu entfernen (aus zm, 2-2016).
Antimykotika, desquamative Gingivitis, Karbamid, Kaugummitest, Selbstreinigung, Xylitol
http://www.wissenschaft.de/

Kaugummi-Test
engl.: chewing gum mercury test; umstrittene diagnostische Untersuchungsmethode auf einen Quecksilbergehalt (durch Amalgam-Füllungen verursacht) in der Mundhöhle. Bei dem zur Diagnostik einer Quecksilber-Belastung aus Zahnfüllungen von versch. Gruppierungen angepriesenen "Test", wird die Quecksilberkonzentration vor und nach 10-minütigem Kauen gemessen und daraus Rückschlüsse auf die ständige, mundhöhlenbedingte Quecksilberbelastung gezogen. Je nach Alter und Zustand der Füllungen wird durch das Kaugummi-Kauen vermehrt Hg freigesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass nur ein schwacher Bezug zwischen Zahl der Füllungsflächen und erhöhtem Quecksilbergehalt besteht, und dass der vom Kaugummi aufgenommene Anteil nicht aussagekräftig zu berechnen ist.
Eine Bestimmung der Quecksilberfreisetzung durch sog. "Speicheltests" oder "Kaugummitests" gilt heute als obsolet, da derartige Methoden die Oxydationsstufe des Quecksilbers nicht ermitteln und so zu völlig falschen Schlussfolgerungen führen. Speicheltest
Amalgam, Kaugummi, Quecksilber, Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen

Kaukantenschutz Höckerschutz

Kaukraft
Kaudruck, Beißkraft, engl.: occlusal force, chewing pressure; unterschiedlich starke, von der Zahl der okkludierenden Zahnpaare und weniger vom Alter abhängige Kraft. In der Literatur besteht eine sehr uneinheitliche Verwendung der Begriffe Kaukraft, Kaudruck, Kieferschlusskraft, Kaulast; weiter existiert eine Vielzahl an Maßeinheiten hierfür.
Messung entweder elektromyographisch unter Funktion oder statisch als isometrische Kraft zwischen den Kauflächen. Während Männer ihr Kaukraftmaximum mit etwa 45 Jahren erreichen und ca. 20 % mehr Kraft als Frauen erreichen, ist bei letzteren das Maximum schon mit 35 Jahren erreicht. Bei älteren Patienten mit beidseitig verkürzter Zahnreihe ergibt sich eine Verminderung von ca. 50 % gegenüber vollbezahnten Patienten; bei Vollprothesenträgern halbiert sich dieser Wert nochmals.
Die aktive Leistung aller Kaumuskeln beträgt etwa 400 kg. Hiervon kommt aber zwischen den Zähnen (= Kaudruck) nur ein geringer Teil - unterschiedlich je nach Kautätigkeit - an. So werden beim täglichen, normalen Kauen (ca. 40 min/Tag) Kräfte von etwa 20-30 Newton gemessen (ein Gewicht von 1 kg entwickelt einen Druck oder Zug von 9,8 Newton). Bei Knirschern und Pressern ( Bruxismus) sind die gemessenen Kräfte ("Endkaudruck") zwischen den Zähnen wesentlich höher und können bis zu 800 Newton und mehr betragen - das bis zu über 30fache! Dies kann bei längerem Anhalten zu schweren Schädigungen des Zahnhalteapparates, zu erheblichem Materialverlust der Zahnkauflächen, keilförmigen Defekten und Schmelzabsplitterungen oder -sprüngen, übermäßiger Abnutzung von Zahnersatz und zu Kiefergelenkserkrankungen führen.
Bei den enormen Belastungen verformen sich unter dem großem Druck kleine Bereiche der Zahnoberfläche. Wissenschaftler beobachteten, dass Eiweißmoleküle eine ganz zentrale Rolle bei der Verformung und Selbstheilung des Zahnschmelzes spielen. Die Moleküle sorgen dafür, dass sich die Atome nur in klar abgegrenzten Bereichen des Zahnschmelzes verschieben, andere Regionen hingegen unbeschädigt bleiben. Sobald der äußere Druck nachlässt, wird die Verschiebung der Atome nahe der Eiweißmoleküle wieder rückgängig gemacht, so dass nach einiger Zeit der gesamte Kristall wieder intakt ist. Auf diese Weise stellt der Zahnschmelz seine ursprüngliche Struktur wieder her.
Garliner-Übungen, Kauakt, Kaueffizienz, Kaumuskulatur, Kauorgan, Schrotkugeleffekt
Dissertation zur "Beißkraft" ; http://www.diss.fu-berlin.de/2007/287/kapitel2.pdf

Kauleistung , Kaueffizienz

Kaumuskulatur
engl.: masticatory muscles; eine Vielzahl von Muskeln, welche beim Kauakt den Unterkiefer zum Oberkiefer ziehen und wieder öffnen; Unterteilung in Mundöffner (Abduktoren) und Mundschließer (Adduktoren), wobei die Schließer funktionell deutlich stärker sind als die Öffner.
Die Hauptmundöffner sind: Digastricus (zweibäuchiger Muskel), Mylohyoideus (Unterkiefer-Zungenbein-Muskel), Geniohyoideus (Kinn-Zungenbein-Muskel)
Die Hauptmundschließer sind: Masseter (volumenmäßig größter Muskel) und Temporalis (kräftigster Muskel; Gesamtkaudruck von 1 Tonne sind möglich) und als "tiefe K." der Pterygoideus lateralis (Seitwärtsbewegungen) u. medialis. Versorgung durch den 3. Ast des N. Trigeminus (V, 3).
Deprogrammierer, Gesicht, Kauakt, Kaukraft, Kauorgan, Protraktoren, Trismus (Kaumuskelkrampf), Unterkieferreflex
http://www.uni-mainz.de/
Grafiken: http://www.karlwesker.de/


Kauorgan
Kausystem, engl.: masticatory system; umfassende Bezeichnung für alle am Kauakt beteiligten Körperteile, Gewebe und Flüssigkeiten wie Zähne, Zahnhalteapparat, Zunge, Gaumen, Mundschleimhaut, Wangen, Kaumuskeln, Kiefergelenk, Nerven (Schalt- und Regelsysteme), Speichel, Speicheldrüsen usw. . Vereinzelt auch als "stomatognathes System" bezeichnet.
Funktionsanalyse, Myoarthropathien, stomatognathes System

kausal , ursächlich, engl.: causal; symptomatisch

Kauschlauch
engl: chewing tube
1.) interokklusaler Raum, neutrale Zone; luftgefüllter, muskelfreier Raum zwischen Zunge, Wange und Alveolarkämmen. Er erlaubt einen Druckausgleich entlang der Zahnreihe nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren. Bedeutung bei der Haftung von Vollprothesen; die "neutrale Zone" ist weitgehend frei von störenden Einflüssen durch Zunge und Wange. So können z.B. über lange Zeit unversorgte, zahnlose Kieferbereiche zu funktionellen Vergrößerungen der Zunge führen, die das Tragen von Totalprothesen behindern.
2.) Durchgehender Muskelschlauch, welcher seinen Ursprung am Ringmuskel der Lippen beginnt und am selbigen des Afters endet
3.) relativ dicker, gummiähnlicher Schlauch, welcher auf die Zahnreihen gelegt wird. Einsatz in der Logopädie

Kauseite ; engl.: chewing o. working side; Arbeitsseite

kaustabile Zone
engl.: ?; Begriff aus der Totalprothetik: Um Schubkräfte einer Unterkiefer-Vollprothese auf ein Minimum zu begrenzen, wird das Kauzentrum an die tiefste Stelle des Alveolarfortsatzes verlegt. Dieser Ort befindet sich meist in Höhe des ehemaligen Zahnes 6. In diesem Gebiet liegt auch der tiefste Punkt der Spee'schen Kurve. Je nach anatomisch-funktionellen Gegebenheiten kann diese Zone auch an anderer Stelle im Seitenzahnbereich liegen. Das Totalprothetikkonzept nach Gerber spricht von einer "gezielten Festlegung des Kauzentrums".
Kompensationskurve, Vollprothese


Kausystem ; Kauorgan

Kauterisation ; "Kauter" , engl.: cautery; Elektrokauter, HF-Chirurgie

Kautschuk ; engl.: dental rubber; historisch eingesetztes Material als Basiswerkstoff für Zahnprothesen; http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/05H160/t5.pdf

Kauzentrum
Kauzentrik
,engl.: chewing center; das Gebiet im Kiefer, in welchem die größten Kaukräfte entwickelt werden. I.d.R. liegt dies im Gebiet 1. Molar/2. Prämolar, kann aber bei Zahnersatz - je nach Okklusionskonzept - an eine andere Stelle gelegt werden ( kaustabile Zone)

Kauzyklus, Kaubewegungsablauf , engl.: masticatory cycle; Kauakt

Kavität
Hohlraum; engl.: (carious) cavity. In zahnmedizinischen Sinne gebräuchlich für die, durch eine Präparation geschaffene Hohlform im Zahn zur Aufnahme einer Füllung. Einteilung der K. ("Kavitätenklassen") weltweit nach den sog. "Black-Klassen".
Der Abstand der K. zum Zahnnerv hin ("Kavitätenboden", "cavity base") sollte nach Möglichkeit 1 mm und mehr betragen. Bei Werten darunter werden spez. Schutzmaßnahmen empfohlen.
Nicht mehr gebräuchlich ist die Bez. "kariöse Kavität" für einen durch Karies bedingten Zahnhartsubstanzverlust (Defekt). Hierfür wird der Begriff "kariöse Läsion" verwendet.
"Adhäsivpräparation", Federrand, Finieren, Kastenpräparation, Kavitätenpräparation, Kondensation, Liner, MDPB, MOD-Füllung, Präparation, Testkavität




Kavitätendesinfektion
Kavitätenreinigung; engl.: cavity disinfection; Maßnahmen um nicht vollständiges entferntes oder entfernbares Dentin und weitere Verunreinigungen (Blut, Speichel) vor dem Legen einer Füllung zu entfernen bzw. desinfizieren; letzteres hauptsächlich, um einer Sekundärkaries und einer Pulpitis vorzubeugen. Während früher Mittel wie Ethanol oder Chloroform zum desinfizierenden Einsatz kamen, hat sich heute (2007) Chlorhexidin (CHX) in Form einer antiseptischen Spüllösung oder eines damit getränkten Wattebausches (2% Chlorhexidin-Digluconat) durchgesetzt; dies vor allem deshalb, weil CHX im Verhältnis zu anderen Substanzen eine hohe Substantivität besitzt.
Präparation, Präparationstrauma, Schmierschicht

Kavitätenklassen, Kavitätenklassen nach Black, "Black-Klassen", engl.: cavity classification, Black's (cavity) classification; Black, Kavität

Kavitätenlack , engl.: cavity liner, cavity varnish; Liner

Kavitätenpräparation
engl.: cavity preparation; Oberbegriff für alle Maßnahmen zum Vorbereiten eines defekten Zahnes für die Aufnahme einer Füllung nach Entfernung der kariösen Substanzen; i.d.R. auf mechanischem Weg mit rotierenden Instrumenten ("Bohren") unter Kühlung. Neben einer möglichst vollständigen Entfernung der Karies ( Caries profunda) müssen statische und hygienische Kriterien beachtet werden. Ferner muss bei der konventionellen Füllungstechnik die Form der Kavität so gestaltet sein, dass sie der Füllung einen natürlichen Halt (Retentionsform; z.B. sog. "Schwalbenschwanz", "okklusales Schloss") bietet. So werden z. B. bei zweiflächigen Kavitäten der Klasse I+ II (sog. zweiflächige Approximalfüllung) zusätzlich kariesfreie Fissuren in der Form eines "Schwalbenschwanzes" für Metallfüllungen (Amalgam, Gold) mit einbezogen, um durch Erhöhung der Kippstabilität einem Herausfallen der Restauration vorzubeugen. Minimalinvasive Behandlungsmethoden, verbunden mit einer Adhäsivtechnik, benötigen i.d.R. derartige substanzopfernde Methoden nicht mehr.
Der Abstand der K. zum Zahnnerv hin ("Kavitätenboden", "cavity base") sollte nach Möglichkeit 1 mm und mehr betragen. Bei Werten darunter werden spez. Schutzmaßnahmen empfohlen. Zu berücksichtigen ist weiter, dass bei Milchzähnen andere anatomische Gegebenheiten vorliegen: Die Dicke des Dentins ist wesentlich geringer als bei bleibenden Zähnen. Hierdurch kommt es leichter zu Pulpeneröffnungen/-schädigungen; ebenso gestaltet sich die mechanische Verankerung "mangels Masse" schwieriger.
Die bei den alternativen Behandlungsmethoden versprochene schmerzlose K. (z.B. Carisolv, Laser), konnte bisher in der Realität nicht überzeugen; besonders deshalb, weil nur in den seltensten Fällen auf eine zusätzliche konventionelle K. verzichtet werden kann.
Kavitätendesinfektion, Passung, Pulverstrahlgeräte, Retention, sonoabrasive Systeme, Sonicsys





minimal-invasiv

Kavitätenrand
Restaurationsrand
, engl.: cavity margin; Grenzlinie zwischen intakter, nicht präparierter Zahnhartsubstanz (i.d.R. der Schmelzoberfläche) und einer Kavitätenwand; je nach Füllungswerkstoff und Präparationsart leicht abgeschrägt (Kavitätenrandwinkel). Black stellte die Forderung auf, den F. zur Vermeidung vom Auftreten einer Sekundärkaries in Bezirke zu verlegen, die der natürlichen oder mechanischen Reinigung leicht zugänglich sind ("Extension for Prevention"). Diese Forderung wird heute bei einer guten Mundhygiene nicht mehr aufrecht erhalten.
Die Parodontologie fordert zur Vermeidung von Zahnfleischerkrankungen (lokaler Reiz der Kavität) den K. oberhalb des Gingivalsaumes enden zu lassen.
Abschrägung, Kavität, Randschluss, Ryge Klassifikation

