diese Übersetzung kann entstellend oder falsch sein!

Die tägliche Zahnpflege / Mundhygiene
(teilw. überarbeitet 2016)

  Inhalte dieser Seite:                    

  Einführung
  Zahnputztechniken
  Zahnpasta
  Hand-Zahnbürste
  elektrische Zahnbürste
  Schallzahnbürsten
  Hand oder Elektrisch?
  Infektionsrisiko von Zahnbürsten
  Wann sollte ein Zahnbürstenwechsel erfolgen?
  Zahnzwischenraumbürste
  Zahnseide
  medizinische Zahnhölzer ("Zahnstocher")
 
Mundduschen

  Zahnpflege unterwegs
  Mundhygiene bei einer Regulierung
  Ratgeber betagte Menschen u. Behinderungen
  Kaugummi   
  Mundspüllösungen/Mundwässer
  Zungenbürsten, Zungenschaber 
  Färbetabletten
  Pflege/Reinigung der "Dritten" Zähne"
  Mundgeruch / "Fahne"
  Kaffee-, Nikotin- u. Raucherbeläge
  Professionelle Zahnreinigung
 
Wie sieht die tägliche Zahnpflege
    bei den Deutschen aus?

 
Glossar der Grundbegriffe (Fremdlink)
  Video : Zahnpflege (mit Zahnbürsttechniken,
Fremdlink)

  Tipps für Ihr schönstes Lächeln (Women's Health, 2011)

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Mundhygiene dient zur Vorbeugung von Erkrankungen innerhalb der Mundhöhle sowie der Unterstützung des Therapieerfolges zahnärztlicher Behandlungsmaßnahmen. Dabei ist die mechanische Reinigung ("Belagskontrolle") mit entsprechenden Hilfsmitteln durch keine andere Maßnahme zu ersetzen.

Für die Mundpflege inklusive Zahnbürsten geben die Bundesbürger pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro aus. Fast die Hälfte davon entfällt auf Zahnpasten. 69 Prozent der Bundesbürger putzen nach eigener Auskunft wenigstens zweimal am Tag die Zähne, weitere 25 immerhin einmal. Trotzdem leiden fast alle an Karies und ein großer Prozentsatz an "Parodontose". Dies erlaubt den Schluss, dass entweder die Selbsteinschätzungen über eine richtige Mundhygiene nicht stimmen oder eine falsche Zahnputztechnik ausgeübt wird oder das Ernährungsverhalten falsch ist.

Ein zu häufiges, aggressives Zähneputzen kann das Auftreten von nicht-kariesbedingten Zahnschäden, z. B. in Form von Abrasionen oder Erosionen, begünstigen. Deshalb empfiehlt die American Dental Association (ADA) lediglich eine zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen bis mittelharten Zahnbürste.
Weiter wird ein zweiminütiges Bürsten mit einem Druck von 150 Gramm, was dem Gewicht einer Orange entspricht (Anpressdruck auf einer Küchenwaage testen!) angeraten, da bestehender Zahnbelag nach mehr als zwei Minuten Putzen und einem Druck von mehr als 150 Gramm nicht mehr geringer wird; dafür treten u.U. Schäden am Zahnschmelz und an
freiliegenden Zahnhälsen
auf.

 
Laut einer Umfrage bei niedergelassenen Zahnärzten glaubt der Großteil der Bevölkerung, je länger und fester die Zähen geputzt würden, umso besser stünde es um die Mundhygiene - eine irrige Annahme!

  Zur regelmäßigen und effektiven Entfernung krankmachender Zahnbeläge gibt es verschiedene Hilfsmittel:
 
Zahnbürsten (elektrische, Handzahnbürsten)
 
Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume (z.B. Bürstchen, Zahnseide)
 
Chemische Maßnahmen (z.B. Mundspüllösungen).

Auch unter Experten ist die "richtige Mundhygiene" umstritten. Derzeit herrscht diese Auffassung vor: Man nehme eine Zahnbürste mit gerundeten, nicht zu harten Kunststoffborsten und eine Zahncreme ohne "Weißmacher", aber mit Fluoridzusatz. Diese verteile man in sanften Kreisbewegungen auf den Zähnen. Dann spucke man aus, unterlasse jedoch ein gründliches Spülen, damit die Fluoride nachwirken können. Ergänzend ist Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen vor dem eigentlichen Zähneputzen sehr zu empfehlen, da von diesen Stellen aus viele Zahnfleischerkrankungen ihren Ursprung nehmen und dieser Bereich besonders kariesanfällig ist. Dieser Vorgang sollte zweimal am Tag für jeweils 2-3 (je nach Technik und Effektivität) Minuten erfolgen.

Die Kosten für die tägliche Vorsorge zu Hause betragen bei etwa acht Tuben Zahnpasta, vier bis sechs Zahnbürsten, 365 Verbrauchseinheiten Zahnseide und 52 Interdentalraumbürstchen ungefähr 73 bis 110 Euro pro Jahr. Dies sind umgerechnet rund 20 bis 30 Cent pro Tag – kein großer Aufwand, wenn man die Kosten für u.U. fälligen Zahnersatz bedenkt.

Das Angebot an Zahn- und Mundpflegemitteln ist fast unüberschaubar. Die Werbung preist die jeweiligen Firmenprodukte gern mit den laienwirksamen Zusätzen "klinisch getestet" bzw. "
unbedenklich" an - ohne damit viel über die eigentliche Wirkung auszusagen.
Die nachfolgende Zusammenstellung soll eine Hilfe bei der Auswahl der richtigen Hilfsmittel und Techniken sein.

Seit jeher gelten Zähne auch als ein Statussymbol. So sind nach einer Umfrage (Wort und Bild - Apotheken Umschau; 2012) "für 81,7 Prozent der Deutschen makellose Zähne "heutzutage auch ein Statussymbol" - für Frauen (85,8 Prozent) mehr als für Männer (77,4 Prozent). Für drei Viertel (76,2 Prozent) der Deutschen ist es "sehr wichtig", ein möglichst perfektes Gebiss zu haben. Ein strahlendes Lächeln wäre den meisten auch einiges wert: Fast zwei Drittel (65,3 Prozent) würden sogar andere größere Geldausgaben, zum Beispiel für einen Autokauf oder eine Urlaubsreise, zurückstellen, um die Kosten für einen notwendigen Zahnersatz aufzubringen. Nur einer Minderheit von 12,8 Prozent ist es ziemlich egal, wie die Zähne aussehen, Hauptsache sei, sie könnten damit gut und schmerzfrei kauen."


Es gibt verschiedene Zahnputztechniken als Reinigungsmethode beim Gebrauch der Handzahnbürste, welche sich im Ansetzen der Zahnbürste und in ihrer Bewegungsrichtung unterscheiden. Über den Vorzug dieser oder jener Methode gibt es unterschiedliche Auffassungen und Indikationen, ohne dass sich eine bestimmte Technik als allgemeingültig hat durchsetzen können:

Gemeinsam ist diesen Techniken, dass sie relativ schwer zu erlernen und auf Dauer richtig auszuüben sind. Deshalb wird heute vermehrt der Gebrauch von elektrischen Zahnbürsten empfohlen. Noch wichtiger als eine entsprechende Technik ist aber der regelmäßige Gebrauch der Zahnbürste. Damit alle Zahnbezirke gut gereinigt werden, sollte stets nach einem gleichen Schema vorgegangen werden:

  • Man beginnt im Oberkiefer rechts außen bei den hinteren Backenzähnen, reinigt dann die Außenseiten der Schneidezähne und Backenzähne der anderen Seite; dann ist auf dieses Vorgehen in gleicher Weise im Unterkiefer durchzuführen. Nach der gleichen Systematik werden anschließend die Innenflächen der Zähne gereinigt . Abschließend wird eine Reinigung aller Kauflächen der Backenzähne durchgeführt, wobei ausnahmsweise auch "schrubbende" Bewegungen erlaubt sind. Zur Kontrolle des Putzerfolges empfiehlt es sich hin und wieder, die Zähne nach dem Reinigen anzufärben, um so Schwachstellen in der Z. herauszufinden.
  • Die KAI-Methode:
    Nicht nur für Kinder ist auch die KAI-Methode zu empfehlen. Es werden zuerst die Kauflächen gebürstet, danach die Außenflächen und Innenflächen der Zähne gründlich gereinigt. Die Zähne sollten mit kleinen, kreisenden Bewegungen geputzt werden. Zur Reinigung der Außenflächen werden die Zähne aufeinander gebissen.
  • Bei richtiger Methode und Technik sind 2x täglich 2-3 Minuten genug - nach dem Essen versteht sich. Längere Putzbemühungen können eher schaden als Nutzen, und sie bringen vom Reinigungseffekt her nicht mehr. Kindern und auch vielen Erwachsenen ist eine Zahnputzuhr (z.B. eine Eieruhr; in Apotheken erhältlich) sehr zu empfehlen, da das Zeitgefühl im Badezimmer gern durcheinander gerät.
  • Zusätzliche Infos zu den einzelnen Zahnputztechniken (mit graphischer Ablauf-Darstellung) finden Sie unter:
    http://www.kfo-online.de/lexikon/Z/zahnputztechnik.html

