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Anachorese ;engl.: anachoresis, Absiedlung von krankheitserregenden Mikroorganismen im Bereich eines sanierten Herdbereiches

anaerob , ohne Zufuhr oder Benötigung von Sauerstoff;  (An)Aerobier

Analgesie
auch: Analgie, Schmerzlosigkeit, engl.: analgesia; Aufhebung der Schmerzempfindung durch eine Schädigung der Schmerzleitung oder durch (kurzfristige) ärztliche Ausschaltung der Schmerzempfindung im Schmerzzentrum des Gehirns ("Rauschnarkose") - meist durch Einatmen (Inhalation) bestimmter chem. Substanzen. Vor Entwicklung und Einführung der Lokalanästhesie in die ZHK zu Beginn des letzten Jhds. war die Lachgasanalgesie das gebräuchliche Verfahren bei schmerzhaften zahnmedizinischen Eingriffen.
Analgosedierung, Anästhesie, Elektroanalgesie, Lachgas, Narkose, Sedierung, Verkehrsfähigkeit

Analgetika
Analgetikum, Schmerzmittel, schmerzstillende Mittel, alt: Antineuralgika, engl.: analgesics, pain killers; mit einer Vielzahl von Präparaten, die entweder peripher (diese auch Nicht-Opioid-Analgetika genannten Schmerzmittel hemmen die Bildung von Schmerz- und Entzündungsstoffen im Körper und kommen meist bei akuten Schmerzen zum Einsatz) oder auf das zentrale Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) wirken und so symptomatisch zu einer Besserung des Leidens führen. Grundsätzlich sollte sich die Behandlung nach der Stärke der Schmerzen richten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dazu ein bewährtes, so genanntes "Stufenschema" entwickelt. Es besagt, dass sich die Behandlung nach der Stärke der Schmerzen richten soll, wobei die Schmerzen in drei Schweregrade unterteilt werden. Nach Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung ist eine Behandlung nach diesem Schema nicht nur für starke Krebsschmerzen, sondern auch für jeden anderen starken chronischen Schmerz sinnvoll.
Nach der WHO werden die A. in 3 Stufen eingeteilt:

In der zahnärztlichen Praxis werden meist Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol, und entsprechende (umstrittene) Kombinationspräparate zur Behandlung von Zahnschmerzen, akuten Zahnfleischentzündungen oder nach chirurgischen Eingriffen angewandt:

Weitere Verfahren zur Schmerzbekämpfung (überarbeitet nach © PFIZER GmbH):

Angst, Behandlung in der Schwangerschaft, Pharmakon, Phenazetin, Postmedikation, Schmerz, Verkehrsfähigkeit
Special: Schwangerschaft (Fremdlink auf www.Zahnwissen.de)

Analgosedierung
Herabsetzung der Schmerzempfindung, "Dämmerschlaf" engl.: analgosedation; Einsatz von beruhigenden Medikamenten (meist eine Kombination von Schmerzmitteln und Psychopharmaka vor der Behandlung) bei ängstlichen oder erregten Patienten u. Kleinkindern vor (zahn-)ärztlichen Eingriffen. Die Begriffe Prämedikation, Sedierung und A. sind nicht exakt definiert, bestehen teilweise nebeneinander und haben aus pharmakologischer Sicht fließende Übergänge.
Eine A. erfolgt heute typischerweise mit der intravenös Verabreichung von Midazolam in Verbindung mit dem Opioid Fentanyl, oder neuerdings mit einem Remifentanil-Narkose-Cocktail aus Midazolam 0,03 mg/kg mit einer Remifentanil-Propofol-Mischung 1:500, injiziert mit 40 µg/kg/min.
Alternativ können bei zugänglichen Patienten hypnotische Methoden versucht werden.
  Anästhesieversager, Angst, Lachgasanalgesie, Morton, Narkose,QuickTimeTrance, Sedierung, Verkehrsfähigkeit
Sedierung in der Zahnmedizin – aktueller Überblick (2013)
Stellungnahme (2013) - Einsatz von Lachgas zur minimalen Sedierung von Kindern in der Zahnheilkunde o. DGZMK



Übersicht der eingesetzten Medikamente

Analogposition
auch: analoge Bewertung, engl.: analogous assessment; Begriff aus dem (privaten) zahnärztlichen Gebührenrecht (GOZ): Zur Erbringung und Berechnung einer in der amtlichen Gebührenordnung nicht erfassten aber wissenschaftlich anerkannten Methode wird eine in der GOZ bestehende Leistungsbeschreibung herangezogen, die in ihrem Aufwand mit der nicht beschriebenen Position vergleichbar ist. Da die amtliche Gebührenordnung aus dem Jahr 1988 stammt und Leistungen, die heute zu einer "modernen ZHK" gehören, damals noch nicht bekannt waren, nehmen Anwendung und Umfang von A. ständig zu.
GOZ

Analyse
engl.: analysis; Oberbegriff für vielfältige Verfahren, bei welchen Erkenntnisse und Rückschlüsse durch die Untersuchung einzelner Bestandteile eines Ganzen gewonnen und entsprechend eingeordnet werden. In der ZHK gebräuchlich bei der kieferorthopädischen Diagnostik (z.B. Profilanalyse nach Schwarz) oder bei einer ausführlichen Untersuchung der Zähne und der Kiefer ("Gebissanalyse") und deren Funktion ("Funktionsanalyse").

Anämie
Anaemia, Blutarmut, engl.: an(a)emia; Bezeichnung hauptsächlich bei einer Verminderung des Hämoglobingehalts und der roten Blutkörperchen im Blut gebraucht. Ebenso Bezeichnung für einen akuten Blutmangel in einem Gebiet ("anämisches Gebiet", z.B. als gewollte Wirkung von Vasokonstriktoren) oder nach einem plötzlichem schwerem Blutverlust.
Repetitorium Anämie - Eine runde Sache (zm, 2014)

Anamnese
Vorgesichte zu einer Erkrankung, engl.: (medical) history; meist nach den Angaben des Patienten ("subjektive A."); bei längeren Erkrankungen auch zusätzlich unter Berücksichtigung bisher erhobener ärztlicher Befunde/Therapien. Um eine strukturierte A. zu erheben und/oder Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen, empfiehlt sich der Einsatz eines Anamnesebogens, welcher meist allgemein gehalten ist und vornehmlich zur Erkennung von Risikofaktoren dient, sowie ein ausführliches, auf die betreffende Erkrankung bezogenes, dokumentiertes, persönliches Arzt-Patienten-Gespräch.
Behandlung, Befund, Dokumentation, Krankengeschichte

anaphylaktischer Schock
Ablauf einer Antigen-Antikörper-Reaktion; engl.: anaphylactic shock; mit der Freisetzung von sog. Schocksubstanzen, welche u.U. zu lebensbedrohlichen Zuständen führen können.
Allergie, Anaphylaxie, Quincke Ödem, Schock

Anaphylaxie
engl.: anaphylaxis; sehr heftige allergische Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers (anaphylaktischer Schock) hauptsächlich gegen artfremdes Eiweiß; im Extremfall mit tödlichem Ausgang. Die häufigsten Verursacher sind Arzneimittel, Insektengifte u. Nahrungsmittel.
Allergie
ANAPHYLAXIE - erkennen und handeln

Anästhesie
Schmerzausschaltung
, "Nicht-Empfindung", engl.: anaesthesia; vorübergehende Ausschaltung der Schmerzempfindungen durch eine medizinische Maßnahme. Unterscheidung zwischen örtlicher (Infiltrations-, Leitungs-, Oberflächen- und speziellen Formen der Lokalanästhesie (intraligamentäre A., intraossäre A.) u. allgemeiner A. (Narkose)
  Anästhesieversager, Analgesie, Elektroanalgesie, Hypästhesie, Anästhesieversager, Lokalanästhesie, Morton, Sedierung
Sedierung in der Zahnmedizin – aktueller Überblick (2013)

Anästhesieversager
engl.: anesthesia failure; keine oder ungenügende Schmerzausschaltung. Diese können vielfältige Ursachen haben. Relativ selten davon ist ein Nicht-Ansprechen auf das Lokalanästhetikum selbst:

Anästhesie, Aspiration, Lokalanästhesie
Schnelle und sichere Schmerzbeherrschung

Anastomose , engl.: anastomosis; natürliche Querverbindung zwischen Gefäßsträngen. In der ZHK gebräuchlich z.B. für die Verbindung von Pulpengewebe zwischen mehreren Hauptkanälen in einer Zahnwurzel (= portokavale Anastomose).
Locus Kiesselbachii

Anatomie
engl.: anatomy; Wissenschaft vom Bau des (menschlichen) Körpers, seiner Organe und Gewebe. Im Tierreich heißt dieser Begriff "Zootomie" und im Pflanzenreich "Phytotomie". 
http://www.visiblebody.com/

anatomischer Abdruck , engl.: anatomic impression, anatomic cast Abdruckarten, Situationsabdruck

anatomischer Apex , Apex

Anätzen , "Ansäuern", engl.: acid etching; Adhäsivtechnik

ANB-Winkel ; sagittale Position des Oberkiefers in Relation zum Unterkiefer, SNA-Winkel

andersartiger Zahnersatz
engl.: different dentures; Begriff, welcher mit der Festlegung von Festzuschüssen (ab 2005; § 55 Abs. 5 SGB V) in die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt worden ist: Es werden Leistungen durchgeführt und abgerechnet, die vollständig von der Regelversorgung abweichen, also in dieser nicht enthalten sind. Der Versicherte erhält den bewilligten Festzuschuss über die Kostenerstattung von seiner gesetzlichen Krankenkasse. Alle anfallenden Kosten (Honorar, Laborkosten) werden direkt mit dem Versicherten nach der (privaten) GOZ abgerechnet.
Beispiel: Fehlt eine bestimmte Anzahl von Zähnen, so sieht die Regelleistung einen (kostengünstigen) herausnehmbaren Zahnersatz vor. Wünscht der Patient statt dessen einen festsitzenden Zahnersatz ("Brücke"), so erhält er von seiner Praxis eine Rechnung über diesen Zahnersatz und reicht diese zur Kostenerstattung bei seiner Kasse ein.
Sonderbestimmungen gelten bei sog. "gemischtem Zahnersatz"; damit sind Versorgungsformen gemeint, die sowohl Elemente der Regel-/gleichartigen Versorgung wie auch a. Z. enthalten.
 Special: Festzuschüsse ab 2005
Festzuschüsse, gleichartiger Zahnersatz, Regelversorgung, Eigenbeteiligung/Zuzahlung bei Zahnersatz

Aneurysma
engl.: aneurysm; umschriebene, i.d.R. asymmetrische, dauerhaft bestehende Wandausbuchtung eines vorgeschädigten arteriellen Blutgefäßes oder der Herzwand. Derartige Veränderungen können angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens aus einer Gefäßschädigung heraus entwickeln.
Der Name "aneurysmatische Zyste" soll ausdrücken, dass diese aus einem Gewebe besteht, das kavernöse, mit Blut gefüllte, mehrkammerige Hohlräume aufweist - mit einem echten A. hat diese Beschreibung wenig gemein.

Anfinieren
Anpolieren, engl.: finishing; durch die Duktilität (Dehnbarkeit, Verformbarkeit) eines Materials bedingte Möglichkeit, eine Randspaltoptimierung durch sog. Kaltverformung durchzuführen. Durchgeführt werden derartige Maßnahmen durch Finierer oder Schlagpolierer, die so drehen müssen, dass sie vom Füllungsrand weg zum Zahn hin rotieren
Besonders bei den Goldgussfüllungen ("Gold-Inlays") können die Füllungsränder durch A. sehr dicht und nahtlos in den Zahn übergehend gestaltet werden. Weitere Einsatzgebiete sind das A. von Kronenrändern oder die Randausarbeitung von plastischen Füllungen. Hierbei findet allerdings kein eigentliches A. statt, vielmehr steht dieser Ausdruck für einen möglichst glatten Übergang von Restauration und Zahn.
Finieren

angeborener Zahn
prälaktaler Zahn, (neo)nataler Zahn, "Hexenzahn", engl.: natal tooth, predeciduous tooth; entweder als zu früh durchgebrochener Milchzahn ( Dens natalis) oder als fehlgebildete Zahnentwicklung vorkommend ( prälaktaler Zahn).

Angestellter Zahnarzt
engl.: employee dentist; Form der beruflichen Tätigkeit eines Zahnarztes in einer Vertragszahnarztpraxis. Voraussetzung dafür ist die Leitung dieser Praxis durch einen niedergelassenen Zahnarzt, welcher seine Behandlungen zu überwachen und zu verantworten hat; weiter muss der angest. Za. die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen.
Durch das Vertragsarztänderungsgesetz traten ab 2007 liberale Vorschriften zur Beschäftigung ein:
Grundsätzlich unbeschränkte Anstellungsmöglichkeit, auch in gesperrten Gebieten
Voraussetzung ist weiterhin die grundsätzlichen Verpflichtung zur persönlichen Ausübung der vertragszahnärztlichen Tätigkeit des Praxisinhabers. Dies bedeutet, dass ein Vertragszahnarzt mit Vollzulassung maximal zwei ganztags beschäftigten oder höchstens vier halbtags beschäftigte Zahnärzte ("angestellter Teilzeit-Zahnarzt") anstellen kann. Nur der Vertragszahnarzt rechnet gegenüber seiner KZV ab.
Nur dann Mitgliedschaft in der jeweiligen KZV, wenn mindestens eine halbtägliche Beschäftigung erfolgt


Veränderung: berufstätige Zahnärztinnen 1988-2009

Die Zahl der Zahnärzte, die nicht in eigener Niederlassung, sondern als Angestellte in Praxen arbeiten, ist in den letzten Jahren ständig gestiegen; Ende 2014 waren es 14.331, mehr aks ein Drittel davon sind Männer. Viele junge Zahnärzte und vor allem Zahnärztinnen scheuen die hohen Investitionskosten von über 422.000 EURO (2014) einer Praxisgründung und sehen die Arbeit in Anstellung als attraktive Alternative an. Mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz sind Anstellungsverhältnisse einfacher geworden, und viele Berufseinsteiger bzw. Praxen nutzen diesen Weg. Damit bilden sich größere Behandlungseinheiten. 1991 waren 7,5 Prozent der Praxen Gemeinschaftspraxen, 2007 waren es 19 Prozent. Zusätzlich sind die Berufsausübungsgemeinschaften in ihrer einzelnen Größe gewachsen.
3.200 Zahnärzte arbeiten in Deutschland als Beamte oder Angestell
te außerhalb von Zahnarztpraxen (2015)

Beschäftigungsverbot für schwangere angestellte Zahnärztinnen:
das Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 27.05.1993 bestätigt eine Anordnung des Gewerbeaufsichtsamtes, "dass eine schwangere Zahnärztin keine invasiv-operativen Tätigkeiten wie dentalchirurgische Eingriffe, Zahnextraktionen, Injektionen ausführen darf und alle übrigen Behandlungen wie konservierende Arbeiten nur dann ausgeführt werden dürfen, wenn eine Verletzungs- und damit Infektionsgefahr damit ausgeschlossen wird." (s.a.: ==> Schwangerschaft einer Mitarbeiterin)

Altersgrenze, Vertragsarztrechtsänderungsgesetz, Zweigpraxis
Buchtipp: Gemeinschaftspraxis & Co. - Alternativen zur zahnärztlichen Einzelpraxis (W. Schinnenburg; Zahnärztlicher Fach-Verlag, zfv, 2010); ausführliche und kompetente Darstellung der umfangreichen Materie von einem Zahnarzt und Fachanwalt für Medizinrecht
Praxisführung mit angestellten Zahnärzten (ZWP, 2014)
Memorandum der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Rahmen der zahnärztlichen Berufsausübung (©: BZÄK, 2011)
Stellenportal für den gesamten Dental-Markt
So kann man angestellte Zahnärzte honorieren (zm; 2016)

Angina Ludovici ; Mundbodenphlegmone

Angina pectoris
"chronische Herzschmerzen", "Herzenge", engl.: angina (pectoris), (Heberden's) angina; mit den Symptomen: Starke Schmerzen in der Herzgegend (die typische Herzenge, sog. Kardialgie), Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, bis hin zur "Todesangst".

Angiographie , engl.: angiography; röntgenologische Darstellung von Blutgefäßen, nachdem in diese ein Kontrastmittel injiziert wurde; Arteriographie

Angiotripsie , engl.: angiotripsy; blutstillendes Abquetschen ("Abklemmen") eines Blutgefäßes (i.d.R. einer Arterie) mit einer Quetschklemme (Arterienklemme oder sog. Angiotriptor); Nachblutung

Angle
Angle Klassifikationen, engl.: Angle's classifications; nach einem der Begründer (amerik. Zahnarzt, E.H.A. Angle, 1855-1930) einer wissenschaftlichen Kieferorthopädie benannte und weltweit gültige Einteilung der relativen Lagebeziehung (in sagittaler Richtung) des Oberkiefers zum Unterkiefer (korrekt: des unteren ersten Backenzahns im Bezug zum entsprechenden oberen). Danach werden als Hauptklassen unterschieden:
  • Klasse I : der vordere Höcker (mesio-buccale ; grüner Punkt) des oberen ersten Molars beißt in das mittlere zentrale Grübchen (roter Punkt) des unteren ersten Molars. Diese entspricht einer "normalen" (eugnathen) Lagebeziehung vom Unterkiefer zum Oberkiefer.
  • Klasse II : der vordere Höcker (mesio-buccale ; grüner Punkt) des oberen ersten Molars beißt vor das mittlere Grübchen (roter Punkt) des unteren ersten Molars. Diese entspricht einer "rückgestellten" (prognathen) Lagebeziehung vom Unterkiefer zum Oberkiefer ( Distalbiss). Besonders Kinder mit Erkrankungen dieser Klasse neigen auch zu allgemeinen orthopädischen Erkrankungen/Befunden.
    Nach der Achsrichtung der vorderen Schneidezähne wird zusätzlich in die Klassen II,1 (Achsrichtung zur Lippe hin, "nach vorne"), II,2 (Achsrichtung gerade nach unten, "steil", Steilbiss) und II,3 (zu den Unterkieferzähnen hin, "nach innen") unterschieden.
  • Klasse III : der vordere Höcker (mesio-buccale ; grüner Punkt) des oberen ersten Molars beißt hinter das mittlere Grübchen (roter Punkt) des unteren ersten Molars. Diese entspricht einer "vorgestellten" (progenen) Lagebeziehung vom Unterkiefer zum Oberkiefer.

Abweichung, Begg Technik, Doppelvorschubplatten, Dysgnathie, Fehlstellung von Zähnen, Frontzahnstufe, Kieferprofilfeld, Kompressionsanomalie, Modellanalyse, Overjet, Retrognathie, Tweed-Analyse

Angst
vor einem Zahnarztbesuch, Zahnbehandlungsangst, Oralphobie, engl.: dental (treatment) phobia, dental anxiety;
Acht von zehn Befragten geben an, unter einem Angstgefühl beim Zahnarztbesuch zu leiden. Die krankhafte Oralophobie führt bei zwei bis zehn Prozent der Bevölkerung dazu, sich nicht in zahnärztliche Behandlung zu begeben.
Die häufigste Ursache für die Ausbildung einer Zahnbehandlungsangst stellen traumatische Erlebnisse - häufig schon in der Kindheit durch eine ungenügende/schlechte/falsche Vorbereitung - während einer Behandlung dar. Hinzu kommen negative Auswirkungen durch das soziale Umfeld: So kann es vorkommen, dass Kinder, die noch nie beim Zahnarzt waren, aufgrund von elterlichen Erzählungen eine A. entwickeln. Bei vielen Patienten steht jedoch das unangenehme Gefühl im Vordergrund, die Kontrolle abzugeben und dem Zahnarzt ausgeliefert zu sein.
Für eine Therapie ist die eindeutige Abgrenzung zwischen Angst und Phobie notwendig. Bei erwachsenen Angstpatienten hat sich das Selbstbeurteilungsverfahren beispielsweise mit dem hierarchische Fragebogen HAF (nach Jöhren, 1999) bewährt. Eine Zahnbehandlungsphobie liegt vor, wenn der Patient hochängstlich ist und zusätzlich die Zahnbehandlung vermeidet. In diesem Fall sollte auf professionelle Hilfe zurückgegriffen werden.

Im Zusammenhang mit einem Behandlungsschmerz werden 4 Arten von A. unterschieden:

Im Zusammenspiel von Schmerz und A. kommt dann ein "Angst-Verspannungs-Schmerz-Kreislauf" zustande: Je ängstlicher ein Patient ist, umso mehr kommt es zu einer psychischen und physischen Erregung, die mit Muskelverspannungen einhergeht. Durch die Ausschüttung von Gewebshormonen (Kinine) führt die Muskelverkrampfung zum Symptom "Schmerz". Dieser Schmerz verstärkt wiederum die Angst positiv; der Kreislauf wird erneut durchlaufen.

Während sich "normale Ängste" vor/bei einem Zahnarztbesuch meist durch Vertrauen in den Behandler und eine gewisse Ablenkung (z.B. Walkman im Wartezimmer) oder Entspannungsübungen beherrschen lassen, ist die Behandlung der Phobien - da eine echte Krankheit - meist langwierig. Es bieten sich nachfolgende Möglichkeiten an, die i.d.R. von den Krankenkassen übernommen werden (medizinische Begründung erforderlich; vorher nachfragen!):

Akupunktur, Analgosedierung, Anxiolyse, Iatrophobie, Phobie, Psychosomatik, QuickTimeTrance, Schmerz
Kommunikation bei Patienten mit Zahnbehandlungsangst (zm, 2014)
http://www.traumzahnarzt.de
www.gutezaehne.de
Mit Lachgas gegen die Angst beim Zahnarzt
Jeder Zehnte hat große Angst vorm Zahnarztbesuch (BZÄK, 2012)

Angulation
Zahnneigung, engl.: do.; Winkelangabe ("die A. beträgt ..°") für die Kippung einer Zahnachse; meist gebräuchlich für die A. in mesialer oder distaler Richtung zu einer Zahnlücke hin, oder für die Veränderung der natürlichen Zahnneigung bedingt durch einen verlagerten Zahn.
Inklination

Angulus mandibulae ; Kieferwinkel

Anhänger , Jargonbezeichnung für das Freiendglied einer Freiendbrücke

Anisodontie , engl.: anisodontia; verschiedenartig ausgebildete Zahnarten in einem Gebiss; Heterodontie

anisognath
engl.: anisognathous; anatomische Bezeichnung für das beim menschlichen Gebiss übliche Überdecken des oberen Zahnbogens über den unteren.
isognath

Anisotropie
[an-i...; griech.], die Richtungsabhängigkeit der verschiedenen physikal. Eigenschaften eines Stoffes, z.B. Elastizität, Spaltbarkeit, Härte, elektrische Leitfähigkeit, Wärmeleitung und Lichtbrechung bei zahlr. Kristallen. (Definition nach: (c) Meyers Lexikonverlag).

Ankerbandklammer
Intarsienklammer, engl.: anchorage band clasp, anchoring band clasp; zu den Geschieben zählende Klammerart (Doppelarmklammer mit Auflage), welche in eine speziell konstruierte Vollkrone eingearbeitet ist: kleine Rasten an den Enden der relativ breiten und langen Klammerarme greifen in entsprechende Vertiefungen der Krone ein und gewähren so einen sicheren Halt.
Später erfolgte eine Weiterentwicklung zu einer Art Außenteleskop (Ringteleskop) ohne okklusale Fläche in Verbindung mit einer Ankerbandkrone.


Ankerbandkrone
engl.: anchor band crown (?); einem parallel gefrästen Innenteleskop ähnliche Kronenart über welches eine ringförmige Verankerung (eine Art Außenteleskop ohne Okklusalfläche = Ringteleskop; befestigt am herausnehmbaren Zahnersatz) geschoben wird. Zusätzlich kann in die A. noch ein Geschiebe eingearbeitet sein. Die A. selbst hat direkten Kontakt zum Antagonisten und eine anatomische Okklusalfläche. Seltene Anwendung dann, wenn zum Gegenbiss nur wenig Platz für eine Doppelkrone besteht.
Ankerelement


Ankerelement
"Anker", engl.: abutment (element), anchor element; Oberbegriff für ein künstliches Element, welches zur Abstützung und/oder Halt von Zahnersatz dient. Das A. ist fest auf einem natürlichen Zahn oder Implantat (Pfeiler) zementiert ("verankert"). Gebräuchliche A. sind Kronen, Stege, Teleskope und Geschiebe ("Ankergeschiebe").

Ankerimplantat
engl.: anchor implant; beschreibende Bezeichnung für eine heute nicht mehr gebräuchliche Implantatform bei enossalen Implantaten: Implantatkörper u. -fuß sind ankerförmig gearbeitet und sollen so im Alveolarfortsatz fest "verankert" sein. Heute durch Schraubenimplantate abgelöst.

Ankerzahn
Anker, engl.: abutment (tooth), anchor(ing) tooth; wenig gebräuchliche Bezeichnung für einen körpereigenen Zahn (oder ein Implantat), an welchem festsitzender Zahnersatz oder herausnehmbare Prothesen abgestützt und / oder befestigt werden. Wie bei Brücken spricht man besser von Pfeilerzähnen.
Ankerelement

Ankylodontie
"Zahnwurzelverwachsung", engl.: ankylodontia; Verwachsung der Zahnwurzel mit dem umgebenden Alveolarknochen. Bei einem derartigen Vorgang ist es vorher zu einem Verlust des Desmodonts gekommen. Typische Folge einer traumatischen Zahnverletzung oder Replantation.
Ankylose

Ankyloglossie
"Zungenverwachsung", engl.: ankyloglossia, tongue tie; angeborene, mehr oder wenig starke Verwachsung der Zunge mit dem Mundboden, meist durch ein ausgeprägtes, zu weit zur Zungenspitze hin reichendes Zungenbändchen ( Frenulum linguae) bedingt. Je nach Ausprägung kann es dadurch zu Sprach- und (seltener) Schluckstörungen kommen, da die Zunge in ihrem Bewegungsspielraum eingeengt ist. Zahnärztlicherseits werden Zahnfehlstellungen und parodontale Verletzungen beobachtet. Behandlung i.d.R. durch Frenulektomie möglich.