Kavitätenwand
engl.: cavity wall; die seitliche Zahnhartsubstanzbegrenzung einer Kavität mit ausreichender Stärke, um eine Restauration aufnehmen zu können. Zum Kavitätenboden hin bilden die Wände - je nach eingesetztem Füllungsmaterial und Ausdehnung der Karies - einen Winkel, welcher größer oder kleiner als 90° ist.
Kastenpräparation, unter sich gehend

Kavitation
lat. cavitare = aushöhlen, engl.: cavitation; Begriff in der ZHK von zweierlei Bedeutung:
1.) Defektbildung ("Loch") in der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) durch Entkalkung (z.B. Karies)
2.) Bildung von Hohlräumen (Bläschen) durch Druckschwankungen, z.B. durch Ultraschalleinwirkung. Das plötzliche Implodieren dieser Bläschen erzeugt einen mechanischen Reinigungseffekt durch Stoßwellen ("akustische Strömung"), welcher z.B. bei der Zahnsteinentfernung, Ultraschallbädern oder Wurzelkanalreinigung genutzt wird. Weiter werden in der medizinischen Diagnostik Ultraschall-Kontrastmittel eingesetzt; der kontrastverstärkende Effekt wird durch gasgefüllte Bläschen erzielt, die durch K. entstehen.
Ultraschallgeräte

Kavosan
engl: Sodium perborate; Pulver aus Natriumperoxicarbonat (Sauerstoffabspaltende Verbindung; setzt Wasserstoffperoxid frei) und "Korrigentien" zur Herstellung einer Mundspüllösung. In Deutschland (2009) nicht erhältlich, da der Vertreiber (Gilette/Oral-B) das Produkt vom Markt genommen hat. Im Ausland u.a. unter dem Namen Amosan bekannt und auch noch auf dem Markt ( http://www.oralbprofessional.com/international.asp ; http://www.oralb.com/au/amosan.htm ).
Natriumperborat, Peroxid
http://books.google.com/

KAZGO , historische kassenzahnärztliche Gebührenordnung; PREUGO

K+B , K u. B; Abkürzung für Kronen und Brücken; gebräuchlich für Verblendkunststoffe bei festsitzendem Zahnersatz ("K+B-Materialien")

kch
auch KCh, K-Ch o. K.-Ch.;  zahnärztliche Abkürzung für konservierend-chirurgisch. Dieser Begriff taucht bei einer (meist versicherungstechnischen) Abgrenzung zahnärztlicher Leistung auf und umfasst zahnärztliche Verrichtungen, die in den konservierenden Bereich (z.B. Füllungen, Zahnstein usw.) und/oder in den chirurgischen Bereich (z.B. Entfernung eines Zahnes, Injektion) fallen. Abgrenzung u.a. gegenüber prothetischen oder kieferorthopädischen Leistungen. Bei vielen Privatversicherungstarifen gehören KCh-Leistungen zum Grundtarif ohne Wartezeit, während andere Leistungsarten an besondere Bedingungen geknüpft sein können.
Der Bewertungsmaßstab ( BEMA; B. ab 2004 (PDF 515 KB, Internetversion) führt explizit KCh-Leistungen auf.
Die (private) GOZ ( © LZK-BW) unterteilt hingegen differenzierter.
konservierend-chirurgisch

KCP-Methode (Kinetische Cavitäten Präparation); Pulverstrahlgeräte

Kegelzahn, engl.: cone tooth; unübliche Bez. für Zapfenzahn

Kegelstumpfinlay
engl.: truncated cone inlay; ähnlich wie bei den Inserts werden vorgefertigte Keramik-Kegelstümpfe (Durchmesser 3-4 mm) adhäsiv in der Kavität befestigt und der Überstand auf der Kaufläche nach dem Verarbeiten abgetragen. Wenig gebräuchlich, u.a. zur Reparatur von zahnärztlichen Arbeiten (z.B. nach Wurzelkanalbehandlung durch eine fest einzementierter Keramikkrone)
Keramik-Inlay

Kehlkopfreflex
engl.: larynx reflex; reflexartiges Verschließen der Stimmritze und anschließendem (Aus-)Husten (= pressendes Ausatmen gegen die geschlossene Stimmritze, welche sich nach entsprechendem Überdruck schlagartig öffnet) als Reaktion auf eine Kehlkopfreizung (z.B. durch einen Fremdkörper verursacht).
Physiologisch tritt ein derartiger Reflex durch Senken der Epiglottis (Kehldeckel) beim Schluckakt ( Schluckreflex) und einer Erweiterung der Glottis ("Stimmritze") bei der Ein- und Ausatmung auf.

Keil Interdentalkeil

Keilexzision
engl.: wedge excision; zu den Lappenoperationen zählendes keilförmiges Ausschneiden (Exzision) von Gewebe mit anschließendem straffen Vernähen der Wundränder. Bedeutung in der Parodontalchirurgie und bei der Entfernung von Lippen-/Wangenbändern.
Frenektomie: Drei Techniken im Vergleich

keilförmige Defekte
Abfraktion, scharfkantig begrenzter Verlust von Zahnhartsubstanz im Zahnhalsbereich, engl.: wedge-sharped defects, wedge-sharped lesions; unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze auftretend; meist vorkommend an den Außenflächen von Eckzähnen und kleinen Backenzähnen im Oberkiefer und mit Rezessionen kombiniert erscheinend. Nach Rückgang des Zahnhalteapparates über die Schmelz-Zement-Grenze hinaus, liegt der relativ weiche Wurzelzement frei und wird durch vielfache Maßnahmen (falsche Zahnputztechnik ("Schrubben" und fester Anpressdruck mit dem Borstenkopf; die Kraft der Zahnbürste auf die Zähne sollte nicht höher sein als die, mit der auf einer Küchenwaage 150 Gramm angezeigt werden!), abrasive Zahnpasten, saure Nahrungsmittel usw.) abgebaut. Weitere Ursache ist eine spannungsbedingte Überbelastung gewisser Zähne, welche zu feinen Absprengungen (Schmelzabsprengungen) führt; http://www.dental-tribune.com/.
Folgende Verhaltensmaßnahmen können das Fortschreiten von k. D. und Rezessionen verhindern:

Erosion, horizontales Putzen, Kaukraft, RCI-Index, Rezession, Stillmann-Spalte, überempfindliche Zähne

 


typische Stelle für k. D. ist der obere Eckzahn

 

 


k. D. und deren Reparatur mit Komposites ("Zahnhalsfüllung")

 

keimfrei ; aseptisch

Keloid , Narbenwucherung, "überschießendes Narbengewebe", engl.: do.; gutartig-derbe, nach Hautverletzungen auftretende Bindegewebswucherung, eine genetische Disposition wird vermutet.

Kennedy-Klassen
engl.: Kennedy's categories (classifications); Klassifizierung der möglichen Lückengebissarten. Die versch. Möglichkeiten von Zahnlücken werden nach ihrer Lage in 4 Klassen unterteilt:
Kennedy-Klasse I  = beidseitige verkürzte Zahnreihe oder beidseitige Freiendlücke
Kennedy-Klasse II  = einseitig verkürzte Zahnreihe
Kennedy-Klasse III  = seitliche Schaltlücke
Kennedy-Klasse IV  = frontale Schaltlücke (über die Mittellinie reichend)
In den einzelnen Klassen erfolgt noch eine Spezifizierung nach der Anzahl der Lücken. Details siehe Abbildung
                  
                       

Abstützung, Eichner-Klassen, Wild-Klassen, Lückengebiss

Kennlinien
engl.: characteristic line; Oberbegriff für eine Vielzahl von (virtuellen) Linien und Abständen im Gesicht eines Patienten. Gebrauch hauptsächlich in der Voll-Prothetik als "Ideal- o. Durchschnittslinien" bei der Rekonstruktion von Zahnform und -stellung, der Bisshöhe und der Lage der Kiefer zueinander bzw. in der Kieferorthopädie ( Profilanalyse).
Ästhetiklinie, Ästhetikschablone, Eckzahnlinie, Fazialebene, Frankfurter Horizontale, Gesichtshorizontale, Kephalometrie, Kieferlänge, Kiefermitte, Kieferprofilfeld, Lachlinie, Längen-Breiten-Index, Lippenschlusslinie, Mittellinie, Mundtangente, Simon Aug-Punkt, Zentrale


Kenntnisse im Strahlenschutz, engl.: knowledge  in the radiation protection; Fachkenntnisse im Strahlenschutz

Kephalometrie
Schädelvermessung, anthropologische Kopfvermessung, engl.: cephalometry; indirekte anguläre und metrische Vermessung des Schädels aufgrund eines Röntgenbildes
Basiswinkel, Biomet-Gesicht, Bipupillarlinie, Björk Summenwinkel, Ektomolare, Endomolare, Fazialebene, Fernröntgenbild, FRS-Analyse, Gesichtshöhenindex, Gesichtshorizontale, Glabella, Interinzisalwinkel, Jarabak Gesichtshöhenindex, Kraniometrie, MM-Winkel, maxillofaziales Dreieck, Merrifield-Winkel, Messpunkte , Mundtangente, Nasallinie, Norderval Winkel, OcP-MP-Winkel, Oberkieferlänge, Raphe-Median-Ebene, Simon Aug-Punkt, SNA-Winkel, SNB-Winkel, Spinaebene, Tragion, Unterkieferbasis, Zentrale
http://zahnmedizinstudenten.de/download/inhalt/rubriken/klinik/kfo/script/daten/Kephalometrie.ppt
www.opus-bayern.de/uni-wuerzburg/


Bezugspunkte Schädel u. Weichteile

Keramik
vom griechischen Keramos = Erde, engl.: ceramic; richtiger: Schlagwortbez. für keramische Massen bzw. Werkstoffe, meist nichtmetallische anorganische Materialien, die auf Grund ihrer ausgezeichneter Eigenschaften (z.B. Gewebefreundlichkeit, natürliches Aussehen, hohe Bioverträglichkeit, Farbbeständigkeit, Härte, chemische Widerstandsfähigkeit) in der ZHK als Grundlage für künstliche Zähne, zahnfarbene Zahnersatzarbeiten, Füllungen und Implantate dienen. Keramische Massen gelten als Schlüsseltechnologien für die nächsten Jahrzehnte beim Zahnersatz mit dem Ziel, metallische Werkstoffe in der Mundhöhle ganz zu ersetzen.
Die physikalischen Eigenschaften keramischer Werkstoffe können durch Variation des Verhältnisses Pulver/Flüssigkeit beim Anmischen gesteuert werden. Üblicherweise werden Werkstoffe zur Herstellung vollkeramischer Restaurationen aus Pulver und Modellierflüssigkeit angerührt, verdichtet und anschließend gebrannt. Bei Dichte und Porosität ergeben sich signifikante Unterschiede je nach verwendeter Flüssigkeitsmenge. Allerdings kann keine direkte Korrelation zwischen Mischungsverhältnis und Porosität festgestellt werden, sodass eine optimale Anmischung - je nach Produkt - individuell bestimmt werden muss. 
Während ein Aufeinandertreffen von Keramik - eigener Zahn zur Attrition am Schmelz führt, sind Kontakte durch Kunststoffe - eigener Zahn ohne Schmelzverschleiß; moderne Presskeramiken liefern ähnliche Werte wie natürlicher Zahnschmelz, hier sind bei beiden Stoffen annähernd gleiche Werte zu erwarten.
K
. ist hinsichtlich der Lichtbrechung, Brillanz und Festigkeit der natürlichen Zahnhartsubstanz sehr ähnlich. Die Lichtstrahlen, die in die Zahnoberfläche eintreten, werden durch die Lichtbrechung der Keramikschichten in das angrenzende Zahnfleisch weitergeleitet. Dadurch erhält das Zahnfleisch wie bei den natürlichen Zähnen eine vitale, frisch-rosa Farbe – es sieht gesund aus. Der Unterschied zu dieser sog. „rosa Ästhetik“ wird erkennbar im Vergleich mit metallgestützten Restaurationen, die diese Lichtdurchleitung blockieren und so die Umgebung "tot" erscheinen lassen.
Eine zahnärztliche Restauration aus Vollkeramik überzeugt durch ihre ästhetisch unübertroffenen Möglichkeiten im Frontzahnbereich; aber auch im Seitenzahnbereich können Inlays und Teilkronen kaum von der natürlichen Zahnsubstanz unterschieden werden. Durch die Möglichkeit, mit vollkeramischen Stiftkernaufbauten zerstörte Zahnstümpfe wieder aufzubauen, lässt sich auch in diesem Bereich durchgehend vollkeramisch arbeiten. Die glasierte Keramikoberfläche weist eine geringe Plaque-Retension aus. Dadurch wird im parodontal geschädigten Gebiss die Mundhygiene erleichtert, was zu einer verbesserten Prognose. Keramische Massen finden seit über 200 Jahren in der Zahnheilkunde Verwendung. Erst durch Anwendung der Schmelz - Dentin - Adhäsivtechnik ("Klebetechnik") zur Befestigung der keramischen Restaurationen an der Zahnhartsubstanz hat dieser Werkstoff zunehmend an Bedeutung gewonnen und stellt heute eine Alternative zu Metalllegierungen und Komposite-Restaurationen dar.
Durch die Klebetechnik ist es ebenfalls möglich, minimalinvasiv zu restaurieren - d. h., es ist nicht mehr notwendig, einen Zahn aufwändig zu präparieren. So kann substanzschonend gearbeitet werden.