 


Hilfsmittelputzen1.gif (8692 Byte)

 

Zahnpasta

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Abrasionen
(RDA-Werte) ausgesuchter Pasten

Zur effektiven Reinigung der Zähne bedarf es neben einer Bürste auch Zusatzstoffen - sowohl auf chemischer wie auch mechanischer Basis - Sie kennen dies von der Händereinigung her, welche ohne Seife nur unbefriedigend ist. Zahnpasten erfüllen diese Forderung in vielfältiger Weise, wobei es für den Laien schwer ist, Spreu vom Weizen zu trennen - zu vielfältig und nachhaltig ist die Reklame für ein betreffendes Produkt in den Werbemedien.
  • Da die Zahnpasta hauptsächlich dazu dient, die Beläge (Plaque) von der erreichbaren Zahnoberfläche zu entfernen, werden ihr zur besseren Wirkung dieses Reinigungsvorgangs wasserbenetzende Mittel (Tenside wie z.B. Natriumlaurylsulfat) sowie Abrasiv- bzw. Polierstoffe zugefügt.
  • Gleichzeitig dienen die Zahncremes auch als Medikamententräger: Bei den heute gebräuchlichen Pasten erfolgt eine Anreicherung mit den vor Karies schützenden Fluoriden (maximal 0,15%, = 1500 ppm; bei Kindercremes 0,05%, = 500 ppm). Diese Anreicherung ist manchmal nicht unproblematisch, da die Zusatzstoffe mit den Pastenbestandteilen eine Reaktion eingehen können, und dann im Prinzip wirkungslos sind. Dank des weit verbreiteten Gebrauchs fluoridierter Zahnpasta hat sich die Zahngesundheit der Bevölkerung innerhalb der letzten Jahrzehnte deutlich verbessert.
    Zu den Fluoridgehalten siehe unter:
    Fluoridgehalt von Zahnpasten
    Wirksamkeit versch. Fluoridierungsmaßnahmen:
    Fluoride: Wirksamkeit verschiedener Applikationsformen
  • Bei den heute auf dem Markt befindlichen Standardzahnpasten sind derartige Probleme nicht mehr zu erwarten. Achten Sie aber darauf, ob auch auf der Verpackung steht, was in der Tube drin ist: Denn seriöse Firmen haben nichts zu verbergen und zeichnen freiwillig aus. Verpflichtet sind sie dazu nicht, da Zahnpasten nicht zu den Medikamenten, sondern zu der Gruppe der Kosmetika gehören und hier geht der Gesetzgeber lässiger mit den Inhaltsstoffen um.
  • Achten Sie auf den sog. RDA-Wert einer Paste (s. Abb. li.). Dieser gibt an, wie stark die Creme "schmirgelt". Niedrige Werte sind zu bevorzugen. Ein hoher Anteil an Schmirgelstoffen oder gar "Anti-Raucherbelag-Pasten" mögen zwar kurzfristig die Zähne aufhellen, auf Dauer schädigen sie aber den Zahnschmelz und auch das Zahnfleisch in nicht unerheblichen Maße. Außerdem ist die Grundzahnfarbe genetisch festgelegt; eine gewünschte Aufhellung sollte dann lieber mit seriösen Bleichmethoden in einer Zahnarztpraxis erfolgen.
  • Gönnen Sie sich bei ausgeprägten Zahnverfärbungen lieber ein- bis zweimal im Jahr eine "Professionelle Zahnreinigung" (PZR), denn Fachleute wissen besser und vor allem zahnschonender mit diesen Belägen umzugehen.
  • Die Frequenz der Zahnreinigung, der Fluoridgehalt und die Menge der verwendeten Zahnpasta, die Dauer sowie das anschließende Nachspülen beeinflussen die Effektivität der Reinigungsmaßnahme nachhaltig.
  • Generell wird beim Zähneputzen die Zahnpasta oft nicht effektiv angewandt. Die meisten Menschen spülen den Mund nach dem Zähneputzen gründlich mit Wasser aus. Besser ist es aber, dies vorher zu tun und die Zahnpasta nach dem Putzen nur auszuspucken oder so wenig wie möglich zu spülen. Auf diese Weise können die in der Zahnpaste enthaltenen Wirkstoffe (z.B. Fluoride) länger auf die Zähne einwirken, und das Bakterienwachstum im Mund und damit auch die Entstehung von Plaque - dem Verursacher von Karies und Parodontitis - vorbeugen.
  • Kinderzahnpasten haben einen niedrigeren Fluoridgehalt ( Fluoridgehalt in Kinder-/Jugendzahnpasten) und sind nicht so sehr mit ätherischen Stoffen versetzt, da diese die feinen Mundschleimhäute zu stark reizen würden. Süße Geschmacksstoffe sind abzulehnen, da sie zu einem absichtlichen Verschlucken der Paste führen können.
  • In D waren 2007 ca. 80 Präparate auf dem Markt, bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 4,3 Tuben/Jahr.

Folgende Auswahl-Kriterien sollten Sie beachten:

  • Inhaltsangabe der enthaltenen Stoffe auf der Verpackung!
  • wenig bis normal abrasive Putzkörper
  • lagerbeständiges Fluorid
  • kein Chloroform oder Alkohol in den Inhaltsstoffen, da Kunststoff-Füllungen o. -kronen davon angegriffen werden könnten
  • chemisch stabile Zusatzstoffe, damit keine Reaktion in der Tube mit den sonstigen Pastenbestandteilen erfolgt
  • bakterienabtötende (antibakterielle) oder "zahnhärtende" Zusätze wie z.B. Chlorhexidin, Amin- und Zinnfluoridlösungen, Natriumlaurylsulfat, Sanguinarin
  • angenehmer, erfrischender Geschmack, der aber nicht stundenlang anhält
  • keine "Erwachsenenzahnpasta" bei Kindern und Jugendlichen, da die Inhaltsstoffe (z.B. Fluorid) auf das entsprechende Alter abgestimmt sind
  • Vorsicht bei "Weißmacher-Zahnpasten": Da die Zahnfarbe genetisch festgelegt ist, helfen diese Cremes nur bei oberflächlichen Verfärbungen, ändern aber nicht die Grundfarbe des Zahnes. Überlegen Sie dann zusammen mit Ihrem Zahnarzt, ob ein Bleichen möglich ist
  • Vertiefende Infos finden Sie unter den Links:
      Zahnpasta - Richtig putzen und schützen (zm, 2014)
    Chemie der Zahnpflegemittel
Zahnbürste

 



© der Grafik:
"
meridol"Fotoarchiv

 