Ankylose
Gelenkversteifung, engl.: ankylosis; teilweise oder vollständige  Verwachsung eines Gelenks mit der Umgebung bis hin zu völligem Bewegungsverlust.
Kiefergelenk, Nearthrose
In der Endodontie wurde der Begriff A. früher als Ersatzresorption bezeichnet. Man meint damit die hartgewebige Verwachsung von der Zahnwurzel mit dem umgebenden Aloveolarknochen.
In der Implantologie versteht man unter A. die bündige Verwachsung des Implantatkörpers mit dem umgebenden Knochen. Während ein natürlicher Zahn über das Desmodont federnd aufgehängt ist (die Federung erlaubt ein Nachgeben ("Intrusion") des Zahnes bei einer vertikalen Belastung von ca. 20 µm), gibt die starre Implantatverankerung nur noch um ca. 2 µm nach.
Osseointegration, Vogelgesicht



beidseitige Kiefergelenks-
Ankylose bei einem 6-jährigem
(maximale Mundöffnung)

Ankylostoma, Kieferklemme

Anodontie
Zahnlosigkeit, engl.: anodontia; dieser Zustand kann angeboren sein (Ausbleiben einer Zahnkeimentwicklung; sehr selten!) oder im Laufe des Lebens durch vollständigen Verlust der Zähne erworben werden ( zahnlos)
Aplasie, Hypodontie, unbezahnt, zahnlos

Anomalie
Missbildung, Abweichung vom Normalen, engl.: anomaly; Abweichung, Dysgnathie, Kieferorthopädie, Zahnanomalie

Anosmie
engl.: anosmia; Fehlen bzw. Verlust des Geruchssinnes. Unterteilung in:
zentrale A.: Schädigung von Nervenstrukturen im Gehirn
periphere A.: Schädigung des Riechepithels
gustatorische A.: Verlegung der Riechspalte, fehlender Luftstrom von den Geschmacksrezeptoren her

Antagonist
Gegenzahn
, "Ein-zu-Zwei-Zahn-Relation", engl.: do.; der Zahn (die Zähne), auf welchen ein Zahn beim Kieferschluss im Gegenkiefer beißt. Im normalen Gebiss sind dies i.d.R. immer zwei Zähne, mit Unterteilung in Hauptantagonist und Nebenantagonist, auf welche ein Zahn im Gegenkiefer auftrifft (sog. Antagonistenkontakt; s. Abb.).
Aktionsfläche, Elongation, Extrusion, Fossa, Gebiss, Gegenbiss, Interkuspidationskontaktpunkte, Interkuspidationstiefe, Kaueinheit, Molarenrelation, okkludieren, Okklusion, Okklusionseinheit, Okklusionsfeld, Okklusionsfläche, Scherhöcker



anterior , engl.: do.; vordere, nach vorn verlagern, verschieben. Gegenteil: posterior (hinterer, rückwärtiger)

Anthropologie ; engl.: anthropology; Menschenkunde, Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung

antibakteriell
"bakterienschädigend", engl.: antibacterial (agent); Substanzen, die durch biologische, chemische, mechanische oder thermische Schädigung zur Abtötung von Bakterien führen können.

Antibiogramm
engl.: antibiogram o. bacterial sensivity test; Empfindlichkeitsmessung von best. Erregern gegenüber den versch. Antibiotika. Hauptsächlich angewandt, wenn "Standard-Antibiotika-Gaben" nicht ansprechen
Antibiotika, Resistenz, Resistenzbestimmung

Antibiose
griech. Anti = gegen, bios = Leben; in der Medizin Bez. für eine Wachstumshemmung bzw. Abtötung von zur Erkrankung führenden Mikroorganismen durch Stoffwechselprodukte anderer Bakterien oder Pilze; Antibiotika

Antibiotika
Einz.: Antibiotikum, Antiinfektiva, engl.: antibiotic(s); zu der Gruppe der Chemotherapeutika gehörend, von Mikroorganismen wie Schimmelpilzen (z.B. Penicillin), Strahlenpilzen (Tetrazyclin, Chloramphenicol) und Bakterien gebildete Stoffwechselprodukte und ihre künstlich hergestellten Abarten. Es sind Substanzen, die Parasiten (z.B. Mikroben) in ihrem Wachstum beeinflussen, ohne die Zellen des Wirts zu schädigen.
1935 Einführung der Sulfonamide, 1942 die der Penicilline; zu der Zeit noch mit einer rein empirischen Dosisempfehlung. A. gehören neben den Schmerzmitteln zu den am häufigsten verordneten Medikamenten in einer Zahnarztpraxis und dienen vorrangig als Heilmittel bei bakteriellen Infektionen, aber auch zur Prophylaxe vor chirurgischen Eingriffen. Jährlich wurden in Deutschland 2003 A. im Gesamtwert von rund 750 Millionen Euro verordnet. Das bedeutet: Im Schnitt entfallen auf einen 20- bis 40-Jährigen etwa fünf Tagesdosen. Inzwischen sind über 400 Präparate auf dem Markt, gegen die häufigsten Erreger gibt es gleich mehrere Mittel.
Unter dem Sammelnamen A. befinden sich eine Vielzahl von Medikamenten auf dem Markt, welche sich grob unterteilen lassen (berücksichtigt sind hierbei nur die Gruppen von zahnärztlichem Belang):

A. wirken nach versch. Prinzipien:
Sie greifen in die Synthese der Außenhülle der Bakterien ein, welche die Mikroorganismen als stabiles Schutzschild umgibt, schwächen diese und bringen sie schließlich zum Absterben (Beta-Laktam-A. wie z.B. Penicilline, Cephalosporine)
Hemmung der Eiweißsynthese in der Bakterienzelle (typisch für Makroloide, Clindamycin und Tetrazyklin)
Interferenz (Hemmung eines biologischen Vorgangs durch einen gleichzeitigen und/oder gleichartigen anderen) mit spezifischen Stoffwechselprozessen der Bakterienzelle; z.B. Gyrasehemmer
Dabei entfalten sie eine  bakterizide Wirkung oder hemmen die Bakterien in ihrem Wachstum (= bakteriostatische Wirkung).
A
. gehören - pharmakologisch gesehen - zu den sichersten Medikamenten überhaupt; Todesfälle durch Überdosierung (nicht durch allergische Reaktionen!) sind äußerst selten.
Eine Behandlung mit A. sollte in Erwägung gezogen werden, wenn der Patient eine bakterielle Infektion nicht durch die eigene Immunabwehr überwinden kann. A. sind nur zur Eliminierung von Bakterien bestimmt. Bakterien sind wahre Überlebenskünstler und extrem anpassungsfähig. Deshalb ist das Auftreten von Resistenzen in Gegenwart von A. unvermeidlich und sogar natürlich. A. sollten folglich nur verschrieben werden, wenn es wirklich notwendig ist. Heutzutage werden A. aber nicht nur in der Human- und Tiermedizin eingesetzt, sondern häufig auch in der Landwirtschaft und Viehzucht.
A. werden i.d.R. oral dem Körper systemisch zugeführt. Dabei tritt das generelles Problem auf, dass eine ausreichend hohe und therapeutisch wirksame Konzentration im erkrankten Gebiet vorhanden ist. Deshalb werden - besonders in der Parodontologie - lokale Antibiotika mit entsprechendem Erfolg eingesetzt.
Je nach eingesetztem A. lassen sich versch. - meist nur vorübergehende - Nebenwirkungen beobachten, welche grob in 4 Gruppen eingeteilt werden können:
allergische Reaktionen in Form von Früh- und Spätreaktionen; gefährlichste Reaktion ist der (seltene) anaphylaktische Schock!
biologische Reaktionen besonders in einer Zerstörung natürlicherweise vorkommender Bakterien der Mundhöhle ( Haarzunge) und des Darms (Durchfallerkrankungen)
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Orale Kontrazeptiva ("Pille") mit einer Kombination von Ethinylestradiol und einem synthetischen Gestagen bieten normalerweise sehr verlässlich Schutz vor ungewollter Schwangerschaft; von Fall zu Fall muss mit einem Versagen dieser Methode gerechnet werden. Zu den Faktoren, die zur Verminderung der kontrazeptiven Sicherheit beitragen können, gehören Interaktionen mit anderen Arzneimitteln. So ist bekannt, dass die Sicherheit der verhütenden Wirkung der Kontrazeptiva durch Einnahme von Tetracyclinen vermindert wird, weil Tetracycline die Aufnahmen der Kontrazeptiva über den Darm verschlechtern. Ebenso können Johanniskrautpräparate, sowie Durchfallerkrankungen die Wirkung der Antibabypille herabsetzen. Retrospektive Untersuchungen über die Versagerquote von Kontrazeptiva unter Einnahme verschiedener Breitband-Antibiotika in dermatologischen Praxen brachten zwar eine leichte, aber nicht signifikante Zunahme von ungewollten Schwangerschaften.
In jüngerer Zeit (2013) wird bei der Einnahme von Blutverdünnern und Antibiotika zu besonders sorgfältigem Vorgehen bei der Auswahl der Präparate geraten, da das Blutungsrisiko um das Fünffache bei bestimmten Antibiotika erhöht sein kann ( http://dx.doi.org/10.1160/TH13-09-0723).

A. werden in der ZHK hauptsächlich bei folgenden Erkrankungen verabreicht:
vom Zahn ausgehenden eitrigen Infektionen (Abszessen*), Aktinomykose, Parodontitis apicalis, Perikoronitis, Periimplantitis, unfallbedingten Infektionen)
*) Entleert sich bei einer nötigen Inzision Eiter, ist eine antibiotische Therapie nicht angezeigt; sie sind jedoch bei der Schwere des Krankheitsbildes dann erforderlich, um eine Superinfektion und drohende Ausbreitung in angrenzende Weichgewebe zu verhindern.
akute, nekrotisierende Zahnfleischentzündungen (ANUG)
akute, eitrige Speicheldrüsenentzündung
akute und chronische Osteomyelitis
Aktinomykose
Prophylaxe vor/bei umfangreichen Kiefer-Operationen
Prophylaxe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Endokarditis-Prophylaxe)

Die meisten in der ZHK auftretenden Infektionen werden von grampositiven Bakterien (Streptokokken, nicht Penicillinase-bildenden Staphylokokken) verursacht. Zur Bekämpfung dieser Mikroorganismen werden primär orale Penicilline (Penicillin V und Propicillin) und als Alternative Erythromycin oder Clindamycin eingesetzt. Bei auf eine normale Therapie nicht ansprechende Zahnfleischerkrankungen gelten andere A. als Standard ( Antibiotikazufuhr bei Zahnfleischerkrankungen). Das klassische Antibiotikum Penicillin erweist sich wegen einer weltweit zu beobachteten Resistenz zunehmend als wirkungslos. Schätzungen gehen davon aus, dass bei Infektionen im Kiefer-Gesichts-Bereich nur noch 44% der festgestellten Keime auf Penicillin ansprechen. Zudem ist bei Penicillin die Allergierate besonders hoch.
Die oft vorschnelle Behandlung von Infektionskrankheiten mit A. hat einen weiteren, bisher unbekannten Nachteil. Einer US-Studie zufolge leiden Schulkinder wesentlich öfter an Allergien und Asthma, wenn sie als Säugling mit Antibiotika behandelt wurden.

Empfohlene Anwendung bei:

Art der Infektion Mittel der "ersten Wahl" Dosierung/Tag Ersatztherapie
(z.B. bei Unvertr.)
apicale
Parodontitis
,
Dentitio difficilis,
Abszesse mit
Ausbreitungstendenz
o. reduziertem AZ
Aminopenicillin +
Betalaktamaseinhibitor
(z.B. Amoclav 500™
Augmentan™)
3 x 500 mg Clindamycin,
Makroloide der
neueren
Generation
Akute nekrotisierende
Gingivitis (ANUG)/
Parodontitis
Aminopenicillin
(z.B. Amoxicillin™)
und/oder
Metronidazol
(z.B. Flagyl™)
3 x 500 mg
+
3 x 400 mg
Clindamycin
akute Speicheldrüsen-
entzündung
(
Sialadenitis)
Aminopenicillin +
Betalaktamaseinhibitor
(z.B. Amoclav 500™)
3 x 500 mg  
Aktinomykose Penicillin V 3 x 1,5 Mio. I.E. Cephalosporine o.
Tetrazyklin
Prophylaxe vor
Eingriffen,
Risikopatienten

siehe auch:
Endokarditisprophylaxe,
da
unterschiedliche
Empfehlungen
Aminopenicillin
(z.B. Amoxicillin™)
2 g 1 Stunde vor dem
Eingriff (einmalig)
Clindamycin

(einmalig 600 mg)

Einnahme:
Die in der ZHK relevanten A. sollten auf nüchternen Magen (1 Std. vor bzw. 3 Std. nach einer Mahlzeit) eingenommen werden. Auf Grund der Säureempfindlichkeit sollten zum Trinken keine Fruchtsäfte Verwendung finden; gut mit Wasser/Mineralwasser nachtrinken, damit das Präparat schneller wirkt.
In jüngerer Zeit (2013) wird bei der Einnahme von Blutverdünnern und Antibiotika zu besonders sorgfältigem Vorgehen bei der Auswahl der Präparate geraten, da das Blutungsrisiko um das Fünffache bei bestimmten Antibiotika erhöht sein kann ( http://dx.doi.org/10.1160/TH13-09-0723).
Antibiogramm, Antibiotikaprophylaxe, Autovakzine, Behandlung in der Schwangerschaft, Biofilm, Clindamycin, Defensine, lokale Antibiotikazufuhr, MHK90, Mundflora, Penicillin, Quincke Ödem, Procalcitonin-Test, Resistenz, STAMPs, unterstützende Antibiotikatherapie
Special: Schwangerschaft (Fremdlink auf www.Zahnwissen.de)

Antibiotikaprophylaxe
antibiotische Abschirmung, "perioperative Antibiotika-Prophylaxe", engl.: prophylactic antibiotic coverage; begleitende antibiotische Maßnahmen zur Senkung der Rate postoperativer Infektionen. Derartige Maßnahmen können überhaupt nur sinnvoll sein, wenn eine einwandfreie Basishygiene, aseptisches Arbeiten und eine gewebeschonende Operationstechnik vorliegen und zum Zeitpunkt des Eingriffes ein genügend hoher Gewebsspiegel besteht. PD Dr.Dr. Bilal Al-Nawas (Mainz) unterteilt in Prozedurenbezogene und Patientenbezogene Faktoren:

Antibiotika
-Zufuhr bei Zahnfleischerkrankungen
, unterstützende Antibiotikatherapie, engl.: adjunctive antibiotic therapy; mit dem Ziel einer Eliminierung krankhafter Keime aus der Zahnfleischtasche bzw. Mundhöhle. Der Einsatz von Antibiotika bei der Behandlung entzündlicher parodontaler Erkrankungen wird häufig und kontrovers diskutiert. Einige Studien zeigen in Abhängigkeit von der Applikationsform durchaus gute Ergebnisse, andere Meinungen raten grundsätzlich von ihrer Anwendung ab, nicht zuletzt aufgrund der Gefahr vor einer Verschleierung des Krankheitsbildes und möglicher Resistenzentwicklungen. Im Vorfeld des Einsatzes von Antibiotika sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen, am zweckmäßigsten mit sog. Gen-Sonden-Tests. Bei der überwiegenden Zahl der Parodontalerkrankungen (plaqueinduzierte Gingivitis sowie leichte und mittelschwere chronische Parodontitis bei systemisch gesunden Personen) hat die unterstützende Antibiose keinen zusätzlichen Nutzen.
Da sich die meisten Keime in Biofilmen organisieren, ist eine vorherige mechanische Reinigung ( Debridement) der Zahn-/Wurzeloberfläche unbedingt erforderlich, wenn eine befriedigende Wirkung der A. erzielt werden soll. Eine ausschließliche Antibiotika-Therapie ist nur auf die seltenen Fälle beschränkt, bei welchen sich wegen hochakuter Beschwerden/Schmerzen keine qualifizierten Maßnahmen am Zahn durchführen lassen. Hierzu zählen besonders im Sinne einer systemischen Therapie:
Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG) und Parodontitis (NUP) mit ausgeprägter Allgemeinsymptomatik
Aggressive Parodontitis u. schwere chronische Parodontitis
Therapie-unempfindliche Parodontitis
Unterstützende Therapie bei Vorliegen spezifischer Keime
Parodontalabszess mit Ausbreitungstendenz
Um einer Resistenzbildungen durch eine ungeeignete Antibiotikaauswahl vorzubeugen, sollten nur bekannt wirksame Medikamente eingesetzt bzw. vorher eine Resistenzbestimmung durchgeführt werden.
Nach der Dt. Ges. f. Parodontologie (DGP) und der Dt. Ges. f. Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten ( DGZMK) liegen folgende Antibiotikakonzentrationen in der Gingivalflüssigkeit bei systemischer Verabreichung vor:

  A.a. T.f. E.c. P.g. P.i. P.n.
Amoxicillin + +   ++    
Metronidazol   ++   + + ++
Ciprofloxacin +   +      
Doxycyclin   + +      
Tetracylin   + +   +  
Clindamycin   ++        
Metronidazol & Amoxicilin* + ++   ++ + ++
Metronidazol & Ciprofloxacin* + ++ + + + ++

Legende: Antibiotikakonzentrationen in der Gingivalflüssigkeit bei systemischer Verabreichung. Ausgedrückt in Vielfachen der in vitro minimalen Hemmkonzentration (MHK90):
+ = 101 fach, ++ = 102 fach, +++ = 103 fach  ; * = von Einzelwerten abgeleitet
A.a.: Actinobacillus actinomycetemcomitans; T.f.: Tanerella forsythensis; E.c.: Eikenella corrodens; P.g.: Porphyromonas gingivalis; P.i.: Prevotella intermedia; P.n.: Prevotella nigrescens
Wie ersichtlich, sind besonders die Metronidazol-Kombinationspräparate für einen derartigen Einsatz besonders geeignet.
Die Dosierung sollte nach der gleichen Quelle derart aussehen:

Wirkstoff (per os) Dosierung (Erwachsene) Indikationen klinische Diagnose
Tetracyclin 250 mg 4 x 250 mg/die, 21 Tage    
Doxycyclin 100 mg 1 x 200 mg/die, 1 Tag
1 x 100 mg/die, 18 Tage
nichtspez.
Infektionen
Refraktäre
Parodontitis
Metronidazol 400 mg 3 x 400 mg/die, 7 Tage P. gingivalis
B. forsythus
Treponema ssp.
Schwere Parodontitiden
ANUG / ANUP
Metronidazol 400 mg
und
Amoxicillin 500 mg
3 x 400 mg/die, 7 Tage
und
3 x 500mg/die, 7 Tage
Parodontitis assoz.
mit A.a.
Infektionen mit P.g.
und hohen Konz.
von gram-pos.
Pathogenen
juvenile Parodontitis
aggressive Parodontitis
Metronidazol 500 mg
und
Ciprofloxacin 250 mg
2 x 500 mg/die, 7 Tage
und
2 x 250 mg/die, 7 Tage
   
Amoxicillin 500 mg 3 x 500 mg/die, 14 Tage    
Ciprofloxacin 250 mg 2 x 250 mg/die, 10 Tage    
Clindamycin 300 mg 4 x 300 mg/die, 7 Tage Infektionen ohne A.a.,
aber mit gram-pos.
Pathogen
Schwere Erkrankungen
Unverträglichkeit gegen
Metronidazol

Eine weitere Standardtherapie bei akuten, aggressiven Parodontalerkrankung stellt der sog. Winkelhoff-Cocktail dar.

Da bei einer systemischen Zufuhr auch gesunde Körperregionen mit dem Wirkstoff belastet werden, sollte auch immer geprüft werden, ob nicht geeignete lokale Antibiotika eingesetzt werden können. Zusätzlich ist eine begleitende antiseptische Therapie (Mundspüllösungen, spez. Mundduschen) mit Chlorhexidin angeraten.
A. - egal ob systemisch oder lokal zugeführt - sollten nur dann eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Nach der restriktiven Stellungnahme der DGZMK  dürfen A. bei der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen nur bei bestimmten Formen und auch nur beim Nachweis relevanter Markerkeime eingesetzt werden.
Vergleichsstudien (in vitro) zwischen Penicillin vs. Amoxycillin/Clavulansäure, Moxifloxacin sowie Levofloxacin ergaben eine wesentlich höhere Empfindlichkeit gegenüber Mischinfektionen durch die nicht penicillinhaltigen Antibiotika. Das getestete Erregermaterial stammte aus von Zähnen ausgehenden Abszessen.  Die meisten der Erreger waren Streptokokken oder gehörten zur anaeroben Prevotella-Gattung. Die Tests fielen für drei A. besonders gut aus: 100% der Kulturen reagierten empfindlich auf Amoxycillin/Clavulansäure und 98% der Kulturen auf Moxifloxacin und Levofloxacin. Weniger gut reagierten die Erreger auf Doxycilin (76%) und Clindamycin (75%).
Oral eingenommene A. werden vor allem im oberen Bereich des Darms vom Körper absorbiert. Ein kleiner Teil wandert jedoch bis ans Darmende und greift auf seinem Weg auch Bakterien an, die für die Verdauung gebraucht werden. Die Folge sind oft schmerzhafte Blähungen und andere Verdauungsstörungen.
Die Verwendung von Antibiotika - speziell von Doxycyclin - bei der Behandlung von Rauchern, insbesondere bei Vorliegen schwerer parodontaler Schäden, kann die Erfolge deutlich steigern. Raucher sprechen im Gegensatz zu anderen Patienten schlecht auf die alleinige mechanische Entfernung ( Scaling) der Zahnwurzelverunreinigungen an.
In jüngerer Zeit (2013) wird bei der Einnahme von Blutverdünnern und Antibiotika zu besonders sorgfältigem Vorgehen bei der Auswahl der Präparate geraten, da das Blutungsrisiko um das Fünffache bei bestimmten Antibiotika erhöht sein kann ( http://dx.doi.org/10.1160/TH13-09-0723).
Antibiogramm, Antibiotika, Antibiotikaprophylaxe, Antimykotika, bakteriologische Identifizierungssysteme, Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen, lokale Antibiotikazufuhr, Markerkeime, Mundflora, PCR, PMIK ("antiinfektiöse Therapie"), Procalcitonin-Test, Propolis, Virustatika
Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen
Patienteninfo: Mikrobiologische Diagnostik und Parodontitistherapie ©: BZAEK

Antiemetikum
Antemetikum, engl.: antiemetic; Mittel gegen Brech- und Würgereiz. Von den zahlreichen existierenden, systemisch wirkenden Mitteln werden z.B. eingesetzt: Antihistaminika, Neuroleptica, Anticholinergica und 5-HT3-Antagonisten. Wirkung bei zahnärztlichen Maßnahmen (z.B. Abdrucknahme im Oberkiefer) unsicher.
In der ZHK werden bei einem Würgereiz u.a. eingesetzt: Gingicain-Spray, Veratrum album D4, Hypnose oder eine spezielle Akupunktur.
Würgereiz

Antigen
engl.: do.; artfremder Eiweißstoff, der im Körper die Bildung von Abwehrstoffen ( Antikörpern) bewirkt, die ihn dann selbst unschädlich machen.
Allergie, Allergietestung, Immunisierung

Antikoagulanzien
engl.: anticoagulants; Stoffe, die die Blutgerinnung herabsetzen oder hemmen. Bei zahnmedizinischen Eingriffen unter oraler A. stellt sich die Frage, ob man diese pausiert und ob sie durch eine andere A. (in der Regel niedermolekulares, subkutan verabreichtes Heparin) ersetzt werden muss. Hierbei muss das Risiko für perioperative Blutungen gegen das Risiko für thrombembolische Ereignisse abgewogen werden.
Bekannte Medikamente sind Heparin, Kumarin, Hirudin und Antithrombin
Blutgerinnungsstörungen, Quick-Wert, Thrombozytenaggregationshemmer

Antikörper
engl.: antibody; Eiweiße, die sich im Körper an Eindringlinge hängen und damit deren Zerstörung durch das
Immunsystem einleiten.
Allergie, Antigen, ECC (frühe Milchzahnkaries), Immunsystem, Speichel

Antimonzähne
engl.: antimony teeth (?); Ausbildung von orange-roten bis gelblich-braunen, nicht entfernbaren Verfärbungen der Zähne und des Zahnfleischsaums durch eine chronische Vergiftung mit Antimontrioxid (Antimonweiß, Sb2O3; z.B. als Flammenschutzmittel)
Schwermetallsaum

Antimykotika
Fungizide, Fungistatika, engl.: antimycotics; Chemotherapeutika zur Behandlung von Pilzerkrankungen, Herstellung z.T. aus Pilzkulturen o. synthetisch. Wirkungsweise durch Angriff auf die Zytoplasmamembran oder durch Störung biochemischer Vorgänge in der Zelle.
Medikamente: Polyen-Makrolide wie Amphotericin B und Nystin (Ampho-Moronal™, Moronal™); als Synthetikum: Micanozol (Daktar™) als Lutschtabletten oder Supensionen mit ausreichend langer Therapie; strenge Indikation in der Schwangerschaft.
Zur Behandlung der oralen Candidiasis müssen möglichst lang anhaltend ausreichend hohe Konzentrationen eines A. im Speichel erreicht werden. Dies kann durch die intravenöse, perorale oder lokale Verabreichung der Wirkstoffe in Form von Pastillen, Spüllösungen oder Gelen erreicht werden. Neuerdings sind miconazolhaltige Kaugummis zur Behandlung der oralen Candidiasis auf dem Markt. Im Vergleich mit Gel auf Miconazol-Basis erbrachte der Kaugummi bei geringerer Dosierung mindestens gleichwertige Ergebnisse bei sehr guter Akzeptanz durch die Patienten.
Candida albicans, Chemotherapeutika, Mykose

Antioxidantien
Radikalfänger, engl.: antioxidants; durch schädliche Umwelteinflüsse, Rauchen, aber auch durch normale Stoffwechselprozesse entsteht im Körper so genannter oxidativer Stress. Dabei werden den Molekülen in den Zellen einzelne Elektronen entrissen. Durch diesen "Klau" gerät das Molekül aus dem Gleichgewicht und wird zum freien Radikal. Um seine Balance wieder herzustellen, entreißt das freie Radikal benachbarten Molekülen ein Elektron. Dieser Vorgang führt zu einer Kettenreaktion, bei der letztlich auch wichtige Zellstrukturen und Eiweißmoleküle angegriffen und geschädigt werden können. An dieser Stelle kommen die A. zum Einsatz, denn sie sind in der Lage, ein Elektron abzugeben, ohne dabei selbst zum freien Radikal zu werden. Auf diese Weise bringen die A. die freien Radikale wieder ins Gleichgewicht und bremsen ihre Angriffslust.