K. werden als "Bio-inert" bezeichnet. Dabei leitet sich die gute Verträglichkeit aus folgenden Eigenschaften ab:
unbedenkliche Inhaltsstoffe, wie Oxide von Silizium, Aluminium, Natrium, Kalium
sehr geringe Löslichkeit, hohe Stabilität im aggressiven Mundhöhlenmilieu
geringe Tendenz zur Plaqueanlagerung
keine Interaktionen mit anderen Werkstoffen in der Mundhöhle
keine chemische Zersetzung unter Bildung von giftigen Abbauprodukten

Bei der Anwendung in der ZHK lassen sich unter werkstoffwissenschaftlichen Gesichtspunkten drei Gruppen unterscheiden:

Die Befestigung vollkeramischer Restaurationen ist eine weitgehend komplexe Technik in mehreren Schritten, bei der verschiedene Materialgruppen zur Anwendung kommen. Zwei unabhängige Interfaces werden durch das Befestigungsmaterial miteinander verbunden. Auf der Zahnseite werden moderne Adhäsiv-Systeme benötigt, um das Befestigungsmaterial mit Schmelz und Dentin zu verbinden. Auf der Keramikseite helfen spezielle Ätz- und Coating-Verfahren, einen mikromechanischen und chemischen Verbund zwischen Befestigungsmaterial und Keramik zu etablieren. Heute verfügbare Zemente werden in komposit- bzw. glasionomerzementbasierte Materialien eingeteilt. Befestigungsmaterialien und Keramiken o. ivoclar vivadent

Zur Geschichte der Keramik (nach Prof. G.Scharr / Rostock):

20.000 – 4.000 v.Chr.   Tongefäße, Lehmziegel
750 v.Chr.                   Dachziegel
um Chr. Geburt            Massenherstellung, Römer: Öllampen (erste techn. Keramik) Fensterscheiben aus rohem Glas
1708                          Joh. Friedrich Böttger: europäisches Pozellan
1808                          Herstellung von Zahnersatz
1887                          Bayer-Verfahren: Gewinnung von Al2O3
1892                          Acheson-Verfahren: Herstellung von SiC
1928                          Patent für stabilisiertes ZrO2 (Degussa)
1949                          Oxidkeramische Schneidwerkzeuge
1952                          keramische Fasern
1965                          Keramikplatten als Hitzeschild für Weltraumfahrzeuge
1968                          Heißisostatpresse
1969                          Gelenkprothesen aus Al2O3-Keramik (USA)
1975                          BMFT-Programm, PKW-Gasturbine
1979                          BMFT-Programm, Otto-und Dieselmotor
1985                          BMFT-Programm, Materialforschung
1988                          Keramischer Supraleiter

Special: Vollkeramik - eine Standortbestimmung (2005)
Befestigungszement, Biokompatibilität, Cerasorb, Cercon, Chipping, Glanzbrand, Hybridkeramik, Kaolin, Keramikschulter, Leuzit, Oxidkeramik, Porzellan, Presskeramik, Sintern, Vakuumbrand, Vita-Zahnfabrik, Zirkonoxid, Zwischenbrand
Keramikhandbuch
Kurzvorstellung der aktuellen Vollkeramiksysteme durch Anklicken dieses Textes
Unter der Adresse: Arbeitsgemeinschaft für Keramik, Postfach 10 01 17, 76255 Ettlingen, Tel: 0721 / 945 2929, http://www.ag-keramik.de  , E-Mail: info@ag-keramik.de  können wissenschaftliche Informationen ausgetauscht werden.
Keramik in der Zahnmedizin ab S. 7-20
www.personal.uni-jena.de
©: DGZPW (neu: DGPro)

Keramik-Inlay
Keramikinlay, "Porzellaninlay, engl.: ceramic inlay; in einem zahntechnischen Labor hergestellte oder aus Industriekeramik (z.B. Celay™, Cerec™) herausgeschliffene zahnfarbene Einlagefüllung zur kosmetisch optimalen Versorgung eines füllungsbedürftigen Zahns.
Einsatzgebiete und Vorteile für ein K.-I. sind:
  hohe ästhetische Ansprüche im Seitenzahnbereich
nachgewiesene Allergie gegen Metalle oder Amalgam
Amalgamphobie
gute Mundhygiene
substanzschonendere Präparation
hervorragende Ästhetik
ausgezeichnete Biokompatibilität
hohe mechanische und schmelzähnliche Abrasionsfestigkeit
geringe Wärmeleitfähigkeit
Elastizitätsmodul ähnlich dem Schmelz
beste Form- und Farbbeständigkeit
unproblematisch in unmittelbarem Kontakt mit anderen Materialien
geringe Plaqueanlagerung
Dagegen sprechen:
Bruxismus und andere Parafunktionen
nachgewiesene Allergie gegen Komposite oder einen der Bestandteile
der Zahnist schon sehr angegriffen, d. h. wenig ätzbarer Schmelz vorhanden
absolute Trockenlegung mittels Kofferdam nicht möglich
Gefahr des erhöhten Abriebs der Gegenzähne (Antagonisten)
hohe Kosten (zwischen 400,- und 600,- €)
große Schichtstärken nötig; deshalb bei jugendlichen Pat. häufig nicht möglich
Einsetzen mit Komposite (Fuge?)
bisher noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen für dentinbegrenzte Restaurationen (s.u.)

Um einen guten Verbund mit dem Zahn zu erzielen ( Randschluss), hat sich ein Bonding des Dentins in Kombination mit einem Kunststoffzement bisher am besten bewährt (sog. "adhäsive Befestigung"); der Raum zwischen K. und Zahn wird als Fuge bezeichnet (die Größe der Fuge sollte den Wert von 175 µm nicht überschreiten).
Das Langzeitverhalten der K. ist bisher (2006) noch nicht hinreichend untersucht (z.B. Studien jenseits der 10-Jahres-Marke). Von der Physik her sind die K. im Gegensatz zu metallischen Inlays bruchgefärdet, vor allem dann, wenn es sich um fein auslaufende Strukturen handelt.
Amalgamalternativen, Befestigungszement, CAD/CAM, Empress, Haltbarkeit verschiedener Füllungsmaterialien und Techniken im Seitenzahnbereich, Haltbarkeit von zahnärztlichen Arbeiten, Hybridkeramik, Kegelstumpfinlay, Keramik, Komposit-Inlay, PBE, Vollkeramik
Befestigungsmaterialien und Keramiken o. ivoclar vivadent
VIDEO: Präparationsregeln für Keramik-Inlays & -Teilkronen (Fa. Komet)
Special: Füllungen auf Zahnwissen.de
Keramik in der Zahnmedizin ab S. 7-20
http://www.vita-vip.com/

 


Inlay-Brücke
© der untern Grafik:
www.ag-keramik.de
Bildquelle:
ZT Kimmel/Noll


Ersatz alter
Amalgamfüllungen
durch Empress™-
Presskeramik
© der Grafik:
www.ag-keramik.de

 



Inlay
überarbeitet nach ©
http://www.degudent.de

Keramikkrone , KeramikmantelkronePorzellankrone ; Jacketkrone

Keramikschulter
engl.: ceramic shoulder; auf einer Präparations-Stufe direkt aufsitzende und mit der Zahnwurzel (Zahnhals) abschließende Keramik einer keramischen Verblendung oder einer Vollkeramikkrone. Gilt als biologisch und kosmetisch optimal, da mit dem Zahnfleisch nur die äußerst biokompatible Keramik in Kontakt kommt.
Aufwendige Präparation und zahntechnische Herstellung; relativ viel Zahnsubstanzverlust.

Jacketkrone, Präparation, Stufenpräparation


Keramikverblendung , engl.: porcelain coverage; Verblendung (Überzug) eines metallischen Gerüstes mittels keramischer Massen; Metallkeramik

Keratinisationsindex
IK,  Verhornungs-Index, engl.: keratinization-index; nicht unterteilte Messzahl für den Grad der Verhornung von bestimmten Teilen der Mundschleimhaut. Bestimmung durch die Exfoliationsdiagnostik; ausgewertet wird das Verhältnis kernloser Hornschollen der Schleimhaut zu allen Zellen. Dabei gilt grob:
Verminderung der Verhornung = Anzeichen einer Entzündung
Vermehrung der Verhornung = Anzeichen für eine verstärkte Keratinisierung, z.B. bei einer Leukoplakie
Index

Keratozyste
Primordialzyste, engl.: (odontogenic) keratocyst; Lage: zahntragender Kieferabschnitt oder distal des Weisheitszahnes, bevorzugt im Unterkiefer. Sie besteht aus mehrschichtigem Plattenepithel und neigt zur Bildung von Tochterzysten; gehäufteres Auftreten bei Syndromen (z.B. Gorlin-Goltz-Syndrom).
K. und auch die glandulären odontogene Zyste ("Speicheldrüsenzyste") zeichnen sich durch aggressiveres Wachstum aus, sind dementsprechend schwieriger zu entfernen und neigen auch häufiger zu Rezidiven. Vorkommen bei Männern häufiger als bei Frauen mit einer Bevorzugung zwischen dem 2. u. 5. Lebensjahrzehnt. Röntgenologisch besteht teilweise eine schwierige Differenzierung zur follikulären Zyste.
Basaliom, Dentitionszyste,  Inzisivuscyste, Zyste



Kerkhoff Paste
engl.: Kerkhoff's paste; früher gebrauchte Pastenmixtur aus Calciumhydroxid (Ätzkali), Kaolin (Bolus alba) und Glycerin zur medikamentösen Einlage in entzündete Zahnfleischtaschen

Kerma
Dosisgröße in der Radiologie; zusammengesetzt aus Kinetic Energy released per unit mass or Kinetic Energy released in matter.
Die SI-Einheit der K. ist das Gray (Gy) entspr. Joule/kg. Die Größe der K. ist vom bestrahlten Medium abhängig und beschreibt die in einem bestrahlten Stoff freigesetzte Gesamtenergie. Sie wird nur bei indirekt ionisierender Strahlung (Neutronen, Photonen) in einem Volumenelement eines Materials und seiner Masse, z.B. Wasser, Luft, berechnet oder gemessen.

Kernkrone
engl.: core crown; der Fingerhutkrone ähnliche Stiftkrone: der Wurzelkanalstift mit metallischem Aufbau wird in einem ersten Schritt definitiv in den Zahn eingesetzt. In einem zweiten Arbeitsgang wird die Krone (meist eine Voll-Keramik-Krone) dann auf diesen Unterbau ("Kern") aufzementiert.
Davis Krone, Krone, Stiftaufbau

Kernspintomographie
Kernspinresonanztomographie, Kernspin, NMR o. MR-Tomographie, engl.: nuclear magnetic resonance imaging; ist ein bildgebendes Verfahren einzelner Körperteile ohne den Einsatz von Röntgenstrahlen. Dabei benutzt man den Drehimpuls eines Atomkerns (sog. "Kernspin"), welcher durch ein abgestimmtes Magnetfeld erzeugt wird. In einem komplizierten Verfahren wird durch einen Computer die Objektstruktur als Schicht oder dreidimensionale Darstellung wiedergegeben. Haupteinsatzgebiet in der ZHK sind Untersuchungen von Weichgewebe (Tumordiagnostik) und die Darstellung des Kiefergelenks (Discus). Zähne ergeben nur schwache, diagnostisch nicht auswertbare Signale; optischer Abdruck - digitale Abformung
Die Entwicklung dieser Technik wurde 2003 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Dank neuer Entwicklungen ist es neuerdings (2003) möglich, innerhalb 20 Minuten von der Schädelbasis bis in den Bereich der Unterschenkel in einem Untersuchungsgang den gesamten Körper abzubilden. Mit der Ganzkörperkernspintomographie können krankhaften Veränderungen des Lymphsystems und insbesondere der Lymphknoten nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden. Auch Erkrankungen des Skelettsystems, insbesondere entzündliche Veränderungen, Tumorabsiedlungen, aber auch Traumafolgen können erkannt werden.
Arthrographie, bildgebende Verfahren, Magnetfeldresonanztomographie, Röntgenologie, Schichtaufnahme, Sonographie, Knochenszintigraphie, Tomographie (CT),
http://www.quanten.de/kernspintomographie.php
 

Kerr
Robert McNab, 1870-1960, vielseitiger US-amerikanischer Zahnarzt; bekannt vor allem nach von ihm entwickelten Abdruckmassen (Kerr Perfection Impression Compound), Instrumenten zur Wurzelkanalbehandlung (Kerr-Bohrer, Kerr-Feile, Kerr-Reamer, Kerr-Reibahle) und einem Calciumhydroxid-haltigen Medikament zur direkten Überkappung (Kerr-Life®)
http://www.kerrdental.com/

Ketac-Silver ®
durch glasgesintertes Silber (um metallbedingten Mundkorrosionen zu vermeiden) modifizierter Glasionomerzement (GIZ). Material zum Aufbau von verloren gegangener Zahnsubstanz ( Aufbaufüllung) in der Prothetik und für definitive Füllungen in der Kinderzahnheilkunde verwendet. Der Name "Ketac" ist eine Wortschöpfung aus Alkin (Alken) und befestigen (attach)
Behandlung von Milchzähnen

K-Feile
Kerr-Feile, K-Bohrer, engl.: K-file; mit spiralförmigen Schneiden (Anstiegswinkel ca. 45°) ausgestattetes Handinstrument zur schabenden Wurzelkanalaufbereitung


Reamer, Wurzelkanalinstrumente

Kfo ; Abk. von Kieferorthopädie

KG ; Abk. von Kiefergelenk

Kiefer ; engl.: jaw; Teil des Gesichtsschädels; Unterteilung in Oberkiefer ( Maxilla) und Unterkiefer ( Mandibula), welche beweglich zueinander angeordnet sind. Da er i.d.R. bei den meisten Wirbeltieren zur Nahrungsaufnahme dient, weist er Zähne oder zahnartige Gebilde auf. 
Os invisivum (Zwischenkiefer)

Kieferbasis
Wurzelgrund
, engl.: jaw base; mit Unterteilung in apicale und skellettale Basis (Basalbogen).
Die Kieferbasislänge findet vor allem in der kieferorthopädischen Diagnostik bei Jugendlichen Anwendung. Deshalb beziehen sich hierbei Messungen immer nur bis in das Gebiet der Sechsjahrmolaren
Abweichung, apicale Basis, Arch Length Discrepancy (ALD), Basiswinkel, Zahnbogenlänge

Kieferbasiswinkel
ML/NL, Norm 23,5° +/- 3°, engl.: jaw base angle; Neigungsgrad der Unterkieferbasis (ML-Ebene) relativ zur Oberkieferbasis (NL-Ebene). Dieser Winkel gibt Auskunft über die vertikale basale Relation. Große Winkel sind i.d.R. mit einem skelettal Offenen Biss, kleine Winkel mit einem skelettalen Tiefbiss vergesellschaftet.
apicale Basis
http://zahnmedizinstudenten.de/download/inhalt/rubriken/klinik/kfo/script/daten/Kephalometrie.ppt