Handzahnbürsten sollten nachfolgende Merkmale haben und so angewandt werden:
  • Kurzkopfzahnbürste (normale Härte bei gesundem Zahnfleisch) mit einem geraden, kleinen Borstenfeld, um so auch schwer zugängliche Ecken und Winkel zu erreichen, "multitufted" (multitufted = vielbüschelig) angeordneten Borsten und einem handlichen, "rutschfesten" Griff.
  • Kaufen Sie nicht nach dem Motto "viel Bürste für mein Geld"! Denn gerade unzugängliche Stellen im Mund (Zahninnenseiten der Unterkiefer-Frontzähne und die hinteren Backenzähne) werden mit großen Borstenköpfen nur unzulänglich gereinigt.
  • Auf dem Markt befinden sich auch U-förmige Bürsten (sog. "Mehrkopfzahnbürsten"). Diese reinigen gleichzeitig die Zahnreihen von beiden Seiten und entfernen Beläge auf der Kaufläche. Praktische und klinische Erfahrungen sind bisher wenige vorhanden.
  • Borsten nur aus Kunststoff mit abgerundeten Enden, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen. Keine Naturborsten, da diese von innen hohl und somit Bakterienträger sind!
  • Für gesundes Zahnfleisch und einem "Parodontose-freien" Gebiss ist die Härte der Borsten zweitrangig, da der Zahnschmelz so hart ist, dass ihm die Borsten nichts anhaben können. Kritisch wird es bei freiliegenden Zahnhälsen und erkranktem Zahnfleisch; hier sollten wegen möglicher Verletzungsgefahren nur weiche bis mittelharte Borsten eingesetzt werden.
  • Beim Anpressdruck auf die Zähne ist weniger mehr; er sollte nur gering sein (~ 150 g; probieren Sie diese Kraft an einer Küchenwaage aus, sie werden sich wundern, wie wenig dies ist!). Ein zu hoher Druck lässt die Büschel verbiegen - dann fehlt die Reinigungswirkung; und freiliegende Zahnhälse werden arg in Mitleidenschaft gezogen und weisen dann die schmerzhaften keilförmigen Defekte auf.
  • Bei Nichtgebrauch sollte die Bürste in einem Becher/Glas mit dem Kopf nach oben trocken aufbewahrt werden. Vorher ein paar Mal am Beckenrand aufschlagen, um überflüssige Feuchtigkeit zu entfernen.
  • 6mal im Jahr - also alle zwei Monate! - sollte die Bürste spätestens gewechselt werden. Verbrauchte Borsten sind an ihren Enden abgebogen, was bedeutet, dass sie nicht mehr so gut reinigen und zusätzlich noch das Zahnfleisch verletzen können.
    Diese allgemeine Empfehlung muss allerdings bei modernen Zahnbürsten kritisch hinterfragt werden, da diese durchaus über 3-4 Monate zu gebrauchen sind.
    Leider sieht die Realität in deutschen Haushalten betrüblich aus: Noch nicht einmal zwei Zahnbürsten pro Jahr und Kopf werden gekauft - oder gehören Sie etwa zu denjenigen, die eine Familienzahnbürste für alle schätzen?
  • Babys und Kleinkinder können mit den normalen Zahnbürsten wenig anfangen, da sie zu groß und unhandlich sind. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine Vielzahl von speziellen Bürsten auf dem Markt, für welche ebenfalls die gleichen Kriterien wie bei den Erwachsenen gelten sollten - Babys fahren bei ihren ersten Zahnputzversuchen gut mit einem modifizierten Beißring, der z.B. unter dem Namen "Baby's erste Zahnbürste" auf dem Markt ist.
  • Immerhin: 81% der Bundesbürger benutzen eine normale Zahnbürste zur täglichen Mundpflege. Damit ist aber nichts ausgesagt darüber, ob diese richtig und regelmäßig erfolgt.
  • Weiter Hinweise finden Sie im Lexikonteil
Elektrische  
Zahnbürste


©: Oral B

 

 


©: colgate.de/

  • Elektrische Zahnbürsten galten lange Zeit als "nette Spielerei", doch diese Zeiten haben sich geändert: Zahlreiche Untersuchungen zeigen eindeutig die Überlegenheit von elektrischen Bürsten (besonders die Schallzahnbürsten) gegenüber den Handzahnbürsten. Auf dem Verkaufsmarkt haben die Elektrischen seit der Jahrhundertwende die Handzahnbürsten überholt. Durch verschieden-farbige Aufsteckbürsten kann ein Grundmodell für die ganze Familie benutzt werden.
  • Elektrische Bürsten nehmen dem Putzer automatisch viele der Bewegungen hinsichtlich einer richtigen Technik ab. Spezielle Anpresskontroller bei den neueren Modellen sorgen auch noch dafür, dass Zähne und Zahnfleisch nicht überstrapaziert werden. Zur Erzielung einer optimalen Reinigungswirkung ist auch bei diesen Bürstenarten eine Schulung bezüglich des korrekten Einsatzes erforderlich.
    Gerade bei Kindern und Jugendlichen wird auch noch der Spieltrieb unterstütz, was außerordentlich zur Motivation beiträgt.
    Ältere Menschen sind in ihrem Bewegungsablauf häufig nicht mehr so geschickt - auch hier sind elektrische Bürsten eine wertvolle Hilfe.
  • Trotz all dieser Vorteile muss festgehalten werden, dass auch mit Handzahnbürsten eine gute Mundhygiene erreicht werden kann.
  • Unbefriedigend sind bisher die Folgekosten: Ähnlich den Nachfüllkosten für eine Tintenstrahl-Drucker-Patrone sehen die meisten Hersteller bei den Ersatzborstenköpfen eine lukrative Nebeneinnahme - Preise über 5,- Euro sind nur unter einer ausgeprägt gewinnorientierten Firmenpolitik zu verstehen - vom Herstellungspreis sind sie nicht gerechtfertigt.
    Akku-Bürsten machen sich rasch gegenüber rein Batterie-betriebenen bezahlt - zusätzlich wird die Umwelt geschont!
  • Die elektrische Sicherheit ist bei den strengen deutschen Vorschriften gegeben. Uns sind keine Unfälle bei sachgemäßem Gebrauch bekannt.
  • elektrische Zahnbürsten: Tests, Berichte, Vergleiche, Videos & Testsieger 2015

 

Elektronische
Schallzahnbürste ("Sonic Zahnbürste")



Abb.:
Philips Sonicaire

Zunehmend tauchen auf dem Markt Hightech-Bürsten - sog. Schallzahnbürsten oder auch "Sonic Zahnbürste"- auf: Hier schwingt der Borstenkopf mit 30.000 - 40.000 Bewegungen/Minute etwa 10 mal schneller als bei einer normalen Elektrischen; zusätzlich werden noch 8.800 Seitwärtsbewegungen in der Minute ausgeführt (Professional Care 7000). Derartig hohe Schwingungen haben neben der Reinigungswirkung auch noch positive Effekte auf das Zahnfleisch, indem sie durch "Zellaktivierung" den Ionenaustausch der Wirkstoffe fördern. Auch soll der Zahnpastenschaum durch die hohen Schwingungen besser in unzugängliche Stellen - z.B. die Zahnzwischenräume - eindringen können.
Als weitere Effekte werden von Herstellerseite beschrieben:
  • deutliche Reduktion von Bakterien, Plaque und Zahnfleischentzündungen bei regelmäßigem Gebrauch
  • ausgezeichnete Beseitigung von Verfärbungen durch Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Kaffee, Nikotin, Rotwein, Tee) bei geringer Abrasivität
  • Testbericht: http://edoc.hu-berlin.de/
  • Tests am Putzroboter der Universität Münster konnten nicht nachweisen, dass schneller auch besser heißt, berichtet das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". Schallbürsten sollen weniger aggressiv sein, denn bei kräftigem Aufdrücken lassen die Schwingungen nach. "Zu wenig Druck lässt die Borsten aber stärker schwingen, Schäden sind dann auch hier möglich", kritisiert Dr. Markus Kaup von der Poliklinik für Zahnerhaltung in Münster. Ein vom Hersteller behaupteter Effekt, der Flüssigkeitsströme im Mund erzeuge und dadurch schwer zugängliche Zahnzwischenräume erreiche, sei nicht belegt.

Eine kritische Bewertung dieser neusten Generation finden Sie unter elektrische Zahnbürsten: Tests, Berichte, Vergleiche, Videos & Testsieger 2015

normale oder elektrische Zahnbürste?

Wie beim Rasieren - Nass oder Trocken - gibt es auch hier zwei "Weltanschaungen". Grundsätzlich können bei richtiger Technik und der entsprechenden Dauer mit beiden Hilfsmitteln ebenbürtige Resultate erzielt werden.
In jüngerer Zeit scheinen Bürsten mit oszillierend-rotierender Charakteristik den Handzahnbürsten in Langzeitstudien überlegen zu sein.
Allerdings "verzeihen" die Elektrischen eher eine falsche
Zahnputztechnik, da sie vieles automatisch "von alleine" machen. Gerade Menschen, die bisher falsch geputzt haben, werden sich mit einer Elektrischen besser tun. Und vergessen Sie eines nicht: Die richtige Zahnputztechnik zu erlernen ist eine Sache, diese aber auch auf Dauer beizubehalten, eine andere.