Antiphlogistikum
Entzündungen hemmendes Mittel, Adj.: antiphlogistisch, engl.: anti-inflammatory drug; wirkt u.a. durch Hemmung der Histaminbildung. Es bestehen fließende Übergänge zwischen einem A. und einem Antirheumatikum.
Eine symptomatische Behandlung der Entzündungssymptome (Schmerz, Schwellung, Rötung, Fieber, eingeschränkte Funktion) werden nichtsteroidale A. (NSA) eingesetzt. Die körpereigene Entzündungsreaktion (Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen) wird von langfristig wirksamen Antirheumatica (LWAR) beeinflusst.
Man unterscheidet Medikamente, die neben anderen Wirkungen auch eine entzündungshemmende haben, wie z.B. Corticoide und nichtsteroidale Antirheumatika, Ibuprofen; andererseits gibt es Arzneimittel, deren Hauptwirkung die Entzündungshemmung selbst ist: Z.B.  Dimethylsulfoxid (DMSO)
Cortison, Entzündung, Prednisolon

Antiplaquemittel, Zahnbelagverhinderer, engl.: plaque inhibitors; Plaquehemmung

Antisepsis
Keimarmut
, engl.: do.; alle Maßnahmen im Zusammenhang mit einer relativen ("so gut wie möglichen") Keimfreiheit; dort, wo Maßnahme der Sterilisation nicht durchführbar sind (z.B. lebendes Körpergewebe). Angewandt werden Methoden der Desinfektion unter Mitwirkung von Antiseptika

Antiseptikum
"bakterienabtötendes Mittel", pl. Antiseptika, (auch: Antisepticum, Antiseptica) engl.: antiseptic; Bakterien abtötendes oder das Wachstum hemmende Mittel ( bakteriostatisch, bakterizid). Das i.d.R. äußerlich aufgetragene Medikament soll Wunden relativ keimfrei machen ( Antisepsis), um eine Wundinfektionen zu verhindern. Angewandt werden meist chemische Substanzen wie Phenole, Halogene, Alkohole und Detergenzien.

Bei Erkrankungen oder zur Prophylaxe werden in der Mundhöhle zahlreiche A. eingesetzt ("Mundspüllösungen"); Tabelle aus Saxer et al. "Einsatz von Antiseptika in der Parodontitisprävention und -therapie", 2004:

Antiseptikum Wirkstoff Wirkung
Jod
Povidone-Jod
Betaisadonna
Betadine®
Povidon-Iod ist eine Verbindung aus der Gruppe der Iodophore (komplexe organische Verbindungen, aus denen molekulares Iod freigesetzt wird) und zeigt eine rasch einsetzende, breit mikrobiozide Wirkung (grampositive und gramnegative Erreger, Pilze), bei längerer Einwirkzeit auch gegen Sporen und eine Reihe von Virusarten. 
Hälftige Zugabe von 3%igem H202 erhöht Wirkung
besser als CHX auf
P. gingivalis und A. a.
Chloride NaOCl 0,05% bis 0,5%
Retardex®
Mit einer 0,1 %igen Chlordioxid-Lösung wird Mundgeruch und Plaque reduziert
Fluoride
Zinnfluorid
Aminfluorid
meridol® Beim Zinnfluorid hat das Zinn die bakterizide Wirkung
Aminfluoride alleine schwach
plaquehemmend
meridol® ist Kombination aus beiden
Zink   In Kombination mit Hexetidin gute Plaquehemmung
Phenole
Listerine
Listerine® Enthält Menthol, ätherische Öle
Bei langfristiger Anwendung gute Plaquehemmung
Wirkung auch auf gramnegative Bakterien (wirksam gegen
Mundgeruch)
Hexetidin Hextril® Chemisch nicht mit Chlorhexidin verwandt
schwacher
plaquehemmender Effekt
Gute Wirkung auf Streptokokken im Pharynx
Triclosan Colgate total® Lagert sich an Bakterienmembran an
bakterizid
Chlorhexidin (CHX) u.a. Chlorhexamed® Hat den besten plaquehemmenden Effekt
Breites antibakterielles Spektrum, Verfärbungen, Geschmacksstörungen
0,2%ig auch Wirkung auf
Candida, leichter Einfluss auf Fibroblasten,
am effizientesten ist eine zweimalige Spülung pro Tag mit 0,2%igem CHX, 10 ml pro Spülung

Bakterium, ChKM, Desinfektion, Natriumhypochlorid, Plaquehemmung, Polihexanid, Sterilisation

Antrumempyem ; Eiteransammlung in der Kieferhöhle, engl.: oroantral empyema; Sinusitis

Antrumfistel
Kieferhöhlenfistel
, engl.: oro-antral fistula; fistelartige zwischen Mund- und Kieferhöhle (oroantral), welche meist gut sondierbar ist und i.d.R. Folge einer unbehandelten Kieferhöhlenperforation ist. 
Therapie: i.d.R. plastischer Verschluss nach Exzision des Fistelgangs
Antrumperforation, Kieferhöhlenperforation

Antrumperforation
Mund-Antrum-Perforation
, Mund-Antrum-Verbindung, engl.: oroantral / sinus perforation; krankhafte, oroantrale Verbindung (Perforation) zwischen Mund- und Kieferhöhle; meist als iatrogene Folge einer Entfernung von Backenzähnen im Oberkiefer. Diagnose entweder mit einer stumpfen Sonde ("Knopfsonde") oder dem Nasenblasversuch. Je nach Größe der A. muss eine plastische Deckung ("Kieferhöhlenplastik") erfolgen, meist nach Rehrmann (Mukoperiostlappen nach Periostschlitzung)
Antrumfistel, Kieferhöhlenperforation, Lappenoperation, Mukoperiostlappen, Periostschlitzung

ANUG ; engl.: acronym for acute necrotizing, ulcerative gingivitis; Abk. von Akute, Nekrotisierende, Ulzeröse Gingivitis ; eigene Seite

Anxiolyse
Angstlösung, Angstauflösung; engl.: anxiolysis; durch chemische Stoffe (Medikamente, Lachgas; = Anxiolytika) ausgelöste verminderte Furcht vor Angstzuständen.

AOK , Abk. von AllgemeineOrtsKrankenkasse; Betriebskrankenkasse, Gesetzliche Krankenversicherung

AP ; (chronische) Adulte (Erwachsenen) Parodontitis , eigene Seite

Apatit
engl.: apatite; sehr hartes Mineral aus Calcium und Phosphat mit der chem. Formel: Ca5((F,OH)(PO4)3); u.a. Grundsubstanz der harten Körpergewebe (Knochen, Zahn) in Form des Hydroxylapatit (Ca5[OH|(PO4)3]); so enthält Knochen etwa 50% Hydroxylapatit, das Dentin 70%, und der Schmelz besteht zu 97% aus diesem Mineral. Die Formen des Hydroxylapatits sind empfindlich gegen Säuren, indem die OH-Ionen neutralisiert werden - einzige Ausnahme sind die Fluorverbindungen des H., insofern bewirkt der Einsatz von Fluoriden an der Zahnoberfläche eine Stabilität der Kristallgitterstruktur des A. (sog. "Schmelzhärtung").
Fluorapatit, Fluoride, Hydroxylapatit

 aPDT, PDA

Apektomie , zusammengesetzt aus Apex und Ektomie (operative Entfernung) ; Wurzelspitzenresektion

Apernyl ®
von der Fa. Speiko hergestelltes Präparat zur Wunddesinfektion auf der Basis von Acetylsalicylsäure. Die keilförmige Tablette, Alveolar Stylus genannt, passt sich der Form der Alveole an und dient als Vorbeugung und Verhinderung von Infektionen der Extraktionswunde.
Alveolitis, Dolor Post, Dry Socket, Wundinfektion

Apert-Syndrom
engl.: Apert's syndrome; genetisch bedingte kranofaziale Anomalie, welche schon in der 8. SW feststellbar ist (im Fruchtwasser; Sonographie ab 3. SM); 1896 erstmalig von dem französischen Arzt Eugene-Apert mit einem Verhältnis von etwa 1:180.000 Geburten beschrieben. In die gleiche Gruppe der Fehlbildungen wie das A.-S. gehören das Crouzon-Syndrom, das Carpenter-Syndrom das Pfeiffer-Syndrom und das Saethre-Chotzen-Syndrom.
Zahnärztlicherseits findet man eine extreme Rücklage des Oberkiefers - u.U. ist dieser auch noch zu klein ( Mikrognathie). Weitere Erscheinungsbilder sind ein Offener Biss und eine Pseudoprogenie. Daneben bestehen allgemein schwere körperliche Behinderungen.
Franceschetti - Syndrom
http://www.apert-syndrom.de

Apex
lat. für Kuppe, Spitze, engl.: dito;  gemeinhin in der ZHK Bezeichnung für die Wurzelspitze, gleichzeitig engste Stelle ("apicale Konstriktion") des Wurzelkanals, mit einer oder mehreren Öffnungen ("Foramen apicale") zum Durchlass der den Zahn versorgenden Gefäße (Zufluss- und Versorgungsöffnung des Zahnes für die Pulpa); Hauptverbindung zwischen Pulpa und Parodontium. Es wird unterschieden in:
  • anatomischer Apex: Die am weitesten von der Zahnkrone entfernte Stelle des Zahnes = morphologische Wurzelspitze
  • physiologischer Apex: Übergang des Wurzelkanals in das den Zahn umgebende Gewebe (periapikales Gewebe)
  • endodontischer Apex: Foramen apicale
  • röntgenologischer Apex: Die auf dem Röntgenbild dargestellt Wurzelspitze. Anatomisch bzw. durch die Aufnahmetechnik bei einer Röntgenaufnahme bedingt, kann die abgebildete Wurzelspitze vom anatomischen Apex abweichen.

Apexifikation, apical, Endometrie, Konstriktion, Kurvatur, Röntgenmessaufnahme, Seitenkanal, transdental, Wurzelspitzenrektion, Zahn, Zahnwurzel, Zementdysplasie

 




Wurzelspitze im Detail

Apexifikation
engl.: apexification, root-end closure; bewährtes Vorgehen, um Teile des Parodontiums der Zähne mit unvollständigem Wurzelwachstum (= weit offenes Foramen apicale) und/oder fortgeschrittenen Pulpenerkrankungen dazu anzuregen, den offenen Apex durch Hartsubstanzbildung des umgebenden Bindegewebes oder durch Zellen der Hertwigschen Epithelscheide dicht zu verschließen (sog. Bridging). Erreicht wird diese Stimulierung mittels Einlagen von Calciumhydroxid-Paste, welche in den aufbereiteten und gereinigten Wurzelkanal eingebracht werden. Die A. kann dann nach 3-6 Monaten eintreten. Jüngere Methoden verwenden wegen einer kürzeren Behandlungsdauer Mineral Trioxide Aggregate (MTA)

Apex-Lokalisation ;  Apex-Locatoren ; Endometrie

AP-Geschiebe , Abk. von aktivierbare Patrize; Gruppe von Geschieben, bei welchen der erhabene Teil (Patrize) aktivierbar oder austauschbar ist.

Aphthe
RBA, auch (nicht korrekt): Aphte, Afte; Mundschleimhautgeschwür, engl.: aphtha, aphthous ulceration; meist rundliche, äußerst schmerzliche Verletzung der Mundschleimhaut von hellgrau bis gelblicher Verfärbung (je nach Reifestadium) mit einem schmalen roten Rand (s. Abb.) und festhaftendem fibrinösem Belag (Pseudomembran); einzeln oder auch in Mehrzahl ( Aphthosis) auftretend. Die nicht infektiösen A. werden unterteilt in die chronisch rezidivierende, benigne Aphthose (RBA), welche die seltene malignen Art ( Morbus Behçet) abgrenzen.
A
. sind eine der häufigsten Mundschleimhauterkrankungen mit einer
Prävalenz zwischen 10 u. 20 %. A. sind bei Frauen häufiger als bei Männern, bei Nichtrauchern mehr als bei Rauchern vorkommend. I.d.R. kommt es zu zwei bis vier Erscheinungen/Jahr, welche mit zunehmenden Alter abnehmen.
Lokalisation in absteigender Reihenfolge: Lippen, Wangenschleimhaut, Zunge, Mundumschlagfalte, Mundboden, weicher Gaumen (alles Stellen, wo die nicht verhornte Schleimhaut nicht durch das Periost fixiert ist)

Klinisch werden drei Erscheinungsformen der RBA unterschieden:
  • Minor Typ (Mikulicz-Aphthe), auch: chronisch rezidivierende Aphthen – häufig (~ 80 % der Betroffenen); kleine Ulzera (weniger als 5 mm Durchmesser) in der beweglichen, nicht verhornten Schleimhaut; selten an der Gingiva, dem Gaumen oder auf dem Zungenrücken. Zentral besteht eine grauweiße Pseudomembran mit einem schmalen erythematösen Rand (Halo). Abheilung innerhalb von 7 - 14 Tagen, keine Narbenbildung.
    Behandlung: örtlich mit Antiseptika, wie z.B.: Chlorhexidin 1% (Chlorhexidin Fluid®), Chiniofon 3% (MuKO-Norm®); zur Schmerzstillung Lokalanästhetika (z.B.: Dynexan Gel®, Subcutin N®)
  • Major Typ (Sutton-Aphthe) – rel. selten (10 - 15 %), gilt als schwere Form. Solitär vorkommende wenige, große Ulzera (bis 3 cm), jede Lokalisation inkl. Zungenrücken und hartem Gaumen ist möglich; gelegentlich auch als Aphthosen im Genitalbereich. Heilung innerhalb von 2 - 8 Wochen mit Narbenbildung.
    Behandlung: örtlich mit Kortikosteroiden (z.B. Volon A Haftsalbe®) und/oder Antiseptika, wie z.B.: Chlorhexidin 1% (Chlorhexidin Fluid®), Chiniofon 3% (MuKO-Norm®); zur Schmerzstillung Lokalanästhetika (z.B.: Dynexan Gel®, Subcutin N®)
  • Herpetiforme Ulzera – selten, multiple (bis zu 100) kleine schmerzhafte Ulzera, die zusammenfließen und zerklüftete Ränder bilden.  Gleicht klinisch einer Herpes-simplex-Infektion. Abheilungszeit ca. 14 Tage.
    Behandlung: systemisch (s.u.; durch Internisten); zusätzliche lokale Maßnahmen wie bei den anderen Formen

Die Entstehung ist bisher unklar, jedoch wird ein gehäuftes Vorkommen im Frühjahr/Herbst, bei Essen von saurem Obst, unter Stress (Prüfungen), bei traumatischen Eingriffen (Zahnarztbesuch), während der Menstruation, bei Verdauungsstörungen, Empfindlichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel, als Begleitsymptom bei schweren (Viren-)Erkrankungen individuell sehr unterschiedlich beobachtet. Wenn Eltern an RBA leiden, kommt es auch zu etwa 90% zu einem Auftreten bei deren Kindern.
Häufig werden Virenerkrankungen diskutiert; ein wissenschaftlicher Beweis fehlt allerdings für diese These. Man geht heute überwiegend davon aus, dass es sich um eine umschriebene Fehlregulation der Blutgefäße, bedingt durch lokale Nervenirritationen handelt, was zu einer Mangelversorgung des betroffenen Gebietes führt.
Daneben existieren noch aphthenähnliche Veränderungen bei versch. Systemerkrankungen oder als Folge einer Therapie mit Medikamenten. Von Laien wird häufig eine A. mit dem einer Herpes-Simplex-Erkrankung gleichgesetzt, obwohl die Erkrankungen - bis auf z.T. ähnliche Symptome - nichts miteinander zu tun haben.

Zur Behandlung werden eine Vielzahl von Therapien vorgeschlagen, die ebenso wie das Vorkommen individuell unterschiedlich anschlagen können:

  • Bepinseln mit Oberflächenbetäubenden Mitteln
  • Spülungen mit desinfizierenden Medikamenten ( Chlorhexidin)
  • Cortison-Salben
  • Melisse-Konzentrate (z.B. Lomaherpan™)
  • Behandlung mit Cystus, einem Cistrosengewächs und altem griechischem Volksheilmitte. Allerdings sind viermal täglich Spülungen mit einem bitteren, scharfen Geschmack zu tolerieren.
  • Neu auf dem Markt (2004) ist das rezeptfreie Präparat Aftab™ mit dem Wirkstoff Triamcinolonacetonid ( http://www.rottapharm-madaus.de/). Achtung: Die Anwendung von Triamcinolon in den ersten 5 Monaten der Schwangerschaft sollte unterbleiben, da Tierversuche Hinweise auf teratogene Wirkungen (Fehlbildungen) ergeben haben und Erkenntnisse über die Sicherheit einer Anwendung in diesem Zeitraum für den Menschen nicht vorliegen.
  • am wirksamsten von den systemischen Präparaten hat sich bisher Thalidomid erwiesen - wegen einer Teratogenität (angeborene Fehlbildungen) ist der Einsatz allerdings begrenzt
  • auch ohne den Einsatz der oben beschriebenen Methoden erfolgt eine spontane Abheilung - i.d.R. nach ein bis zwei Wochen
  • Kälte verringert, auf eine A. appliziert, durch lokale Vasokonstriktion den Flüssigkeitsstrom im Gewebe und die Ausschüttung von Schmerz- und Entzündungsfaktoren. Zudem vermag Kälte die Leitungsgeschwindigkeit und Aktivität oberflächlicher Nerven zu vermindern.
  • Prof. Dr. Michael Meurer gab 2004 auf einem Kongress nachfolgende Therapieempfehlungen:
    Zur Schmerzlinderung empfiehlt er die häufig wiederholte Anwendung von Myrrhentinktur (Inspirol P forte®), Lidocaingel (Dynexan®, Kamistad®-Gel N), Tetracainlösung (Legased®) oder Triamcinolonhaftsalbe (Volon®-A).
    Zur Förderung des Heilungsprozesses können darüber hinaus Dexpanthenol (z.B. Bepanthen®), Triamcinolon als Haftsalbe und Tetrazyklinlösung (500 mg in 50 ml) zum Einsatz kommen.
    Haben diese Methoden nicht den gewünschten Erfolg, stellt das über die internationale Apotheke erhältliche Amlexanox (Apthasol® 5%-Paste) eine weitere Option dar.
    Eine gut abdeckende Haftsalbe, die auch über Nacht einwirken und mit schmerzlindernden Substanzen versetzt werden kann, ist nach Angaben von Meurer sehr zu empfehlen: Geeignet ist eine 40% Hypromellose-Haftpaste (NRF 7.8.) bestehend aus 8,0 g Hypromellose 2000 mit 20,0 g hydrophobem Basisgel DAC.
    Für den Fall, dass eine Steroidtherapie notwendig ist, würde Meurer über fünf Tage mit viermal täglich 0,1-0,2%iger Triamcinolonlösung und mit 30-40 mg/d Prednisolon behandeln und die Steroidtherapie anschließend für eine Woche alle zwei Tage in einer Dosis von jeweils 20 mg fortführen.
    Außerdem sollte auf Zahnpasten mit Natriumlaurylsulfat und Zahnbürsten mit harten Borsten verzichtet sowie bei Mundtrockenheit auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
    Zur lokalen Rezidivprophylaxe bieten sich Antiseptika, Kamillenextrakt und auch tägliche Mundspülungen mit Distel- oder Sonnenblumenöl an.
    Mit Präparaten zur systemischen Prophylaxe liegen zum Teil wenig Erfahrungen vor, daher warnt Meurer hier vor nicht unerheblichen Risiken.

Aphthoid, Aphthosis, Bednar-Aphthen, Hand-Fuß-Mund-Exanthem (Krankheit), Herpes, Morbus Crohn, Mundschleimhauterkrankung, Natriumlaurylsulfat, Stomatitis, Virustatika

 

 



A. unter der
Zunge



A
. auf der
Zungenspitze


großflächige A. im Gaumenbereich

Aphthoid
Pospischill-Feyrter
,  engl.: do.; vagantes Aphthoid; aphthoide Polypathie; selten auftretende, unter Bildung von zahlreichen Aphthen ablaufende, schwere Verlaufsform einer Gingivostomatitis herpetica bei immungeschwächten Kindern, seltener bei Erwachsenen.

Aphthosis
Aphthose
, Aphthenschübe, engl.: do. or recurrent aphthous ulceration; schmerzhafte Bläschenbildung der Mundschleimhaut; i.d.R. gutartig (benigne Aphthosis) in Form von rezidivierenden Aphthen. Davon unterschieden wird die bösartige Form (maligne Aphthosis, A. magna, Behçet Krankheit, Neumann Krankheit), welche mit der Trias: Aphthen, genitale Geschwüre und entzündlichen Augenveränderungen (Iridozyklitis) einhergeht, unterschieden. Bei schwereren allgemeinen Symptomen kann diese Form tödlich verlaufen.


M. Behçet

API
engl.: do.; Approximalraum-Plaque-Index (nach Lange); einfach zu bestimmende Messzahl zur Kontrolle der Mundhygiene - besonders im schwer erreichbaren Zahnzwischenraum. Hierzu wird in regelmäßigen Zeitintervallen der nach Einfärben sichtbare Plaquebefall in den kritischen Zahnzwischenräumen erhoben - kritisch deshalb, weil hier konventionelle Reinigungsmaßnahmen wenig greifen. Die Beurteilung erfolgt rein visuell und ist somit stark subjektiv. Es gelten folgende Werte:
API = 70-100%  =  unzureichende Mundhygiene
API = 40-70%    =  verbesserungsbedürftige, mäßige Mundhygiene
API = 25-39%    =  mäßige bis gute Mundhygiene; bei Werten unter 30% ist i.d.R. ein Schutz vor Karies und Zahnfleischerkrankungen gegeben
API = 0-24%      =  optimale Mundhygiene; ausgezeichneter Schutz vor Karies und Zahnfleischerkrankungen
Index, Plaqueindex
©: TU-Dresden (S. 5)

apical
apikal, apicalis, an der Spitze befindlich, engl.: do.; Lagebezeichnung für an der Wurzelspitze, zur Wurzelspitze hin
Apex, apicale Basis, Granulom Zahnflächen
apicale Basis
apikale Basis, APB, Kieferbasis, engl.: apical basis; die Gesamtlänge des von den Wurzelspitzen eingenommenen Gebietes im Kiefer (Alveolarfortsatz). Diese ist im normalen Kiefer - bedingt durch die nach vorn gekippten Frontzähne -  meist kleiner als die Zahnbasis (s. Abb.)
Der apikale Basiswinkel - auch Kieferbasiswinkel - ist der Winkel zwischen apikaler Basis von Ober- und Unterkiefer. Dabei gilt: Ein großer Winkel ist meist mit einem offenen Biss, ein kleiner Winkel mit einem Tiefbiss assoziiert.
A-Punkt, Arch Length Discrepancy (ALD), Basiswinkel, B-Punkt, How Messverfahren, Zahnbogen



apicale Lüftung , apikale Lüftung, engl.: apical trephination, apical aeration; Schrödersche Lüftung

apicale Parodontitis , apikale Parodontitis, "Wurzelspitzenentzündung", engl.: apical periodontitis; Granulom, Parodontitis apicalis

apikales Delta, apikales Dreieck ; Ramifikation

Apikotomie , Apikoektomie, Wurzelspitzenresektion, engl.: apicoectomy, root resection; chirurgische Entfernung einer (erkrankten) Wurzelspitze.
Wurzelspitzenresektion

Aplasie
Nichtanlage eines Organs, engl.: aplasia; im Gegensatz zur Hypodontie in der ZHK meist für das Fehlen eines einzelnen Zahnes gebräuchlich ("Aplasie des Zahnes...").
Das Fehlen einzelner Weisheitszähne wird mit knapp 25% angegeben, gefolgt von den unteren 2. Prämolaren (~ 5%), den oberen zweiten Prämolaren (~ 2%), den oberen seitlichen Schneidezähnen (~2%) und den unteren Schneidezähnen (~1%).
Agenesie, Anodontie, Ausgleichsextraktion, GebissreduktionHypodontie, unbezahnt