Kieferbogen-Syndrom
Dysostosis mandibulofacialis, engl.: mandibulofacial dysplasia; genetische Fehlbildung durch Fehlentwicklung des 1. Kiemenbogens u. der 1. Kiemenfurche. Neben einer Unterentwicklung der Kiefer sind u.a. die nach außen-unten verlaufenden ("antimongoloiden") Augenlidspalten charakteristisch.
  Franceschetti-Syndrom, Kiemenbogen

Kieferbruch
Kieferfraktur, engl.: broken jaw, jaw fracture. Es erfolgt eine grobe Unterteilung in:
  • einfacher o. geschlossener o. unkomplizierter Kieferbruch (simple fracture)
    der Kieferknochen ist gebrochen oder angebrochen ( Infraktur), es besteht keine Verbindung (direkt oder indirekt) zur Mundhöhle
  • komplizierter o. offener Kieferbruch (complicated fracture)
    der Bruchspalt hat Verbindung zur Körperoberfläche (Mundhöhle o. außerhalb der Mundhöhle), oder er liegt innerhalb der Zahnreihen oder es befindet sich ein Zahn im Bruchspalt. Da bei dieser Art die Infektionsgefahr von außen groß ist, bedarf die Heilphase i.d.R. am Anfang einer antibiotischen Abschirmung ( Bruchspaltabszess)
  • Verrenkungsbruch Luxationsfraktur
  • Stauchungsbruch Stauchungsfraktur
  • iatrogener Kieferbruch (iatrogenic fracture)
    durch ärztliche Einwirkung auftretender K.; dieser tritt entweder dann auf, wenn bei chirurgischen Maßnahmen - i.d.R. bei der Entfernung eines Weisheitszahnes - zu viel Kraft aufgewandt wurde, und/oder durch Knochenrückgang und ungünstiger Lage des Zahnes eine starke Schwächung des Kiefers eingetreten ist, die den chirurgischen Maßnahmen nicht mehr standhält.
  • Mitunter können auch unbehandelte Tumoren (gut-/bösartig) den Kieferknochen soweit auflösen, dass unter Belastung (Kauen) eine Spontanfraktur (pathologic fracture) auftritt (s. Abb. Weisheitszahn-Zyste)

Sichere Zeichen für eine Kieferfraktur sind eine ertastbare Beweglichkeit der Bruchstücke (Fragmente) zueinander, eine Fehlstellung (Dislokation) des frakturierten Fragments, "Reibegeräusche" (Krepitation) und im Röntgenbild eine meist scharf begrenzte Bruchlinie (schwarze Linie, sog. "Aufhellungslinie"). Zusätzlich befinden sich im Frakturbereich eine Schwellung, Schmerzen unter Funktion und - besonders im Oberkiefer - ein Hämatom. Als Begleitsymptom kann eine Gehirnerschütterung ( Commotio) vorhanden sein.
Im Kieferbereich selten vorkommend ist die Impressionsfraktur (engl.: depressed fracture), bei welcher der Knochen flächenhaft nach innen gedrückt wird. Bevorzugtes Gebiet ist das Schädeldach bei Gewalteinwirkungen durch Hammerschlag, Stoß oder Prellschuss.

S. Storzer sagt zur Statistik (1999, 181 Pat.) folgendes:
"Die Patienten waren durchschnittlich 36,4 Jahre alt, 76% der Patienten waren männlich, 24% weiblich. Die meisten Patienten waren Arbeiter, Schüler oder Angestellte. Unfallursache war bei 41% der Straßenverkehr, Rohheitsdelikte kamen mit 16% an zweiter Stelle, Unfälle im Haus und Garten an Dritter (13%). Bei beiden Geschlechtern sind Verkehrsunfälle die häufigste Unfallursache. Während des Unfalls waren 22% der Patienten alkoholisiert. Insgesamt zogen sich 181 Patienten 338 Gesichtsschädelfrakturen zu, was durchschnittlich 1,9 Frakturen pro Patient entspricht. Jochbeinfrakturen kamen am häufigsten vor (78), gefolgt von den Collumfrakturen (condylar neck fracture) (57) und den Orbitabodenfrakturen (34)."
Je nach Art und Schwere des K. gibt es versch. Behandlungsmethoden:

  • konservative Versorgung durch Einsetzen von ganzen oder geteilten Kappenschienen im Ober- und/oder Unterkiefer. Während der Heilungsdauer (ca. 5-6 Wochen) Ruhigstellung der Fragmente. Dabei sind u.U. erheblich Behinderungen bei der Nahrungsaufnahme in Kauf zu nehmen - dafür braucht keine Eröffnung des Kiefers zu erfolgen ("unblutige Therapie")
  • operative Versorgung durch Rückstellung (Reposition) und miteinander Verankern (Fixation) innerhalb eines chirurgischen Eingriffs (" unter Sicht"). Zur Fixation können Drahtnähte (Drahtosteosynthese), Drahtumschlingungen (circumferential wiring), Metallplatten oder Knochenschrauben Verwendung finden. Relativ rascher Gebrauch (Nahrungsaufnahme) wieder möglich; Osteosynthese
  • funktionelle Versorgung durch Aktivator-ähnliche Geräte. Haupteinsatzgebiet ist hierfür die Fraktur des Kiefergelenksköpfchens (Kollumfraktur)
  • Notschienung; z.B. Sauer Notverband

Abscherfraktur, Bruchspaltabszess, Collumfraktur, Condylus, Defektfraktur, Fixierungsschiene, Grünholzfraktur, Impressionsfraktur, Kiefergelenkaufnahme, Kinnschleuder, Knochenregeneration, Knochenszintigraphie, LeFort, Luxation, Okklusalaufnahme, Osteosynthese, Pseudoarthrose, Spontanfraktur, traumatische Zahnverletzungen, Unterkieferbruch, Vincent-Symptom, Zuggurtung



die Hauptfrakturlinien;
nicht dargestellt
die Fraktur der
Gelenkfortsätze
(Kieferköpfchen)



Lokalisation der Unterkieferfrakturen



Lokalisation und prozentuale Verteilung der Unterkieferfrakturen



mehrfacher
Unterkieferbruch mit Notschienung

 



große follikuläre Weisheitszahn-Zyste
mit der Gefahr einer
Spontanfraktur



festsitzende ("konservative") Therapie

 

Kieferdehnung
engl.: jaw expanding; in der Kieferorthopädie gebräuchliche Methode zur Vergrößerung des Zahnbogens mittels festsitzender o. herausnehmbarer Apparaturen zur Behandlung des Zahnengstandes bei zu kleinem Kiefer. In extremen Fällen zusätzliche chirurgische Intervention.
GaumennahterweiterungKompressionsanomalie

Kieferdreieck ; Bonwill-Dreick

Kieferfrakturen , Gesichtsfrakturen, engl.: maxillofacial fractures; == > LeFort, Kieferbruch

Kiefer-Gaumenspalte ; engl.: gnathopalatoschisis; Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Kiefergelenk
Articulatio temporomandibularis, engl.: temporomandibular joint, TMJ; einziges im Körper vorkommendes Gelenk, welches gleichzeitig eine Dreh- und eine Gleitbewegung durchführen kann (Doppel-Ovoid-Gelenk). Es wird gebildet aus einer Grube im Schläfenbein und dem Condylus des Unterkiefer-Gelenkfortsatzes. Diese beiden Knochen sind durch die aus Faser-Knorpel bestehende Gelenkscheibe ( Discus) voneinander getrennt. Insofern besitzt das K. zwei Gelenkkammern: die obere wird durch die Fossa articularis, die untere durch den Kondylus (Caput mandibulae) begrenzt; dazwischen befindet sich der Discus. In der oberen Gelenkkammer findet die Gleitbewegung, in der unteren eine Rotationsbewegung um eine transversale Achse bei der reinen Mundöffnung und um eine Längsachse bei der Seitwärtsbewegung (Laterotrusion) statt. Die Beweglichkeit in der oberen Kammer beträgt etwa 1,5 , in der unteren etwa 3,5 Zentimeter. Die häufigste Störung innerhalb der oberen Gelenkkammer ist eine teilweise oder totale Diskusverlagerung nach anterior.
Bei der Mundöffnung erfolgt zuerst ein reines Drehen (sog. Rotationsbewegung um die horizontale Scharnierachse), welches bei weiterem Öffnen über eine kombinierte Dreh-Gleit-Bewegung mit einer Gleitbewegung endet; Bennett-Bewegung.
Die Unterkieferbewegungen dienen nicht nur der Mastikation, also dem Kauen und Schlucken. Diese werden auch bei nicht-mastikatorischen motorischen Prozessen des orofazialen Systems, wie etwa beim Sprechen, Singen, Gähnen oder bei mimischen Ausdrucksformen durchgeführt. Die funktionellen Unterkieferbewegungen sind stets Kombinationen mehrerer Hauptbewegungen, wie der Öffnungs- und Schließbewegung (Abduktion und Adduktion), der Vor- und Rückschubbewegung (Protrusion und Retrusion) sowie der Seitwärtsbewegung (Laterotrusion).
Eine einwandfreie Stellung der Kiefergelenke hängt von einer optimal funktionierenden Okklusion und entspannter Kiefermuskulatur ab. Fehlstellungen führen i.d.R. zu Kiefergelenkbeschwerden
Bei der neuromuskulären Steuerung des stomathognathen Systems kommt dem K. eine bedeutende Rolle in diesem Regelkreis zu. Versch. Wissenschaftler vertreten sogar die Auffassung, dass eine Störung dieser komplexen Wechselbeziehung auch Auswirkungen auf die Statik unserer Körperhaltung haben kann.

Arbeitsgelenk, Arthrographie, Bennett-Bewegung, Bennett-Winkel, Bisssperre, Botulinustoxin, CMD, Collumfraktur, Condylus, Deviation, Discus, Diskusverlagerung, Eminektomie, Funktionsanalyse,Funktionsorthopantomogramm, Gelenkbahn, Gerber, Hippokrates-Handgriff, Kiefergelenkaufnahme, Kiefergelenkbeschwerden, Kiefergelenkluxation, Kondylenbahnwinkel, Lauritzen-Griff, Luxation, Öffnungskurve, Okklusion, Pantographie, Protrusionsbahn, Registrierung, Scharnierachse, stomatognathes System, Subluxation, TMD, Translation, Unterkieferbewegung, Zentrik
anatomische Grundlagen des K.
Das Kiefergelenk ins rechte Bild gerückt (zm, 2013)
Knackpunkt Kiefergelenk (zm, 2013)
http://www.oldenburk.de/files/das_kiefergelenk_ist_nicht_einfach_eine_kugel.pdf (http://www.oldenburk.de/index.php?article_id=173)
Video: Kiefergelenkknacken ; Video: Kiefergelenkschmerzen

 




schematische Darstellung
des Gelenks mit dem Tuberculum articulare



Drehungen um und
Bewegungen mit der
Scharnierachse

Kiefergelenkagenesie
engl.: mandibular joint agenesia; seltene, angeborene Erkrankung mit völligem Fehlen der Kiefergelenke; zum Formenkreis der Dysostosen gehörend; Agenesie

Kiefergelenkarthrose
Kiefergelenksankylose, engl.: mandibular joint arthrosis o. ankylosis; einseitig ("Mundschiefstand") oder bei beiden Kiefergelenken auftretende - meist schmerzlose - Veränderung des Gelenks mit mehr oder weniger starker Einschränkung der Mundöffnung bis hin zur vollständigen Kieferklemme. Ursache ist bei einer Arthrose i.d.R. primär nicht eine Schädigung des Gelenkknochens, sondern des Gelenkknorpels (Diskus) als Folge einer Verletzung, häufiger Kieferverrenkungen (Luxationen), angeborene Entzündungen des Kiefergelenks oder chronischen Entzündungen im Gelenk. Die eingeschränkte Mundöffnung ist Folge einer Schonhaltung mit einer Abweichung zum kranken Gelenk hin (sog. Bonnet Schonstellung). Sie äußert sich weiter - individuell unterschiedlich - durch Reibe-, Knack- und Knirschgeräusche beim Öffnen und Schließen des Mundes. Als Begleitsymptome können wegen mangelnder Mundhygiene und Selbstreinigung durch den Kauakt vermehrt Karies und Zahnfleischerkrankungen auftreten.
Bei der Kiefergelenkarthritis kommt es als Folge einer akuten Entzündung zu Schmerzen im Kiefergelenk bei Öffnungsbewegungen, mit zusätzlichen Kopf- oder Ohrenschmerzen, die Bonnet Schonstellung ist stärker ausgeprägt; die Nahrungsaufnahme ist häufig massiv erschwert.
Eine primäre Behandlung erfolgt zumeist mit Aufbiss-Schienen. In neuerer Zeit werden zunehmend minimal-invasive Eingriff in Form einer Arthroskopie zur Schmerzmilderung/-beseitigung durchgeführt, da die Therapie mit Schienen oder eine Physiotherapie nicht immer erfolgreich sind.
Ankylose, Myoarthropathien