Kinder und Jugendliche werden (fast) immer eine Elektrische bevorzugen - und älteren Menschen nehmen die Elektrischen Bewegungen ab, die sie häufig nicht mehr selbst durchführen können - gleiches trifft für behinderte Personen zu.

Unter Kostenaspekten liegen die Handzahnbürsten eindeutig vorn, obwohl sich auch hier die Preise - sieht man einmal von der Grundanschaffung ab, - immer mehr angleichen. Nicht etwa, dass die Ersatzköpfe der Elektrischen wesentlich billiger würden - neue Handzahnbürstenmodelle erreichen lässig den Preis der elektrischen Borstenköpfe.

Bei Patienten mit Zahnfleischerkrankungen zeigte sich in einer Langzeitstudie über 16 Monate kein Unterschied zwischen den beiden Systemen - vorausgesetzt es wurde bei der Handzahnbürste mit der richtigen Technik geputzt.

Beide Systeme - egal mit welcher Technik und Ausdauer angewandt - können aber eines nicht: Den Zahn an allen Stellen vollständig reinigen. Hierfür müssen weitere Hilfsmittel angewandt werden (siehe weiter unten) und oft  kann nur eine
Professionelle Zahnreinigung" (PZR) in gewissen Abständen diesen Mangel beseitigen.

Infektionsrisiko durch die Zahnbürste?

 

 

 

 

 

 

Eigentlich ist es schon verwunderlich, dass man eine Zahnbürste - ohne besondere Hygiene-Maßnahmen - tagtäglich benutzt und davon nicht krank wird:
Rund 5 Billionen Bakterien aus 300 Arten sind natürlicherweise im "Biotop Mundhöhle" anzutreffen; zusätzlich genießen diese eine optimale Feuchtigkeit und Temperatur und dazu noch Nahrung in Hülle und Fülle. Ein Großteil dieser Bakterien landet zwangsläufig auf der Zahnbürste - doch passieren tut damit wenig, weil sie schnell absterben, wenn die Bürste trocken aufbewahrt wird. Selbst bei Familien, die nur eine Zahnbürste besitzen und in welchen unerkannt ein HIV-Fall war, wurde sich nicht gegenseitig angesteckt. Insofern ist das Infektionsrisiko bei einem gesunden Menschen äußerst gering. Anders sieht es bei Erkrankten aus - hier gelten strenge hygienische Regeln und viele davon können auch als Infektionsprophylaxe bei einem gesunden Menschen übernommen werden.

Prof. Bößmann aus Kiel - ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet - ging in den Zahnärztlichen Mitteilungen (zm, 91, 22, 16.11.2001) diesem Problem auf den Grund und kommt u.a. zu folgenden Ergebnissen:
  • Der Nachweis von bestimmten Keimen auf der Zahnbürste muss noch lange nicht mit der Entstehung einer Erkrankung verbunden sein.
  • Viele der für die Karies und auch Zahnfleischerkrankungen verantwortlichen Keime weisen nach ein paar Stunden auf der Bürstenoberfläche nur noch einen Bruchteil ihrer Ursprungskonzentration auf. Andere (z.B. die gefürchteten Eitererreger wie St. aureus) liegen auch noch Stunden in unveränderter Konzentration vor.
  • Besonders in Kindergärten wird die Möglichkeit einer HIV-Infektion immer wieder von Erziehungsberechtigten angesprochen, weil die Kleinen z.B. ihre Zahnbürste gegenseitig verwechseln könnten. Nur: Das Risiko wird dabei genauso hoch angesehen wie die Übertragung von mit Speichel benetztem Spielzeug - also gleich Null.
  • Reinfektionen bei ausschließlichem Gebrauch der eigenen Zahnbürste werden bisher differenziert diskutiert; hier scheinen Zahnfleischerkrankungen auslösende Keime ("Parodontitiskeime") durch Mikroverletzungen der Mundschleimhaut eine größere Gefahr für den Organismus zu bedeuten als die Kariesbakterien.

Daraus ergeben sich nachfolgende Empfehlungen:

bei gesunden Personen:

  • Zahnbürsten nach dem Putzen unter fließendem Wasser gründlich abspülen und von anhafteten Verunreinigungen mechanisch entfernen
  • Bürste auf dem Waschbeckenrand zur schnelleren Trocknung ausschlagen
  • Aufbewahrung stehend mit dem Kopf nach oben in einem Becher/Glas an einem "luftigen" Ort - also nicht im Badezimmerschrank oder in der Verkaufspackung!
  • Wechsel der Bürste spätestens nach 3 Monaten, da ausgefranste Borsten eine größere Oberfläche haben und die Bakterien besser halten
  • Keine Naturborsten, da diese innen hohl sind und eine starke Bakterienbesiedelung aufweisen - nicht alles, was aus der Natur kommt, muss auch automatisch gut sein!

bei Kranken als vorbeugende Maßnahmen zusätzlich:

  • Patienten mit schweren Mund- oder Allgemeinerkrankungen, solche die sich einer Chemotherapie unterziehen oder bei Eingriffen am Herzen bzw. Organtransplantationen sollten zwei Zahnbürsten abwechselnd morgens und abends benutzt werden. Zusätzlich wird ein wöchentlicher Wechsel empfohlen, wenn nicht andere Desinfektionsmaßnahmen (s.u.) hinzukommen
  • Bei bestehenden Krankheiten im Mund-Rachen-Raum sollte dann ein Wechsel erfolgen, wenn man auf dem Wege der Besserung ist und nochmals nach vollständiger Genesung.

Eine Entkeimung der Zahnbürste kann z.B. ganz einfach in einer Spülmaschine bei niedrigen Temperaturen erfolgen - teure Produkte, die eine zweifelhafte Dauerentkeimung versprechen, helfen meist mehr dem Hersteller als dem Käufer. Nicht übersehen werden sollte, dass die Zahnpastenreste auf den Borsten eine gute keimabtötende Wirkung haben.
Eine theoretisch bestechende Idee, das Plättchen, auf welchem die Borsten gehalten werden, mit einer Silberschicht zu arbeiten um dadurch die keimabtötende metallische Wirkung auszunutzen, hat sich bisher nicht durchsetzen können. ( http://www.piave.com)

Wann sollte die Bürste
gewechselt
werden?


 

Zahnbürsten sind nicht für einen lebenslangen Gebrauch geschaffen, sondern gehören etwa alle 2 Monate gewechselt. Klinische Studien belegen, dass nach 3-4monatigem normalem Putzen die Reinigungswirkung um 30 % nachlässt und die Besiedelung mit Keimen stark zunimmt (s.o.).
Nach überstanden entzündlichen Erkrankungen im Mundraum (z.B. Zahnfleischentzündungen, Grippeerkrankung, Herpes) sollte ein sofortiger Wechsel oder aber eine gründliche Desinfektion erfolgen.
Borstenindikatoren auf Farbbasis - wie z.B. bei der
Fa. Oral B - zeigen rechtzeitig an, wann gewechselt werden sollte.

Zahnzwischen-  
raumbürste

 


überarbeitet nach
©: http://www.curaden.ch/
auch Grafiken re.


Ebenfalls unter dem Namen "Interdentalbürstchen" bekannt.
Es gibt an den Zähnen große Bezirke - diese machen etwa 30% der Zahnoberfläche aus und sind mit herkömmlichen Bürsten kaum zu erreichen - , die nicht von einer normalen
Zahnbürste erreicht werden können. Leider befindet sich auch dort Zahnbelag und da hilft nur Eines: Eine schonende mechanische Reinigung - Spülungen können höchstens eine unterstützende Wirkung entfalten, aber niemals diese Gebiete reinigen. Neben der weiter unten beschrieben Zahnseide und den Zahnhölzchen ("Zahnstocher") eignen sich für diese sensible Bezirke besonders feine und biegsame Bürstchen, da sie - wenn der entsprechende Platz vorhanden ist - optimal diese Räume reinigen, wenn vorher der Gebrauch durch eine Fachperson gezeigt worden ist.
Die Reinigung sollte vor dem eigentlichen Zähneputzen erfolgen - dadurch ist gewährleistet, dass die gelockerten Beläge auch wirklich ganz entfernt werden.
Die richtige Größe sollte mit einer IAP Mess-Sonde (Interdental Access Probing) ermittelt werden, da eine zu kleine Bürste ungenügend reinigt und eine zu große entweder nicht passt oder Verletzungen bewirkt
Unverzichtbar sind Interdentalbürstchen auch dann, wenn festsitzende kieferorthopädische Geräte getragen werden oder künstliche Zahnwurzeln ("Implantate") eingepflanzt wurden.