Apnoe
Atemstillstand, abgleitet vom griech. = Windstille, engl.: apnea; durch Anhalten des Luftstroms (Atmung) von mehr als 10 Sek. . Je nachdem, ob diese Blockade vollständig oder nur zum Teil ist, spricht man von A. (total) oder Hypopnoe (partiell).
Dabei kann es wegen Sauerstoffmangel zu lebensbedrohlichen Zuständen und Gehirnschädigungen kommen. Ca. 4,2 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung leiden unter schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS), insbesondere Männer mittleren Alters sind von  schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS), wie der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) betroffen. Allerdings sind weniger als 5 % der Betroffenen als solche überhaupt diagnostiziert und in Behandlung. Die bekannten Geräusche entstehen bei dem Versuch, durch verengte Atemwege Luft zu holen. Ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom führt häufig zu Bluthochdruck, wodurch das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts deutlich erhöht wird.
Therapiebegleitend fällt die sog. Schlafapnoe (engl.: sleep apnea; http://www.schlafportaldeutschland.de ) mit in den Aufgabenbereich der ZHK, wobei eine exakte Diagnose und die versch. Therapiemöglichkeiten nur in einem Schlaflabor festgestellt werden können. Laut neuerer Studien (2005) sind bis zu 4% der Männer und 2% der Frauen von der Schlafapnoe betroffen.
In der Behandlung haben sich die intraoralen Protrusionsgeräte (IPG) durchgesetzt. Durch sie wird der Unterkiefer in eine leicht anteriore Position gebracht, also nach vorn verlagert; so wird der Rachenraum erweitert und vor dem Kollabieren des Rachenraumes geschützt. Wird die A. bspw. durch einen zungenbedingten Verschluss der hinteren Atemwege verursacht, so kann mit speziellen, aktivatorähnlichen Geräten (IST-Geräten = Intraorale-Schnarch-Therapie), welche den Unterkiefer nach vorn verlagern, eine Vergrößerung des Abstandes zwischen Ober- und Unterkiefer erreicht, und nachts getragen, zahnärztlich unterstützend geholfen werden. Allerdings können diese Geräte nur im bezahnten oder teilbezahnten Kiefer angewandt werden, da sie zur Verankerung eigene Zähne benötigen. Der häufig bei Beginn der Behandlung auftretende positive Effekt ist bislang in Longitudinalstudien im Schlaflabor nur wenig überprüft worden. Angezweifelt wird vor allem eine längere Therapie-Compliance dieser Geräte. Weiter verursachte die nächtliche Anwendung des Aktivators deutliche Veränderungen in der Schneidezahnstellung und der Okklusion.
Eine chirurgische Behandlung (Erweiterung des velo-orohypopharyngealen Luftraums, Straffung der Gaumensegelmuskulatur) wird wegen der Schwere und des Umfangs des Eingriffs nur selten durchgeführt.
Schnarchen
http://www.zm-online.de/ ; http://www.atmungundschlaf.com/

A-Pog-Ebnene
auch: A-Po-Ebene o. APO-Ebene, der Mundtangente ähnliche Ebene durch den Alveolarpunkt (im Oberkiefer) und dem Pogonion (Kinnspitze) bei der Fernröntgenanalyse nach Ricketts. Dient als Bezugsebene zur Position von Schneidezähnen des Ober- und Unterkiefer im Schädel.
E-Linie, Körperebenen, Messpunkte

Apollonia
Heilige, engl.: Saint Apollonia; Helferin gegen Zahnschmerzen; Schutzpatronin der Zahnärzte und der "Zahnleidenden". A. wurde Opfer der Christenverfolgung im Jahr 249: Um sie unter Druck zu setzen wurde ihr alle Zähne ausgezogen und der Kiefer gebrochen, damit sie ihr Christengelübde brechen sollte; A. wählte aber den Freitod und sprang in einen brennenden Scheiterhaufen.
Geschichte der Zahnheilkunde

Apoptose
genetisch programmierter Zelltod, engl.: apoptosis; abgeleitet aus dem Griechischem für "das Fallen der Blätter im Herbst"; eine der Formen des Absterbens einer Körperzelle: Während bei der Nekrose durch äußere Einflüsse meist ein bestimmtes Zellgebiet/Organ abstirbt, setzt die A. ein genetisch gesteuertes Programm für den gezielten "Zell-Selbstmord" in Gang, der in aller Regel immer nur einzelne Zellen betrifft. Die etwa 100 Billionen Zellen unseres Körper, welche einem Alterungsprozess unterliegen werden durch mehrere Milliarden täglich neu gebildet, um verbrauchte, funktionsunfähige oder beschädigte Zellen zu ersetzen. Fehler in diesem Selbstmordprogramm, die entweder zu vermehrtem oder vermindertem Zelltod führen, können Ursachen für Krankheiten wie Krebs, Rheuma, Alzheimer oder Parkinson sein. Da bei dieser Form des Zelltodes die Zellmembran intakt bleibt, kommt es durch die sofortige Phagozytose nicht zu einer Ausschüttung von Zellinhalt in das umliegende Gewebe, wodurch die Ausbildung einer Entzündungsreaktion vermieden wird: Die sterbende Zellen senden ein Phospholipid (Lysophosphatidylcholin, LPC) als lösliches Anziehungssignal aus (BIR-Repeat containing Ubiquitin-Conjugating Enzyme (BRUCE)). Dieses dirigiert Phagozyten - so genannte Fresszellen - chemotaktisch zu der sterbenden Zelle, ein Prozess, der die rechtzeitige Beseitigung der apoptotischen Zelle vor dem Auftreten der sekundären Nekrose einleitet. Wird die apoptotische Zelle jedoch nicht rechtzeitig entsorgt, platzt sie auf und der freigesetzte Zellinhalt verursacht eine allgemeine Entzündungsreaktion. Nach neueren Erkenntnissen kann dies mit zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen beitragen.
Nekrose

Apothekenspanne
engl.: pharmacy price margin; bedingt durch die Gesundheitsreform (2004) ist eine neue Arzneimittelpreisverordnung für Gesetzlich Versicherte in Kraft getreten. Bis Ende 2003 bestand die A. aus einem prozentualen, degressiv gestaffelten Aufschlag auf den Herstellerabgabepreis. Die Folge: Je höher der Herstellerpreis, desto besser der Apothekerverdienst.
Seit 1. Januar 2004 besteht die A. aus zwei Komponenten: Dem kleinen prozentualen Aufschlag auf den Herstellerpreis von drei Prozent und einem einheitlichen Aufschlag von 8,10 Euro je Packung. Die gesetzlichen Kassen erhalten dabei einen Rabatt von zwei Euro (Stand 2005, soll nach internen Vereinbarungen bis 2008 Bestand haben). Was Apotheker bei ärztlichen Verordnungen verdienen, hängt seit 2004 fast nur noch von der Packungsmenge ab.
Aut-Idem-Regelung, Pharmakon

Applikation , engl.: application; Anwendung, Verabreichung (z.B. eines Arzneimittels, Anwendung von Heilmitteln, -verfahren)

Approbation
Bestallung, engl.: medical license, licence to practise (medicine, dentistry o. pharmacology); staatliche Anerkennung als Arzt, Zahnarzt o. Apotheker nach vorherigem bestandenem Hochschulstudium ("Examen"); für die A. ist über den Abschluss des Studiums (Staatsexamen einer anerkannten Universität) hinaus, die persönliche und gesundheitliche Eignung zur Ausübung eines ärztlichen Berufs zu belegen. In D wird die A. auf Länderebene auf der Basis der Approbationsordnung für Zahnärzte (AO-Z) - ehemals: Prüfungsordnung für Zahnärzte - von einem Ministerium (Kultus- o. Sozialministerium) erteilt und gilt lebenslänglich, wenn nicht schwerwiegende Gründe (z.B. schwere fachliche Verfehlungen, schwere kriminelle Vergehen (z.B. Falschabrechnungen, betrügerische Bankgeschäfte, usw.), geistige Umnachtung, Drogenabhängigkeit, usw.) dagegen sprechen (= Approbationsentzug). Das Bundesverfassungsgericht hat 2003 einen weisenden Beschluss gefasst (Az.: 1 BvR 1594/03; http://www.bundesverfassungsgericht.de/), der strenge Maßstäbe an einen derartigen Entzug stellt und besonders auf die Abwehr zukünftiger Gefahren abhebt.
Die A. berechtigt zur Ausübung des (zahn-)ärztlichen Berufs, aber nicht unbedingt zur Niederlassung: So ist in D bspw. zur Niederlassung als Vertragszahnarzt eine mindestens zweijährige Vorbereitungszeit - unter festgelegten Bedingungen - Pflicht ( Zulassung).
Die aus dem Jahr 1955 stammende zahnärztliche Approbationsordnung muss dringend modernisiert werden. Das fordern der Medizinische Fakultätentag (MFT), die Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn,- Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK) und die Bundeszahnärztekammer 2009 in einem Statement. Als Haupthindernis für die überfällige Novelle werden die Bundesländer gesehen, welche eine Umsetzung nur durchführen wollen, wenn diese kosten- und kapazitätsneutral abläuft

Der Werdegang bis zur A. sah 2011 in D folgendermaßen aus:
NATURWISSENSCHAFTLICHE VORPRÜFUNG
Die Naturwissenschaftliche Prüfung kann nach einem Studium der Zahnmedizin von zwei Semestern abgelegt werden.
ZAHNÄRZTLICHE VORPRÜFUNG
Die Zahnärztliche Vorprüfung kann nach einem Studium der Zahnmedizin von mindestens fünf Semestern abgelegt werden.
ZAHNÄRZTLICHE PRÜFUNG
Die Zahnärztliche Prüfung kann nach fünf Semestern nach Bestehen der Zahnärztlichen Vorprüfung abgelegt werden.
APPROBATION ALS ZAHNARZT
Der Zugang zum Hochschulstudium ist in D wegen Studienplatz- und Patientenmangels nicht ohne weiteres möglich: Es besteht ein sog. "numerus clausus" (Auswahlverfahren) d.h., es werden pro Semester nur eine begrenzte Anzahl von Studenten zugelassen. Ab 2000 gilt dabei überwiegend folgendes Verfahren: 55 % der Studienplätze werden nach Abiturnoten, 25 % nach Wartezeiten und (neu!) 20 % nach einem individuellen Hochschulauswahlverfahren vergeben. Die jeweilige Hochschule kann bei ihrer Auswahl folgende Kriterien zugrunde legen: Abiturnote, Ergebnis eines Auswahlgesprächs, Berufliche Qualifikation, Kombination dieser drei Faktoren.
Die Zugangskriterien zum (Zahn-)Medizin-Studium wurden 1999 gelockert: das bis dahin unabdingbare Abitur wurde in eine "Hochschulzugangsberechtigung" umgeändert. Da diese auf Länderebene unterschiedlich definiert ist, gelten je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen für den Studienzugang - das "klassische Abitur" ist u.U. nicht mehr erforderlich. Das Zahnmedizinstudium gehört zu den kostenintensivsten akademischen Ausbildungen in Deutschland und kostet den Steuerzahler ca. 200.000 €.
Probleme bereitet häufig die Anerkennung des Staatsexamens an einer ausländischen Universität: Neben den EU-Ländern, bei welchen die Anerkennung Kraft Gesetz gegeben ist (nur wenn die geforderten Qualifikationen deutlich unterschritten werden, kann ein Ausgleichslehrgang oder eine Eignungsprüfung verlangt werden; zusätzlich entfällt in Deutschland für EU-A. die zweijährige Vorbereitungszeit in der Kassenzahnärztlichen Versorgung, gilt eine sog. "Gleichwertigkeit der Ausbildung" für viele westliche Staaten (z.B. Schweiz, USA). Hochschulabschlüsse aus anderen - meist östlichen o. südlichen - Ländern unterliegen einer individuellen Prüfung, welche sich entweder als reiner Verwaltungsakt oder einer Nachprüfung (ggf. mit vorangegangenem Studium an einer deutschen Uni) darstellen kann.
In 2003 wurde auch ein juristischer Streit durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH, AZ.: C-35/02) darüber entschieden, ob die Arzt-Approbation zur Ausübung der Zahnheilkunde berechtigt:
Die EU-Richtlinie 78/687/EWG zur "Erlangung zahnärztlicher Diplome" verlangt zur Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit als Zahnarzt ein Diplom, Prüfungszeugnis oder sonstigen Befähigungsnachweis, mit dem garantiert nachgewiesen wird, dass der Zahnarzt im Verlauf seiner gesamten Ausbildungszeit angemessene Kenntnisse der wissenschaftlichen Zahnheilkunde erworben hat. Dagegen sieht Paragraf 1 Absatz 1 des Gesetzes über die Zahnheilkunde (ZHG) vom 31. März 1952 in der Fassung vom 16. April 1987 vor: "Wer im Geltungsbereich dieses Gesetzes die Zahnheilkunde dauernd ausüben will, bedarf einer Approbation als Zahnarzt nach Maßgabe dieses Gesetzes oder als Arzt nach bundesgesetzlicher Bestimmung. Die Approbation berechtigt zur Führung der Bezeichnung als Zahnarzt oder Zahnärztin." . Da aber das EU-Recht eine übergeordnete Norm und der EuGH feststellte, dass §1,1 mit EU-Recht nicht vereinbar ist, muss einem Arzt keine Approbation als Zahnarzt erteilt werden, solange er nicht die Voraussetzungen zur Erlangung des zahnärztlichen Diploms nach Maßgabe der Richtlinie 78/687/EWG erfüllt hat.
Äskulapstab, Berufsverbot, D.D.S., Dentist, Doktor, Generalist, Master, Niederlassung, Stomatologie, Zahnheilkundegesetz
Approbationsordnung für Zahnärzte (©: KZBV)
Mein Studium: Zahnmedizin
Revision der Berufsanerkennungsrichtlinie – Balance zwischen Mobilität und Qualität sichern (2011)
zahnmedizinischer Austauschdienst: http://www.zad-online.com/

 

 

 



Studierende nach Geschlecht

approximal
benachbart, engl.: do. o. interproximal; Richtungsbezeichnung für zum Nachbarzahn hin, dem Nachbarzahn zugewandt.
Approximalfläche, Zahnflächen

Approximalfläche
Approximalbereich, engl.: approximal surface; Seiten- und Berührungsfläche eines Zahnes (zum Nachbarzahn hin), mit dem Kontaktpunkt als direkte Berührungsstelle. Wegen schlechter Zugänglichkeit dieser Zahnfläche eine der bevorzugten Stellen, welche von Karies befallen werden ( Approximalkaries)
Interdentalraum, interproximal, Interproximal Access Efficacy, Kariesprädilektionsstellen, Retentionsstellen, Zahnflächen


Approximalkaries
Zahnzwischenraumkaries, Interdentalkaries, engl.: approximal o. interproximal caries; neben der Fissurenkaries die am häufigsten auftretende Kariesform ( Kariesprädilektionsstellen). Dies vor allem deshalb, weil das Gebiet sowohl der natürlichen Reinigung unter Kaufunktion wie auch der Mundhygiene ( Zahnseide) nur schwer zugänglich ist. A. stellt auch heute eine schwer beherrschbare Kariesform dar: Während die Glattflächenkaries aufgrund verbesserte Mundhygiene und leichter Zugänglichkeit beim Zähneputzen weitgehend zurückgegangen ist und die Kauflächen durch gezielte Maßnahmen ( Fissurenversiegelung) bei Kariesrisikopatienten geschützt werden können, sind die Approximalflächen und der Kontaktpunkt mit einem schwer zu beherrschenden Kariesrisiko behaftet. Da dieses Gebiet klinisch kaum einsehbar ist, ist eine röntgenologische (Früh-)Diagnostik für diesen Bereich unabdingbar. Als Mittel der Wahl gilt hierbei die Bissflügelaufnahme.
Bissflügelaufnahme, Hidden Caries, Initialkaries, Kariesarten, Kariesdiagnostik, Kariesprädilektionsstellen, sonoabrasive Systeme, Zahnseide


Bissflügelaufnahme der Zahnzwischenräume zur Früherkennung einer Karies

Approximalkontakt , engl.: interproximal contact; Kontaktpunkt

Approximalraum-Plaque-Index (nach Lange); API

Approximalwand , engl.: interproximal wall; Begriff aus der Präparationstechnik: der Teil der Zahnkrone, welcher sich zwischen der Präparation und dem Nachbarzahn befindet.

Aptal-Harz-Chloropercha ;
in Chloroform gelöstes Wurzelkanalfüllmaterial mit den Komponenten Guttapercha, Zinkoxid und Bariumsulfat; in D wegen des Lösungsmittels (Substanz mit begründetem Verdacht auf Krebserkrankungen) nicht mehr zugelassen; zusätzlich schlechte Langzeitergebnisse

Aptyalismus ; engl.: aptyalism, asialia, aptyalia;  Xerostomie

A-Punkt
Alveolarpunkt, engl.: A point; Messpunkt an der tiefsten Stelle der Einziehung zwischen Spina nasalis anterior und dem Alveolarfach des oberen mittleren Schneidezahns (sog. Subspinale). Gilt als vorderes Ende der apikalen Basis des Oberkiefers
A-Pog-Ebnene, B-Punkt, Fazialkonvexität, SNA-Winkel

APW , Akademie für Praxis und Wissenschaft; eine Fortbildungs-Institution der DGZMK; http://www.apw-online.com/

APT , Abk. von; Antimikrobielle Photodynamische Therapie; PDT ; http://www.helbo.de/

Äquator
1.) anatomischer, engl.: anatomic equator; größter anatomischer Umfang einer Zahnkrone, bezogen auf die Zahnlängsachse.
2.) prothetischer Äquator, engl.: prosthetic equator; größter Umfang einer Zahnkrone, bezogen auf die Einschubrichtung bei einer Klammer-Prothese; unterteilt den Klammerzahn in die Infrawölbung und Suprawölbung. Gerade bei gekippten Zähnen (s. Abb.) ergeben sich u.U. erhebliche Differenzen zwischen anatomischen und prothetischem Ä.
Klammer, Klammerhand, Mesio-Distal-Index, Parallelometer, Retentionsfeld


 


Äquilibrierungsschiene
engl.: stabilization splint, occlusal equilibration splint; auch bekannt unter: Michigan Schiene (Schiene nach ASH), Zentrikschiene, Stabilisierungsschiene, Relaxierungsschiene, DRUM-Schiene. Eine, die gesamten Okklusalflächen der Zähne überdeckender Aufbissbehelf bei der Behandlung von Kiefergelenkserkrankungen oder dem Formenkreis der Myoarthropathien. Sie wirkt nach dem Prinzip, die bestehende (schädliche) Okklusion aufzuheben und über die Ä. positive okklusale Verhältnisse herzustellen. Damit soll die Ursache für eine dysfunktionelle Erkrankung ausgeschaltet und während der weiteren Therapie erkannt und beseitigt werden können. Letztendlich soll durch Stabilisierung einer neuen habituellen Interkuspidation eine Optimierung und Harmonisierung des erkrankten Systems erreicht werden.
Aufbiss-Schiene, CMD, Károlyi Effekt, Sandwichschiene, Stabilisierungsschiene



©: Freesmeyer in
http://www.zm-online.de/

Äquivalentdosis , engl.: equivalent dose; Personendosis

Äquivalenzwert , Gleichwert

Arbeitsgelenk , Funktionsgelenk; Kiefergelenk der Arbeitsseite ; Bennet-Bewegung

Arbeitshöcker, Stützhöcker, engl.: working cusp; Höcker, Stampfhöcker

Arbeitskreis
für Geschichte der Zahnheilkunde, engl.: (study) working group for history of dentistry; Zusammenschluss von engagierte Wissenschaftlern und Zahnärzten.
Kontaktadressen:
Dr. Wibke Knöner; wknoener@web.de
Sigrid Kuntz; sigridkuntz@aol.com
Geschichte der Zahnheilkunde
Interessante HP zum Thema: http://www.zene-artzney.de/ 

Arbeitslänge , Aufbereitungslänge, Aufbereitungstiefe, engl.: working length; Endometrie, Röntgen-Messaufnahme, Wurzelkanalbehandlung

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung
engl.: no correlation; verpflichtende Präventionsmaßnahmen in regelmäßigen Abständen für alle Beschäftigte in einer Praxis, welche direkt in die Patientenbehandlung eingebunden sind im Rahmen der berufsgenossenschaftlichen Grundlage G 42 "Infektionskrankheiten". Hierzu gehört auch zur Minimierung eines spezifischen Infektionsrisikos eine Impfprophylaxe, die sich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut orientiert. Die Vorsorgeuntersuchungen können fakultativ auch bei Vorliegen eines Expositionsereignisses zwischen den Fristen erforderlich werden. Personen, die länger als 4 Std/Tag "Feuchtarbeit" (Definition unter http://www.lzkbw.de/PHB/PHB-CD/QM/Arbeitsmedizinische_Vorsorge.doc) verrichten, unterliegen der G 24 "Hauterkrankungen".
Neben diesen Pflichtmaßnahmen sollten noch die "Angebotsunterswuchungen" G 24 Hauterkrankungen (bei Feuchtarbeit zwischen 2 u. 4 Std) und G 37 "Bildschirmarbeitsplätze" (mehr als 1 Std/Tag) dem Personal nahe gelegt werden.
BuS-Dienst, Praxisbegehung
http://www.baua.de

Arbeitsmodell , engl.: working model; Modell

Arbeitsplatzposition, Arbeitsposition , engl.: working position; Uhr-Position

Arbeitsseite
Laterotrusionsseite, Kauseite, engl.: chewing o. working side, laterotrusive side; die Seite eines Kiefers, zu welcher sich der Unterkiefer hin bewegt, um die Nahrung zu zerkleinern. In einem normal ausgebildeten Gebiss bewegt sich der Unterkiefer dazu leicht nach außen (= lateral); die andere Seite des Unterkiefers hält mit dem Oberkiefer Kontakt, um so den Unterkiefer abstützen und führen zu können. Man bezeichnet diese Seite als Balanceseite.
Arbeitsgelenk, Balanceseite, Bennet-Bewegung, Eckzahnführung, Gelenkbahn, Okklusion, Ruheposition, Stampfhöcker, Stops, Vorkontakt

Arbeitsteil , engl.: working area; Schlagwortbezeichnung für den Teil eines Instrumentes oder Bohrers, der am Zahn eine Tätigkeit verrichtet

Arbeitsunfähigkeit
AU
, engl.: unfitness for work; (arbeitsrechtliche) Schwere einer Erkrankung, bei der die bisherige Beschäftigung nicht mehr oder nur mit dem Risiko ausgeübt werden kann, dass sich der Krankheitszustand verschlimmert. Gemäß §3, Abs. I Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeldfortzahlung durch den Arbeitgeber, wenn er unverschuldet infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung gehindert ist.
Zur Vorlage bei seinem Arbeitgeber und seiner gesetzlichen Krankenkasse benötigt der Versicherte eine, von einem Vertrags(zahn)arzt ausgestellte, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung, "gelber Zettel"). Diese Bescheinigung ist Voraussetzung für eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, so das "Krankengeld" aus der gesetzlichen Krankenversicherung und das "Verletztengeld" aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Nicht die Patienten sondern Vertragsärzte müssen eine A. den Krankenkassen melden. Dies entschied ein Urteil des Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) in Essen (Az: L 16 KR 324/03).

Ein medizinischer und ein arbeitsrechtlicher Krankheitsbegriff müssen nicht identisch sein:
  • medizinische Definition:
    körperlicher oder geistig-seelischer Zustand sind infolge irgendwelcher Schädigungen oder Veränderungen beeinträchtigt/gestört (= von der Norm abweichender Körper-/Geisteszustand). Die Ursache der Erkrankung ist unerheblich
  • arbeitsrechtliche Definition:
    eine Krankheit liegt erst dann vor, wenn der Gesundheitszustand so schwer gestört ist, dass der Arbeitnehmer ganz oder teilweise arbeitsunfähig ist (= nicht mehr in der Lage, vertraglich vereinbarte Arbeiten mit der nötigen Sorgfalt ganz oder teilweise auszuführen). Weiter muss der regelwidrige Zustand durch eine Heilbehandlung behebbar sein und die vertragliche Arbeit (oder eine vergleichbare Tätigkeit im Rahmen des Direktionsrechts) trägt dazu bei, dass sich der Zustand verschlechtert. Die Entscheidung darüber und Ausstellung der Bescheinigung liegt beim Arzt/Zahnarzt aufgrund der Kenntnisse über die tätigkeitsbedingten Anforderungen und Belastungen; Voraussetzung dafür ist eine Untersuchung.
    Nach den AU-Richtlinien liegt eine Arbeitsunfähigkeit auch dann vor, wenn ein für die Ausübung der Tätigkeit erforderliches Hilfsmittel (z.B. "Körperersatzstück") defekt ist. Übertragen auf eine Zahnprothese heißt dies primär, dass auch bei einer vorübergehenden Zahnlosigkeit wegen Reparatur primär keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Vielmehr kommt es auf die Tätigkeit an: Ist z.B. mit Publikumsverkehr zu rechnen, kann diese bejaht werden, wenn Zahnersatz im sichtbaren Bereich fehlt, oder fehlen Ober- und Unterkieferprothese wegen einer Unterfütterung und es ist keine Nahrungsaufnahme möglich.