Kiefergelenkaufnahme
engl.: mandibular joint (o. temporomandibular) radiograph; röntgenologische Darstellung eines oder beider Kiefergelenke mittels versch. Techniken (s. Abb.):
  • nach Parma
    klassische Aufnahmetechnik, bei welcher die Röntgenröhre mit Kurztubus oder ohne Tubus ganz an das gesunde Kiefergelenk gesetzt und transversal (Projektion zum anderen Kiefergelenk hin) geröntgt wird. Durch diese Technik kommt es zu so einer starken Vergrößerung des tubennahen Gelenks, dass dies auf der Röntgenaufnahme nicht mehr zu erkennen ist; das filmnahe Gelenk ist nur leicht vergrößert dargestellt. Dargestellt werden der Condyluskopf, der Gelenkhals und Teile des aufsteigenden Unterkieferastes. Der Mund ist bei der Aufnahmetechnik geöffnet - der Öffnungswinkel bestimmt, wie der Condylus im Bezug zum Tuberculum articulare dargestellt wird.
    Entscheidender Nachteil ist die hohe lokale Strahlenbelastung durch Verwendung eines Kurztubus
  • nach Schüller
    auch: modifizierte Felsenbeinaufnahme nach Schüller. Dabei wird der Kopf des Patienten seitlich fixiert, indem das Jochbein (os zygomaticus) direkt an der Filmkassette anliegt und sich die Sagittalebene des Kopfes parallel dazu befindet. Der Zentralstrahl tritt etwa 3 Zentimeter oberhalb des äußeren Gehörgangs der gegenüberliegenden Seite mit einem Winkel von 30° ein und verläuft schräg kaudal und dorsal durch das aufzunehmende Kiefergelenk. Der Aufnahmeschwerpunkt dieser transkraniellen und technisch schwierigen Darstellung liegt in der Beurteilung von Form, Oberflächengestalt und Struktur des Condylus
  • nach Clementschitsch
    auch: okzipitofrontale Aufnahme.; sagittale Röntgenaufnahme. Diese wird bei maximaler Mundöffnung durchgeführt und der Zentralstrahl ist z.B. von der Nackenmitte her zur Nasenwand gerichtet. Mit dieser Projektion erfolgt eine symmetrische Darstellung beider Kiefergelenke und Unterkieferäste
  • Funktionsorthopantomogramm
  • Panoramaschichtaufnahme (OPG)
    Darstellung fast aller Kieferbereiche. Da diese Technik aber nicht speziell für Kiefergelenksaufnahmen entwickelt wurde, kann es auf den Bildern gern zu Überlagerungen im Bereich der Kiefergelenke kommen. Auch spez. Einstellungstechniken bringen unbefriedigende Ergebnisse. Dagegen gute Darstellung des aufsteigenden Astes - z.B. zur Diagnose von Collumfrakturen ; http://www.nzb.de/ (S.19)
  • Die Magnetfeldresonanztomographie gilt heute als Goldstandard in der Kiefergelenks-Diagnostik, wenn auch die Sonographie Vorteile bezüglich der Kosten, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit bietet. Beide Verfahren arbeiten ohne Röntgenstrahlen.
  • Digitale Volumentomographie - DVT
    wenn auch mit dieser aufwändigen Technik eindeutig bessere Ergebnisse der knöchernen Strukturen als mit den herkömmlichen Mitteln (nach Parma u. Schüller) erzielt werden, so ist keine Darstellung der Weichteilgewebe (z.B. Discus) möglich. http://www.nzb.de/ (S.19)

Das Kiefergelenk ins rechte Bild gerückt (zm, 2013)

 


Kiefergelenkbahn , engl.: condylar path Gelenkbahn, Kondylenbahn

Kiefergelenkbeschwerden
Kiefergelenkerkrankungen; temporomandibular joint diseases or disturbances; Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Dysfunktionen des Kiefergelenks. Unterscheidung in:
primäre Kiefergelenkerkrankungen: wie eine Arthritis durch Infektion aus dem bakteriellen bzw. rheumatischen Formenkreis (Patienten mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises berichten häufiger über Probleme mit dem Kiefergelenk als solche ohne derartige Erkrankung), oder Befall durch Tumore im Gelenkbereich, Verletzungen, Entwicklungsstörungen; Kiefergelenkarthrose
sekundäre Kiefergelenkerkrankungen: auf Grund von Funktionsstörungen bzw. Fehlstellungen
Beide Formen können bei Nichtbehandlung zu einer dauerhaften Schädigung des Gelenks (Arthrose, Ankylose) führen
Beiden Formen gemeinsam ist - neben Schmerzen unter Funktion - eine Einschränkung der Mundöffnung.
Diagnostisch ergeben sich dabei häufig wegen der Komplexheit der Strukturen im Schädelbereich Probleme: Nur durch eine klinische Untersuchung allein kann keine präzise Aussage über den Zustand des Kiefergelenks gemacht werden; es stehen deshalb verschiedene zusätzliche Verfahren zur Verfügung: Arthrographie, (Computer-)Tomographie, Sonographie und Magnetfeldresonanztomographie (MRT, MRI). Die Magnetfeldresonanztomographie gilt heute als Goldstandard in der Kiefergelenks-Diagnostik, wenn auch die Sonographie Vorteile bezüglich der Kosten, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit bietet. Beide Verfahren arbeiten ohne Röntgenstrahlen.
Ankylose, Äquilibrierungsschiene, Arthrographie, Bonnet (Schon-)Stellung, CMD, Deviation, Eminektomie, Funktionsanalyse, Gerber, Heilanästhesie, Helkimo-Index (Mobilitätsindex), internal derangement, Kiefergelenkgeräusche, Kiefergelenkluxation, Lasereinsatz in der Zahnheilkunde, Luxation, Magnetfeldresonanztomographie, Registrierung, Scharnierachse, Schiene, stomatognathes System, Subluxation, TENS, TMD, Unterkieferbewegung
Therapie von Kiefergelenkentzündungen - Das vergessene Gelenk (zm, 2016)
Die Schienentherapie (zm, 2013)
Chirurgische Verfahren bei Erkrankungen des Kiefergelenks (zm, 2013)
Die Rolle des Physiotherapeuten bei CMD (zm, 2013)
Video: Kiefergelenkschmerzen

Kiefergelenkbruch , Kiefergelenkfraktur , engl.: condylar process fracture, (mandibular) condyle fracture; Collumfraktur, Kieferbruch, Unterkieferbruch

Kiefergelenkgeräusche
engl.: clicking (jaw), (TMJ)-Popping, (TMJ)-Clicking; Unterteilung in Kiefergelenkknacken und dem während der gesamten Öffnungsbewegung bestehenden Kiefergelenkreiben. Weitere Unterteilungen beim Knacken beziehen sich auf das Auftreten während der Öffnung (am Anfang, mitten drin o. Ende), den Klang bzw. auf Seitwärtsbewegungen. K. sind meist Ausdruck von degenerativen Erkrankungen der Gelenke mit unterschiedlichen Ursachen aus dem cranio-mandibulären Formenkreis (z.B. Fehlbelastung der Zähne o. der Muskulatur) und müssen nicht unbedingt von Schmerzen begleitet sein. Die Knackgeräusche selbst stammen meist von einem Überspringen des Diskus allein o. mit dem Gelenkköpfchen aus der Gelenkpfanne bzw. über das Tuberculum articulare. Die Geräusche bedürfen aber nicht in jedem Fall einer Behandlung. Mit einer genauen Analyse des Gebisssystems sollte aber die Ursache ermittelt werden um entscheiden zu können, ob eine Therapie anzuraten ist.
Je später ein Knacken bei der Mundöffnung auftritt, umso aufwendiger und problematisch ist dessen Behandlung. Hauptursache für das Knacken ist das Ligamentum laterale, welches eine Verstärkung der seitlichen Kiefergelenkskapsel ist.
CMD, Funktionsanalyse
"Wenn die Bisslage ... verloren geht", © Dr. W. Burk, www.OldenBurk.de
Knackpunkt Kiefergelenk (zm, 2013)
Video: Kiefergelenkknacken

Kiefergelenkknacken , engl.: crackling jaw, temporomandibular joint click; Kiefergelenkgeräusche

Kiefergelenkkontusion
engl.: temporomandibular joint contusion; durch Gewalteinwirkung hervorgerufene Quetschung des Discus articularis und von knorpeligen Anteilen des Gelenkköpfchens, häufig verbunden mit einem Hämatom in der Gelenkkapsel und einer eingeschränkten Mundöffnung

Kiefergelenkköpfchen , Capitulum mandibulae ; Condylus, Kiefergelenk

Kiefergelenkluxation
Kieferluxation, engl.: mandibular dislocation, temporomandibular joint dislocation; Lageveränderung (Dislokation) eines nicht gebrochenen Kondylus aus seiner Gelenkgrube heraus; einseitig oder beidseitig auftretend. Unterteilung in:
fixierte Luxation: die Rückkehr des Condylus in seine ursprüngliche Lage wird verhindert; meist als Folge eines Traumas vorkommend. Die dadurch bedingte Kiefersperre (Kieferklemme) macht einen Mundschluss unmöglich
rezidivierende Luxation: wiederholte K. innerhalb eines kürzeren Zeitraums, meist bedingt durch eine Schwäche der Gelenkkapsel ( habituelle Luxation)
persistierende Luxation: beschreibt einen lang anhaltenden Zustand des Condylus außerhalb der Gelenkpfanne, welcher schließlich zu bleibenden Schäden führt.
Luxation, Subluxation, Verriegelungsoperation

Kiefergelenkscheibe, engl.: articular disc; Discus

Kiefergriff , Kieferhandgriff, engl.: jaw  manipulation o. movement; Kappeler Handgriff bzw. Hippokrates-Handgriff

Kieferhöhle
KH, Sinus maxillaris, Highmore Höhle, größte der Nasennebenhöhlen NNH (weitere Nebenhöhlen: Stirn-, Siebbein-, Keilbeinhöhle), engl.: maxillary sinus, antrum of Highmore;  mit den Eigenschaften:
Form: auf die Spitze gestellte Pyramide
Spitze ragt auf das Gebiet der Zahnwurzeln des Oberkiefers
da sie nur im Bereich Ihres Daches eine Verbindung zur Nasennebenhöhle aufnimmt, können sich langwierige, schmerzhafte Entzündungen in den mittleren Abschnitten entwickeln
Sie ist eine benachbarte Höhle zur Mundhöhle. Sie wird von dieser nur durch einen dünnen schwammigen (spongiosen) Oberkieferknochen getrennt. Häufig ragen Zahnwurzeln der Molaren in sie hinein ( Kieferhöhlenperforation)
Zum Geburtszeitpunkt ist die KH nur minimal ausgebildet. Sie wächst erst während des Wachstums durch zunehmende Pneumatisierung und erreicht mit 12 J etwa die Hälfte des Erwachsenen.
Ein natürlicher Zugang zur KH besteht über einen kleinen Kanal zum Nasengang hin. Die Größe und Form der KH unterliegen starken individuellen Schwankungen; sie haben beim Erwachsenen einen durchschnittlichen Rauminhalt von 15 qcm.
Historisch: Entdeckung 1489 durch Leonardo da Vinci mit der Bemerkung: „In dem oberen Raum verbirgt sich das Auge und unterhalb von diesem gibt es einen Saft, der die Wurzeln der Zähne ernährt.“ Alveolarbucht, Denker Operation, Sinographie




 


Kieferhöhlenentzündung , Sinusitis, engl.: (maxillar) sinusitis; Sinusitis

Kieferhöhlenfistel, engl.: oro-antral fistula; Antrumfistel

Kieferhöhlenoperation, operativer Kieferhöhlenzugang, engl.: maxillary sinus operation Caldwell-Luc-Operation

Kieferhöhlenperforation
Kieferhöhleneröffnung, Mund-Antrum-Verbindung, MAV, engl.: (maxillary) antrum perforation; offener Zugang der Mund- zur Kieferhöhle mit der Gefahr einer Infektion der Kieferhöhle ( Sinusitis) und des Verschluckens von Nahrungsmitteln über die Kieferhöhle. Diagnose meist durch den Nasenblasversuch (bei zugehaltenen Nasenflügeln wird die Körperluft in die Nase ausgepresst; bei positiver MAV tritt Luft aus). Dieser ist jedoch bei einer nur noch dünnen und geschlossenen Kieferhöhlenschleimhaut kritisch, da diese erst durch den Nasenblasversuch aufreißen kann. Besser durch das vorsichtige(!) Einbringen und Erfühlen mit einer stumpfen Sonde ("Knopfsonde", engl.: olive probe).
Ursache einer K. sind meist iatrogene Eröffnungen, z.B. obere Backenzähne mit langen Wurzeln und/oder großer Kieferhöhle, Komplikationen/mangelhafte Durchführung von Operationen am Oberkiefer.
Kleine K. heilen meist von allein ab; größere bedingen eine plastische Deckung ("Kieferhöhlenplastik") durch Periostschlitzung ("Rehrmann-Lappen") oder Einbringen von bioabsorbierbaren Membranen (z.B. beta-Trikalziumphosphat mit Polylaktit, Biogide™)
Abszess, Alveolarbucht, Antrumfistel, Antrumperforation, Lappenoperation, Nasenblasversuch, Radix relicta (Wurzelrest), Sinusitis
 


Kieferhöhlenzyste ; engl.: maxillary sinus cyst Verschlusszyste

Kieferkamm , engl.: jaw ridge; Alveolarfortsatz

Kieferkammdefekt , engl.: (alveolar) ridge defect , Augmentation

Kieferkammplastik ; Alveolarkammplastik

Kieferklemme
KKAnkylostoma, Limitation, engl.: lockjaw, trismus; meist entzündungsbedingte mehr oder weniger starke Einschränkung der Mundöffnung - bis hin zur vollständigen Sperre - durch Kiefergelenk- oder Kaumuskelerkrankungen, bzw. reflektorisch bedingt zur Ruhestellung ("Schonhaltung" des Unterkiefers; bedingt durch die Irritation vor allem des Musculus pterygoideus medialis und des Musculus masseter) bei entzündlichen Prozessen in der Mundhöhle (z.B. erschwerter Durchbruch von Weisheitszähnen; als Folge von Leitungsanästhesien im Unterkiefer).
Nach Abklingen des akuten Stadiums besteht die K. noch länger isoliert weiter. Hiergegen werden sog. "Spateldehnungen" oder Spreizungen mit einer Spreize nach Steinkamm-Schuchardt empfohlen.
K. als ein Frühsymptom der Tetanus-Infektion wird als Trismus bezeichnet
Bisssperre, Gelenkbahn, Kiefergelenkluxation, Kiefersperre, Mundöffnung, Spatelübungen, Unterkieferbewegung

Kieferkompression , engl.: jaw compression; Schmalkiefer

Kieferlänge
engl.: length of jaw; mit Unterteilung in:
  • Oberkieferlänge (length of upper jaw)
    Abstand zwischen einer gedachten Verbindungslinie der beiden Weisheitszähne einerseits und dem Berührungspunkt der Schneidezähne andererseits. *)
  • Unterkieferlänge (mandibular length)
    Strecke zwischen der vorderen Kinnfläche und einer virtuellen Ebene, die die Rückseite der Condylen berührt und senkrecht zur Frankfurter Horizontalen steht.