Wie aus nachfolgender Abbildung ersichtlich, reinigen nur Zahnzwischenraumbürstchen (li. Abb.) die Zahnzwischenräume
bei nicht im engen Kontakt stehenden Zähnen zuverlässig. Zahnseide und Zahnhölzer können sich den Krümmungen des Zahnes weniger gut anpassen und haben so nur eine eingeschränkte Wirkung. Als optimal wird eine kombinierte Reinigung mit Zahnseide für den Bereich der Kontaktpunkte und Zahnzwischenraumbürstchen für den Karies- und Parodontitisanfälligen Interdentalraum angesehen.

Innovativ sind die neuen Zahnzwischenraumbürsten aus der elmex Forschung. Die neuen Interdentalbürsten haben im Unterschied zu herkömmlichen Zahnzwischenraumbürsten einen dreieckigen Querschnitt. Sie sind damit optimal an die Form des Zahnzwischenraumes angepasst. Die Bürstchen gibt es in sechs verschiedenen Größen mit Außendurchmessern von zwei bis acht Millimetern und größenspezifischer Farbcodierung.

Zu beachten ist, dass Zwischenraumbürstchen relativ schnell verschleißen: spätestens nach 10-14 Tagen muss hier ein Wechsel erfolgen.

Zahnzwischenraumreinigung - eine Übersicht (ZPW, 2015)

Zahnseide/ 
Dental-Floss

 




Bild-Klick!

 


Bild-Klick!
Zahnseidenhalter
im Gebrauch




Zahnseidenhalter
"Flossette"


Probates Mittel besonders für die Berührungspunkte (Kontaktpunkte) der Zähne im normalen bzw. eng stehenden Gebiss. Keine andere Methode kann dieses Gebiet Gebiet sonst reinigen. Als optimal wird eine kombinierte Reinigung mit Zahnseide für den Bereich der Kontaktpunkte und Zahnbürstchen für den Interdentalraum 2-3mal wöchentlich angesehen - dabei sollte der Einsatz der Seide vor dem eigentlichen Putzen erfolgen.
Der Nutzen von Z. in der Kariesvorbeugung ist wissenschaftlich nicht gesichert. Anwendung vor allem zur Prophylaxe von Zahnfleischerkrankungen.  
Die Technik, welche man sich als Neuling unbedingt vor den ersten Versuchen von einer geschulten Prophylaxehelferin in einer Zahnarztpraxis zeigen lassen sollte:
Man führt einen stabilen und trotzdem dünnen Textilfaden (Floss; Seide wäre viel zu schwach dazu) über die beiden Mittelfinger

flosshal.gif (1660 Byte)

und reinigt mit dem gespannten Teil mindestens einmal wöchentlich jeden der Zahnzwischenräume. Nach jedem Reinigungsvorgang bzw. vor dem Wechsel zum nächsten Zwischenraum wird der Faden ein Stückchen von einem Mittelfinger zum anderen gezogen, um immer wieder mit sauberem Gerät zu arbeiten.
Am Zahn bewegt man sich mit "sägendem Kontakt" von oben nach unten und wieder zurück entlang. Zur richtigen Anwendung benötigt man etwa 50 cm Faden für eine gesamte Gebissreinigung.

flossgeb.gif (3308 Byte)

Superfloss®-Zahnseide stellt eine Weiterentwicklung für spezielle Einsatzgebiete dar: Einem kunststoffverstärkten Einfädelungsteil folgt erst ein flauschiger Nylonfaden und anschließend ungewachste Zahnseide. Wird vor allen Dingen zur Reinigung von festsitzenden kieferorthopädischen Geräten und Brücken empfohlen.
Eine weitere Neuentwicklung sind bandförmige PTFE-Membranen, die wegen ihrer erhöhten Gleitfähigkeit und Verschleißfestigkeit sehr gut bei engen
Zahnzwischenräume geeignet sind.

Zu den generellen Grenzen von Zahnseide siehe unter dem vorherigen Kapitel.
Ebenso ist kritisch zu bemerken, dass der Zahnseideneinsatz eine sehr aufwendige und für den Ungeübten "umständliche" Reinigungsmethode ist: Der vollbezahnte Kiefer hat 30 Zahnzwischenräume und das richtige Einfädeln ist nicht Jedermanns Sache. All dies sind Gründe, weshalb sich der Gebrauch von Zahnseide nicht wirklich hat durchsetzen können. Jüngere Umfragen (2004) könnten aber auf eine Trendwende hindeuten: Immerhin 66 Prozent von 2.058 Befragten ("One Drop Only Studie") gaben an, Zahnseide zu verwenden. In älteren Umfragen lag der Anteil bei maximal zehn Prozent; 59 Prozent derjenigen, die zur Zahnseide greifen, taten dies auf Anraten ihres Zahnarztes. Siehe dazu auch Wie sieht die tägliche Zahnpflege bei den Deutschen aus?, wo sich bei wissenschaftlichen Untersuchungen ganz andere Werte ergeben!

Zur besseren Handhabung gibt es inzwischen verschiedene - meist halbautomatische - Zahnseidenhalter (s. Abb.) auch "Flossette" genannt.
Zahnzwischenraumreinigung - eine Übersicht (ZPW, 2015)

Zahnhölzer     
("Zahnstocher")




"Paro-Brush-Sticks"

Im Gegensatz zu manchen Lokalen, wo Zahnstocher zur Grundausstattung gehören, um nach dem Genuss von zähem Fleisch wenigstens etwas zur Kosmetik beitragen zu können, sind medizinische Zahnhölzer vor allem für unterwegs eine sinnvolle Ergänzung zur Zahnhygiene; fluoridierte Hölzer bringen den Mineralstoff sicher an die richtige Stelle. Aber auch hier nicht einfach "drauflos stochern", sondern möglichst gezielt an einem "stillen Örtchen" die Zahnzwischenräume säubern. Auch ihre Mitmenschen sind für eine diskrete Anwendung dankbar!
Ebenfalls gut geeignet für unterwegs sind kleine, biegsame Kunststoffkeile, die mit einer samtartigen Beschichtung versehen sind: "Paro-Brush-Sticks" befreien zuverlässig und schonend von Speiseresten - von der angepriesenen "Wiederverwendbarkeit" halten wir aus hygienischen Gründen allerdings nicht viel.

Sowohl mit Zahnseide, wie auch mit Zahnhölzern können die Plaqueindizes deutlich gesenkt werden; zwischen Zahnhölzchen- und Zahnseide-Gruppen konnten bei Untersuchungen keine signifikanten Abweichungen gefunden werden.
Zahnzwischenraumreinigung - eine Übersicht (ZPW, 2015)
Munddusche


Von der Werbung geprägt, ist der Ruf der konventionellen Mundduschen meist besser als ihre Wirkung: Zur Beruhigung, schaden können sie kaum, und wenn Sie dadurch ein angenehmeres Gefühl im Mund haben - warum nicht? Doch bitte nicht denken, dass mit der Anwendung dieser Wasserstrahlgeräte ein Zahnzwischenraum so gründlich gereinigt werden kann, wie mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen. Neuere Systeme versprechen eine bessere Wirkung und sollen sogar der Zahnseide überlegen sein. Sie können dann eine Ergänzung zur Mundhygiene sein, wenn andere Hilfsmittel nicht angewendet werden können oder als zu umständlich betrachtet werden.
Nicht vergessen werden sollte, dass es bei unsachgemäßer Anwendung zu einer Anreicherung gefährlicher "Feuchtkeime" (z.B. Pseudomonaden) im Wasserschlauchsystem kommen kann.