Wenn Arbeitnehmer erkranken, müssen sie dies ihrem Betrieb unverzüglich mitteilen. Sie sind verpflichtet, am ersten Fehltag anzurufen, zu faxen oder eine E-Mail zu schicken - und das bis 11 Uhr, wie aus einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts hervorgeht. Leichtere Erkrankungen können zu Hause auskuriert werden. Ein Arztbesuch ist nicht unbedingt notwendig. Dauert die Arbeitsunfähigkeit jedoch länger als drei Kalendertage, inklusive Wochenende und Feiertage, muss der Beschäftigte zusätzlich ein ärztliches Attest vorlegen. Eine Rückdatierung sollte nicht erfolgen. In Ausnahmefällen kann diese auf einen Tag vor Behandlungsbeginn erfolgen.
2012 stellt der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) für Hartz IV-Berechtigte folgendes klar:
"Berlin, 21. Juni 2012 – Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II – sogenannte Hartz IV-Leistungen – beantragt haben oder beziehen, sind dann arbeitsunfähig, wenn sie krankheitsbedingt nicht länger als drei Stunden täglich arbeiten oder an einer Eingliederungsmaßnahme teilnehmen können. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Berlin.
„Mit dieser Definition hat der G-BA einen verbindlichen und praxistauglichen Maßstab für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit gewählt, der den unterschiedlichen Verwendungszwecken einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch für diesen Personenkreis einigermaßen gerecht wird“, sagte Dr. Rainer Hess, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses Veranlasste Leistungen.
Erwerbsfähige Hartz IV-Berechtigte sind verpflichtet, alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen. Ein Arbeitsunfähigkeitsnachweis gegenüber den Jobcentern ist beispielsweise dann erforderlich, wenn Arbeitsgelegenheiten oder die Teilnahme an Eingliederungsmaßnahmen aus gesundheitlichen Gründen nicht wahrgenommen werden können. Der G-BA hat sich bei seinen Beratungen auch kritisch damit auseinandergesetzt, dass sich die Entscheidung der Ärztin oder des Arztes auf die Leistungsansprüche des Patienten gegenüber der Bundesagentur für Arbeit auswirken kann.
Der G-BA hat den gesetzlichen Auftrag (§ 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 SGB V), in seiner Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL) Bewertungsmaßstäbe für die Beurteilung von Arbeitsunfähigkeit zu konkretisieren. Die ärztliche Feststellung von Arbeitsunfähigkeit schafft in der Regel die Voraussetzung für den Anspruch des Versicherten auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle oder Krankengeld. Das „Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente“ vom 21. Dezember 2008 sieht vor, dass der G-BA auch die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten nach dem SGB II regelt.
Der Beschluss des G-BA wird dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt und tritt nach erfolgter Nichtbeanstandung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Der Beschlusstext und die Tragenden Gründe werden auf folgender Seite im Internet veröffentlicht:
http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/zum-aufgabenbereich/31/ "

Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien

 

 


arbiträr
nach Ermessen, willkürlich, beliebig, engl.: arbitrary; dieser Begriff wird z.B. im Zusammenhang mit der Scharnierachse gebraucht und drückt aus, dass eine auf Grund von anatomischen Bezugspunkten bestimmte Scharnierachse (virtuelle Rotationsachse der Kiefergelenke bei Öffnungs- bzw. Schließungsbewegungen) nicht der tatsächlichen Rotationsachse entsprechen muss.
Achspunkt, Scharnierachse, Übertragungsbogen

Arch Length Discrepancy
ALD; Unterschiede in den Längen der Bögen der Zahnreihe und Kieferbasis. Gibt Auskunft über einen bestehenden oder zu erwartenden Platzmangel oder ein entsprechendes Platzangebot; anwendbar, sobald die 1. Wechselgebissphase abgeschlossen ist (6er und die Schneidezähne sind durchgebrochen). Dabei gilt:
Ergebnis der Subtraktion aus Zahnbogenlänge minus Kieferbasislänge (skelettale) ist ~ 0 = normale Platzverhältnisse
Ergebnis der Subtraktion aus Zahnbogenlänge minus Kieferbasislänge (skelettale) ist positiv = Platzüberangebot
Ergebnis der Subtraktion aus Zahnbogenlänge minus Kieferbasislänge (skelettale) ist negativ = Platzmangel
Da derartige Berechnungen vor allem für die Diagnostik in der Kieferorthopädie bei Jugendlichen Anwendung finden, beziehen sich Messungen immer nur bis in das Gebiet der Sechsjahrmolaren
Bolton Analyse, Engstand, Moyers-Analyse, Pont-Index, Zahnbogenindex



Arcon-Artikulator , Abk. von Articulator condyle: anatomischer Artikulator wie z.B. SAM 2.
Die heute gebräuchlichen Artikulatoren werden nach ihrer Funktionsweise in zwei Gruppen eingeteilt:
Arcon-Artikulatoren und Non-Arcon-Artikulatoren, wobei bei den Arcon-Artikulatoren das natürliche Bewegungsprinzip übernommen wurde, indem sich die am Unterkieferteil des Artikulators befestigte Nachahmung des Kiefergelenks ("Kondylarkugel") in das "Kondylargehäuse" des oberen Teils greift und sich so gedanklich und praktisch natürliche Verhältnisse reproduzieren lassen. Nachteilig ist bei einer derartigen Konstruktion eine gewisse Instabilität ("fällt leicht auseinander") und ein versehentliches Abheben der Kondylarkugel bei der Schließ-Simulation, wenn im hinteren Bereich Vorkontakte vorhanden sind. Neuere Konstruktionen kompensieren derartige Mängel weitgehend.
Non-Arcon-Artikulatoren sind "umgekehrt" konstruiert: Die Kondylarkugel ist am Oberteil befestigt und das für die Gelenkbahn-Simulation zuständige Kondylargehäuse ("Kugelkäfig") befindet sich am Unterkieferteil. Der Bewegungsablauf im Simulationsgelenk ist dadurch umgekehrt zum natürlichen Ablauf. Obwohl in der Konstruktion "stabiler" ist der umgekehrte Bewegungsablauf auch nach langjähriger Übung verwirrend - derartige Artikulatoren haben sich deshalb nicht bedeutend durchsetzen können.
Artikulator




Arcon - Non-Arcon

Arcus alveolaris
Alveolarbogen, Arcus = Bogen, engl.: alveolar arch (of mandible), alveolar limbus; der äußere bogenförmige Rand der Alveolen (Zahnfächer) eines Kiefers; früher auch als Limbus alveolaris bezeichnet.
Alveolarknochen, Alveole, crestal, Septum, Zahnbogen

Arcus dentalis; Zahnbogen

ArGoMe-Winkel
Gonion-Winkel
, Kieferwinkel, engl.: ArGoMe angle; Abk. von Articulare, Gonion und Menton. Verbindet man diese drei Punkte miteinander, so entsteht am Gonion ein Kieferwinkel, welcher einen Normwert 130±7° hat. Gelenkwinkel

Argyrie ; Argyrose, "Silberkrankheit", engl.: argyria;  Silbereinlagerung in Haut- bzw. Schleimhaut; Silbersaum

Ariston pHc™
zu den sog. "Smart restorative materials" gehörendes ehemaliges Füllungsmaterial; wegen vielfältiger Unzulänglichkeiten im Sommer 2001 vom Markt genommen. Mit entscheidend für diesen Schritt war ein Gutachten von Prof. Dr. Reinhardt, Münster: "Rissbildung durch erhöhte Expansion".
  © SSO

Arkansasstein
engl.: Arkansas stone; heller Quarz-Stein (benannt nach seinem ursprünglichen Fundort), welcher zum Schleifen von feinen Instrumenten besonders in der Parodontalchirurgie dient (sog. Ölstein). Ebenfalls Grundlage von rotierenden Ausarbeitungsinstrumenten ("Schleifer"), welche besonders bei zahnfarbenen Füllungsmaterialien eingesetzt werden.
  Schleifmittel

Aerobier
Anaerobier, engl.: aerobe, anaerobe; Bezeichnung für ein Lebewesen - meist Mikroorganismen - welches unter bestimmten Sauerstoffbedingungen gut gedeiht:
Aerobier: können nur unter Sauerstoffzufuhr auf Dauer existieren
Anaerobier: können nur ohne Sauerstoff auf Dauer existieren
als Zwischenformen gelten sog. fakultative Aerobier bzw. Anaerobier, d.h., derartige Lebewesen können sowohl mit als auch ohne Sauerstoff existieren.
Vom Zahn ausgehenden Infektionen beinhalten meist ein Keimgemische aus beiden Arten; dabei erreichen die Anaerobier eine wesentlich größere Keimzahl als die Aerobier ( Abszess).
Antibiotika, Gram Färbung, Infektion

Aerosol ; Spray

ARPA
Abk. von ARbeitsgemeinschaft für PArodontoseforschung; Gründung 1. 11.1924 in Berlin durch: O. Loos (Frankfurt/Main), O. Weski und Sachs (Berlin), M.Karolyi (Wien), L. Widmann (Stockholm), als Zentralkomitee und R. Neumann, B.Gottlieb, G. Rumpel, A. Kantorowicz, O. Lund, H. Sicher und Türkheim. Am 30.5.1932: Gründung der ARPA Internationale in Frankfurt/Main; 1970: die ARPA International löst sich in Genf auf. Die deutschen Mitglieder gründen die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP)

Arrosion
Annagen, engl.: do.; Begriff gebräuchlich für eine Zerstörung von Knochen oder Blutgefäßen (sog. Arrosionsblutung). Derartige, plötzlich auftretende Blutungen sind meist durch das Einwachsen eines bösartigen Tumors bedingt.

Arsenik
Scherbenkobalt, As2O3, engl.: arsenic; Gewebegift; früher gebräuchliche medikamentöse Einlage zur Abtötung ( Devitalisation) eines entzündeten, nicht mehr erhaltungswürdigen Zahnnervs; die Anwendung von A. ist in D heute obsolet, da neben der Abtötung der Pulpa auch das umgebende Gewebe erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird (nekrotische Zerstörung).
In der ZHK ist die besonders sog. Arsennekrose bei unsachgemäßer Anwendung bekannt: Durch einen undichten Kavitätenverschluss schädigt A. irreversibel die Interdentalpapille und kann sogar den Alveolarknochen in Mitleidenschaft ziehen.
Amputationspaste, Formaldehyd

ART , A.R.T. ; Atraumatic Restorative Treatment; A.R.T.-Technik

Arterienklemme
Gefäßklemme, engl.: h(a)emostat, h(a)emostatic forceps (US Schreibweise); in versch. Ausführungen und unter versch. Namen (u.a. "Kocher-A.", "Moskitoklemme", "Péan-A.") bekannte, arretierbare Instrumente zum Abklemmen von Blutgefäßen oder dem Fassen von Gewebe während eines chirurgischen Eingriffs.
Angiotripsie, Nachblutung


Arterienlappen , engl.: axial o. arterial flap, axial (pattern) (flap); (Schleim-)Hautlappen, welcher im Stiel eine mitpräparierte Schlagader enthält. Stiellappen, Lappenoperation

Arteriographie
engl.: arteriography; Röntgenkontrastdarstellung von Schlagadern (Arterien) und deren feinsten Verzweigungen; häufig mit dem übergeordneten Begriff "Angiographie" gleichgesetzt. Das daraus resultierende Röntgenbild(er) wird als Arteriogramm (s. Abb.)bezeichnet.
Arthrographie
http://www.meb.uni-bonn.de/radiologie/


Arteriogramm eines
Haemangioms

Artex®-Artikulator , zum Artex®-System gehörender, teiljustierbarer Artikulator; http://www.amanngirrbach.com

Artglas , Handelsname, engl.: Artglass; Polyglas

Arthritis
Gelenkentzündung, engl.: do.; in der ZHK von Bedeutung ist das Kiefergelenk, an welchem als Folge von Verletzungen, Entzündungen oder falscher zahnärztlicher Ausrichtung der Kiefer zueinander ( Okklusion) entsprechende Veränderungen auftreten können. Zur Linderung der Beschwerden und Schmerzen (Arthrodynie) ist meist die Öffnung des Unterkiefers eingeschränkt; er nimmt die sog. Bonnet-Stellung (Verschiebung der Kinnspitze beim Öffnen zur gesunden Seite hin) ein.
Funktionsanalyse, Kiefergelenk, Kiefergelenkbeschwerden

Arthrographie
Arthropneumographie, Röntgenkontrastdarstellung einer Gelenkhöhle, engl.: arthrography; dabei wird u.a. folgendes Prinzip angewandt: Ein wasserlösliches Kontrastmittel wird zusammen mit Luft (= Arthropneumographie) in ein Gelenk injiziert. Das Kontrastmittel verteilt sich an der Oberfläche der einzelnen Gelenkstrukturen. Da es für Röntgenstrahlen schlecht durchlässig ist, ist in einer konventionellen Röntgenaufnahme so auch der Gelenkinnenraum darstellbar. Die A. ist in letzter Zeit zunehmend durch die Kernspintomographie ersetzt worden, und wird häufig in Kombination mit dieser Methode benutzt.
A. haben möglicherweise eine positive Wirkung bei eingeschränkter Mundöffnung, indem sie diese Beschwerden durch Diskusverlagerung während der Untersuchung nachhaltig bessern.
Arteriographie, Sonographie

Arthrose
Arthrosis, chronisch-degenerative Gelenkveränderung, engl.: arthrosis; oft gleichgesetzt mit Osteoarthrose. Eine Ursache sind Schäden durch Überbeanspruchung, wie sie bei Sport, Schwerarbeit und hohem Körpergewicht vorkommen können. Eine weitere wichtige Ursache ist die Alterung des Gelenkknorpels mit reduzierten Durchlässigkeit für Nährstoffe. Folgen sind Erweichung, Rissbildung und Erosion des Knorpels. Weiter wird eine A. durch alle Form- oder Funktionsstörungen gefördert. Die häufigste klinische A.-Form ist die Arthrosis deformans; sekundäre Formen entstehen aus angeborenen Dysplasien.
Diese häufig auch als "Abnutzungserscheinung" titulierte Erkrankung zeigt am zahnmedizinisch bedeutenden Kiefergelenk als Symptome ein Knacken, eine erschwerte Mundöffnung und Kraftlosigkeit beim Kauen.
Eine Nearthrose oder Pseudarthrose bezeichnet eine krankhafte Gelenkneubildung infolge Störungen bei der primären Knochenheilung (der Kallus wird nicht knöchern umgebaut), wobei die "gelenkige Verbindung" kein echtes Gelenk darstellt. Ursachen dafür können sein:
ungenügende Fixierung der Knochenbruchstücke bzw. zu frühe Belastung
ein zu großer Bruchspalt bei ungenügender Reponierung der Bruchstücke
Einklemmen von Gewebe in den Frakturspalt
Spontanfraktur infolge starke Alveolarkammatrophie, Tumore oder Zysten
In seltenen Fällen wird eine derartige Nearthrose auch künstlich geschaffen, wenn z.B. eine Ankylose besteht.
Hyaluronsäure, Kiefergelenkarthrose, Kieferbruch, Kiefergelenkbeschwerden, Pseudoarthrose
http://www.arthrose.de ; http://www.deutsches-arthrose-forum.de

Articain
Lokalanästhetikum, Thiophenderivat (Handelsnamen: Ultracain®, Ubistesin® als 2-4%-ige Lösung), engl.: do.; eines der gebräuchlichsten örtlichen Betäubungsmittel mit einer hohen Eiweißbindung bei guter Allgemeinverträglichkeit; mittel der Wahl bei Schwangeren.
Bei Verwendung von A. zeigen sich längere und tiefere analgetische Effekte bei der Entfernung unterer Weisheitszähne als bei Mepivacin (Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol Endod (2006); 102: 169 - 174).
Dosierung am Beispiel Ultracain®:
Patientin, 50 kg, operative Entfernung von 4 retinierten und verlagerten Weisheitszähnen in Lokalanästhesie:
-- 1 ml Ultracain D-S/ D-S forte enthält 40 mg Articain
-- Höchstdosis:
7 mg Articain (Ultracain")/kg KG (Körpergewicht)
-- 50 kg (Körpergewicht) x 7 mg entspricht 350 mg Articain (Ultracain)
Die individuelle Grenzdosis beträgt 8.75 ml Ultracain D-S/ D-S forte
Behandlung in der Schwangerschaft, Lokalanästhetika, Risikopatient 

Articulare
Ar, engl.: do.; virtueller röntgenologischer Schnittpunkt bei der Schädelvermessung: Eine Gerade verläuft am hinteren Rand des aufsteigenden Unterkieferastes (dorsale Kontur des Collum mandibulae), die andere Gerade wird durch den unteren Rand des Schläfenbeins bestimmt; Abb. Gelenkwinkel
ArGoMe-Winkel

Articularewinkel ; Gelenkwinkel

Artikulation
allgemein: eine gelenkige Verbindung, in der ZHK veralt. Begriff für dynamische Okklusion, engl.: articulation; Verschiebung der unteren gegen die oberen Zahnreihen unter Zahnkontakt. Dieser Begriff wird aktuell nicht mehr verwendet und wurde ersetzt durch: Okklusion - dynamische.
Der Begriff ist in der Literatur vielfach besetzt, verstanden wird darunter meist: jede statische und dynamische Kontaktbeziehung der oberen und unteren Zahnreihen mit und ohne Nahrung.
Einschleifen, Funktionsanalyse, Gelenkbahn, Hackbiss, Okklusion, Schlittenartikulation, Wachsaufstellung

Artikulationsausgleich
Vermeidung gleithindernisbedingter Kipp- und Schubmomente mit dem Ziel, ein Artikulationsgleichgewicht (balanced articulation) herzustellen ("harmonische Okklusion") und auftretende Belastungen auf möglichst viele Parodontien zu verteilen. Die früher allgemein gültige Forderung wird heute nur noch aus statischen Gründen bei der Anfertigung von Vollprothesen erhoben.
Okklusion, Okklusionskonzepte

Artikulationspapier , engl.: articulating paper Okklusionsfolie

Artikulationsstörungen , Artikulationshindernisse, Okklusionsstörungen

Artikulator
Kiefergelenksimulator, engl.: articulator; Gerät zur mechanischen Simulation von Bewegungen des Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer an eingespannten Modellen. Das auf dem Prinzip der natürlichen Kiefergelenke und Frontzahnabstützung ( Inzisalstift) funktionierende Gerät, lässt mit entsprechenden Unterlagen (Modellen, Registraten) außerhalb des Mundes (fast, je nach Typ) eine Nachahmung der natürlichen Kaubewegungen zu. Vom Funktionsprinzip her z.B. eine Unterteilung in Arcon-Artikulatoren und Non-Arcon-Artikulatoren. Davon abzugrenzen sind die Kaubahnbezogenen Artikulatoren ("Kaubahnträger"), bei welchen die Okklusalfläche der Zähne die Führungsfunktion übernimmt; Kaubahn
Anwendung von A. vor allem beim Anfertigen von Zahnersatz im zahntechnischem Labor (Dentallabor) und während der Funktionsanalyse bzw. Modellanalyse. In beiden Fällen wird versucht, eine naturgetreue Übertragung der Mundsituation in den Simulator zu erreichen, um Okklusionsprobleme zu erkennen und dem Patienten darauf basierend eine störungsfreie Kieferfunktion zu ermöglichen.
Zahnärztliche A. dienen der Nachahmung von Bewegungen des Unterkiefers. Sie sind seit etwa 130 Jahren ein Hilfsmittel bei der diagnostischen und therapeutischen Tätigkeit des Zahnarztes sowie in der Zahntechnik; historisch auf Bonwill (1887) zurückgehend. Ohne ihren Einsatz sind weder Okklusionsdiagnostik noch funktionsgerechte Zahnersatzgestaltung denkbar. 
Im Grunde gehen A. von folgendem Denkprinzip aus:
Die "hintere Steuerung" erfolgt durch die Beschaffenheit des Kiefergelenks und ist im A. fest eingestellt oder individuell einstellbar: Bennet-Winkel, Kondylenbahn, Gelenkbahnneigung.
Die "vordere Steuerung" erfolgt durch die Schneide- und Eckzähne; Prämolaren und Molaren übernehmen meist eine Stützfunktion, können aber auch - z.B. durch Gruppenkontakte - mit in die Steuerung eingreifen.
Naturgemäß nicht berücksichtigt werden bei dieser mechanischen Denkweise psychische und neuromuskuläre Gegebenheiten.
Die künstlichen Artikulator-Gelenke bestehen i.d.R. aus einem führenden und einem geführten Gelenkteil.

Bei der Vielzahl der auf dem Markt angebotenen Artikulatoren sollte eine Gesichtsbogenübertragung möglich sein, ferner sollten die horizontale Kondylenbahnneigung (HCN) eingestellt werden können; eine Bennet-Winkel-Einstellung ist ebenso wünschenswert wie eine Side-shift Einstellmöglichkeit (zur Einstellung der Zentrikfreiheit).
Die heute (2005) gebräuchliche Vorgehensweise (Gesichtsbogen und Mittelwert-Artikulator) ist nach wissenschaftlichen Kriterien zur Herstellung einer individuellen Okklusion nicht ausreichend, führt aber in der Praxis zu einem durchaus akzeptablen Ergebnis.
Vom Aufbau, der Übertragung, der individuellen Einstellung und der Handhabung her lassen sich verschiedene Typen unterscheiden:
  • Mittelwert-Artikulator
    trotz der Vielzahl an diesen Arten, lassen derartige Artikulatoren eine schädel- und gelenkbezügliche Modell-Montage nicht, oder nur sehr erschwert zu. Nach wissenschaftlichen Kriterien zur Herstellung einer individuellen Okklusion sind derartige Geräte nicht ausreichend, führen aber in der Praxis zu einem durchaus akzeptablen Ergebnis.
  • Checkbiss-Artikulator
    teiljustierbare, schädelbezügliche Artikulatoren mit Protrusions-, Mediotrusions- und Bennett-Führungen. Die Einjustierung erfolgt mittels einfachen Kontaktpositions-Registraten; die Modell-Montage über schädelbezügliche (Schnell-)Übertragungsbögen. Nur seltener Einsatz dieses Typs.
  • Analog-Artikulator
    teiljustierbare, schädelbezügliche Artikulatoren mit Protrusions-, Mediotrusions- und Bennett-Führungen. Koordinierbar sowohl mit Porus-Nasion- wie auch mit Achse-Infraorbital-Gesichtsbögen. Neben der individuellen Modell-Montage ist auch eine Mittelwertmontage auf der Basis einer Fundamentwaagen-gestützten Modellmontage möglich. Wegen vielfältiger Justier- und Programmiermöglichkeiten besitzen sie ein sehr großes Anwenderspektrum; eingesetzt werden hauptsächlich Arcon-basierte Geräte bei einem guten Preis- und Arbeitsaufwandsverhältnis.
  • Volljustierbarer Artikulator
    Sehr aufwendig konstruierte und zu bedienende Geräte mit einer nicht unerheblichen Zeit für die Montage und einem hohen Anschaffungspreis; heute weitgehend von den Analog-Artikulatoren verdrängt; für Spezialfälle vorbehalten

adjustiert, Ästhetikschablone, Arcon-Artikulator, Balkwill-Winkel, Bewegungssimulator, Biokop, Conceptor Alpha, Einschleifen, Fixator, Gelenkbahn, Gerber, Gesichtsbogen, Gysi ("Simplex-Artikulator"), Gnathomat, Inzisalstift/Inzisaltisch, Kaubahn, Kieferrelationsbestimmung, Mastikator, Mittelwert-Artikulator, Modellmontage, Montageplatte, Okkludator, Okklusion, Okklusionskonzepte, Pantographie, Reartikulation-Remontage, SAM Artikulator, Scharnierachse, Splitcast-Sockel, Stuart-Artikulator, TMJ-Artikulator, Truebyte-Artikulator, Übertragungsbogen, Whip-Mix Artikulator, Wustrow Artikulator
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/habil-online/00/00H136/t3.pdf
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/habil-online/00/00H136/habil.pdf
http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/ (historische A.)
Video

 

 


©: www.KaVo.de


einer der "Ur-Artikulatoren" nach
Bonwill
©: Uni-Greifswald



neuerer "Simplex" A.