*) andere Bezeichnungen sprechen von einer relativen Oberkieferlänge (linearer Wert zwischen der Hinterseite der Condylen  und dem am weitesten dorsal liegenden Punkt der vorderen Kurvatur der Maxilla zwischen Alveaolarfortsatz und Spina nasalis. Diese steht bei 18-jährigen in einem Verhältnis von 1:1,3 zur (relativen) Unterkieferlänge
Kennlinien


Kiefer-Lid-Phänomen , engl.: Marcus Gunn syndrome; Gunn Zeichen, Marcus-Gunn-Phänomen

Kiefermitte
engl.: jaw middle; bei regelrecht stehenden Zähnen zwischen den mittleren Schneidezähnen gelegen. Im Oberkiefer bestimmt durch die Raphe-Median-Ebene; im Unterkiefer vorgegeben durch die Spina mentalis (4 paarige Knochenvorsprünge an der Innenseite des Unterkiefers) und der Mitte zwischen den Tubercula mentalia.
Mittellinie, Mittellinienverschiebung

Kieferorthopädie
Orthodontie, dento-maxilläre Orthopädie, engl.: orthodontia; eigenständiges Teil-Fachgebiet der ZHK, das sich mit der Erkennung, Verhütung, Behandlung von Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien und deren Erforschung befasst. "Orthodontie" im engeren Sinne meint in D kieferorthopädische Behandlungen, die ausschließlich mit festsitzenden Behandlungsbehelfen durchgeführt werden.
Erwiesen ist, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen das Beißen, Kauen und Sprechen ganz erheblich stören können und i.d.R. behandelt werden müssen. Je nach Art u. Schwere der Fehlstellung sind Behandlungen vom Milchgebiss bis hin zum Erwachsenengebiss nötig. Fast jedes zweite Kind muss inzwischen kieferorthopädisch behandelt werden. Neben genetisch bedingten Fehlstellungen des Kiefers sind etwa 40 Prozent der kieferorthopädischen Behandlungen auf Lutschen oder schlechte Pflege der Milchzähne zurückzuführen.
Die im Milch-, Wechsel und/oder bleibendem Gebiss angewandten Behandlungsmethoden können mit abnehmbaren oder festsitzenden Geräten durchgeführt und durch körpereigene (= funktionelle) Kräfte durchgeführt werden.
Der günstigste Behandlungszeitraum liegt während des, individuell unterschiedlichen Kieferwachstums, beginnend etwa mit dem 10. und endend ca. mit dem 15. Lebensjahrs; bei entsprechender Mitarbeit und finanziellem Einsatz (Gesetzliche KK beteiligen sich nur bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs, ausgenommen sind schwere Anomalien) werden aber auch gute Erfolge bei Erwachsenen ("Erwachsenenbehandlung") verzeichnet.
Die Behandlung erfolgt entweder mit festsitzenden oder herausnehmbaren Behandlungsgeräten bzw. einer Kombination beider; nur bei schweren Fehlstellungen ist eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung erforderlich ( http://web.tu-dresden.de/sorg/mkg/Dys.pdf).
In D waren 2008 ca. 2.500 Kieferorthopäden als Fachzahnärzte tätig.
Abweichung, Angle, Aktivator, AufbissPlatte, Begg Technik, Bionator, Innen-/AußenstandBehandlungszeitraum, Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden, Eismann Index, Engstand, Extraktionstherapie, Fehlstellung von Zähnen, Fernröntgenbild, Fotostataufnahme, Funktionskieferorthopädie, Habits, Hand-Röntgenaufnahme, Headgear, Interzeptivbehandlung, Jiggling, Kieferorthopädische Fachassistentin (Zahnmedizinische Kieferorthopädie-Assistentin), kieferorthopädische Frühbehandlung, Kompressionsanomalie, Mehrphasenbehandlung,  Monoblock, Mundhygiene bei einer kieferorthopädischen Behandlung, OMI, Orthodontie, Retentionsphase, Rezidiv, SI, Zahnbewegungen
Special Kieferorthopädie auf Zahnwissen.de
Die KFO erfindet sich neu - Mehr als nur Zahnspangenmedizin (zm, 2016)
Muster-Weiterbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer (2012) o. © BZÄK
Ausführliche Infos: www.de-cassan.de
http://www.bdk-online.org , http://www.dgkfo.de/
 
Kieferorthopädie,
Frühbehandlung, engl.: interceptive orthodontia; mit Unterteilung in Behandlungen im Säuglingsalter (i.d.R. LKG-Spalten) und im Milch- bzw. frühen Wechselgebiss.
Hierzu zählen besonders alle Formen der Zwangs- und/oder Kreuzbisse, Habits, eine ausgeprägte sagittale Stufe, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, schwere Anomalien im vertikalen Bereich, Syndrome und traumatisch bedingte Fehlstellungen. Dabei reicht die Bandbreite der Therapiemaßnahmen von prophylaktischen Maßnahmen, wie Lutschentwöhnung oder Einschleifen von Zähnen, Geräten zum Offenhalten von Lücken, bis hin zu umfangreichen Maßnahmen mit herausnehmbaren und festsitzenden Geräten bzw. Kombinationen mit oder Unterstützung von kieferchirurgischen Eingriffen.
Da KFO-Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt oft eindeutig erschwert oder kaum möglich sind, sollte man eine Frühbehandlung – besonders bei folgenden Fehlstellungen – in Betracht ziehen:
--  extreme Formen des frontal offenen Bisses
--  der laterale Kreuzbiss mit Gefahr einer Wachstumshemmung des Oberkiefers
--  die Progenie
--  traumatisch bedingte Kieferanomalien
--  Fehlentwicklungen bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

Bei Privatpatienten wird von den Kostenerstattern in der Regel vor Beginn ein kieferorthopädischer Behandlungsplan/Heil- und Kostenplan verlangt. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt kieferorthopädische Maßnahmen vor Beginn der zweiten Phase des Zahnwechsels im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung nur in Ausnahmefällen:
--  Beseitigung von Habits bei einem habituellen Distalbiss mit dem Behandlungsbedarfsgrad D 5 oder bei einem habituell offenen Biss mit dem Behandlungsbedarfsgrad O 4
--  Frühbehandlung eines Distalbisses mit dem Behandlungsbedarfsgrad D 5; eines lateralen Kreuz- oder Zwangsbisses mit dem Behandlungsbedarfsgrad K 3 oder K 4, sofern dieser nicht durch präventive Maßnahmen zu korrigieren ist;
--  einer Bukkalokklusion permanenter Zähne mit dem Behandlungsbedarfsgrad B 4,
--  eines progenen Zwangsbisses/frontalen Kreuzbisses mit dem Behandlungsbedarfsgrad M 4 oder M 5
--  oder die Behandlung zum Öffnen von Lücken mit dem Behandlungsbedarfsgrad von mindestens P 3
Bei allen GKV-Patienten, bei denen eine Frühbehandlung sinnvoll wäre, die aber nicht unter die aufgeführten Indikationen fallen, kann die kieferorthopädische Behandlung nicht über die GKV abgerechnet werden. In diesen Fällen müssen die Leistungen vorab gemäß § 4 Abs. 5 BMV-Z oder § 7 Abs. 7 EKV-Z privat vereinbart werden (2010; nach Beate Hahn, KFO-Abrechnungsexpertin bei der ZA Zahnärztlichen Abrechnungsgesellschaft AG, Düsseldorf).

Angle-Klassen, Behandlungszeitraum, Delaire-Maske, Extrusion, Genfer Platte, Interzeptivbehandlung, Kieferorthopädie, Kreuzbiss, Lückenschluss, Mehrphasenbehandlung, Mikrogenie, Mundvorhofplatte, Platzbedarfsanalyse, Rezidiv, Schluckmuster, Zungenstimulator
http://www.junge-kfo.de

 



einseitiger Kreuzbiss
im
Milchzahngebiss
für eine
Frühbehandlung
geeignet

Kieferorthopädische Fachassistentin
KFA; Bezeichnung für eine von der Harrani Academie (Westfalen-Lippe) ehemals fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte. Es erfolgte eine Umänderung der Bezeichnung in "Zahnmedizinische Kieferorthopädie-Assistentin" (ZKA). Die Fortbildung ist speziell für kieferorthopädische Praxen konzipiert und bewegt sich auf dem Niveau einer Zahnmedizinischen Fachhelferin (ZMF).
Buchtipp: Hinz | Heise "Die kieferorthopädische Fachassistentin", ISBN 978-3-941169-15-9
Markierte Wege durch den Dschungel

Kieferprofilfeld
engl.: jaw profile field; das Profil eines Gesichtes wesentlich bestimmender Abstand zwischen den beiden Profilsenkrechten (zur Frankfurter Horizontalen) Orbitalsenkrechte (Po, Augensenkrechte) und Nasionsenkrechte (Pn, Nasensenkrechte). Ein idealer Profilverlauf ("gerades Durchschnittsgesicht") besteht dann, wenn der Punkt am Übergang Nasensteg / Oberlippe (Subnasalpunkt) und die Oberlippe die Nasionsenkrechte tangiert und der vorderste Kinnpunkt genau in der Mitte des Profilfeldes liegt; liegt der Subnasalpunkt vor der Nasionsenkrechten, spricht man von einem Vorgesicht, liegt er dahinter, von einem Rückgesicht. Daneben wird noch unterschieden in ein "nach vorn schiefes" und ein "nach hinten schiefes Gesicht", je nachdem, wo sich das Pogonion im K. befindet.
Ästhetiklinie, ästhetische Zahnmedizin, Eugnathie, Fazialebene, Frankfurter Horizontale, Harmonielinie, Nasion, Profilanalyse, S-Linie (Steiner Profillinie)
http://www.clinicalorthodontic.com/Cephalometrics.swf


Kieferrelationsbestimmung
maxillomandibuläre Relationsbestimmung
, engl.: maxillomandibular relationship record; dreidimensionale Zuordnung des Unterkiefers zum Oberkiefer; vertikale, sagittale und transversale Lagebeziehung der Kiefer zueinander unter Berücksichtigung der Ruhelage des Unterkiefers und der Kondylenposition. Die Auffassung über die physiologisch "richtige" Unterkieferposition, deren Festlegung und Übertragung auf den Artikulator gehen z.T. erheblich auseinander; sie ist abhängig von den Erkenntnissen der jeweiligen Lehrmeinungen und dem gültigen Verständnis von Anatomie und Physiologie des Kausystems und lässt auch im Jahr 2008 kein allgemein anerkanntes theoretisches und praktisches Konzept zur "richtigen" Positionierung erkennen. Es scheint sich überwiegend die Auffassung durchzusetzen, dass die Einstellung der Unterkieferlage in der neuromuskulär bestimmten Zentrik als die "Richtige" gilt. Unbestritten ist, dass primär die vertikale Relationsbestimmung (= "Bisshöhe") erfolgen muss, da die anderen Lagebeziehungen davon abhängig sind.
Aufbiss, Bissgabel, Bissnahme, Handbissnahme, Kieferrelationsrekonstruktion, Staub™ Cranial-System, Stützstiftregistrierung, Zentrik
Leitlinie instrumentelle zahnärztliche Funktionsanalyse – Teil 3 - Die Kieferrelationsbestimmung (zm, 2017)
http://archiv.ub.uni-marburg.de/

Kieferrelationsrekonstruktion
engl.: maxillomandibular relationship reconstruction (restauration); Neubestimmung und -festsetzung der Lage der der Kiefer zueinander im Rahmen funktionsdiagnostischer und funktionstherapeutischer Maßnahmen. Wegen der individuell schwierig zu bestimmenden Kieferrelation und der noch schwerer zu ermittelnden Rekonstruktion erfolgen derartige Maßnahmen in einem langwierigen Prozess mit individuellen Aufbiss-Schienen, welche häufig während der Therapie noch umgeändert werden müssen.

Kieferrückstand , Unterkieferrücklage, engl.: mandibular retraction; Distalbiss, Vogelgesicht

Kieferspalte , Gnathoschisis; engl.: cleft jaw, gnathoschisis; Lippen-Kiefer-Gaumemspalte

Kiefersperre
Biss-Sperre, engl.: lockjaw; meist unfallbedingtes Unvermögen des Lippen-/Zahnreihenschlusses, z.B. nach Unterkieferbrüchen oder bei (Sub-)Luxationen des Kiefergelenks
Hippokrates-Handgriff, Kiefergelenkluxation, Kieferklemme, Mundöffnung, Unterkieferbewegung

Kiefertumor ; engl.: jaw tumour; Mundhöhlenkarzinom

Kieferwinkel
Angulus mandibulae, Gonionwinkel, ArGoMe-Winkel, engl.: mandibular angle; Übergang des Unterkieferkörpers (Corpus mandibulae) in den aufsteigenden Ast des Unterkiefers (Ramus mandibulae). Er wird bestimmt durch die Punkte Tragion, Gonion und Gnathion. Normwerte sind 125° mit einer 10°-Abweichung nach oben und unten.
Björk Summenwinkel, Mandibula, OcP-MP-Winkel, Progenie, Unterkieferaufnahme, Unterkieferbasis


Kieler Knochenspan
engl.: Kiel(er) bone (craft); historisches (1990 von der Fa, B.Braun angeboten) xenogenes Knochenersatzmaterial: denaturierter (lyophilisierter) und enteiweißter Knochenspan aus Kalbsknochen ( bovin), welcher - immunologisch inaktiv - nach Transplantation mit der Zeit durch körpereigenen Knochen ersetzt wird; Aufbewahrung in Transplantationsbanken; heute überwiegend von synthetischen Materialien abgelöst.