Zahnzwischenraumreinigung - eine Übersicht (ZPW, 2015)
Zahnpflege unterwegs


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Unsere Gesellschaft ist mobil geworden - sei es die Entfernung zum Arbeitsplatz oder auf Reisen. Viele Zahnpflegegewohnheiten, die man von zu Hause aus gewohnt ist und hier regelmäßig durchführt, sind nicht mehr möglich oder nur noch erschwert durchführbar. Hier ein paar Tipps:
  • Genieren Sie sich nicht, den Sanitärbereich ihrer Arbeitsstelle auch für die so wichtige Zahnreinigung zu benutzen
  • Sind Sie auf Reisen, so spülen Sie nach dem Essen den Mund kräftig mit einem zucker- und säurefreien Getränk aus. Nehmen Sie am besten ein Mineralwasser - Limonaden und Fruchtsäfte sind dafür nicht geeignet
  • Führen Sie ein spezielles, kleines Zahnpflegeset mit sich. Auch ein medizinischer Zahnstocher kann als Notpflege dienen
  • Führen Sie ein Zahnpflegekaugummi mit sich. Diese speziellen Kaugummis - meist mit dem Zuckeraustauschstoff Xylitol - können nach den Mahlzeiten die Regenerierung des Schmelzes fördern und damit einer Karies vorbeugen. Gleichzeitig wird die Speichelbildung angeregt - ein entscheidender Schritt für die Selbstreinigung der Mundhöhle.
Mundhygiene während einer kieferorthopädischen Behandlung

Besonders festsitzende kieferorthopädische Geräte erhöhen das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen. So weisen Träger von festsitzenden Apparaturen häufiger eine beginnende Karies auf als nicht behandelte. Bei Multiband-Patienten entstehen durch die geklebten Brackets Plaque-Retentionsstellen, die auf der Zahnoberfläche hinter dem Draht liegen. Um diese Flächen bei der Reinigung zu erreichen, müssen spezielle Einbüschel- oder Interdentalbürstchen angewendet werden. Zusätzlich muss die Zahnbürste sowohl von Kaufläche/Schneidekantenspitze als auch vom Zahnhals her angesetzt werden um eine gute Reinigung zu gewährleisten. Schwachstellen in der häuslichen Zahnpflege und eine Ersteinführung in die geänderten Hygienebedingungen müssen unbedingt mit Beginn der Behandlung in der Fachpraxis vermittelt werden. Effizient können die etwa vierteljährlichen Anwendungen von Pulver-Wasser-Strahl-Geräten sein. Hierbei wird das Gebiss gründlich von Belägen gereinigt, wobei auch die schwer zugänglichen Kontaktflächen der Zähne (Approximalbereiche) gesäubert werden. Weiterhin kann eine chemische Unterstützung wie beispielsweise Mundspüllösungen zur Prophylaxe während der kieferorthopädischen Behandlung beitragen.

 

 

Ratgeber für betagte Menschen, Chronisch Kranke, Behinderte und deren Pflegepersonal

Betagte Menschen und chronisch kranke Personen benötigen auch für eine zahngesunden Ernährung und eine richtige Mundpflege besondere Aufmerksamkeit und Hilfestellung. Ebenso braucht das entsprechende Pflegepersonal entsprechende zahnärztliche Grundlagen und Unterweisungen, um den Mundgesundheitszustand dieser Personen zu erhalten oder zu verbessern. Was darf ich essen? Wie sehen kaufreundliche Speisen aus? Wie viel soll ich am Tag trinken? Wie werden die eigenen und wie dir Dritten Zähne richtig geputzt?
Dies sind nur einige der Fragen, welche in dem "Ratgeber für betagte Menschen, Chronisch Kranke, Behinderte und deren Pflegepersonal" erschöpfend behandelt werden. Zahlreiche Abbildungen sind vor allem für das Pflegepersonal eine wichtige Hilfe im richtigen Umgang mit diesen Personengruppen:
Faltblatt: Zahnärztliche Betreuung zu Hause für Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung
Video: Kurzfilme, die vor allem pflegende Angehörige bei der Mundpflege unterstützen sollen (2016, YouTube)

Weitere Hilfsmittel
 
Kaugummi

Kaugummis können durchaus als "Zahnbürste für Unterwegs" bezeichnet werden, besonders dann, wenn die Inhaltsstoffe stimmen und nicht stundenlang damit gekaut wird. Ebenso ist eine Verwendung nach dem Verzehr von sauren Getränken/Speisen sinnvoll.
Die Zahnpflege-Kaugummis ersetzen zwar nicht das Zähneputzen, sind aber eine wertvolle Ergänzung dazu, gerade dann, wenn unterwegs keine Gelegenheit zu klassischen
Mundhygienemaßnahmen gegeben ist. Bewiesen ist:
Kauen von speziellen Kaugummis mit dem Zuckeraustauschstoff
Xylitol nach den Mahlzeiten kann die Remineralisation des Schmelzes fördern und damit einer Karies vorbeugen. Gleichzeitig wird die Speichelbildung angeregt - ein entscheidender Schritt für die Selbstreinigung der Mundhöhle. 
2014 betrug in Deutschland der Umsatz, der mit Kaugummis gemacht wurde, 646 Millionen Euro. 900 Millionen Euro kostete es, die ausgespuckten Kaugummis wieder zu entfernen (aus zm, 2-2016).
Mundspüllösungen

 

 

Werden meist bei der Plaque-Bekämpfung (Plaquekontrolle, Kariesprophylaxe) und zur Behandlung bei Zahnfleischentzündungen eingesetzt. Die Ansammlung von Plaque führt, wenn keine Gegenmaßnahmen erfolgen, zur Entzündung des Zahnfleisches ( Gingivitis) und zum Kariesbefall. Neben der mechanischen Plaqueentfernung (tägliche Mundhygiene, Professionelle Zahnreinigung") können Substanzen eingesetzt werden, welche die Mikroorganismen chemisch bekämpfen ("Chemische Zahnbürste", sog. chemische Plaquekontrolle). Es sind jedoch nur wenige Stoffe bekannt, die klinisch angewendet werden können, unter anderem Chlorhexidin, Zinnfluorid und Triclosan. Probleme ergeben sich hierbei häufig durch die Färbewirkung und den Geschmack der Lösungen. Fluorwasserstoffperoxide (0,05% Natriumfluorid, 1.5% Wasserstoffperoxid) in Lösung haben eine positive Wirkung auf das Zahnfleisch bei gleichzeitiger Bleichaktivität, ohne dass bisher die Nebenwirkungen der o.g. Präparate bekannt sind. Wissenschaftler empfehlen deshalb die Anwendung von Fluorwasserstoffperoxiden als Zusatz zur täglichen Mundhygiene.
Eine manchmal angepriesene "chemische Reinigung" ist mit keinem Medikament möglich! Zu unterscheiden von den medizinischen Mundspüllösungen sind die sog. "Mundwässer" und "Mundsprays", welche für einen "frischen Atem" sorgen und eine mögliche "Fahne" überdecken sollen - wenn Sie so wollen: Ein Parfum für die Mundhöhle. Medizinisch gesehen sind sie von untergeordneter Bedeutung - im Gegenteil: Der kurzzeitig frische Atem verleitet so manch faulen Zeitgenossen dazu, sich die Zähne nicht gründlich oder überhaupt nicht zu putzen.

Bei den medizinischen Mundspüllösungen sind die bakterienabtötenden Lösungen Chlorhexidin, Zink-Chlorid (Listerine®) und. Amin-/Zinnfluoridlösungen die Mittel der Wahl, wobei das erstgenannte heute als Goldstandard gilt. Sie werden dann verordnet, wenn ein normales Zähneputzen nicht möglich ist, so z.B. bei akuten Zahnfleischentzündungen oder nach chirurgischen Eingriffen am Zahnfleisch. Weiter erfolgt ein Einsatz bei Kariesrisikopatienten, wenn andere Anwendungen wenig Erfolg versprechend sind.
Damit die Wirkstoffe in den Lösungen auch einen Effekt haben, müssen diese Lösungen mindestens eine Minute und dies mehrmals täglich nach dem Essen, angewandt werden, indem damit nicht nur umgespült, sondern die Flüssigkeit kräftig durch die Zahnzwischenräume durchgepresst wird. So gilt für Chlorhexidin beim Einsatz als "chemische Zahnbürste": Konzentration und Spülmenge 2 x 10 ml 0,2-prozentig = 40 mg Tagesdosis). Nehmen Sie sich eine Uhr als Zeitkontrolle zur Hilfe, denn 1 Minute Spülen sind beim Spülen eine sehr, sehr lange Zeit!
Ein länger dauernder Einsatz tötet nicht nur die krankmachenden Bakterien ab, sondern beeinflusst auch die normale Mundhöhlenflora - gestörtes Geschmacksempfinden, Verfärbungen an Zähnen und Schleimhäuten (besonders auf dem Zungenrücken) sind die Folgen.