 



Arcon - Non-Arcon

ART-Technik
auch A.R.T. , von "Atraumatic Restorative Treatment", weiter unter dem Namen minimal intervention dentistry (MI Dentistry; http://www.midentistry.com/) bekannt; minimal-invasive, ubiquitär anwendbare Kariestherapie, ursprünglich für ländliche Gebiete in der Dritten Welt für Community Oral Health Workers (COHWs) entwickelt (Mitte der 80er Jahre in Tansania/Ostafrika; A.R.T.-Projekt in Gambia), wo kein Strom und entsprechendes Fachpersonal zur Verfügung steht, wird diese Technik gelegentlich auch bei sehr ängstlichen und unkooperativen Kindern unternormalen Praxisbedingungen genutzt. Mit Handinstrumenten (z.B. ART2 enamel cutter und scharfe Löffel) wird nur die erweichte ("faule") Zahnsubstanz exkaviert, wenn möglich mit einem Pulverstrahlgerät gereinigt und diese "Kavität" dann - ohne die klassischen Präparationsregeln - mit Glasionomerzement (GIZ) gefüllt. Dabei haben sich GIZs vom Typ ii in Verbindung mit einem Adhäsivsystem am besten bewährt. GIZs deshalb, weil diese im Gegensatz zu Komposites weniger empfindlich auf Feuchtigkeit (Speichel) sind und ohne Kofferdam gelegt werden können.
AFT, Amalgamalternativen, Behandlung von Milchzähnen, BRT (Basic Root Canal Treatment)
ART-Füllungen genauso gut wie Amalgam ?
zm-online
http://www.hilfswerk-z.de/Proj_Gambia_art.htm

Ärzte-TÜV , Fortbildung

Arzneimittel , Medikament; Pharmakon

Arzneimittelgesetz
AMG, engl.: pharmaceuticals law; vorgeschriebenes Zulassungsverfahren für Arzneimittel nach dem Arzneimittelgesetz (AMG); für Medizinprodukte erfolgt eine Zulassung nach dem Medizinproduktegesetz (MPG).
Die klinische Prüfung nach dem A. (AMG) unterscheidet sich wesentlich von der nach dem Medizinproduktegesetz (MPG): Während das Arzneimittelgesetz die Wirksamkeit überprüft, hebt das Medizinproduktegesetz auf die Wirkungsweise ab. Daraus ergibt sich: Während ein Arzneimittel vor der Zulassung grundsätzlich die Phasen I - III der Arzneimittelprüfung durchlaufen muss, kann für ein Medizinprodukt mit geringem Risikopotential oder einer unwesentlichen Modifikation eines bereits "in Verkehr gebrachten" Produkts auch eine Evidenz-basierte schriftliche Bewertung ohne Überprüfung am Menschen ausreichen, um eine CE-Zertifizierung des Produktes zu erwirken - viele "neue" Komposites machen sich diesen Umstand zu Nutze.
http://www.bfarm.de
Arzneimittelkommission, Arzneimittel-Richtlinien, klinische Studie, Medizinproduktegesetz, Pharmakon
AMG-Novelle - Arztwerbung: Jetzt gelten neue Regeln
Verbesserung der Betäubungsmittelversorgung

Arzneimittelkommission
der Zahnärzte, AK-Z, engl.: Drug Commission of the German Medical Council of Dentistry, früher: "zahnärztlicher Arzneimittelausschuss"; eine gemeinsame Einrichtung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), bestehend aus Experten der unterschiedlichen Fachrichtungen wie Pharmakologie, Toxikologie und Werkstoffkunde und niedergelassenen Zahnärzten, die sich auf Teilgebiete der zahnärztlichen Arzneimitteltherapie spezialisiert haben. Bekannt durch die Herausgabe der IZA ("Informationen über Zahnärztliche Arzneimittel")
Eine der Hauptaufgaben dieses Gremiums ist die Entgegennahme und Bearbeitung eingehender Nebenwirkungsmeldungen von Medikamenten/Werkstoffen. Diese Meldungen werden von den praktizierenden Zahnärzten auf speziell dafür entwickelten Meldebögen an die AK-Z gesandt. Durch die Einzelnen für die unterschiedlichen Gebiete zuständigen Mitglieder der Kommission werden diese Meldungen aufgenommen, bearbeitet und ausgewertet. Von der Verwaltung der Bundeszahnärztekammer werden die dort von den Zahnärzten eingehenden Nebenwirkungsmeldungen auch an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte weitergeleitet. Bei diesem kurz BfArM genannten Institut handelt es sich um ein Nachfolgeinstitut des damaligen Bundesgesundheitsamtes BGA.
Im Jahr 2005 wurden insgesamt 158 Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW, = "Nebenwirkungen") registriert. Betrachtet man den Zeitraum der letzten Jahre von 1995 bis 2005, so werden jährlich von Zahnärzten durchschnittlich nur 79 Meldungen zu UAWs abgegeben - dabei machen Antibiotika über 50 % der Meldungen aus. Setzt man voraus, dass jeder Zahnarzt täglich mehrfach Lokalanästhetika verabreicht und mindestens wöchentlich Antibiotika und Schmerzmittel rezeptiert, so ergeben sich daraus etwa 1.000 Medikamentenabgaben/Zahnarztpraxis/Jahr. Daraus errechnet sich ein geschätztes Verordnungsvolumen von 50 Mio. Verordnungen/Jahr. Diese Zahl steht in keiner Relation zu den gemeldeten Zahlen und lässt eine hohe Dunkelziffer oder nur harmlose Nebenwirkungen bei den zahnärztlich eingesetzten Medikamenten vermuten.
Auf den zweimal im Jahr stattfindenden Sitzungen der Arzneimittelkommission werden die Auswertungen der im letzten halben Jahr eingegangenen Nebenwirkungsmeldungen vorgestellt. Zumindest einmal jährlich werden diese Auswertungen der im Zusammenhang mit zahnärztlichen Arzneimitteln auftretenden Nebenwirkungen in den "Zahnärztlichen Mitteilungen" veröffentlicht. Die "Zahnärztlichen Mitteilungen" erscheinen alle zwei Wochen und werden auf dem Postwege an alle praktizierenden Zahnärzte versandt.
Ein weiteres Gewicht der Arbeit der A. besteht aus Stellungnahmen zum zahnmedizinischen und medizinischen Nutzen von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Solche Stellungnahmen werden meistens auf Anfragen von Landeszahnärztekammern oder Kassenzahnärztlichen Vereinigungen der Länder erstellt.
Der Arzneimittelkommission Zahnärzte ist es aus personellen Gründen jedoch nicht möglich, auf einzelne Patientenanfragen zu antworten. Ansprechpartner für den Patienten ist wie in allen Bereichen der Therapie der behandelnde Zahnarzt.
Adresse:
Arzneimittelkommission der Deutschen Zahnärzte BZÄK/KZBV , Chauseestraße 13 , 10115 Berlin
umfangreiche Informationen über zahnärztliche Arzneimittel (2015, © IZA
)

Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz
AMNOG; zum Jahresbeginn 2011 in Kraft getretenes neues "Reformgesetz" im Gesundheitswesen. Zwei der Kernpunkte sind die Schnellbewertung des Nutzens neu zugelassener Arzneimittel durch den Gemeinsamen Bundessauschuss und die feste Verankerung der unabhängigen Patientenberatung in die Gesetzliche Krankenversicherung. Nach den Vorstellungen des Patientenbeauftragten der Bundesregierung soll die unabhängige Patientenberatung ab Januar im Rahmen einer verankerten Berichtspflicht über die Anfragen und Beschwerden eine patientenorientierte Rückmeldefunktion in das Gesundheitssystem gewährleisten.
Mit dem AMNOG müssen Pharmahersteller bereits in einem frühen Stadium den Nutzen ihrer zugelassenen Produkte belegen, wenn sie von den Krankenkassen erstattet werden sollen. Allerdings: Wissenschaftler betonen, dass der Zusatznutzen von Medikamenten oft erst nach Jahren korrekt bestimmbar ist ( AMNOG - Stoppschild für viele neue Wirkstoffe).
Festbeträge, Patientenberatungsstellen, Pharmakon, ZESAR, Zuzahlung
Arzneimittel bei Gesetzlich Versicherten: Die wichtigsten Regelungen für Zuzahlung und Erstattung
AMNOG - AMNOG-Reform wird wohl ein Reförmchen werden (2016)

Arzneimittel-Richtlinien
engl.: pharmaceutical directive; vom Gemeinsamen Bundesausschuss aufgestellte, ständig fortentwickelte Richtlinien, die das Wirtschaftlichkeitsgebot konkretisieren sollen und Ärzten Klarheit darüber geben, mit welchen Medikamenten eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der GKV-Versicherten sichergestellt werden kann. Der Inhalt der Richtlinien ist für Vertragsärzte verbindlich. Sie enthalten auch eine Liste über verordnungsfähige aber nicht verschreibungspflichtige Pharmaka. In der ZHK ohne Bedeutung, da nur die Vertragsärzte betreffend (2006).

Arztbesuch
(Zahnarztbesuch) während der Arbeitszeit, engl.: physician attendance (dentist attendance) during work time; § 616 des BGB "Vergütungsanspruch bei kurzzeitiger Dienstverhinderung" sagt:
Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muss sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt. ...
Arbeitnehmer können deshalb nicht davon ausgehen, grundsätzlich während der Arbeitszeit zum Arzt gehen zu können. Demnach kann dem Mitarbeiter für die Zeit des Arztbesuchs Lohn oder Geld gekürzt werden, wenn er nicht nachweisen kann, dass ein anderer Termin unmöglich gewesen ist. So kann der Arbeitgeber von seinem Angestellten eine entsprechende, vom Arzt ausgestellte, Bescheinigung verlangen. Werden alle Mitarbeiter des Unternehmens auf diese Rechtslage hingewiesen, kann bei Nichtvorlage der Bestätigung das Gehalt gekürzt werden.
Behandlung

Arztgeheimnis , medical non-disclosure rule (?); Schweigepflicht

AS-Akademie
Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement; versteht sich "als postuniversitäres Forum für Zahnärzte und hauptamtliche Mitarbeiter der zahnärztlichen Berufsvertretungen zur Erlangung politischer und sozialer Kompetenzen für die Wahrnehmung von Selbstverwaltungsaufgaben und zur Fortentwicklung freiberuflichen Praxismanagements. Der Schwerpunkt der Akademiearbeit liegt in der gesundheitsökonomischen Qualifizierung von Zahnärzten zur Übernahme von Leitungsfunktionen in Körperschaften, Verbänden und Institutionen im Gesundheitswesen."
http://www.zahnaerzte-akademie-as.de/

Asepsis
engl.: do.; alle Maßnahmen, die zur Beseitigung von Krankheitserregern dienen und im Idealfall zu einer Keimfreiheit führen. Derartige Maßnahmen sollen dem Eindringen von Viren, Bakterien und Pilzen in den Organismus bei chirurgischen Eingriffen vorbeugen bzw. ein Eindringen gänzlich verhindern. Wegen der hohen Anzahl der Keime in der Mundhöhle ist hier eine Keimfreiheit bei Eingriffen nie möglich. Derartige Vorkehrungen - aseptische Kautelen - sind insbesondere:
Raumdesinfektion
Raumluftsterilisation
Sterilisation (Keimfreimachung) der medizinischen Instrumente und der Operationskleidung , Verwendung steril verpackter Einmalinstrumente
Händedesinfektion, sterile Handschuhe
Vorkehrungen gegen den Hospitalismus ( nosokomiale Infektion)

aseptisch (engl.: aseptic) = keimfrei; Asepsis, Desinfektion, Hygiene, Sterilisation, Sterilität

Aseptik
engl.: aseptic precautions; Methoden bei der Wundbehandlung mit dem Ziel, Krankheitserreger primär von der Wunde fern zu halten (durch sterile Instrumente und Materialien, Händedesinfektion, Abtötung der Keime in der Raumluft usw.). Die Mundhöhle beherbergt ca. 700 unterschiedliche Mikroorganismen, sodass eine Wunde in diesem Bereich immer als infiziert gilt. Besonders für Eingriffe im Mund ist es kaum möglich, die Asepsis, die in anderen chirurgischen Disziplinen gefordert wird, zumindest für die in einer durchschnittlichen Zahnarztpraxis durchgeführten Eingriffe einzuhalten. Ohnehin ist die Heilungstendenz von Wunden in der Mundhöhle gut.
Asepsis, Desinfektion, Sterilisation

Asialie ; engl.: aptyalia, asialia Xerostomie

Äskulapstab
engl.: Aesculapian staff; abgeleitet von einem griech. Gott der Heilkunst namens Asklepios ("as" = die Schlange und "klepi" = etwas umwinden; somit sinngemäß: "Asklepios" = die Schlange, die sich um etwas windet.). Dieser Sohn des Apollo wurde der Sage nach durch den Zentaur Cheiron so gut ausgebildet, dass er sämtliche Krankheiten heilen konnte. Selbst Tote soll er ins Leben zurück gerufen haben. Andere Deutungen gehen davon aus, dass die sagenhafte griechische Figur des Asklepios auf den ägyptischen Arzt Imhotep (um 2700 v. Chr.) zurückgeht.
Symbol der Ärzteschaft und in Verbindung mit einer Schale das Standeszeichen der Apotheker. Details:

Schlangen-Kopf nach rechts zeigend = Zeichen der Ärzte, Kopf nach links = Zeichen der Zahnärzte (s. Abb.), Kopf nach links über einer Schale = Apotheker.
Nicht zu verwechseln mit dem Ä. ist der (kommerziell ausgerichtete) Hermesstab (engl.: Caduceus, Abb. rechts): Er ist ein Stab mit zwei Flügeln, der von zwei Schlangen umschlungen wird.


Ä. der Zahnärzte



Hermesstab

Aspergillose
"Schimmelpilzkrankheit", durch Schimmelpilze bedingte Infektion; Verursacher meist der Schlauchpilz "Aspergillus fumigatus". Körperbefall durch massive Einatmung von Pilzsporen oder auf dem Boden einer vorhanden Erkrankung. Eine Wurzelkanalbehandlung mit Zinkoxid-haltigen Materialien bzw. deren Überstopfung in die Kieferhöhle soll eine A. ("Kieferhöhlen-Aspergillose") bewirken/begünstigen.

Aspiration
Ansaugen
von Gasen, Festkörpern oder Flüssigkeiten; engl.: do.; in der ZHK unter mehreren Bedeutungen bekannt:
1.) vor der eigentlichen Infiltrations- oder (besonders) Leitungsanästhesie: Nach dem Kanüleneinstich erfolgt ein leichtes Zurückziehen des Spritzenstempels. Wird dabei Blut angesaugt, befindet sich die Kanülenspitze in einem Blutgefäß; ein Injizieren würde zu körperlichen Komplikationen führen, zusätzlich würde der vorgesehene Bereich nicht anästhesiert werden, da das Lokalanästhetikum sofort durch den Blutstrom abtransportiert wird.
2.) Eindringen von Flüssigkeiten bzw. festen Stoffen (z.B. zahnärztliche Instrumente) in die Luftröhre oder Lunge,  Fremdkörperaspiration, Kehlkopfreflex, Sicherungskettchen
3.) Absaugen von flüssigen oder festen Bestandteilen aus der Mundhöhle, Absauganlage, Speichelzieher

Assembling-Verfahren
engl.: assembling method; selten angewandte "Rationalisierungsmaßnahme" bei der zahntechnischen Herstellung von Kronen und Brücken: Bei der Wachsmodellation der Rekonstruktion wird auf industriegefertigte Wachsformen zurückgegriffen.

Assessment
Einschätzung, Selbstanalyse oder -beurteilung im Rahmen des Qualitätsmanagements in Verbindung mit bestimmten Kriterien; z.B.:
Evaluation, d.h. Erhebung der qualitätsrelevanten Praxisroutinen
Prozessbeschreibung, d.h. Definition von Zielen und Prozessen
Feed-back, d.h. Reflexion der Handlungsroutinen
Validierung, d.h. Zertifizierung und Selbstverpflichtung
Benchmarking, Qualitätsmanagement, Qualitätssicherung

Assistent , zahnärztlicher, engl.: dental assistant; Vorbereitungszeit

ästhetische Analyse
engl.: aesthetic analysis (US Schreibweise: esthetic); in der ZHK zunehmend praktiziertes Vorgehen bei der Rekonstruktion komplexer ästhetisch unbefriedigender Fälle. Ein derartiges Vorgehen beinhaltet ein fundiertes Grundwissen mehrerer zahnmedizinischer Fachdisziplinen aus den Bereichen Parodontologie/Parodontalchirurugie, Kieferorthopädie, Implantologie, Funktionslehre, konservierender Zahnheilkunde und Prothetik.
Im Rahmen der Befunderhebung wird auf folgende Einteilung zurückgegriffen ("Ästhetikklassen"), welche das korrekturbedürftige Erscheinungsbild von Zähnen und Zahnfleisch beim Lachen widerspiegelt:

Klasse Definition
1 Korrekturen nur in der weißen Ästhetik (an den Zähnen) erforderlich
2 Korrekturen in der Funktion und in der weißen Ästhetik erforderlich
3 Korrekturen in der roten (am Zahnfleisch) in der weißen Ästhetik erforderlich
4 Korrekturen in der Funktion, in der roten und in der weißen Ästhetik erforderlich
5 kieferorthopädische oder kieferchirurgische Vorbehandlung erforderlich

Ästhetiklinie, ästhetische Zahnmedizin, Frontzahnlinie, gummy smile, kosmetische Zahnmedizin, Mock-up, Pink Esthetic Score, rosa Ästhetik, Wax-up
Ästhetik-Checkliste
Geschichte des Lächelns

Ästhetiklinie
nach Ricketts, Ricketts-Linie, engl.: (a)esthetics line, Rickett's aesthetic plane; gibt Auskunft über die Position der Lippen in sagittaler Richtung. Gesichtsprofillinie als wesentliches Charakteristikum zur Beurteilung eines Gesichtes, mit den Endpunkten Nasenspitze (Pronasale) und Weichteil-Kinnspitze (Weichteilpogonion). Auf dieser Linie befinden sich die Oberlippe (Labrale superius) und die Unterlippe (Labrale inferius) in einem bestimmte Abstand. Als Normwerte gelten: Oberlippe -1 bis -4 mm, Unterlippe 0 bis + 2mm zur Ä.
In der Kieferorthopädie spielt die Ä. u.a. eine zusätzliche Entscheidungshilfe bei der Extraktionstherapie.
ästhetische Analyse, Biomet-Gesicht, Frontzahnlinie, Harmonielinie, Kieferprofilfeld, Lippentreppe, Mundtangente, Profilanalyse, Rückgesicht, S-Linie (Steiner Profillinie), Vogelgesicht, Vorgesicht
Ästhetik-Checkliste



ästhetische Zahnmedizin
engl.: estetic dentistry; aus den USA stammendes, nicht unumstrittenes, neues Gebiet innerhalb der Zahnmedizin; in Deutschland bisher ohne eindeutige Abgrenzung zur kosmetischen Zahnheilkunde (cosmetic dentistry). Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnheilkunde versteht unter der kosmetischen Z. reine Kosmetik im Sinne einer Zahnverschönerung als Verkaufsprodukt zum Selbstzweck und definiert die ästhetische Zahnheilkunde als eine "erstklassige Zahnmedizin" nach dem Motto: "Erst kommt die Funktion, dann die Ästhetik".
Ästhetisch erscheinende Zähne sind wichtig für soziale Kontakte. Ein Lächeln signalisiert Selbstsicherheit, Wohlbefinden und Jugendlichkeit. Die Menschen verknüpfen heute damit weitestgehend Erwartungen an eine hohe Lebensqualität. Makellose Zähne, ein gewinnendes Lächeln stehen in den Vorstellungen für körperliche Gesundheit, für soziale Kompetenz und beruflichen Erfolg – das sind wichtige Wertmarken unserer heutigen Gesellschaft.
Subsumiert werden unter dem Begriff ä. Z. eine Vielzahl von Behandlungsangeboten/-wünschen ( Behandlung auf Verlangen) die der Zahn-/Gebissverschönerung dienen (z.B. Bleichen der Zähne, Zahnregulierungen im Erwachsenenalter, kosmetische Verblendschalen auf den Schneidezähnen, unschönes Zahnfleisch ("rote Ästhetik"), Zahnschmuck) die nicht unbedingt der Gebissgesundheit dienen und keinesfalls das nach dem Sozialgesetzbuch geforderte Wirtschaftlichkeitsgebot "ausreichend, wirtschaftlich und notwendig" in allen drei Punkten erfüllen. Zu beobachten ist in den letzten Jahren eine stetige Zunahme von Patientennachfragen und - wünschen in Richtung ä. Z. : So maßen bei 2000 befragten Personen 2002 81 % dem Aussehen ihrer Zähne eine hohe Bedeutung zu, und bei jedem Dritten der Befragten ist die konkrete Bereitschaft, Geld für das Aussehen der Zähne auszugeben stark ausgeprägt.
Da rein kosmetische Eingriffe häufig nicht medizinisch notwendig sind, ergeben sich eine Reihe ethischer, wirtschaftlicher und juristischer Aspekte, besonders dann, wenn es sich um rein kosmetische Eingriffe handelt: So wird ein unvergleichbar höhere Aufklärungsbedarf gefordert - ebenso wie von dem Patienten eine erhöhte Nachfragepflicht verlangt wird. Klagen wegen "nicht gewünschtem Erfolg" sind keine Seltenheit. Ethische Bedenken von Seiten der Ärzteschaft sind in einem hohen Maß vorhanden.
Viele der Behandlungen nach der ä. Z. sind nicht in einer zahnärztlichen Gebührenordnung zu finden; eine Erstattung derartiger Behandlungen findet auch bei Privatversicherungen meist nicht statt; ein vorherige Anfrage bei der Versicherung und ein Kostenvoranschlag seitens der Zahnarztpraxis wird dringend empfohlen! Ebenso können die Gebühren für derartige Leistungen von Praxis zu Praxis stark variieren und Preise sind durchaus verhandelbar.
Unklar ist bisher (2008) noch, ob derartige Leistungen von der Umsatzsteuer befreit sind:
Nach § 4,14 sind nur solche Leistungen steuerbefreit, die der Feststellung, Heilung, oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder oder Körperschäden bei Menschen dienen. In einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 2919.99 (Az: BvR 1264/90) wird ausgeführt, dass "erkennbarer Normzweck des §4,14 UStG allein die Entlastung der Sozialversicherungsträger von der Umsatzsteuer" ist. Die zahnärztlichen Mitteilungen (zm) melden zur Umsatzsteuerpflicht im September 2008: "Steht das therapeutische Ziel im Hintergrund, fällt Umsatzsteuer an. Heilberufliche Leistungen, in denen kein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht, sind nicht von der Umsatzsteuer befreit. Das geht aus einem Schreiben der Oberfinanzdirektion Hannover hervor. Dies gelte auch für die Sachverständigentätigkeit der Zahnärzte und Ärzte, wenn das Gutachten der Entscheidungsfindung eines Dritten dient, die gegenüber dem Betroffenen oder anderen Personen Rechtswirkung erzeugt. Auch Schönheitsleistungen von Zahnärzten unterliegen dem Umsatzsteuersatz von 19 Prozent, soweit kein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht, stellt die W+ST Wirtschaftsprüfung GmbH in einer Stellungnahme klar."
Ästhetiklinie, ästhetische Analyse, Behandlung auf Verlangen, Dysmorphophobie, Einschleifen, Eugnathie, Frontzahnlinie (Lachlinie), Gummy Smile, Keramikschulter, Kieferprofilfeld, kosmetischen Zahnheilkunde (cosmetic dentistry), LipLifter, Lippenkompetenz, Lippentreppe, Lippenunterspritzung, Lumineers™, medizinisch notwendig, Mock-up, Nasolabialwinkel, Pink Esthetic Score, Profilanalyse, "rosa Ästhetik", Shimbashi Norm, Umsatzsteuer, Veneer
http://www.dgaez.de/, http://www.schoenheit-und-medizin.de/
Ästhetik-Checkliste
Geschichte des Lächelns

 



Harmonie des Untergesichts durch eine positive Lachlinie



Lippenstellung ("Lippentreppe")
im Profil



der Einsatz von Gold im sichtbaren Bereich gilt
heute nicht mehr als "Schönheitsideal"



ästhetisch unbefriedigendes Gummy Smile

Ästhetikschablone
Ästhetik-Kontrolschablone
, Ästhetik-Funktionsschablone nach Gutowski, engl.: (a)esthetic plate; eine der Bissschablone ähnliche Kunststoff-Schablone, welche mit einem Wachsaufbau ("Wachswall") in der Position der späteren Ersatzzähne versehen ist. Mit der Bissschablone oder einem entsprechenden Registrat erfolgt eine Übertragung der Lagebeziehung vom Unterkiefer zum Oberkiefer in den Artikulator - die Ä. enthält dagegen Informationen bezüglich Lachlinie, Lippenfülle, Mittellinie, Eckzahnlinie, Frontzahnstellung, Distanz Lachlinie zu Lippenschlusslinie, Nasenbasislinie, Schattenzone zwischen Wange und Zahnreihen beim Lachen ("Bukkalkorridor"). Diese werden vom Zahntechniker bei der Aufstellung der Kunstzähne entsprechend umgesetzt.
Bei der ursprünglichen Bissnahme mittels alleiniger Bissschablone wurde i.d.R. auf eine Ä. verzichtet und die entsprechenden Markierungen direkt auf die Bissschablone aufgetragen.
ästhetische Analyse, Kennlinien, Linefinder, Vollprothese
Ästhetik-Checkliste

 


Astomie , "ohne Mund", engl.: astom(i)a; Missbildung, angeborenes Fehlen der von außen sichtbaren Mundöffnung

Atherom
Trichilemmalzyste, "Grützbeutel", "Balggeschwulst", engl.: epidermoid cyst; steatocystoma (falsches A.); mit Unterscheidung:
echtes Atherom: kugelig-glattes, dysgenetisches Gebilde der Haut (familiäres Vorkommen bei 75 % der Patienten); auch als Dermoidzyste ("Haargeschwulst") oder Epidermalzyste bezeichnet ; Zyste
falsches Atherom: A. spurium; Follikelzyste; Sebozystom; prall mit Talg gefüllte Gebilde; auch als Talgretentionszyste oder Talg(drüsen)zyste bezeichnet (s. Abb.)
Weichteilzysten



Ätiologie
Krankheitsursache, engl.: aetiology (US Schreibweise: etiology); Lehre von der Ursache; Auslösung/Ursache einer Erkrankung. Pathogenese

atraumatisch
gewebsschonend, engl.: atraumatic; meist im Zusammenhang mit Wundnähten oder bei der Wundversorgung gebraucht. So ist bei einer atraumatischen Naht der Faden mit dem Nadelöhr verschweißt, um die Überdehnung des Gewebes durch die früher gebräuchliche Nadel mit dickem Nadelöhr zu minimieren. In jüngerer Zeit auch Einsatz von Wundklebern auf Fibrin- oder Kunststoffbasis.
Fibrinkleber, Naht

atraumatische Naht , engl.: atraumatic suture; atraumatisch, Naht

Atridox
basierend auf ATRIGEL™, dem "drug delivery system" von ATRIX Laboratories Inc. ATRIDOX® (in D: Fa. Curasan) setzt Doxycyclin am Ort der Infektion kontrolliert frei ( lokale Antibiotika); die hohe lokale Doxycyclin-Konzentration wird über einen Zeitraum von 7 Tagen aufrechterhalten. Zusammensetzung: biologisch abbaubares Gel, 10 % Doxycyclin,  33 % Poly-DL-Lactid,  57 % N-methyl-2-pyrrolidon. Ab 2006 in D keine Zulassung mehr; im Ausland (z.B. per Internet) erhältlich.
lokale Antibiotikazufuhr

Atrisorb
(free flow) ein flüssig anwendbares Polyaktid im Rahmen der Gesteuerten Geweberegeneration, als vollständig abbaubare Membran. Es wird unter Verwendung von einem Knochenersatzmaterial zur Defektauffüllung mit einer Kanüle direkt am Defekt (Zahnwurzel) appliziert (sog. "in-situ Technik"). Durch das Besprühen mit sterilem Wasser verfestigt sich das Gel zur Barriere-Membran. Diese Barriere fungiert als "Schutzschild" gegen eine unerwünschte Binde- und Narbengewebe-Bildung und schafft so die Voraussetzung für die Gewinnung von neuem und physiologischem Zahnhalteapparat-Gewebe. Nach Herstellerangaben wurden weltweit über eine Millionen Patienten erfolgreich mit A. behandelt.
Gesteuerten Geweberegeneration


© der Grafik:
http://www.collagenex.com

Atrophie
engl.: atrophy; Rückbildung/Verkümmerung eines Organs oder Gewebes; meist bedingt durch Mangelernährung, Nichtgebrauch, Alterung, Krankheit
Alveolarkammatrophie, Inaktivitätsatrophie, Mesostruktur, Rarefizierung, Schwund, Sinuslift



altersbed. A. eines
Unterkiefers

Atropin
ein Alkaloid, engl.: atropine; hemmt u.a. die Speichel- u. Schweißsekretion, führt zu einer Pupillenweitstellung (Mydriasis) und Beschleunigung der Herzfrequenz (Ausschaltung der Herzäste des Vagus).
In der ZHK als Atropinsulfat (0,5 mg) vor allem zur Hemmung des Speichelflusses ( Xerostomie) angewandt.
Trockenlegen