Kiemenbogen
Schlundbogen, Branchialbogen, Viszeralbogen, engl.: branchial or visceral arch; durch Wucherung des Mesenchyms embryonal entstehende Bögen (4, der 5. ist rudimentär angelegt), welche jeweils eine Arterie und Vene, sowie Nervgewebe und Knorpelgewebe besitzen.
Für die Gesichtsentwicklung maßgeblich ist u.a. der 1. K. (auch als Mandibularbogen bezeichnet, auftretend ab dem 22. Tag), aus welchem sich der Unterkiefer sowie große Teile des Gaumens und Oberkiefers entwickeln. Störungen der Entwicklung können zu zahlreichen Missbildungen führen.
Franceschetti-Syndrom, Kieferbogen-Syndrom, maxillofaziales Syndrom
http://www.uni-mainz.de

KIG
hergeleitet von kieferorthopädische IndikationsGruppen, engl.: Index for Orthodontic Treatment Needs. Baut auf dem internationalen IOTN-Index (Index for Orthodontic Treatment Needs) auf, welcher den Grad des Behandlungsbedarfs befundbezogen ermittelt; 2002 in D eingeführt. Hierauf beruhen die fünf KIGs, welche die deutschen Besonderheiten - im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung - berücksichtigen und festlegen, ob eine Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenkassen besteht ("kieferorthopädischer Behandlungsbedarf"). Die KIGs sind ein Versuch, die Definition der Behandlungsbedürftigkeit von Zahn- und Kieferfehlstellungen nicht nur nach medizinischen, sondern auch nach individuellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten zu beurteilen ("nicht jede Erkrankung muss behandelt werden").
Folgende Behandlungsbedarfsgruppen werden unterschieden - dabei werden 1 u. 2 von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen ("Privatleistung"), wenn:

ausführliche Darstellung: http://www.kfo-online.de/21/gkv_g.html ("KGI-Schema") ; http://www.kfo-online.de/21/gkv_b.html

Kinderbehandlung ; Erhaltung von Milchzähnen, Kinderzahnheilkunde

Kinderhypnose ; QuickTimeTrance

Kinderkrone
Milchzahnkrone, Fertigkrone ("Konfektionskrone"), engl.: primary crown, KinderKrown; (versehen mit einer Porzellanverblendung im sichtbaren Bereich) zur Behandlung zerstörter Milchzähne.
Erhaltung von Milchzähnen, Kinderprothese, konfektionierte Milchzahnkrone
http://www.nusmile.com


Kinderprothese
herausnehmbarer Zahnersatz bei Kindern, engl.: child(ren) prothesis; zur ästhetischen, funktionellen und phonetischen Wiederherstellung bei frühzeitigem Milchzahnverlust oder Vorliegen einer angeborenen Zahnunterzahl. Selten durchgeführte Behandlung zur Versorgung eines Lückengebisses im Kindesalter infolge kariöser Kronenzerstörung, traumatischen Zahnverlustes oder durch die Nichtanlage von Zähnen ( Lückenhalter). Allerdings lassen sich prothetische Maßnahmen im Kindesalter in der Regel erst dann realisieren, wenn sie sowohl vom kleinen Patienten als auch von der elterlichen Bezugsperson gewünscht werden. Neben der bei Kindern besonders schwierigen Eingewöhnung sind es besonders zahntechnische Gründe, welche einen Halt des Zahnersatzes am Restgebiss vor Probleme stellen können. Als Halteelemente werden meist Konstruktionen aus der Kieferorthopädie (Adamsklammern, Knopfankern, Federn und Dreiecksklammern) herangezogen.
In diesem Zusammenhang ist eine Studie von WETZEL, W.E., JORDAN, N., BEHRENDT, A., MÜLLER-LESSMANN, V. aus dem Jahr 2000 interessant:
"... An der mittels getrennter Fragebögen durchgeführten Erhebung beteiligten sich 40 Eltern und 32 Kinder mit, sowie 46 Eltern und 23 Kinder ohne temporären Zahnersatz. Aus Sicht der Eltern gewöhnten sich 70% der Kinder problemlos an das Tragen des Zahnersatzes und 63% der Kinder der Vergleichsgruppe an das Lückengebiss ohne Zahnersatz. Für die Kinder mit Zahnersatz vermerkten die Eltern Besserung des Allgemeinbefindens (65%), besseres Kauen (70%), besseres Aussehen (77,5%), besseres Sprechen (57,5%); die Vergleichswerte lagen in gleicher Reihenfolge bei 43,5%, 21,7%, 32,6%, und 2,2%. Negative Reaktionen dritter Personen auf die Mundsituation nach der Behandlung führten 9,4% der Kinder mit Zahnersatz und 52,2% der Kinder ohne Zahnersatz an. Beim Eltern- Kind- Vergleich fiel besonders auf, dass für die Gruppe mit Zahnersatz die Eltern zu 70% und die Kinder nur zu 18,7% weniger Zahn-/ Mundbeschwerden als vor der Eingliederung des Zahnersatzes (p< 0,001) angaben. Aus den Ergebnissen lässt sich folgern, dass die Versorgung mit temporärem Zahnersatz sich überwiegend vorteilhaft auf die oralen Funktionen sowohl aus Sicht der Eltern als auch der Kinder auswirkt. Trotzdem empfindet die Mehrzahl der Jungen und Mädchen mit Zahnersatz die Mundsituation belastender als deren Eltern diese für ihre Kinder einschätzen."
Erhaltung von Milchzähnen, kieferorthopädische Frühbehandlung, Kinderkrone, Lückenhalter
Prothetik im Milchzahngebiss - Rehabilitation mit Lückenhaltern und Kinderprothesen
 

 


Kinderstomatologie , Kinderzahnheilkunde

Kinderzahnheilkunde
Kinder- und Jugendzahnheilkunde, engl.: pediatric dentistry, pedodentistry; spezieller Arbeitsbereich innerhalb der Zahnheilkunde. Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung hat die Möglichkeit geschaffen, eine qualifizierte Zusatzspezialisierung in diesem Teilgebiet zu erlangen ( http://kinderzahnheilkunde.computer-leipzig.com/?mode=intern&inhalt=spezialisierung ). Als Beschreibung des Fachs heißt es in den Richtlinien:
Die Kinder- und Jugendzahnheilkunde befasst sich als zahnmedizinisches Querschnittsfach mit der präventiven und kurativen zahnärztlichen Betreuung des Kindes von der Geburt bis in das Jugendalter. Die Kinder- und Jugendzahnheilkunde hat folgende Hauptinhalte:
1. Gesundheitsförderung, Risikobeurteilung und zahnmedizinische Prävention, insbesondere auf individueller und gruppenprophylaktischer Ebene.
2. Erkennung, Behandlungsplanung und kindgerechte Behandlung von Entwicklungsstörungen, Verletzungen und Erkrankungen der Zahnhartsubstanzen, der Pulpa und des Zahnhalteapparates.
3. Überwachung der Gebissentwicklung, Früherkennung von Normabweichungen, präventive und interzeptive Maßnahmen bei Patienten mit Anomalien der Zahn- und Kieferstellung sowie deren zeitgerechte Zuführung zur kieferorthopädischen Behandlung.
4. Zahnärztliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund von
- eingeschränkter Kooperationsfähigkeit
- Allgemeinerkrankungen
- physischer, sensorischer oder geistiger Behinderung oder
- psychischen Störungen
einer besonderen Therapie bedürfen, wenn diese nicht durch andere Fachgebiete hinreichend gewährleistet ist.

In den Neuen Bundesländern bestand in Zeiten der ehem. DDR das Fachgebiet Kinderstomatologie; eine Weiterführung dieses Titels ist gestattet, neu vergeben wird er nicht mehr. ( http://www.dgkfo.de/wbo/wbo_brandenburg.pdf).
http://www.kinderzahnheilkunde-online.de/ , www.kinderzahnärzte.de
Video: Gesunde Kinderzähne

Kinderzahnpasta ; engl.: child tooth paste  eigene Seite

Kinesiologie
engl.: (applied) kinesiology; Lehre von der Physiologie der mechanischen Bewegungsabläufe eines Organismus. Nach dem Verständnis der K. werden im Körper "... Energie-Systeme balanciert, damit er lernt, zu seinem gesamten Potential, zu seinen intellektuellen, emotionalen, physischen und energetischen Quellen Zugang zu haben und diese auch zu nutzen ..." (Zitat aus http://www.bik.ch/kinesiologie_d.html). Eine bisherige wissenschaftliche Überprüfung (Prof. Schwickerath et al.; DZZ 56, 2001,3) konnte keine seriöse Bestätigung für diese "Untersuchungsmethode" geben. Auch andere wissenschaftliche Untersuchungen "bescheinigen" der K. "Erfolge" im Bereich einer Würfelwahrscheinlichkeit (Staehle). Ein Placeboeffekt gilt bisher als wahrscheinlich.
Im deutschsprachigem Raum findet man folgende Richtungen der K., wobei die beiden ersten am gebräuchlichsten sind:
angewandete Kinesiologie, AK (Ärzte, Heilpraktiker, Laien)
Touch for Health (Heilen durch Berühren)
Edukinästhetik (Bewegungspädagogik)
Brain Gym (Gehirngymnastik)
Edu-Kinetik bei Lernschwierigkeiten und verwandten Störungen wie z.B. Hyperaktivität
AK Test, alternative Behandlungsmethoden

kinetische Kavitätenpräparation , KCP, engl.: kinetic cavity preparation, airabrasive; Pulverstrahlgeräte ; Sandstrahlen als geniale Ergänzung der rotierenden Instrumente

Kinetor
nach Stockfisch, engl.: Stockfisch's kinetor; 1952 entwickelter, modifizierter Aktivator mit stark verminderter Basis und einem elastischem Aufbiss zwischen den Zahnreihen ("Stockfisch Röhrchen"), welche den Zusammenbiss stimulieren und dabei den Biss absenken. Dadurch soll eine positive "Impulsübertragung" auf die Zähne und ihr Parodontium bewirkt werden.
Aktivator, Funktionsregler nach Fränkel


©:
 www.kieferorthopaedietechnik.de

Kingsley Platte
"jumping the bite appliance"; Oberkiefer-Bissumstellungs-Apparatur, welche durch eine "Schiefe Ebene" eine Vorverlagerung des Unterkiefers auslöst.
Rückbissplatte

Kinn
mentum, engl.: chin; vorderster unterer Teil des Unterkiefers, vorwiegend die Region um Gnathion und Pogonion; gebildet von der Protuberantia mentalis und den beiderseitigen seitlichen Höckerchen (Tubercula mentalia); eine der sog. "Körperspitzen" (endständige Körperteile).
Gnathion, Körperebenen, Mandibularlinie, Menton, PM-Punkt, Pogonion, Positivkinn, Tuberculum mentale

Kinnfalte; Supramentalfalte

Kinnkappe
engl.: chin cap; individuell angefertigte oder konfektionierte muldenförmige Schale aus versch. Materialien (Gips, Kunststoff, Metall) zur extraoralen Abstützung und Fixation des Unterkiefers, z.B. bei Kieferbrüchen oder kieferorthopädischen Behandlungsmaßnahmen.
Kopf-Kinn-Kappe

Kinnplastik , Kinnkorrektur, Genioplastik, meist kombiniertes kieferorthopädisch-chirurgisches Vorgehen zur Kinn-Konturverbesserung (Vergrößerung, Verkleinerung, Verschiebung); http://web.tu-dresden.de/sorg/mkg/Dys.pdf

Kinnschleuder
Kinnhalter, Funda
(maxillae), engl.: chin holder or rest; Wickelverband um den Hinterkopf und das Kinn, um dadurch einen auf das Kinn nach oben gerichteten Zug zu erreichen. Einsatz als Notfallmaßnahme bei Kieferfrakturen zur Ruhigstellung der Bruchfragmente.
Kieferbruch, Kopf-Kinn-Kappe

Kinnwinkel
engl.: conical o. gonial angle; Winkel, gebildet aus den beiden Geraden Nasion-Pogonion und Unterkieferbasis. Normwerte liegen bei 68° ± 3°. Durch Fetteinlagerung kann dieser beim sog. "Doppelkinn" verstrichen sein.