Zungenschaber /
Zungenreiniger



© der Grafik: one-drop-only/

Lange Zeit unbeachtet, wurde in den letzten Jahren die Bedeutung der Zungenoberfläche vor allem im Bezug auf einen natürlichen Atem wissenschaftlich untersucht und erkannt. So zeigen viele Untersuchungen, dass die raue, zerklüftete Zungenoberfläche eine besonders gute Grundlage für bakterielle Beläge (etwa zwei Drittel der Bakterien im Mundraum sind auf der Zunge angesiedelt) und Essensreste bietet, welche überwiegend für einen üblen Mundgeruch verantwortlich sind. Zusätzlich weiß man, dass eine regelmäßige Zungenpflege auch den Geschmacks und den Tastsinn verfeinert.
Zur Reinigung dieser Oberfläche gibt es verschieden konstruierte Bürsten und Schaber - würgeempfindliche Personen sollten auf eine grazile Ausführung achten.
Klassische Zungenschaber gelten heute als obsolet, da durch ihren Gebrauch leicht Verletzungen am Zungenrücken auftreten können. Stattdessen werden Zungenbürsten mit kleinen Kunststoffborsten oder Gumminoppen empfohlen.
Färbetabletten



einfarbige
Anfärbung

 


©: www.hagerwerken.de/

zweifarbige Anfärbung

Auch unter dem Namen "Plaqueindikatoren" oder "Plaquerevelatoren" bekannt, dienen zum Sichtbarmachen der Plaque auf den Zahnflächen und der Mundschleimhaut und bestehen meist aus dem natürlichen und ungefährlichen Farbstoff Erythrosin. Hier sind versch. Systeme auf dem Markt:
  • einfarbige Anfärbung: Normale Erythrosin-Tabletten färben mit Plaque behaftete Bezirke auf den Zähnen und der Mundschleimhaut rot-violett an (s. Abb.). Der als Lebensmittelfarbstoff zugelassenen Farbstoff sollte nicht öfter als einmal innerhalb 14 Tagen angewandt und nicht heruntergeschluckt werden - ein Einsatz bei Kindern, die diese Weisung nicht zuverlässig beherrschen, sollte vermieden werden. Ebenso keine Anwendung bei Patienten mit Jodallergie.
  • Zweifarbige Anfärbung: Fügt man dem zugelassenem Farbstoff Phloxin B noch den sog. Patentblau- oder E 133-Farbstoff hinzu, lassen sich frische von alter Plaque unterscheiden. So kann der Patienten sehen, welche Stellen am Zahn besonders häufig vergessen werden, da die ältere Plaque blau, die neuere rosa angezeigt wird. Enthält kein allergieauslösendes Jod, relativ leicht zu entfernen. Heute als die gängige Methode für zuhause empfohlen.
    Im Handel: z.B. Mira-2-Tone Lösung; Hager&Werken GmbH, Duisburg

Abzulehnen sind früher gebräuchliche Lösungen, wie Fuchsin oder Kristallviolett, da erstere eine Veränderung der DNA (mutagen) und dem Violett ein krebserzeugendes Potential (kanzerogen) zugeschrieben wird.

 

Weitere Themen

 

Pflege/Reinigung
der "Dritten" Zähne"

 - Prothesenhygiene

 

 

Nachts ins Wasserglas mag zwar eine bequeme Angelegenheit sein und als Entschädigung dafür gelten, dass man nicht mehr mit den eigenen Zähnen beißen kann, doch der Sache gerecht wird dieses Verhalten nicht.
Wie die eigenen Zähne, gehört auch Zahnersatz gereinigt und gepflegt, da sich auf dem Ersatz Bakterien, Essensreste und abgestorbene Schleimhautzellen festsetzen (= Prothesenplaque) und Entzündungen oder Mundgeruch hervorrufen.
Zur Reinigung gibt es grundsätzlich zwei Methoden:
  • mechanisches Putzen, ähnlich dem Zähneputzen der eigenen Zähne:
    Mit einer normalen Zahnbürste oder - noch wirkungsvoller - mit speziellen Prothesenbürsten und einem Tropfen Spülmittel (kein Haushaltsreiniger!) lässt sich der Zahnersatz gut reinigen. Auf keinen Fall zur Pflege normale Zahnpasta verwenden, denn die darin enthaltenen Schmirgelstoffe sind auf die Härte des Zahnschmelzes eingestellt und zerstören die hochglanzpolierte Oberfläche des Zahnersatzes.
    Neu auf dem Markt ist die Trioblanc™ -Prothesenbürste zur gründlichen und komfortablen Reinigung.
  • "chemisches Reinigen" mit Sprudeltabletten oder Pulverkonzentraten auf Peroxyd-Basis:
    Über eine Verringerung der Oberflächenspannung werden Plaque und Verfärbungen bei regelmäßiger Anwendung beseitigt; gleichzeitig freigesetzter Sauerstoff wirkt antibakteriell. Moderne Reinigungstabletten bedienen sich zusätzlich noch der "Plaqueblock-Technologie", indem sie den Zahnersatz mit einer mikrofeinen Silikonschicht überziehen. Die Reinigungswirkung tritt etwa nach 15 Minuten ein. Wegen der Gefahr einer unerwünschten Bleichung des Prothesen-Kunststoffes - besonders wenn sie älteren Datums sind - sollte das Reinigungsbad nicht länger als eine Stunde einwirken; Sprudeltabletten lassen sich zudem exakter dosieren als Reinigungskonzentrate.

Den besten Reinigungserfolg erzielt man mit einer Kombination beider Methoden, wobei durchaus auf die teuren Reinigungstabletten verzichtet werden kann, wenn eine regelmäßige Pflege erfolgt:
Zuerst eine mechanische Reinigung mit einem Haushaltsspülmittel, zusätzlich bei filmartigen kalkigen Ablagerungen mit verdünnter Essiglösung. Anschließend wird der Zahnersatz für etwa ½ Stunde in ein chemisches Reinigungsbad gelegt. Hilfsweise werden die Prothesen mit einem in Alkohol getränkten Wattestäbchen desinfiziert, oder es wird ein Desinfektionsspray eingesetzt.
Feuchte, schleimige Prothesen entgleiten bei dem Reinigungsvorgang gern aus der Hand, fallen ins Waschbecken oder auf den Boden und können so beschädigt werden. Deshalb wird dringend empfohlen, die Prothese erst über dem Becken aus dem Mund zu nehmen und in das trockene Becken ein Handtuch zu legen, oder das Becken zu einem Drittel mit Wasser zu füllen.
Ultraschallbäder für den Hausgebrauch sind meist zu schwach in ihrer Wirkung und zu dem teuer in der Anschaffung. Sollten Sie trotzdem nicht darauf verzichten wollen, so kann das Reinigungs-Set der Fa. Dental-Hygiene-Müller empfohlen werden. Ansonsten bitten Sie Ihre Zahnarztpraxis um eine professionelle Prothesenreinigung und kratzen Sie bitte nicht selbst an der Prothese - leicht können so Beschädigungen auftreten, die dann teuer repariert werden müssen.