Attachment
Anheftung, epitheliale Haftung, vom engl.: attached = anhaftend, befestigt; in der ZHK von unterschiedlicher Bedeutung:

Alveolarknochen, biologische Breite, dentogingivaler Verschluss, Parodontalbehandlung, Rezession

Attachmentverlust
engl.: attachment loss; meist in mm angegebene Zahl der Strecke zwischen Schmelz-Zement-Grenze und dem Boden der Zahnfleischtasche als Ausdruck der Schwere bzw. Folge einer Zahnfleischerkrankung. In der Literatur wird der A. in mm häufig mit dem Zusatz CAL angegeben. Dies ist die Abkürzung von clinical attachment level.
Alveolarknochen, new attachment, Parodontitis, Rezession, Schmelz-Zement-Grenze, Wurzelglättung


Attrition
glattflächiger Schmelzverlust, engl.: do.; bis hin zur völligen Freilegung des Zahnbeins (Dentin), meist bedingt durch direkten Zahnkontakt (ohne Nahrungsbeteiligung) mit dem Gegenbiss (sog. Antagonistenkontakt-A. oder "2-Körper-Abrieb") durch reflektorisches Berühren (Knirschen, Pressen), z.B. an den Außenflächen der unteren Schneidezähne beim Deckbiss oder an sich benachbarten Zähnen (Übergang des Kontaktpunkts in eine Kontaktfläche = "interstitielle A.", auch als "interstitielle Abrasion" bezeichnet), wobei die Zähne bei geschlossener Zahnreihe horizontal nach vorn wandern (= Mesialdrift; Abb.). Früher war auch noch der Begriff Kontrition (lat. für Zerknirschung) für eine okklusale A. gebräuchlich
Es wird unterschieden:
Wenn zwei Zähne beim Zubeißen oder Schlucken aufeinander treffen, also zum Beispiel ein eigener, unbehandelter Zahn (Schmelz) auf eine Keramikkrone, so spricht man von Zweikörperverschleiß oder Attrition.
Wenn sich zwischen den Zähnen Nahrungsstoffe befinden, oder wenn die Zahnbürste mit Zahnpaste über die Zähne gleitet, so spricht man von Dreikörperverschleiß oder Abrasion.
Während ein Aufeinandertreffen von "Keramik - eigener Zahn" zur A. am Schmelz führt (Stärke abhängig von der Keramikart), sind Kontakte durch "Kunststoffe - eigener Zahn" ohne Schmelzverschleiß; moderne Presskeramiken liefern ähnliche Werte wie natürlicher Zahnschmelz, hier sind bei beiden Stoffen annähernd gleiche Werte zu erwarten.
Das unterschiedliche Abrasionsverhalten dentaler Werkstoffe muss bei deren Anwendung, besonders in Bezug auf den Antagonistenkontakt, beachtet werden: so weist Keramik sehr unterschiedliche Werte (glasiert oder nicht glasiert), Kunststoff eine mittlere und Gold eine höhere Abrasivität auf. Das zunächst nicht vermutete Verhalten von Gold beruht auf seiner hohen Duktilität.
Abrasion, Demastikation, Facette, Frontzahnchips, Kaukraft, Usur

atypische Zahnschmerzen , atypische Odontalgie; Gesichtsschmerz

Ätzgel
"Ätzen", Gel meist auf Phosphorsäure-Basis, engl.: etchant gel; im Rahmen der "Säure-Ätz-Technik" (SÄT) eingesetztes Mittel  zur Entkalkung (Entmineralisierung) von Zahnharzsubstanzen. Nach erfolgreichem Ätzen entstehen auf der Zahnoberfläche die typischen Ätzmuster, welches durch unterschiedliche Säurelöslichkeit des Zahnaufbaus bedingt ist. Es dient als sog. Mikrorentionsrelief für zahnärztliche Füllungsmaterialien oder Befestigungszemente.
Die zusätzliche Anwendung von Er:YAG-Lasern zur Konditionierung in der Adhäsivtechnik erbringt, verglichen mit der alleinigen Konditionierung der Zahnhartsubstanz durch Phosphorsäure, keine Verbesserung der Haftkraft.
Adhäsivtechnik

Audioanalgesie
engl.: audioanalgesia; Art der Schmerzausschaltung durch Geräusche (Musik) über Kopfhörer während eines zahnärztlichen Eingriffs; Erfolg ist stark von der Psyche der betr. Person abhängig, in der ZHK selten angewandt. Nachteilig: Mangelnde Kommunikation zwischen Zahnarzt und Patient.
Hypnose, Lokalanästhesie

Aufbaufüllung
"Stumpfaufbau", "Aufbau", AF, engl.: etwa ((tooth) stump) mounting;
1.) Hinzufügen von verloren gegangener Zahnsubstanz ( durch Karies, Verletzung) vor der Anfertigung einer Krone, in/an einem Zahnstumpf mittels plastischer (i.d.R. Glasionomerzemente (wegen der Expansion durch Wasseraufnahme kein Einsatz bei vollkeramischen Restaurationen) oder adhäsive Befestigung mittels Kompomere bzw. Komposites) oder starrer Materialien ("gegossener Aufbau"). Hauptfunktionen der A. sind:
eine dichte Versiegelung der Dentinwunde
eine Stabilisierung der noch vorhandenen Zahnsubstanz
ein Schaffen von zusätzlichen Retentionsflächen für die spätere Restauration
eine Vereinfachung der Abformung durch glatte Präparationsflächen
Eine reine Befestigung der Restauration an der A. ist nicht anzuraten; empfohlen werden mindestens 1-2 mm eigene Zahnsubstanz nach apical hin als Retentionsfläche und als dauerhafter Übergang ( Kronenrand, Randschluss). Notfalls ist eine chirurgische Kronenrandverlängerung durchzuführen.

Bei tief zerstörten Zahnkronen zusätzlicher Einsatz von parapulpären Schrauben o. Stiften ("Aufbau").

Der "klassische" Amalgamaufbau hat heute - hauptsächlich wegen einer Korrosionsgefahr unter der Restauration und allgemeinen Vorbehalten gegen diesen Werkstoff - kaum noch Bedeutung, obwohl bei stark zerstörten Zähnen (Karies bis tief in die Tasche hinein) klinisch wegen der Probleme bei der Trockenlegung Kunststofftechniken kaum einsetzbar sind. Zemente sind wegen der geringen Bruchfestigkeit ebenfalls keine Alternative.
2.) Restauration der Zahnform nach einem Verlust größerer Anteile der Schneidekante ("Schneidekantenaufbau", "Kantenaufbau", "Konturaufbaufüllung") oder der Kaufläche (s. Abb. u.).
Ferulle-Effekt, Ketac-Silver, Konturbandfüllung, parapulpäre Stifte, Schneidekantenaufbau, Stiftaufbau




Zahnstumpf mit gegossener
Aufbaufüllung



A. an zwei Schneidezähnen

Aufbereitung von Wurzelkanälen, engl.: root canal preparation; Wurzelkanalbehandlung

Aufbewahrungsfrist
engl.: retention period, storage time; zahlreiche Verpflichtungen zur zeitlichen Aufbewahrung von Behandlungsunterlagen bzw. Praxisunterlagen (z.B. Dokumentation, Belehrungen, Finanzunterlagen).
Checkliste Aufbewahrungs- u. Dokumentationsfristen 2010 (©: Handbuch der LZK-BW)

Aufbiss
Frontaufbiss, Seitenaufbiss, engl.: bite plane; Schlagwortbez. für einen kieferorthopädischen oder prothetischen Behelf (Geräte i.d.R. auf Kunststoffbasis) zur Entkopplung der bestehenden Verzahnung. Je nachdem, über welche Zahngruppen der Aufbiss gelegt wird, gibt er anderen Zähnen/Zahngruppen die Möglichkeit eines "Hochwachsens" zur Okklusionsebene hin (Bisshebung). Weiter kann mit einem entsprechend konstruierte A. eine Veränderung der Bisslage oder eine Entlastung des Kiefergelenks erreicht werden. 
Aufbiss-Platte, Aufbiss-Schiene, Beißblock, Bisssperre, Spatelübungen

Aufbissaufnahme
Aufbiss-Röntgenaufnahme, Okklusalaufnahme, engl.: occlusal radiograph(y); spezielle Projektionstechnik beim Röntgen von Zähnen. Die Strahlenrichtung verläuft nicht wie gewöhnlich quer, sondern längs zum Zahn; u.a. zur Darstellung von verlagerten Zähnen oder Fremdkörpern im Kieferbereich. Dabei wird der Zahnfilm waagerecht zwischen den Kauflächen eingeklemmt. Anwendung u.a. zur Darstellung von verlagerten Zähnen oder Fremdkörpern (z.B. Speichelstein) im Kieferbereich. Im Oberkiefer anatomisch schwer möglich ( Okklusalaufnahme)
Bissflügelaufnahme, laterale Zahnaufnahme, Okklusalaufnahme, Röntgen



Die Aufnahme zeigt zwei verlagerte Zähne im Gaumen, die mit normaler Röntgentechnik nur schwer zu sehen sind



Speichelstein im
Unterkiefer

©: Dr. Drüke, implantatzentrum
AufbissPlatte
engl.: bite plane; relativ einfaches kieferorthopädisches Behandlungsgerät. Eingesetzt z.B. zur Bisshebung im Seitenzahngebiet, wenn - wie in der Abb. ersichtlich - nur die auf die Platte beißen, den Biss sperren und so den Backenzähnen die Möglichkeit des Herauswachsens aus dem Kiefer geben.
Andere Modifikationen werden beim Kreuzbiss, offenem Biss oder sonstigen Okklusionsstörungen benutzt.

Aufbiss, AufbissSchiene, Bisshebung



Prinzip einer A.


A. im Seitenzahnbereich (Gelb-Schiene)
AufbissSchiene
Okklusionsschiene
, Knirscherschiene, Entspannungsschiene, Aufbissbehelf, engl.: bite guard splint, occlusal appliance; eine die Aufbiss(Okklusions-)flächen der Zähne übergreifende, herausnehmbare, temporäre Kunststoffschiene mit einem "Einbissrelief" für die Zahnflächen des Gegenkiefers. Sofern es der Befund zulässt, werden A. im Unterkiefer eingegliedert, da erfahrungsgemäß dies vom Patienten besser akzeptiert wird.
Als Ziel einer Schienentherapie sollte in der Mehrzahl der Fälle die Einstellung einer neuen Interkuspidationsposition (IKP, Zentrik) erfolgen. Diese Vorgabe wird durch die Oberfläche der A. beim Zusammenbiss (Okklusion) verwirklicht. Dadurch, dass so das gewohnte Okklusionsmuster unterbrochen wird (Entkopplung der bisherigen Verzahnung), kann es zu einer Entlastung von überbelasteten Zähnen, falschen Bissverhältnissen und
parafunktionsbedingten Schäden kommen ( Reflexschiene). Der Wortbestandteil "Schiene" ist in diesem Zusammenhang irreführend, da der Zweck der A. keine Schienung im eigentlichen Sinne ist. Besser könnte es heißen: "therapeutische Okklusions-Führungs-Platte".
Im Prinzip gibt es drei versch. Angriffspunkte bei der Schienentherapie mittels Aufbiss:
adjustierte Schiene ("Stabilisierungsschiene") in RKP mit Eckzahnführung; ca. 80% aller Schienen funktionieren derart
Distraktionsschiene bei einem komprimierten Kiefergelenk um einen entsprechenden Abstand zu schaffen
Repositionierungsschiene, meist im Unterkiefer eingegliedert, um ein Kiefergelenk aus einer anterioren Position langsam in die Zentrik zu verlagern.

Besondere Formen oder Unterarten der A. sind:

Hawley-Aufbissbehelf
Interzeptor
Michigan-Schiene
Miniplast-Schiene (s. Abb.)
Resilienzschiene: Die Aufbiss-Oberfläche ist aus weichbleibendem Kunststoff
Shore-Platte: Im Mund ausgeformtes Okklusionsrelief während der Polymerisation des aufgetragenen Kunststoffs
Für eine AufbissSchiene (Okklusionsschiene) nimmt der Zahnarzt einen Abdruck der oberen und unteren Zahnreihe des Patienten und stellt ein Modell sowie ein Registrat her, um den Zusammenbiss der Zahnreihen zu kennzeichnen. Das ist die Grundlage der Okklusionsschiene für eine der Zahnreihen, die genau an die 2. Zahnreihe angepasst sein muss. Die Schiene muss gut und fest sitzen (Retention) und darf sich während des Gebrauchs nicht verändern, damit die Anpassung an die 2. Zahnreihe (Okklusion) erhalten bleibt. Es stehen Schienen entweder aus Kunststoffpulver und -flüssigkeit her (Heiß- oder Kaltpolymerisation) oder aus erwärmter Kunststofffolie (thermoplastisches Verfahren) zur Verfügung.
adjustiert, Aufbiss, Bisshebung, Äquilibrierungsschiene, CMD, Bruxismus, Fixierungsschiene, Interzeptor, Kieferrelationsrekonstruktion, Knirschen, Michigan-Schiene, Miniplast-Schiene, Myoarthropathien, NTI-TSS, Okklusion, Pivotschiene, Repositionierungsschiene, Stabilisierungsschiene, TMD
Schienenscript, ©: Uni-Greifswald - OA Dr. Olaf Bernhardt Dr. Bernd Schwahn

 





Miniplast-Schiene;
geringe kosmetische und funktionelle  Beeinträchtigung

 

 

 

Aufbisstest
engl.: occlusal test; diagnostisches Verfahren bei Verdacht auf eine Zahn-Infraktion: man lässt den Pat. auf einen festen Gegenstand (Plastik. Watterollen, Holz, Gummi) beißen und beobachtet etwaige Schmerzreaktionen.

Aufbisstupfer
engl.: bite or pressure sponge or swab; etwa wallnussgroßer Gazetupfer, der nach einer Zahnentfernung auf die Extraktionswunde gelegt wird, und man anschließend den Patienten fest darauf für 30-60 Minuten beißen lässt. Dieser schützt den lokalen Gerinnungsvorgang, die Ausbildung eines stabilen Koagulum und verhindert ein Eindringen von Speichel oder anderen Bestandteilen der Mundhöhle.
Blutgerinnungsstörungen, Drucktamponade, Wundinfektion

Aufbrennen, engl.: baking (on(to) metal); Metallkeramik

Aufhellung
engl.: (trans)lucency, translucence; Begriff aus der Röntgentechnik: Vom Namen her irreführend (
stammt noch aus einer Zeit, wo die Röntgenbefunde als positive Bilder betrachtet wurden), ist dies auf einer Röntgenaufnahme ein Gebiet, welches dunkler ("belichteter") als die Umgebung erscheint.
Opazität, Restschatten, Röntgenfilm, Verschattung

Aufklappung
engl.: (mucoperiosteal flap) operation o. reflection; Schlagwortbezeichnung für die kieferchirurgische Ablösung eines Muko-Periostlappens von seiner knöchernen Unterlage. Vorbereitende Maßnahme im Rahmen einer Osteotomie
Wurzel-Enukleation

Aufklärung
Aufklärungspflicht, engl.: patient education, patient information; duty to inform patient; rechtliche und auch ethische ärztliche Verpflichtung vor Beginn einer Behandlung ("prätherapeutische Aufklärung"). Unterteilung in:
Selbstbestimmungsaufklärung - Eingriffsaufklärung: A. über den vorgesehenen Eingriff mit den Vor- und Nachteilen bzw. Alternativen (sog. "Eingriffsaufklärung"). Der Pat. entscheidet dann für sich, ob er diesen Eingriff durchführen lassen will oder nicht.
An die Eingriffsaufklärung werden besonders bei kosmetischen Behandlungen (z.B. Bleaching) strenge Maßstäbe gesetzt nach dem Merksatz: "Über das "Für" und "Wider" ist schonungslos (vorbehaltlos, mit all den damit verbundenen Nachteilen) sowie über die entstehenden Kosten (wirtschaftliche Aufklärung) ausführlich aufzuklären"
Diagnoseaufklärung: verständliche A. über die vom Arzt gestellte Diagnose und der sich daraus ergebenden (Behandlungs-)Konsequenzen. Vorsicht bei unsicheren oder infausten Diagnosen.
Verlaufsaufklärung: A. über Art, Umfang und Durchführung des beabsichtigten Eingriffs mit Komplikationen ("Risikoaufklärung") und Erfolgsaussichten; auf Folgen, die eintreten können, wenn der Eingriff nicht durchgeführt wird
Wirtschaftliche Aufklärung (s.u.)
Sicherungsaufklärung - (post)therapeutische Aufklärung: Hinweise auf entsprechendes Verhalten zur Unterstützung des Heilungsprozesses (z.B. richtige Mundpflege); eingeschränkte Verkehrsfähigkeit bei Einnahme bestimmter Medikamente.
telefonische Aufklärung: diese sieht der BGH (BGH, Urt. vom 15. Juni 2010 – VI ZR 204/09) unter gewissen Voraussetzungen für zulässig: so muss z.B. vorher diesem Weg von Seiten des Pat. zugestimmt worden sein und es muss sich um einen "einfachen Eingriff" handeln. Wegen der "schwammigen" Formulierung bleibt größte Vorsicht bei einer ausschl. telef. Aufklärung bestehen (s.a. http://www.zwp-online.info/) .
der deutschen Sprache nicht mächtige Patienten
Alles verstanden? Zur Aufklärung bei Verständigungsproblemen

Ohne entsprechende A. kommt kein rechtsverbindlicher Behandlungsvertrag ( Dienstvertrag) zu Stande - Juristen sehen den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt; ausgenommen davon sind dringende Notfälle. Obwohl juristisch vom Umfang und Grad nur schwammig formuliert, werden strenge Maßstäbe an eine A. gelegt. So muss vom Zahnarzt "im Großen und Ganzen" über die wesentlichen Teile der vorgesehenen Behandlung informiert werden und über typische Risiken (lässt sich häufig nicht definieren, da Medizin keine Naturwissenschaft ist) aufgeklärt werden, ohne dabei zu "dramatisieren". Weiter wird gesagt, dass das Maß der Genauigkeit, mit der aufgeklärt werden muss, im umgekehrten Verhältnis zu dem Maß der Dringlichkeit steht, mit der eine Behandlung indiziert ist. Dies gilt besonders für Eingriffe, die in den kosmetisch/ästhetischen Bereich fallen.
Über den Zeitpunkt der A. gibt es keine verbindlichen Vorgaben. Juristen fordern, dass diese rechtzeitig zu erfolgen habe, damit der Patient Gelegenheit habe, für sich selbst in Ruhe die Vor- und Nachteile des geplanten Eingriffs abzuwägen. Bei normalen zahnärztlichen Eingriffen dürfte die A. am Tage des Eingriffs grundsätzlich ausreichend sein. Bei größeren, risikobehafteten Eingriffen sollte diese Zeit verlängert werden ("in Ruhe darüber schlafen").
Bei Minderjährigen ist die Einwilligung zum Eingriff im Regelfall - dies besonders dann, wenn kein Notfall vorliegt - von den Eltern oder deren Beauftragten einzuholen ( Geschäftsfähigkeit). Jugendliche haben ab einem gewissen Alter, je nach Reife und Verständigungsgrad, eine eigene Befugnis zur Einwilligung, dann nämlich, wenn sie "hinreichend gereift" sind, um die Bedeutung und Tragweite des Eingriffes und seiner Gestattung selbst ermessen zu können. In jedem Fall sind auch Kinder und Jugendliche in groben Zügen über den vorgesehen Eingriff und dessen Verlauf zu informieren. Bei jungen Patienten lauern juristische Fallstricke
Reine Formularaufklärungen - ohne ausführliches ärztliches Gespräch -  sind juristisch wertlos; allerdings wird andererseits auch dem Patienten abverlangt, dass er seine Nachfragepflicht ausgeübt hat. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ein persönliches Arzt-Patienten-Gespräch zur A. nicht durch Merkblätter ersetzt werden kann (Urteil vom 15.02.2000 - Az.: VI ZR 48/99).
Eine weitere Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH; 15.2.2000; Az.: VI ZR 48/99) besagt: Verwirklicht sich ein Risiko, über das der Patient aufgeklärt worden ist, spielt es regelmäßig keine Rolle, ob daneben auch andere Risiken, die nicht eingetreten sind, der A. bedürften. Verwirklicht sich hingegen ein zweites aufklärungspflichtiges Risiko, über das der Patient nicht aufgeklärt worden ist, haftet der Arzt für beide Risiken, also auch für das Risiko, über das er aufgeklärt hat.
Weiter gelten seit 1. August 2002 verschärften Regeln für die Haftung des Zahnarztes bei Schmerzensgeldansprüchen. Bis dahin wurde in „deliktische Haftung“, „verschuldensabhängige Gefährdungshaftung“ und „Vertragshaftung“ unterschieden. Schmerzensgeld wurde meist nur im Rahmen der „deliktischen Haftung“ ausgesprochen. Der Zahnarzt musste schuldhaft - das heißt fahrlässig oder vorsätzlich – einen Behandlungsfehler begangen haben, der zu einem Schaden beim Patienten geführt hat. Bei der „verschuldensunabhängigen Gefährdungshaftung“ kommt es jetzt nicht darauf an, ob ein Verschulden des Zahnarztes vorliegt oder nicht. Der zusätzlichen „Vertragshaftung“ liegen Sorgfaltspflichten zugrunde, die sich aus dem Behandlungsvertrag ergeben. Auch hier gab es bisher in der Regel keinen gesetzlichen Anspruch auf Schmerzensgeld. Das hat sich seit 2002 ebenfalls geändert.
Zur wirtschaftlichen Aufklärung erklärt das OLG Köln (5 U 144/04):
"Die Pflicht zu wirtschaftlicher Aufklärung umfasst nicht die Aufgabe, anstelle des Patienten zu klären, ob und in welchem Umfang der Versicherer eintritt und demnach Kosten beim Patienten verbleiben. Der Arzt bzw. Zahnarzt ist nicht verpflichtet, von sich aus Details des Versicherungsschutzes eines Patienten zu erfragen. Es ist auch nicht grundsätzlich Pflicht des Arztes abzuwarten, bis die Frage der Kosten zwischen Patient und Versicherer geklärt ist. Aufklären muss der Arzt bzw. Zahnarzt nur über die anfallenden Kosten, hier durch Erstellen eines Heil- und Kostenplanes... . Wenn zu befürchten ist, dass der Patient selbst Kosten zu tragen hat (was bei Implantatbehandlung regelmäßig der Fall sein dürfte), besteht ferner eine entsprechende Hinweispflicht des Arztes jedenfalls dann, wenn Fehlvorstellungen des Patienten erkennbar sind. Insgesamt beurteilt sich die Pflicht zu wirtschaftlicher Aufklärung nach den Einzelfallumständen (so zuletzt Senat im Urteil vom 17.11.2004 - 5 U 44/04). Allerdings verhält sich ein Arzt/Zahnarzt fehlerhaft, wenn er quasi "ins Blaue hinein" Auskünfte zur Frage der Erstattungsfähigkeit von bestimmten Kosten abgibt, ohne dass dies auf einer sorgfältigen Abklärung der individuellen Situation des Patienten beruht. Der Arzt/Zahnarzt ist aus Sicht des Patienten auch in versicherungstechnischen Dingen (in Grenzen) Fachmann. Er wird häufig recht gut einschätzen können, ob bestimmte Kosten von einer privaten Versicherung getragen werden oder nicht, und zwar möglicherweise besser als der Patient selbst, der bestimmte kostenträchtige Behandlungen nur einmal im Leben vornehmen wird. Gibt ein Arzt/Zahnarzt eine persönliche Einschätzung zur Kostenerstattung ab, stellt er sie gar als gesicherte Erfahrung oder Erkenntnis hin, muss er damit rechnen, dass der Patient sich auf ihn verlässt. Eine Auskunft muss daher entweder richtig sein oder unterbleiben..."
Nicht nur bei gesetzlich versicherten Patienten ist auch über die Behandlungsmethoden (Behandlungsalternativen mit vergleichbaren Erfolgsaussichten aber unterschiedlichen Risiken) aufzuklären, welche nicht zum Leistungskatalog der Krankenkasse gehören (Alternativaufklärung). Erfolgt dies nicht, liegt keine gültige Einwilligung der Patienten in einen medizinischen Eingriff vor. Damit kommt grundsätzlich die Haftung der Ärzte für den Eingriff und seine Folgen in Betracht.
Richter stellen hohe Ansprüche an die A. . So kann die Verwendung einer nickelhaltigen Brücke dann ein ärztlicher Kunstfehler sein, wenn der Verdacht einer Nickelallergie vom Zahnarzt nicht abgeklärt wird (OLG Bremen, 2001, Az: 3 U 28/00). Der Zahnarzt sollte bei der Versorgung dem Patienten mit Zahnersatz den sichersten Weg wählen und eine nickelfreie Brücke anraten, die der Patient unter Umständen selbst zahlen muss. Der Patient kann dann immer noch ablehnen, aber ansonsten verletzt der Zahnarzt seine therapeutischen Aufklärungspflichten.
Die gerichtliche Unsicherheit bei der A. schlägt sich auch im nachfolgenden Urteil wieder: Ein Schuldspruch des Oberlandesgerichts Koblenz besagt, dass Zahnärzte ihre Patienten auch über äußerst seltene Behandlungsrisiken aufklären müssen, wenn auf Dauer erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Der Patient wollte sich den Angaben zufolge in einem Backenzahn eine Füllung erneuern lassen. Der behandelnde Zahnarzt gab ihm eine Spritze, ohne den Patienten zuvor darüber aufzuklären, dass dadurch das geringe Risiko einer taub bleibenden Zunge bestehe. Im Fall des Klägers trat genau dies ein. Zu seiner Rechtfertigung gab der Zahnarzt später an, er habe auf die Aufklärung verzichtet, da dieses Risiko äußerst selten sei. Dem Oberlandesgericht genügte diese Entschuldigung nicht. Rechtlich betrachtet sei wegen der unterbliebenen Aufklärung die Einwilligung des Patienten in die Behandlung unwirksam, so das Oberlandesgericht Koblenz. Dies habe zur Folge, dass die gesamte Behandlung rechtswidrig sei und der Zahnarzt daher außer dem Schadenersatz auch zur Zahlung von Schmerzensgeld verpflichtet sei, heißt es zur Begründung. Oberlandesgerichts Koblenz, Aktenzeichen: 5 U 41/03.
In einem Urteil mit Leitliniencharakter entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass eine "Verletzung der Pflicht des behandelnden Arztes zur therapeutischen Aufklärung (Sicherungsaufklärung), die als grober Behandlungsfehler zu werten ist, regelmäßig zu einer Umkehr der objektiven Beweislast führt" (Az.: VI ZR 328/03, Urteil vom 16.11.2004). Im vorliegenden Fall hatte ein Patient den Bereitschaftsdienst einer Augenärztin aufgesucht. Die durchgeführten Untersuchungen führten zu der Diagnose, dass eine beginnende Glaskörper-Abhebung vorlag, was mit einem "vergleichsweise geringen Risiko einer Netzhautablösung" (Gerichtssachverständiger) verbunden ist. Eine Aufklärung über die Diagnose und über die Notwendigkeit von Nachuntersuchungen erfolgte nicht. Genau diese Netzhautablösung trat aber bei dem Kläger ein, obwohl sich die Symptomatik in der Zeit nach der Untersuchung im Notdienst weder ausgeweitet noch verschlimmert hatte. Strittig war nun die Frage, ob dem Patienten Schadensersatz und Schmerzensgeld zusteht. Der VI. Zivilsenat des BGH verpflichtete die Augenärztin, ihrem Notdienstpatienten alle "bisher und künftig entstehenden materiellen und künftig entstehenden immateriellen Schäden zu ersetzen". Die BGH-Richter werteten die fehlende therapeutische Aufklärung darüber, dass der Patient bei fortschreitenden Symptomen sofort hätte einen Augenarzt konsultieren müssen, als "groben Behandlungsfehler". Dies wiederum führe automatisch zur Umkehr der Beweislast. Unerheblich sei dabei die Frage, ob das rechtzeitige Aufsuchen eines Facharztes überhaupt die aufgetretene Netzhautablösung hätte verhindern können.
Ästhetische (kosmetische) Zahnmedizin, Behandlung, Behandlungsfehler, Beratung, Beweislast, Dokumentation, Haftung, Körperverletzung, Leitungsanästhesie, Patientenrechtegesetz (PatRG), Therapiefreiheit
Patientenaufklärung – Rechte, Pflichten und Möglichkeiten (DZW, 2016)
Patientenaufklärung und Patienteneinwilligung (zm, 2014)
Checkliste „Aufklärungsgespräch mit Formularen“
Alles verstanden? Zur Aufklärung bei Verständigungsproblemen
BGH-Urteil zur Aufklärungspflicht - Zwei Sätze weisen die Richtung (2013)
Bei jungen Patienten lauern juristische Fallstricke