Kippbewegung , engl.: tipping movement; Zahnbewegungen

Kippmeider
"Gegenlager", engl.: tipping movement preventer; Widerlager als Ausgleich gegen Abzugskräfte bei herausnehmbaren Zahnersatz auf einzelne Sattelabschnitte; zu den indirekten Halteelementen gegen Zugkräfte gehörend (Vermeidung einer Rotation um die Klammerhaltelinie). Erreicht wird dieser Effekt z.B. durch körperliche Umfassung des Klammerzahns, wie dies z.B. bei einer Doppelkrone der Fall ist. Angewandt spez. bei einseitigen Freiendprothesen
Klammer, Klammerhaltelinie, Klammerhand, Teilprothese


Kippung
Kippstand; engl.: inclination, inclined tooth; abweichende Drehung der Zahnachse nach außen (vestibulär), innen (oral), hinten (distal) oder vorn (mesial). Auftretend bei Einzelzähnen oder Zahngruppen. Typisches Beispiel für einen K. ist die durch Fingerlutschen hervorgerufene Lutschprotrusion oder das frühzeitige Entfernen unterer Sechsjahr-Molaren.
Inklination, Zahnbewegungen 




Folgen einer nicht behandelten Zahnlücke durch frühzeitigen Verlust des Sechsjahrmolaren

Kirkland
Olin, 1876-1969, Alabama/USA; gilt als einer DER Pioniere der Parodontologie. K. entwickelte zahlreiche parodontologische Operationsmethoden und nach ihm benannte Instrumente. So stellte er z.B. 1931 den "access-flap" vor, welcher in die Literatur als "Kirkland flap" oder "offene Kürettage nach Kirkland" einging:
  Schnittführung innerhalb des Sulkus
  Verschiebung der Gingiva apicalwärts
  Scaling und Root planning der Wurzeloberfläche
  Kürettage der Knochentaschen
  Beseitigung von Taschenepithel und Granulationsgewebe
  Reposition des Lappens in seine ursprüngliche Position
Diese Technik gilt als ein parodontologisches Vorgehen, welches im Prinzip auch heute noch seine Gültigkeit bei der offenen Kürretage hat
Biographie

Klammer
1.) engl.: clasp, crip; Element zur Fixierung von herausnehmbaren Zahnersatz am Restsgebiss; historisch und zur Befestigung von provisorischem Zahnersatz ( Interimsprothese) aus gebogenem Stahl-Draht ("Klammerdraht"), heute aus Nichtedelmetall-Legierungen in Verbindung ("Ein-Stück-Guss") mit einer Modellgussbasis (Modellgussklammer). Hier haben sich Kobalt-Chrom-Legierungen durchgesetzt, wobei die Legierung nebst einem hohen E-Modul eine hohe Dehngrenze für das elastische Abfedern bei Belastung und eine hohe Bruchdehnung haben sollte.
Es gibt eine kaum überschaubare Anzahl von versch. Klammerarten. Ihr Wirkungsprinzip ist aber im Prinzip bei der reinen Haltefunktion immer gleich: der elastische Klammerarm biegt sich beim Einsetzen des Zahnersatzes über die größte Wölbung des Zahnes ( Äquator) auf und federt unter diese beim korrekten Sitz des Zahnersatzes zurück.
Als Hauptklammerelemente gelten (s. Abb. oben):
  Klammerarm mit Unterteilung in Klammeroberarm (oberhalb des prothetischen Äquators), Klammerunterarm o. Klammerhand (unterhalb des prothetischen Äquators) und Klammerspitze (ist federnd und läuft sich verjüngend aus)
  Klammerschulter = starrer, den Zahn umfassender Teil der Klammer
  Klammerauflage = Abstützung der Klammer auf dem Pfeilerzahn (bei einer parodontal getragenen Prothese)
  Klammerfuß o. Klammerschwanz = Verbindung zwischen Prothesenbasis und Klammer

Von der Funktion her Unterteilung in:
  • Halteklammern
    Aufgabe dieser einfachen, meist aus Draht gebogenen Konstruktionen ist es, den (meist einfach gearbeiteten) herausnehmbaren Zahnersatz ( Provisorium) oder ein kieferorthopädisches Behandlungsgerät gegen abziehende Kräfte zu sichern. Belastende Kräfte werden nicht vom Haltezahn ("parodontal"), sondern von der Mundschleimhaut abgefedert. Man spricht deshalb auch von einem "Schleimhaut gelagerten Zahnersatz" ("schleimhautgetragen"), welcher die negative Eigenschaft hat, dass die Prothese mit der Zeit absinkt.
  • Halte-Stützklammern
    wirken ebenfalls gegen abziehende Kräfte, stützen aber noch zusätzlich auftretende Kaukräfte an den Zähnen des Restgebisses mittels sog. "Auflagen" ab. Man spricht von einem "parodontal getragenen Zahnersatz" ("zahnabgestützt")

Modellguss-Klammern werden auf einem speziellen Situationsmodell unter Berücksichtigung der Einschubrichtung (ungefähre Parallelität), bestmöglichem Halt am Lückengebiss ( Infrawölbung) und entsprechender Berücksichtigung ästhetisch/kosmetischer Aspekte vermessen ("Modellvermessung"). Evtl. werden davor/danach noch kleinere Korrekturen am Lückengebiss vorgenommen. Da die Ästhetik und der Halt eines Zahnersatzes für den Patienten die entscheidende Rolle spielen ("Tragekomfort"), sollten eine Modellvermessung und entsprechende Einschleifvorgänge zum Standard einer Vorbehandlung bei der Anfertigung von Klammerprothesen ohne Klammerkronen sein.
K. aus modernen Kunststoffen (z.B. POM - Polyoxymethylen) sind momentan (2008) noch nicht geeignet, die im sichtbaren Bereich störenden Klammerarme zu ersetzen. Sie bleiben auf ganz spezielle Fälle beschränkt, bei denen ausschließlich die Ästhetik im Vordergrund steht, und herkömmliche Alternativen ausscheiden.
Aus parodontal-hygienischen Gründen wird ein Abstand von mindestens einem Millimeter des Klammerunterarms zum Zahnfleischsaum gefordert. Der Klammeroberarm sollte oberhalb des prothetischen Äquators liegen und starr sein.
Klammern ohne einen entsprechenden Schutz des die Klammer aufnehmenden Zahnes ("Klammerzahn", Klammerkrone) bergen, bedingt durch eine unnatürliche Beanspruchung, nicht selten die Gefahr einer Überbelastung und dem Auftreten von Sekundärkaries an den "scheuernden" Klammer-Zahn-Kontaktstellen. Ein regelmäßiger Recall und/oder die Anfertigung von Klammerkronen bei unzuverlässigen bzw. der Mundhygiene nicht zugeneigten Patienten wird dringend angeraten.
Abstützelemente, Ankerbandklammer, Bonwill-Klammer, Bonyhárd-Klammer, Fehr Klammer, fortlaufende Klammer, Geschiebe, I-Klammer, Inlayklammer, Jacksonklammer, Klammerhand, Knopfanker, Lückengebiss, Ney-Klammersystem, Stützelement, Stützfeld, Verbindungselement, Zahnfleischklammer, Zahnhalsklammer

2.) engl.: active plate; laienhafter Ausdruck für ein (herausnehmbares) kieferorthopädisches Behandlungsgerät

Abstützung, Aktive Platte, Äquator, Auflage, Doppelarmklammer, Elbrecht Klammer, Fingerfeder, G-Klammer, Halteelemente, Infrawölbung, Klammerarm, Klammerhaltelinie, Klammerstützlinie, Kombinationsklammer, Ösenklammer, Pfeilklammer, Prothese-abgestützte, Prummel Klammer, Retentionsfeld, Roach-Klammer, Schubverteilungsarm, Teilprothese, Verbinder, Zahnfleischklammer, Zahnhalsklammer




Modellgussklammer mit den entspr. Bezeichnungen



einfache
kieferorthopädische Klammern



kosmetisch unbefriedigend: K. im sichtbaren Bereich



Zahnhalskaries durch Klammerarm
 


funktionell unbefriedigende Kunststoff-Klammern

Klammerarm
engl.: clasp arm; der elastische Teil einer Klammer, welcher die Zahnkrone umgreift, mit Unterteilung in:
  • Klammeroberarm
    schließt sich an die Klammerschulter an und liegt oberhalb des prothetischen Äquators
  • Klammerunterarm (Klammerhand)
    liegt unterhalb des prothetischen Äquators und gibt den eigentlichen Halt gegen Abzugskräfte, dadurch, dass er in die Infrawölbung - dem Retentionsfeld - des Zahnes greift

Klammerauflage ; engl.: occlusal rest; Auflage

Klammerbrücke, engl.: "clasp bridge", unilateral removable (dental) prothesis; Spinne

Klammerhaltelinie
Klammerlinie
, Zugklammerlinie, engl.: clasp line; virtuelle Verbindungslinie der Klammerspitzen gegenüberliegender Klammern einer Prothese (s. Abb.). Diese Linie hat ihre Bedeutung bei der Zugbeanspruchung eines Zahnersatzes, weil es - je nach Angriffspunkt und Haltelinienlokalisation - zu einer Rotation um diese "Kipplinie" kommen kann. Ideal ist ein Verlauf dieser Linie durch den Mittelpunkt der Prothese, da Abzugskräfte des einen Prothesenteils durch die Kiefer-/Zahnauflage des anderen Teils abgefangen werden. Bei statisch ungünstigem Verlauf dieser Linie können sog. Kippmeider zur Stabilisierung beitragen.
 


Klammerhand , Klammerunterarm,  der Klammerarmanteil, welcher unter den prothetischen Äquator reicht, dies ist i.d.R. der Klammerunterarm; Klammer

Klammerkrone
Schutzkrone, engl.: clasp crown; natürlicher Zahn, der zur Vorbeugung vor negativen Einflüssen durch eine Klammer (z.B. Karies) überkront ist; sog. Schutzkrone.
Ankerbandkrone, Klammer, Verbindungselement

Klammerprothese
engl.: clasp denture; ausschließlich mittels Klammern am Restgebiss befestigte Teilprothese. Wegen möglicher höherwertigen Versorgungsformen häufig mit einem "einfachen Zahnersatz" gleichgesetzt.
Teilprothese

Klammerstützlinie
engl.:  prosthesis supporting area; virtuelle Verbindungslinie der Stützelemente einer Teilprothese. Diese Linie sollte möglichst Kieferkamm-nah oder peripher des Kieferkamms liegen, um Kipp- und Drehkräfte zu vermeiden.
Klammerhaltelinie, Stützfeld


Klammerzahn ; clasp tooth; natürlicher Zahn, an welchem eine Klammer anliegt Klammer, Klammerkrone

Klammt Aktivator
elastisch-offener Aktivator (EOA) nach Klammt, engl.: Klammt activator; bimaxilläres funktionskieferorthopädisches Gerät mit wenig behindernder Sprachfunktion, da im vorderen Geräteteil stark rationierter Kunststoffanteil, welcher im Schneidezahnbereich durch Drähte ersetzt ist. Konstruktionsbedingt vereint er viele Vorteile des Bionators und des Aktivators.

Klebebrücke
Adhäsivbrücke, Flügelbrücke, engl.: Maryland bridge; zur Beseitigung einer Einzelzahnlücke im Frontzahnbereich bei karies- und füllungsfreien Nachbarzähnen - besonders dann, wenn ein Implantat nicht möglich ist (z.B. jugendliches Alter, wenig Knochensubstanz).
Während bei herkömmlichen Brücken die Zähne neben der Lücke als Pfeiler dienen und stark beschliffen werden müssen, ist das bei K. gar nicht oder nur minimal nötig. Eine Abart ist die sog. einflügelige Klebebrücke in den Fällen, wo einer der Zähne kariesfrei ist - die Brücke besteht dann aus einer konventionellen Pfeilerkrone und einem "angeklebten" Flügel an dem kariesfreien Zahn.
K
. haben sich bisher (2004) nicht durchsetzen können. Dies vor allem wegen einer nicht so dauerhaften Befestigung - besonders im Frontzahnbereich - und einem eingeschränkten Einsatzgebiet.
Eine Sonderform stellt die CBW-Technik (Crownless Bridge Works, http://www.cbwdental.com) dar. Hierbei werden zwecks besserer Verankerung feine mechanische Halteelemente in die Pfeilerzähne mittels Bohrung eingelassen ("intrakoronäre Präzisionsverankerung").

Bei Gesetzlich Versicherten gilt nach den Richtlinien (2005, © GBA):
"Nur bei Versicherten im Alter zwischen 14 und 20 Jahren gehören adhäsiv befestigte einspannige Brücken im Frontzahnbereich mit Metallgerüst zur Regelversorgung. Die Pfeilerzähne sollen karies- und füllungsfrei sein. Die zu überbrückende Spanne soll grundsätzlich nicht mehr als einen Zahn umfassen."
Ab 2006 gelten nach einer Protokollnotiz einspannige Adhäsivbrücken mit Metallgerüst im Frontzahnbereich bei Gesetzlich Versicherten, die das 20. Lebensjahr vollendet haben, als gleichartige Versorgung
Änderung ab Februar 2016: Anpassung in Teil D Abschnitt II Nummer 22 und 24 der Zahnersatz-Richtlinie
Zahnwissen.de
Brücke, CBW-Brücke, Komposite-faserverstärkte, ortho-circ
Vollkeramische Adhäsivbrücke
http://www.zmk-aktuell.de/

 




Prinzip der K.


©: Dr. Ries, stefan.ries@mail.uni-wuerzburg.de

kleiner Backenzahn ; Prämolar

Kleinfeldtubus , Kollimator, engl.: restricted cone (tube); Tubus

Klingenimplantat ; Blattimplantat

klinische Studie
eng.: clinical study; Prüfung eines Medikamentes oder Heilverfahrens, welches sich bei in-vitro-Untersuchungen und Tierversuchen als wirksam erwiesen hat, am Menschen durchgeführt (in vivo). Voraussetzung dafür ist die begründete Erwartung, dass die zu testende Substanz gegenüber den bisher angewendeten Präparaten Vorteile hat. So gelangt höchstens ein Zehntel der tierexperimentell geprüften Substanzen in die Klinik. Klinischen Studien sind behördlich und wissenschaftlich streng überwacht. In den meisten Ländern ist dafür eine Bewilligung erforderlich, die in den USA z.B. nach Investigational Drug Application (IND) erteilt werden kann. Der zuständige Arzt, der auch die Verantwortung gegenüber Probanden und Patienten trägt, muss diese vor Beginn über Ziel und Zweck der Prüfung sowie mögliche Wirkungen und Risiken informieren (informed consent). Die Teilnahme an einer klinischen Studie ist freiwillig, die Versuchsteilnehmer können jederzeit aus dem laufenden Versuch ausscheiden. Zudem müssen Ethikkommissionen alle klinischen Studien vor Beginn prüfen und billigen.
Viele neue Füllungsmaterialien sind nach Ansicht von Fachleuten in ihrer klinischen Wirkung zu wenig untersucht. So schreibt die "Schweizer Zahnärztegesellschaft SSO" (Schweiz Monatsschr. Zahnmed. Vol 114:11/2004) u.a. : "... Solange Laborverfahren keine Screeningwertigkeit zukommt, sollte die Markteinführung von neuen Werkstoffen bzw. -systemen durch kurzfristige klinische Untersuchungen gestützt werden und die weitere Qualitätsbewertung aus mittel- bis langfristigen Longitudinalstudien erwachsen..."
Alle laufenden und neuen klinischen Studien mit Arzneimitteln werden ab dem 1. Juli 2005 in einem frei zugänglichen Register transparent gemacht. Auch die Ergebnisse dieser Studien werden - unabhängig davon, ob sie für das getestete Arzneimittel positiv oder negativ waren - abrufbar sein.

Unterschieden wird zusätzlich in:

Blindversuch, Feldstudie, Good Clinical Practice (GCP), unbedenklich, wissenschaftlich anerkannt

Klopfempfindlichkeit , engl.: sensibility on percussion; Perkussionstest

Klopfschall ; engl.: percussion sound, resonance; Perkussion


zu Kn-Kz

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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