Der Zeitschrift "Anbiss" entnehmen wir noch weitere Tipps zur Pflege:
  Jeden zweiten Tag sollten Sie Ihren Zahnersatz im Wasserbad mindestens zehn Minuten desinfizieren (entweder mit einer Prothesen-Reinigungstablette, einem Ultraschallgerät oder einer 0,2prozentigen Chlorhexidin-Lösung aus der Apotheke)
  Wenn Sie aufgrund einer Entzündung im Mund oder im Rachen eine antibakterielle Mundspüllösung verwenden, säubern Sie damit auch ihren Zahnersatz, so verhindern Sie eine erneute Infektion
  Reinigen und massieren Sie täglich Gaumen, Kieferkämme und Zunge mit einer weichen Zahnbürste. Das fördert die Durchblutung und Gesunderhaltung - denn auch Zahnfleisch und Zunge verlangen nach Pflege!
  Xylithaltige Pastillen sind als zusätzliches Hilfsmittel bestens geeignet, die Bildung von Zahnbelag zu reduzieren
  Spezielle Prothesenzahnbürsten erleichtern die tägliche Reinigung an schwerzugänglichen Stellen
   Auch eine druckstarke Munddusche kann das Reinigungsergebnis zusätzlich zur Bürste verbessern
  Mit Superfloss-Zahnseiden lassen sich die Ränder von Kronen und Brücken effizient reinigen - am besten täglich
  Vergessen Sie bei Geschiebe- und Ankerzähnen nicht die kleinen Ösen und Rillen. Eine spezielle Zahnseide ist auch hier sehr nützlich
  Bei Zahnstein an der Prothese sollten Sie zum Zahnarzt gehen. Mit einer professionellen Zahnreinigung (PZR) entfernt er sicher und schnell den festsitzenden Belag
  Ein wirksames Mittel zur Vorbeugung gegen Wurzelkaries ist eine regelmäßige Mundspülung mit dem Antiseptikum Chlorhexidin
  Für Implantate gibt es einen Hygieneratgeber im Internet. Unter dem Titel "Implantate - lange haltbar, lange schön" wird ausführlich und bebildert erklärt, worauf man besonders rund um die künstlichen Zahnwurzeln achten muss. Download unter: http://www.bdiz.de/service/oav10/artikel.asp?lnr=90  oder: Tel.: 0228 9359244 zum Anfordern der kostenlosen Broschüre.

Mundgeruch


© der Grafik:
Fresh Kiss
für den Hausgebrauch

Mundgeruch gehört zu den am meist tabuisierten Themen, wenn es um die Körperhygiene geht. Dabei ist in den allermeisten Fällen hiergegen Vorsorge bzw. Abhilfe zu schaffen:
  • Gegen Knoblauch-, Zwiebel- oder andere Essensgerüche bzw. gegen die berüchtigte Fahne nach Alkohol und Nikotingenuss hilft wirklich nur der Verzicht auf diese Stoffe oder die Überdeckung mit noch stärkeren Mundwässern (s.o.) oder Pastillen - die Wundermittel gegen Knoblauch und Co. haben nur in der Werbung dafür bestand.
  • Zu über 90 % entstammt der anderweitige Mundgeruch aus "Faulecken" in der Mundhöhle: Hier können es kariöse/zerstörte Zähne, Zahnfleischtaschen, Zahnfleischentzündungen oder ein belegter Zungenrücken sein, welche als Grundlage für Bakterien und deren Zersetzungsprodukte dienen, welche beim Abbau von Eiweißen den typischen "faulen" Geruch bedingen.
    Weiter trägt die Menge des Speichels mit zu einem Mundgeruch bei: Je mehr dieser vorhanden ist, um so weniger wird über Mundgeruch geklagt - der morgendlich Geruch aus dem Mund (nachts ist der Speichelfluss stark reduziert) ist ein tägliches Beispiel dafür.
    Als Konsequenz ergibt sich daraus, dass als Vorbeugung und bei bestehendem Mundgeruch eine vollständige Sanierung der Mundhöhle erfolgen muss - denn wo keine unhygienischen Nischen sind, kann auch kein zahnbedingter Mundgeruch entstehen! Daneben ist eine gründliche
    Mundhygiene mit einer Reinigung der schwer zugänglichen Zahnzwischenräume - z.B. mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide, notfalls einer Munddusche - unabdingbare Vorraussetzung für einen natürlichen und gesunden Atem.
    Früher unbeachtet, hat auch der Zungenrücken häufig einen entscheidenden Einfluss auf einen unangenehmen Mundgeruch. Deshalb sollte in solchen Fällen auch die Reinigung der Zunge sorgfältig durchgeführt werden (s.o.)
    Zur Messung des Mundgeruchs gibt es in der Fachpraxis teure aber exakte Profigeräte. Zum Hausgebrauch gibt es handliche Kleingeräte mit dem klangvollen Namen "Freh Kiss"  -  sog. Halimeter (s. Abb.)
  • Weitere Infos im Lexikonteil unter Halitosis und Mundgeruch.
Kaffee-, Nikotin- und Raucherbeläge


©: http://www.calgin.com/

 

Derartige Beläge sind zwar nicht unbedingt für Zähne und Zahnfleisch schädlich, aber sie sind kosmetisch sehr störend und hartnäckig dann, wenn es gilt, diese bei der täglichen häuslichen Zahnpflege zu entfernen. Um einen Laien-Irrglauben zu widersprechen: Solche Beläge sind kein Zahnstein, sondern (harmlose) Verfärbungen, deren Entfernung nicht zu dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen gehört!
  • "Weißmacher-Zahnpasten" oder wie auch immer sich diese Zauberpasten nennen, sind meist wirkungslos, oder sie enthalten starke Schmirgelstoffe bzw. Säuren, welche den Zahn angreifen und das Zahnfleisch schädigen. Hände weg davon! - eine Professionelle Zahnreinigung" (PZR) (s.u.) ist auf Dauer billiger.
    Eine Studie der Universität Zürich hält die herstellerempfohlene Anwendung bei den "Weißmachern" Cleanic dent®, Rembrandt original®, und Settima® für vertretbar, warnt aber vor einem Dauergebrauch!
  • Über gewisse Erfolge bei der Entfernung zuhause wird von den Schallzahnbürsten (s.o.) berichtet.
  • Pulverstrahlgeräte - "Air-Flow" oder mit ähnlichem Namen - angewandt in einer Zahnarztpraxis entfernen die Beläge auch in versteckten Winkeln zuverlässig und schonend, werden aber i.d.R. von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt ( Näheres im Lexikonteil)
  • Eine noch besseres Langzeitergebnis wird im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung (s.u.) erzielt, da hierbei noch eine zusätzliche Politur der Zahnoberfläche stattfindet - und auf glatten Oberflächen bleiben Beläge sehr viel schwerer haften.
Professionelle Zahnreinigung

 

 

Eine der wohl wirksamsten Vorbeugungsmaßnahmen für die Zähne und das Zahnfleisch - nur in einer zahnärztlichen Praxis durch eine(n) "Profi" möglich:

Die PZR gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung und so verlassen sich immer mehr Menschen bei der Zahnpflege und -reinigung nicht nur auf ihre Zahnbürste, sondern setzen zusätzlich auf die professionelle Zahnpflege beim Zahnarzt. Dies belegt auch eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag von Colgate (2003), bei der 55 % aller Befragten angab, schon einmal eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch genommen zu haben.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die PZR im Abstand von sechs Monaten die ideale Ergänzung zum gründlichen Putzen ist, um Zähne und Zahnfleisch gesund zu erhalten. Je nach individuellem Erkrankungsrisiko sind jedoch andere Zeitintervalle sinnvoll.
PZR-Leistung werden nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen; bei den Privaten Krankenkassen erfolgt eine Erstattung abhängig vom jeweils gewählten Tarif. Die Kosten sind abhängig vom Zeitaufwand, sie dürften sich bei einer "normalen" PZR an 100 - 150  € orientieren; unbedingt vorher einen Kostenvoranschlag geben lassen!

Patienteninfo der Bundeszahnärztekammer: ©: BZAEK.

Wie sieht die tägliche Zahnpflege
    bei den Deutschen aus?



Soll und Ist der gängigen Mundpflege-produkte

 

Bei der Zahnhygiene ist das Gros der Deutschen ziemlich vorbildlich, zu kurz kommen allerdings bei vielen noch die Zahnzwischenräume. Laut einer repräsentativen Umfrage der "Apotheken Umschau" (2013) putzt die große Mehrheit (73,1 Prozent) ihre Zähne zweimal täglich, morgens und abends, 13,5 Prozent widmen sich dreimal am Tag der Pflege ihrer Zähne... weiterlesen.

2014 betrug der Umsatz für Zahn- und Mundpflegeartikel in D 1,4 Milliarden Euro.

2014 wurden nach den zahnärztlichen Mitteilungen:

- hat jeder Deutsche 5,2 Tuben Zahnpasta verbraucht und 2,9 Zahnbürsten verwendet. Die BZÄK empfiehlt 7,3 Tuben und 4 Bürsten.

- verwendete jeder Deutsche 20,1 VE Zahnseide und 1,4 Interdentalbürsten. Empfohlen werden 365 VE Zahnseide und 52 Interdentalbürsten.

[ Autor: Dr. Klaus de Cassan ]  
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