Auflage
Kauflächenauflage, Okklusalauflage, engl.: occlusal rest; zur Abstützung eines Zahnersatzes ("abgestützte Prothese") gebrauchter Teil einer Klammer, welcher der Kaufläche aufliegt. So ist eine direkte Kraftübertragung auf das Parodontium möglich, und die Teilprothese wird vor einem Absinken bewahrt. Befinden sich an der Klammer auch noch Halteelemente (Klammerarme), so spricht man von einer Auflageklammer. Um durch eine A. keine Störung in der Okklusion zu bewirken, ist meist das Präparieren einer Auflagemulde erforderlich.
Abstützelemente, Abstützung, Klammer, Prothese-abgestützte, Stützelement,


Stützfeld



Stützlinie

Auflageachse ; Stützfeld

Auflagerungsosteoplastik ; engl.: onlay block grafting Einlagerungsosteoplastik

Aufsichtsbehörde engl.: regulatory body / authority; Körperschaft

aufsteigender Ast
aufsteigender Unterkieferast, Ramus mandibulae; Schlagwortbezeichnung für den hinteren, zur Schädelbasis hin "aufsteigenden" Teil des Unterkiefers; er beginnt am Kieferwinkel und endet mit dem Muskel- und Gelenkfortsatz (Processus coronoideus u. Processus condylaris.
Mandibula

Aufstellung , Zahnaufstellung; engl.: arrangement (of prosthetic teeth), Set-up; Jargonbezeichnung für eine Wachsaufstellung

Aufstiegsfortbildung
engl.: advancement education (training); Eine bundesweite Übersicht über die einzelnen Aufstiegsfortbildungs-Möglichkeiten enthält nebenstehende Grafik © ZM; Quelle: Bundeszahnärztekammer, 2004)
Fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte, Betriebswirt, Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen
Fernlehrgang: Aufstiegsfortbildung Zahnmedizinische/r Verwaltungsassistent/in (ZMV)
ZFA-Statistik 2013 - Ausbildung nahe am Versorgungsalltag

 


Aufwachstechnik
"Aufwachsen", korrekt: sequentielle Aufwachstechnik zur Rehabilitation von Kauflächen, engl.: waxing-up technique; Beschreibung für den labormäßigen, systematischen Wiederaufbau der Kaufläche von präparierten Zähnen (Rekonstruktion) durch Inlays, Kronen o. Brückenzwischenglieder. Ziel ist die Wiederherstellung einer funktionell-anatomischen Zahnkronenform. Dabei baut die A. einzelne Teile der Kaufläche auf dem Modell in einem teil- oder volljustierbaren Artikulator durch Auftropfen von Wachs nach funktionalen Vorgaben in einer festgelegten Reihenfolge auf: Erst die zentralen Höckeranteile bis zur Höckerspitze (Höckerkegel), danach die Höckerabhänge und Randleisten mit ihren Okklusionskontakten.
  ABC-Kontakte, diagnostisches Aufwachsen, Fischer-Winkel, okklusaler Kompass, Metakonus, PKT-Instrument, Rekonstruktion, Tripodisierung
Sehr ausführliches Skript (Uni Tübingen, 2,7 MB), © Uni Tübingen


"aufgewachste" Kauflächen im zahntechnischen
Labor

Aufzeichnungspflicht, engl.: record keeping duty; Dokumentation

Augenzahn
engl.: eye tooth; volkstümliche Bezeichnung für den oberen Eckzahn, da die Länge der Wurzel zuweilen bis dicht unter den Augenboden reichen kann. Ein sonstiger Bezug zum Auge besteht wissenschaftlich gesehen nicht, obwohl unter http://www.komzaz.ch/ ein zusätzlicher Zusammenhang behauptet wird.
Eckzahn

Augmentation
Augmentationsplastik, Auflagerungsplastik, Knochenaufbau, engl.: do.; plastisch-operative Vergrößerung eines Körperorgans, z.B. des Kieferknochens (= Knochenaugmentation); in der ZHK gebräuchlich für die Schaffung neuer oder die Wiederherstellung verloren gegangener Knochensubstanz. Einsatz im Rahmen von prothetischen oder implantologischen Maßnahmen. Versch. Verfahren sind bei Augmentationsplastiken gebräuchlich:

Andere Einteilungen unterscheiden in:
Einlagerungsosteoplastik in einen Hohlraum (Alveole, Sinus)
Interpositionsosteoplastik in einen Zwischenraum
Anlagerungsosteoplastik = horizontale Augmentation
Auflagerungsosteoplastik = vertikale Augmentation

      


Kieferkammdefekte werden wie folgt klassifiziert (s.a. Alveolarkammatrophie):

Wird körpereigener (autologer) Knochen bei einer A. benötigt, so entfernt man diesen heute wegen des Umfangs des Eingriffs nur noch selten aus dem Beckenkamm, sondern versucht eine Gewinnung aus der Kinn- oder Weisheitszahnregion.
Alveolarkammplastik,
Antibiotikaprophylaxe, CCARD, Distraktionsosteotomie, Genioplastik, Knochenersatzmaterialien, Osteoplastik, Periimplantitis, präprothetische Chirurgie, Prothesenunfähigkeit, PRP, Sinuslift, Tissue Engineering
aktueller Preisvergleich dentaler Knochenersatzmaterialien in Abhängigkeit von einem definierten Volumen (Stand 2012)
Bone Splitting und Bone Spreading als minimalinvasives Verfahren
http://web.tu-dresden.de/sorg/mkg/Dys.pdf

Aurikulo-Temporal-Punkt
Aurikulotemporalpunkt, engl.: auriculotemporal point; vor dem Ohr, in der Höhe des Jochbogens gelegener Druckpunkt, welcher bei Reizungen des Trigeminusnervs schmerzt. Trigeminusnerv

Ausarbeiten
engl.: working up; in der ZHK Schlagwortbezeichnung für das finale, gröbere Bearbeiten eines zahntechnischen Werkstückes bis zu dem Zustand, wo es poliert werden kann ("Ausarbeiten" und "Polieren") oder für die endgültige Formgebung einer Zahnfüllung

Ausbetten, Ausküvettieren, engl.: deflasking; Einbetten

Ausbildung , engl.: training, education; Erwerb der für einen Beruf erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten.
Approbation, Fortbildung
Fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte mit Qualitätsbezeichnung, postgraduale Qualifizierung (Master of ...), Tätigkeitsschwerpunkt, Weiterbildung

Ausblocken
unter sich gehender Stellen, Auswachsen, engl.: block out, wax out; in der ZHK und Zahntechnik Schlagwortbezeichnung für das Auffüllen von Bezirken oder Defekten, die nicht direkt einsehbar oder zugänglich sind (unter sich gehende Stellen) mittels Wachs, Zementen oder knetbarer Massen; I.d.R. zur Parallelisierung bzw. konischen Gestaltung einer Präparation vor Abdrucknahme oder eines Werkstückes ("Arbeitsmodell ausblocken").

Ausfallhonorar , engl.: loss fee; Termin, nicht eingehaltener

ausgelagerte Praxisräume
engl.: paged out consulting rooms (?); durch das
Vertragsarztrechtsänderungsgesetz neun in die Zulassungsverordnung (§ 24, 5 Zahnärzte-ZV) aufgenommener Begriff:
Werden spezielle Untersuchungs- und Behandlungsleistungen an weiteren Orten in räumlicher Nähe zum Vertragszahnarztsitz erbracht, ist dies der KZV unverzüglich anzuzeigen. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass in ausgelagerten Praxisräumen keine Sprechstunden abgehalten werden dürfen, woraus folgt, dass der Erstkontakt mit dem Patienten am Vertragszahnarztsitz stattfinden muss.

Ausgießen
engl.: mold, mould; in der ZHK und Zahntechnik Schlagwortbezeichnung für das (blasenfreie) Auffüllen eines Abdrucks mit einem festen Material, i.d.R. mit einem Gips oder Kunststoff

Ausgleichselement , engl.: balancing or compensating element Schubverteilungsarm, Torsionsbügel

Ausgleichsextraktion
engl.: balancing or compensating extraction; Entfernung von bleibenden Zähnen im Gegenkiefer als "Ausgleich" für das Fehlen einzelner Zähne, i.d.R. durch Nichtanlage bedingt.
Wird im gleichen Kiefer ein "Ausgleich" durchgeführt, so spricht man von einer symmetrischen Extraktion.
Extraktionstherapie, Reihenextraktion

Ausgleichszeit
engl.: balancing period, compensation time; Zeitspanne vom Erreichen der Arbeitstemperatur inm Innenraum eines Autoklaven oder Heißluftsterilisators außerhalb des Sterilisiergutes bis zum Erreichen der Sterilisiertemperatur an allen Stellen im Sterilisiergut. Die Ausgleichszeit ist abhängig von der gewählten Verpackung für das Sterilisiergut und der Art der Sterilisation (Dampf, Luft).
Hygiene, Sterilisation

Aushärten ; Vergüten

Auskultation
Abhorchen, engl.: auscultation; Abhörung von Körpergeräuschen mit dem Ohr oder einem Stethoskop. Auskultiert werden die physiologisch im Körper entstehenden Geräusche (Herz, Lunge, Darm, Magen, Kiefergelenk), um krankhafte Veränderungen oder einen Ausfall der Geräusche zu ermitteln. In der ZHK besonders zur Überprüfung des Kiefergelenks und zur (groben) Feststellung von Frühkontakten angewandt.
Diagnose, Funktionsanalyse, klinische, Inspektion, Untersuchung

Ausleitungstherapie nach Daunderer, "Amalgam-/Quecksilberausleitung"; Mobilisationstest

Auslenkung
engl.: (tooth) deflection; nicht lineare Zahnbewegung beim beim Einwirken einer definierten Kraft in eine der Kraft entgegengesetzte Richtung. Die A. gibt den Lockerungsgrad eines Zahnes an und kann (ungenau) manuell bestimmt oder mit speziellen Geräten gemessen werden (Periodontometrie).
Bedingt durch eine andere Verankerung im Knochen als ein natürlicher Zahn ( Sharpey Fasern) ist das Auslenkungsverhalten bei Implantaten (sog.  Implantatkinematik) geringer und linear.
Deflexion, Periodontometrie, Resonanzfrequenzanalyse, Zahnbeweglichkeit

Außenbogen , Headgear

Außenstand , engl.: lateral position (displacement); Innenstand

Außenteleskop, engl.: telescopic crown; Teleskopkrone

Außenventil , engl.: external valve; Anlagerung der Mundschleimhaut an eine Prothese; Innenventil, Umschlagsfalte, Ventilrand

australischer Draht , engl.: Australian wire; kieferorthopädischer Edelstahldraht in versch. Stärken mit einer sehr guten "Steifheit"; Multibandtechnik

Auszubildende
Zahnmedizinische Fachhelferin, AZUBI, engl.: trainee; staatlich anerkannter Ausbildungsberuf mit einer i.d.R. dreijährigen Ausbildungszeit; in D im sog. "Dualen System" mit Pflichtbesuch einer Gewerbeschule und dem Führen eines Berichtsheftes; Zwischen- und Abschlussprüfung durch die zuständige Zahnärztekammer. Von 10.617 ZA-Auszubildenden, die 2014 ein Lehrverhältnis abschlossen, waren 144 männliche Personen.
© LZK-B.W.

Aut-Idem-Regelung
lat. "oder das Gleiche"; Begriff aus der gesetzlichen Krankenversicherung um die Ausgaben für Arzneimittel (Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz (AABG), "Arzneimittelsparpaket"). Danach können Ärzte nicht mehr bestimmte Präparate (Handelsnamen), sondern nur noch Wirkstoffe verschreiben; die Auswahl des jeweiligen Präparates bleibt dann dem Apotheker unter finanziellen Aspekten vorbehalten. Die Präparate müssen identisch sein, was den Wirkstoff, was die Wirkstärke, was die Darreichungsform und was die Packungsgröße angeht. Als preisgünstig gilt ein Arzneimittel, dessen Preis im unteren Drittel der Spanne zwischen dem Durchschnitt der drei niedrigsten Preise und dem Durchschnitt der drei höchsten Preise liegt.
Apothekenspanne

Autoimmunerkrankungen
auch Autoagressionserkrankungen, engl.: autoimmune disease; Angriff des Immunsystems auf körpereigene Stoffe/Zellen (sog. Autoagression durch autoreaktive Zellen wie z.B. B- und T-Zellen); das Immunsystem kann dabei "Eigen" von "Fremd" nicht mehr unterscheiden und so u.U. schwere Selbstzerstörungsprozesse verursachen. Als Ursache der fehlgerichteten Immunreaktion werden entsprechende genetische Anlagen in Kombination mit Umweltfaktoren vermutet. Verantwortlich für den Angriff sind dann in erster Linie für die Immunabwehr wichtige Abwehrfaktoren, die T-Zellen. Im gesunden Körper werden sie, wenn sie auf körpereigene Strukturen reagieren, in der Thymusdrüse vernichtet. Weiter findet im gesunden Körper in den Lymphknoten und der Milz beständig eine Art Qualitätskontrolle statt, die sicherstellt, dass keine Abwehrreaktion gegen körpereigene Strukturen entsteht.
Man unterscheidet organspezifische A., bei denen nur die Zellen des betreffenden Körperteils angegriffen werden (z.B. Zahnhalteapparat, Bauchspeicheldrüse, Nebenniere, Niere, Schilddrüse) von denen den gesamten Organismus befallenden A. - bekanntester Formenkreis sind hier viele rheumatische Erkrankungen.
Allergie, Immunsystem, Lichen ruber planus, Pemphigus, Sialadenitis

Autoklav
Dampfsterilisator, engl.: do. or sterilizer; druckfester, heizbarer Behälter; der Inhalt (Instrumente, Operationsmaterialien) wird durch Erhitzung unter Druck von destilliertem Wasser auf eine Temperatur zwischen 120° und 140° C gebracht (= gespannter Wasserdampf mit 1 oder 2,2 bar), z.B. 15 Minuten lang bei 121° C. Dadurch werden alle medizinisch relevanten Keime abgetötet ( Sterilisation) und eine Keimfreiheit (auch von sehr resistenten Sporen) der darin enthaltenen Instrumente bewirkt. Um einer Luftkontamination vorzubeugen, werden die Instrumente i.d.R. vor dem Sterilisationsvorgang in eine luftdichte Sterilisationsfolie (Papier-Plastik-Kombination) eingeschweißt ("eingesiegelt") und darin bis zum Gebrauch aufbewahrt. A. sind nach dem Medizinproduktegesetz "medizinische Vorrichtungen" der Klasse 2a.
Ausgleichszeit, Heißluftsterilisation, Hygiene, Kaltsterilisation, Sterilisation, Sterilität, Strahlensterilisation
19 verschiedene Autoklaven im Vergleich (2010)
MELAG - Mustervalidierung

Automaton
Watterollenhalter
, mechanisches Gerät zum automatischen Halten der zum relativen Trockenlegen gebrauchten Watterollen im Unterkiefer und zum Abhalten der Zunge; im Rahmen der "Vier-Hand-Technik" nur noch wenig gebräuchlich.

Automatrix , halterloses Matrizensystem, welches mit einem Spezialinstrument am Zahnbefestigt wird; http://www.dentsply.com

Autonosoden ; dent-Nosode

Autoplastik
engl.: autoplasty; Ersetzen von fehlendem Gewebe (z.B. Kieferknochen, Zahnfleisch) durch Entnahme ähnlichen Gewebes von einer anderen Körperstelle bei der selben Person.
Autotransplantation, Knochenersatzmaterialien

Autotransplantation
Autotransplantat, engl.: do., autoplastic graft; Verpflanzung von körpereigenem Gewebe. In der ZHK im Gegensatz zur Autoplastik gebraucht für das Verpflanzen eigener Zähne an die gleiche Stelle (sehr selten, z.B. nach einer Wurzelkanalbehandlung außerhalb des Mundes) oder an eine andere Stelle. Typisches Beispiel ist der nicht erhaltungswürdige Sechs-Jahr-Molar, welcher entfernt und an seine Stelle ein intakter Weisheitszahn gesetzt wird. Da keine Revaskularisation der Pulpa zu erwarten ist, muss im Anschluss an die Transplantation eine Wurzelkanalbehandlung erfolgen. Andere Methoden führen diese Behandlung vor dem Wiedereinsetzen außerhalb des Mundes durch.
In der Literatur wird die durchschnittliche 4-Jahres-Überlebensrate mit 81,4% angegeben. Ausschlaggebend für den Erfolg ist neben der Art der transplantierten Zähne (Prämolaren erweisen sich günstiger als Molaren) auch die Wurzellänge zum Zeitpunkt der A. Diese Zahlen sprechen dafür, eine A. als kostengünstige Alternative zu prothetischer und implantologischer Versorgung bei Verlust einzelner Zähne, insbesondere wenn der Eingriff kurz nach Verlust eines Zahnes durchgeführt wird, in Erwägung zu ziehen.
Ankylodontie, Autoplastik, Knochenersatzmaterialien, Replantation, Trans-Replantation, Zahnkeimtransplantation

Autovakzine
Totimpfstoff, engl.: autovaccine; vom erkrankten Individuum selbst hergestellter Impfstoff, welcher - aus der Infektionsquelle stammend (z.B. einem Eiterherd) und entsprechend aufbereitet - wieder zur Bekämpfung der Erkrankung eingeimpft wird: Der Erreger wird aus dem Infektionsherd entnommen, angezüchtet und schonend abgetötet; der Totimpfstoff wird dem erkrankten Patienten per Injektion wieder verabreicht.
Aus der westlichen Humanmedizin hat sich die Autovakzinierung fast vollständig verabschiedet. Regelmäßig wird sie nur noch in osteuropäischen Ländern praktiziert, überwiegend zur Behandlung von Infektionen mit dem Bakterium Staphylococcus aureus, das u.a. schwere chronische Hautinfektionen hervorrufen kann, etwa eine Furunkulose.
Individuelle Autovakzinen kommen dann zum Einsatz, wenn eine chronische Infektion nicht beherrschbar ist. Das Immunsystem wird gezielt gegen den auslösenden Erreger sensibilisiert, und kann
bestehenden Infektionen, z. B. als Furunkel, Abszesse oder eitrige Pickel, positiv beeinflussen bzw. weitere Infektionen verhindern. Der genaue Mechanismus dieser Immunreaktion ist unbekannt.
Unter dem Eindruck einer zunehmenden Antibiotikaresistenz wird ein verstärkter Einsatz - so wie in der Tiermedizin schon häufiger praktiziert - weiter erforscht.
Kariesimpfung

avital , ohne Leben, engl.: do.; devital

Avulsion
vollständige Zahnluxation, Eluxation , engl.: do.; vollständige Herauslösung des Zahnes aus seinem Fach (Alveole), wenn nicht zahnärztlich veranlasst (= Extraktion), meist unfallbedingt. Die A. führt zu einer kompletten Durchtrennung der Fasern des Zahnhalteapparates und schließt eine knöcherne Schädigung des Zahnfachs und ein Abriss des Zahnnervs (Abriss des Pulpastrangs) am Apex ein. Durch Replantation des Zahnes kann versucht werden, den weiteren Zahnerhalt im Gebiss zu ermöglichen. Welche Langzeitprognosen dabei erzielt werden können, hängt von verschiedenen Parametern ab: Bei zunehmender Schädigung der Wurzelhaut ( Desmodont) steigt die Wahrscheinlichkeit für Wurzelresorptionen, die gerade im Zusammenspiel mit starker Keimbesiedlung mitunter innerhalb von wenigen Monaten zur vollständigen Zerstörung der Wurzel und somit Verlust des Zahnes führen können. Entscheidend für die Langfristigkeit des Replantationserfolges ist eine hohe Überlebensrate zementbildender Zellen auf der Wurzeloberfläche. Daher ist es wichtig, ein Austrocknen des parodontalen Apparates des avulsierten Zahnes zu vermeiden. Als Transportmedien haben sich speziell erstellte, in Apotheken erhältliche Flüssigkeiten (z.B. Dentosafe, Lagerung über 24 h möglich) bewährt. Alternativ können auch in absteigender Tauglichkeit: kalte H-Milch, physiologische NaCl-Lösung, Speichel (obwohl stark mit Bakterien behaftet) oder Leitungswasser (nur für kurze Zeit) verwendet werden.
Die Chancen für einen langfristigen Erfolg steigen mit kurzer Verweildauer des Zahnes in einem geeignetem Transportmedium, kurzer Schienungsphase und rechtzeitiger Wurzelkanalbehandlung. Bei Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum liegt die Überlebensrate für fünf Jahre bei 75%, für zehn Jahre bei 55%. Bei Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum liegen die Quoten rund 10% niedriger.
Bis zu 35% aller Kinder und Jugendlichen erleiden in Europa ein traumatische Zahnverletzung im bleibenden Gebiss. Allerdings kommt es dabei nur in einigen Fällen zur vollständigen Herauslösung des Zahnes aus seiner Alveole.
Intrusion, Konkussion, Replantation, Titan-Trauma-Schiene (TTS), traumatische Zahnverletzungen, Wurzelresorption
Luxation und Avulsion – extraoral behandelt

 

 


axial , engl.: do.; in Richtung der (anatomischen) Zahnachse; Zahnflächen

Axiographie , Achsiographie, Pantographie

Axonotmesis
engl.: do.; traumatische, i.d.R. reversible Nervenquetschung mit Degeneration der Axone unter Beibehaltung der Kontinuität der Nervenhüllen. Führt zu lang dauernden (über Wochen) Leitfähigkeitsstörungen.
Nerv, Nervenschädigung, Neurotmesis

Ayurveda
zu den alternativen Behandlungsmethoden gehörende Therapie. Kernpunkt der A.-Lehre sind die drei Urkräfte - auch "Doshas" genannt - Vata, Pitta und Kapha. Vata steht für Aktivität, Pitta für Kontrolle und Kapha für stabile Strukturen. Für die Gesundheit der Menschen ist der Lehre nach wichtig, diese Kräfte in der Balance zu halten.
Wenn auch von der Schulmedizin häufig angegriffen - keine Wirksamkeitsbelege, zuviel Esoterik - so zeigen doch wissenschaftliche Untersuchungen (Naturheilkunde-Abteilung der FU Berlin), dass sich die Dosha-Lehre durchaus mit Erklärungsansätzen der modernen Psychosomatik verträgt. Man könne mit A., so die Berliner Forscher, "zu sinnvollen Aussagen kommen", was die psychischen und körperlichen Merkmale eines Menschen angeht.
alternative Behandlungsmethoden, Schulmedizin

AZ , medizinische Kurzbezeichnung für Allgemeinzustand (engl.: general condition (of health); GC)

Aa-Am

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]    [ Anfragen ]
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